C5 Aircross/Grandland X/3008: Test Kompakt-SUV im Vergleichstest

von Marcel Kühler 21.05.2019
Inhalt
  1. Citroën C5 Aircross, Opel Grandland X und Peugeot 3008 im Test
  2. Fahrkomfort: Citroën C5 Aircross verwöhnt mit markentypischen Tugenden
  3. Motor/Getriebe: Alle Testwagen mit 1,8-Liter-Turbobenziner
  4. Fahrdynamik: Opel Grandland X gewinnt mit leichtem Vorsprung
  5. Umwelt/Kosten: Citroën C5 Aircross überzeugt mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis
  6. Messwerte und technische Daten Citroën C5 Aircross, Opel Grandland X & Peugeot 3008

Citroën C5 Aircross, Opel Grandland X und Peugeot 3008 sind mehr als nur Brüder im Geiste. Sie bauen auf derselben PSA-Konzern-Plattform auf, bieten dabei aber ganz individuelle Vorzüge. Doch welcher der Kompakt-SUV französischer Herkunft ist der bessere Allrounder? Die Antwort liefert der Test!

Gesamtbewertung (max. Punkte)CitroënOpelPeugeot
Karosserie (1000)614613600
Fahrkomfort (1000)717710705
Motor/Getriebe (1000)576592584
Fahrdynamik (1000)598627620
Eigenschaftswertung (4000)250525422509
Kosten/Umwelt (1000)390364371
Gesamtwertung (5000)289529062880
Platzierung213

Wer sich dem Citroën C5 Aircross, dem Opel Grandland X und dem Peugeot 3008 unbedarft und ohne Hintergrundwissen nähert, dürfte wohl kaum auf die Idee kommen, dass unter den höchst unterschiedlich geformten Blech-Außenhäuten dieselbe von Peugeot entwickelte technische Architektur steckt. Zu groß sind die Unterschiede im Charakter der Designsprachen. Aber auch sonst bewahren sich die drei kompakten Kraxler trotz Einheitsmotorisierung, im vorliegenden Fall ein 180 PS starker Turbobenziner mit Achtstufen-Automatik, jeweils ihren eigenständigen Charme.

 

Citroën C5 Aircross, Opel Grandland X und Peugeot 3008 im Test

Dies wird im Test auch beim Blick in die Innenräume offensichtlich. Während der Peugeot 3008 mit einer coolen, beinahe Lounge-artigen Architektur samt Mini-Lenkrad und elegantem Stoffbezug auf dem Armaturenträger aufwartet, verströmt das Cockpit des Citroën C5 Aircross mit seinen farbigen Akzenten jugendliche Frechheit. Der Opel Grandland X hingegen ist, nun ja, sehr deutsch, also mit einer gehörigen Portion Pragmatismus eingerichtet. Das heißt, dass er Nutzerfreundlichkeit und Funktionalität eindeutig über Chic stellt. Immerhin erleichtert dieser Ansatz die Bedienung. Recht geräumig sind übrigens alle drei SUV, selbst wenn die optionalen Panorama-Dächer, mit denen die Testwagen von Citroën und Peugeot ausgestattet sind, großgewachsenen Menschen wertvolle Kopffreiheit nehmen. Mit seinem außergewöhnlich gestalteten Fond grenzt sich der C5 Aircross indes überraschend deutlich von seinen Verwandten ab. Der Citroën verfügt hier als Einziger über drei relativ breite Einzelsitze, die es beispielsweise erlauben, zwei Kindersitze und eine erwachsene Person hinten zu platzieren. Kehrseite der Medaille: Die äußeren Mitreisenden sitzen sehr nah an den Türen, was die seitliche Bewegungsfreiheit recht massiv einschränkt. Aus diesem Grund erreicht der C5 für das Platzangebot in Reihe zwei die gleiche Punktzahl wie der Peugeot 3008, obwohl Letzterer noch etwas weniger Kopffreiheit bietet. Einsame Spitze hingegen ist der Aircross beim Kofferraumvolumen (580 bis 1630 Liter) und was die Flexibilität angeht. Nur er bietet eine Verschiebemöglichkeit der hinteren Sitzgelegenheiten sowie eine dreiteilig umklappbare Rücksitzlehne. Schade nur, dass der C5 auf den klappbaren Beifahrersitz verzichten muss, den der 3008 bereits serienmäßig mitbringt. Dieses nützliche Detail fehlt auch dem Opel, der somit für seine Variabilität die wenigsten Zähler erhält. Dass der pfiffige Citroën das jüngste Auto in diesem Trio ist, wird auch beim Blick in die Sicherheitsausstattung  deutlich. Hinausgehend über das gemeinsame serienmäßige Assistenzrepertoire, bestehend aus autonomer Notbremse, Verkehrszeichenerkennung oder Spurhaltehilfe, lässt sich der C5 als Einziger mit einer autonomen Staufunktion bestücken. Und auch ein Anhänger-ESP bietet er allein. Da diese, wie auch die meisten anderen Features, jedoch Aufpreis kosten, kann er sich nicht von den anderen beiden Konzern-Modellen absetzen, die bereits ebenfalls viele wichtige Assistenten mitbringen.

