Fakten und Mythen

Nicht so dufte: Der Audi Quattro hätte fast wie ein Parfüm geheißen

Quattro steht seit 1980 für Audis revolutionäres Allrad-Coupé und den Vierradantrieb der vier Ringe im Allgemeinen. Fast aber hätte der Sportler Audi Carat geheißen, wie das Parfüm von 4711. Wir erzählen die kuriose Geschichte dahinter und wie es Projektleiter Walter Treser gelang, den Fauxpas zu verhindern.

Collage mit Audi Quattro und Carat-Parfüm
Als sich das VW-Marketing für den Parfüm-verdächtigen Namen Audi Carat stark machte und Walter Treser den Quattro ins Spiel brachte, roch es bei VAG nach Ärger. Foto: Frank Ratering/4711/KI-generiert
Auf Pinterest merken

Strategiesitzung der obersten Häuptlinge von VAG in Wolfsburg 1979: Es waren nur noch wenige Monate, bis Audis lang ersehnter Allradsportler Anfang März 1980 auf dem Genfer Autosalon präsentiert werden sollte. Das Auto war fertig, der Name eigentlich auch: Audi Carat. Das hatte sich zumindest die Marketingabteilung am Mittellandkanal aus den Buchstaben-Bausteinen Coupé-All-Rad-An-Trieb gebastelt.

Doch Projektleiter Walter Treser hatte andere Pläne: Er wollte keinen simplen Namen für das neue Auto, sondern einen prägenden Gattungsbegriff. Das war Porsche fünf Jahre zuvor mit dem 911 Turbo perfekt gelungen. Alle sprachen nur noch vom „Turbo“ und jede:r wusste, was gemeint war. Aber es kam noch schlimmer für den Audi: Tresers Gattin hatte ihren Mann darauf hingewiesen, dass die Parfümfirma 4711 einen Duft namens Carat anbot.

Der Audi Q6 Sportback e-tron im Fahrbericht (Video)

Video Platzhalter
Video: AUTO ZEITUNG

Ruchloser Einsatz von Treser: So setzte er den Audi Quattro statt des Carat durch

Also steckte der Ingenieur seine Nase tief in die Marketing-Angelegenheiten und hirnte Tag und Nacht auf dem Vierradantriebs-Coupé herum, bis ihm der Name Quadro kam. Das wiederum klang aber seinem Chef Ferdinand Piëch zu stumpf, er machte Quattro daraus und nahm Treser – mit einer Flasche Carat-Parfüm bewaffnet – mit zu besagter Strategiesitzung nach Wolfsburg.

Dann folgte der große Moment, der die Wahrnehmung von Audis Allrad-Kompetenz für immer verändern sollte. Als der Vorstand den Carat offiziell absegnen wollte, platzierte Treser den Flakon auf den Tisch: „Da war ich tatsächlich so frech und hab gesagt: Na, ihr werdet aber doch das schöne Auto nicht nach einem Hausfrauenparfüm nennen wollen“, wie sich der 2021 verstorbene Ingenieur später erinnern sollte.

Sein Quattro-Gegenvorschlag konnte die Chefetage von VW und Audi tatsächlich überzeugen, der Rest ist Geschichte. Noch heute tragen alle Audi mit Allradantrieb „Quattro“ in der Modellbezeichnung und von 1983 bis 2016 firmierte die Sportabteilung der vier Ringe sogar als Quattro GmbH.

Interessanterweise war das VW-Marketing auch nach der Parfüm-Geschichte noch voll vom Carat überzeugt. Vielleicht auch aus stinkigem Trotz führte man in den 80ern die gleichnamige Luxusausstattung für Golf, T3 und Co. ein. Hier passte der Begriff deutlich besser, denn er klang nach Vergolden, hochkarätig. Nicht nach einem Auto, mit dem Walter Röhrl durch den winterlichen Schneematsch der Seealpen driften würde.

Quellen

  • Alte Schule – die goldene Ära des Automobils