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Vorstellung

BMW E36 mit V8: Der etwas andere M3

Dieser 3er hat einen M-Motor unter der Haube. M steht hier allerdings nicht für Motorsport, sondern für Mercedes. Der BMW hat sich nämlich einen M113 mit acht Zylindern und Stuttgarter Geburtsurkunde einverleibt.

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BMW E36 mit Mercedes-V8, fotografiert von schräg vorne.
Der gut erhaltene BMW 3er ergibt mit dem V8 von Mercedes ein rüstiges Gespann. Foto: JMSpeedShop via Youtube
BMW E36 mit Mercedes-V8, fotografiert von vorne.
Der tiefgezogene Frontspoiler soll im Verbund mit dem Heckflügel für Abtrieb sorgen. Foto: JMSpeedShop via Youtube
BMW E36 mit Mercedes-V8, fotografiert von schräg hinten.
Eigentlich gab es den E36 nur mit Vier- und Sechszylindern. Dieser hier aber hat einen V8 unter der Haube. Foto: JMSpeedShop via Youtube
Motor des BMW E36 mit Mercedes-V8, fotografiert von schräg oben.
Und zwar einen M113 aus Mercedes-Produktion, der den Motorraum komplett ausfüllt. Der Fünfliter bringt es auf deutlich über 300 PS. Foto: JMSpeedShop via Youtube
Vorderrad des BMW E36 mit Mercedes-V8, fotografiert von der Seite.
In den Neunzigern füllten 17-Zöller gängige Radhäuser noch gut aus. Foto: JMSpeedShop via Youtube
Instrumente des BMW E36 mit Mercedes-V8, fotografiert von hinten.
Der naturbelassene Tacho reicht nur bis 250 km/h. Da hat der Mercedes-V8 noch reichlich Drehzahlreserven. Foto: JMSpeedShop via Youtube

Im E36 gab es eigentlich keinen V8 - und schon gar keinen von Mercedes

BMW und Mercedes zählen zu den beliebtesten und wertvollsten Automarken. Die Schnittmenge derer, die sowohl die Freude am Fahren als auch das Beste oder nichts zelebrieren, ist aber vergleichsweise klein. Zu groß sind die Unterschiede zwischen BMW-Bewunderern und Benz-Bevorzugern, Bayern und Schwaben, Weißbier und Butterbrezel. Wobei die letzte Paarung ja schon anzeigt, dass die Verbindung beider Elemente durchaus gewinnbringend sein kann. Ein schraubbegabter Holländer namens Robby hat das erkannt und, wenn nicht den Jordan, so doch bildhaft die Tauber überschritten, um ein solches Zwitterwesen zu schaffen. Robby hat sich seinen gut erhaltenen E36 hergenommen und ihm einen rüstigen M113 eingepflanzt. So weit, so sehr gut.

So einfach ging der Motor-Swap natürlich nicht über die Hebebühne. Der E36 war ja ursprünglich nur mit Vier- und Sechszylindern zu haben. Um dem zierlichen 3er einen V8 mit fünf Liter Hubraum unter die Haube zu klemmen, bedurfte es einiger Umräumarbeiten. Die ABS-Pumpe und der Ölkühler zogen deshalb um. Auch für die Motorhalterungen und die Airbox musste der Holländer Lösungen ersinnen. En passant ersetzte er die serienmäßigen Nockenwellen des Dreiventilers durch die steileren Nocken der AMG-Ausführung, die als Sauger zwischen 347 und 400 PS (255 und 294 kW) auf die Kardanwellen praktisch aller heckgetriebenen Mercedes der 2000er-Jahre losließ.

Der Lohn der Arbeit: Robby hat jetzt ungefähr so viel Leistung unter dem Gasfuß wie im E36-M3 mit dem vom M1 abgeleiteten Sechszylinder, der als Sammelobjekt aber um ein Vielfaches teurer ist. Zugleich darf er sich über einen hochexklusiven, verfrühten „V8-M3“ freuen, der augenscheinlich schon lange vor dem E90 mit einem Achtzylinder durch die Gegend stolzierte.

Der BMW E36 mit Mercedes-V8 im Video

Das schwäbisch-bayerische Zwitterwesen spotzt vor Lebensfreude

Der Sauger ist auch mit ungeübten Ohren sofort als V8 identifizierbar. Er blubbert und spotzt vor Selbstbewusstsein und Lebensfreude, macht aus dem rund 1300 kg leichten BMW-Häppchen ein sternschuppenschnelles Geschoss. Die naturbelassene Tachoskala endet bereits bei 250 km/h. Da hat der Mercedes-V8 noch einige Drehzahlreserven, die er ob seines kolossalen Drehmoments aber gar nicht mobilisieren muss. Um den Mercedes-BMW auf der Straße zu halten, ließ ihm sein Schöpfer Dämpfer von BC Racing und Bremsen des E46 angedeihen. Ein Bodykit mit Frontspoiler und Heckflügel soll den „Schwajuwaren“ auch bei hohen Geschwindigkeiten auf einer kontrollierbaren Flugbahn halten.

Hohe Tempi erreicht der V8-M3 regelmäßig, denn Robby nutzt den Wagen auch als Tracktool. Nicht nur auf der Nordschleife greift er beherzt ins Momo-Lenkrad und rührt mit dem rekordverdächtig langen Speedshifter im manuellen Sechsgang-Getriebe. Verzurrt wird er dabei von fest installierten Schalensitzen, während sich in seinem Rückspiegel ein schwarzer Käfig breitmacht, der die Rückbank ersetzt. Ohne Diskriminierung überholt er dabei sowohl Gegenspieler mit dem Propeller-Logo als auch solche mit dem Stern.

Es ist schon fast ironisch: Ein Holländer muss uns Deutschen vorführen, dass unsere Fetisch-Marken sich nicht nur Konkurrenz machen, sondern auch zusammenarbeiten dürfen. BMW und Mercedes sollten zur Kooperation verdammt werden. So könnte etwa der Mercedes-AMG C 63 mit dem V8 aus dem M5 Vertrauen und Käufer:innen zurückgewinnen. Im Gegenzug könnte das hybride 1063-PS-Agregat aus dem Mercedes-AMG One einen BMW-AMG „M22“ zu neuen Höchstleistungen beflügeln.