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Fahrkomfort: Citroën C5 Aircross verwöhnt mit markentypischen Tugenden

Doch auch beim Fahren sticht der Citroën C5 Aircross eindeutig aus dem Trio heraus, indem er sich auf eine – bei vielen Modellen etwas vernachlässigte – urfranzösische Tugend besinnt: den Federungskomfort. Gerade auf der Autobahn gleicht die bei allen C5-Varianten serienmäßige Advanced-Comfort- Federung sämtliche Fahrbahnschäden wie lange und kurze Wellen souverän aus und verweist seine technisch engen Verwandten, deren Aufbauten selbst auf vermeintlich ebenen Strecken permanent in Bewegung geraten, damit klar in die Schranken. Mit maximaler Beladung schrumpft der Vorsprung allerdings, da der Citroën dann nur wenig sensibler als der Opel und der Peugeot auf Kanten anfedert und die Reserven des Set-ups ähnlich früh erschöpft sind wie bei den Wettstreitern. Der Opel Grandland X und der Peugeot 3008 bestreiten den Test mit bequemen Optionssitzen, die das Gütesiegel der Aktion Gesunder Rücken tragen und sogar mit einer Massagefunktion ausgestattet sind. Aber auch das vergleichsweise plüschig weiche Mobiliar im C5 ermöglicht prinzipiell langes Reisen problemlos. Allerdings verfügen die Vordersitze, die im Gegensatz zur Konkurrenz keine einstellbare Lendenwirbelstütze aufweisen, nur über eine recht kurze Rückenlehne. Zudem stören sich Langbeiner an der fehlenden Sitzflächenverlängerung. Bei den bereits beschriebenen Einzelsitzen im Fond sorgen hingegen bei Erwachsenen die Gurtschlösser für Verdruss, die sich unangenehm in den Allerwertesten drücken. Dafür glänzt der Aircross mit akustischer Zurückhaltung. Auch wenn das Messgerät dem Opel-Interieur die geringsten Schalldruckpegel attestiert, geht es subjektiv im Citroën leiser zu. Einen wichtigen Anteil an diesem Eindruck haben die geringeren Abrollgeräusche sowie der etwas besser schallisolierte Motor.

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Citroën C5 Aircross (2019): Motor & Ausstattung Vier von fünf Sterne beim Crashtest

 

Motor/Getriebe: Alle Testwagen mit 1,8-Liter-Turbobenziner

Der 180 PS starke und 1,6 Liter große Turbobenziner, der beim Test in allen Kandidaten seinen Dienst verrichtet und dank serienmäßigem Partikelfilter die strenge Abgasnorm Euro 6d-Temp erfüllt, tönt besonders bei hohen Drehzahlen in jedem der drei Interieurs recht kernig vor sich hin. Die alternativlos daran gekoppelte Achtstufen-Automatik macht im Wesentlichen einen guten Job. Lediglich beim Zurückschalten könnten die Gangwechsel etwas sanfter ausfallen. Dafür generiert die Motor-Getriebe-Kombination muntere Fahrleistungen und beschleunigt den Opel Grandland X wie auch den Peugeot 3008 in ordentlichen 8,4 Sekunden aus dem Stand auf Landstraßentempo. Der Citroën C5 Aircross benötigt für dieselbe Übung 8,8 Sekunden und ist mit einer Spitzengeschwindigkeit von 216 km/h auch auf der Autobahn marginal langsamer. Erwartungsgemäß dicht beieinander liegt das Trio ferner, was die Verbrauchswertung angeht. Der C5 Aircross und der 3008 verbrennen mit 8,6 beziehungsweise 8,5 Litern quasi gleich viel Kraftstoff pro 100 Kilometer. Der Grandland X, mit 1457 kg Leergewicht merklich leichter als die Franzosen, gibt sich mit 8,2 Litern zufrieden. Mit etwas Zurückhaltung im rechten Fuß lassen sich aber in allen drei Fällen Effizienzwerte erzielen, die auf dem Niveau der (WLTP-)Herstellerangaben liegen, wie die jeweiligen von uns ermittelten Sparfuchs-Verbräuche von knapp über sechs Litern beweisen.

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Fahrdynamik: Opel Grandland X gewinnt mit leichtem Vorsprung

Mit seiner konsequent auf Komfort getrimmten Fahrwerksabstimmung fängt sich der Citroën C5 Aircross in den querdynamischen Testdisziplinen zwangsläufig kleinere Nachteile ein. Er wirkt aufgrund der im Vergleich zum Opel und zum Peugeot weniger direkten und rückmeldungsfreudigen Lenkung sowie des deutlich behäbigeren Einlenkverhaltens samt starker Seitenneigung der Karosserie bei flotter Kurvenfahrt stets etwas träge. Der Opepl Grandland X und der Peugeot 3008 geben sich dagegen sowohl auf gewundenen Landstraßen als auch auf der Rundstrecke lebendiger. Die im Vergleich zum C5 deutlich flotteren Rundenzeiten auf dem Handlingkurs, aber auch das höhere Geschwindigkeitsniveau der beiden in der Slalomgasse untermauern diesen Eindruck. Eine gemeinsame Eigenschaft gibt es aber: Der elektronische Rettungsanker (ESP) drosselt in allen drei Testkandidaten bei ambitionierter Kurvenfahrt das Tempo rigoros – und das meistens vor dem Erreichen des eigentlichen fahrdynamischen Limits. Aber nicht nur deswegen präsentiert sich das Trio ausnahmslos extrem fahrsicher. Selbst provozierte Lastwechsel können keinen der grundsätzlich sehr neutral liegenden Kraxler aus der Ruhe bringen. Ferner stellen wir weder beim Citroën noch bei Opel oder Peugeot Traktionsprobleme fest. Dennoch gibt es im Fahrdynamik-Kapitel einen Spitzenreiter, und der heißt Grandland X. Die insgesamt kürzesten Bremswege sichern dem Franko-Rüsselsheimer den ersten Platz mit knappem Vorsprung vor dem Peugeot 3008.

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Neuer Opel Grandland X (2017): Erste Testfahrt Erster Schnelltest mit dem Grandland X

 

Umwelt/Kosten: Citroën C5 Aircross überzeugt mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis

Im Kostenkapitel bleibt dem Opel hingegen nur der letzte Platz. Er ist sowohl vom Basis- als auch vom bewerteten Preis her das teuerste SUV im Testfeld und muss absolut gesehen den höchsten Wertverlust verkraften. Da  helfen ihm auch die – bedingt durch den genügsamen Durst – geringsten Kraftstoffkosten und die vergleichsweise günstigen Versicherungseinstufungen nicht weiter. Der Citroën C5 Aircross ist bereits in der zweiten von vier Ausstattungslinien erhältlich und somit in puncto Einstandspreis, aber auch unter Berücksichtigung der wertungsrelevanten Extras das preiswerteste Angebot in diesem Trio. Satte 5695 Euro liegen zwischen ihm und dem Opel Grandland X. Deshalb holt er sich mit respektablem Vorsprung auf die Verfolger hier den Kapitelsieg. Der Peugeot 3008 ist ausschließlich als luxuriöses Allure-Modell zu haben und dadurch ähnlich kostspielig wie der Grandland X, kann sich aber wegen der umfangreichen Multimedia-Ausstattung in der Kapitelwertung noch vor dem Opel platzieren.

Fahrbericht Neuer Peugeot 3008
Neuer Peugeot 3008 (2017): Erste Testfahrt Peugeot 3008 im Fahrbericht

 

Messwerte und technische Daten Citroën C5 Aircross, Opel Grandland X & Peugeot 3008

AUTO ZEITUNG 8/2019Citroën C5
Aircross PureTech 180
Opel Grandland X
1.6 Direct Injection Turbo
Peugeot 3008
PureTech 180
Technik
Zylinder/Ventile pro Zylin.4/4; Turbo4/4; Turbo4/4; Turbo
Hubraum1598 cm³1598 cm³1598 cm³
Leistung133 kW/180 PS133 kW/180 PS133 kW/180 PS
Max. Gesamtdrehmoment250 Nm250 Nm250 Nm
Getriebe/Antrieb8-Stufen-Automatik/
Vorderrad
8-Stufen-Automatik/
Vorderrad
8-Stufen-Automatik/
Vorderrad
Messwerte
Leergewicht (Werk/Test)1430/1533 kg1425/1457 kg1430/1535 kg
Beschleunigung (Test)   
0 - 100 km/h8,8 s8,4 s8,4 s
0 - 150 km/h18,5 s18,2 s17,8 s
Höchstgeschwindigkeit (Werk)216 km/h222 km/h219 km/h
Bremsweg aus 100 km/h
kalt/warm (Test)
36,1/35,2 m35,3/34,8 m35,9/34,9 m
Verbrauch (Test/WLTP)8,6/7,1 l S/100 km8,2/7,1 l S/100 km8,5/7,1 l S/100 km
CO2-Ausstoß (Test/WLTP)204/161 g/km194/161 g/km201/161 g/km
Preise
Grundpreis29.890 Euro34.850 Euro34.700 Euro
Testwagenpreis30.390 Euro36.085 Euro35.800 Euro

Fahrbericht Citroën C5 Aircross (2018)
Neuer Citroën C5 Aircross (2018): Erste Testfahrt C5 Aircross will den Komfort-Pokal
 

von Marcel Kühler von Marcel Kühler
Unser Fazit

Mit der urfranzösischen Tugend des flauschigen Federungskomforts sowie variablem Innenraum gewinnt der pfiffige Citroën C5 Aircross die Meisterschaft der Herzen, aber nicht den Vergleichstest. Ganz oben auf dem Siegerpodest landet stattdessen der Opel Grandland X. Er bietet rundum ein sehr großzügiges Raumangebot, verbraucht am wenigsten Kraftstoff und glänzt mit den insgesamt kürzesten Bremswegen. In der Eigenschaftswertung noch auf Platz zwei liegend, verspielt der Peugeot 3008 die Silbermedaille im Gesamtranking durch den gegenüber dem C5 Aircross deutlich höheren bewerteten Preis. Der äußerst geringe Punkteabstand zwischen Rang eins und drei beweist jedoch, dass jeder Protagonist dieses deutsch-französischen Vergleichs eine gute Wahl ist.

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