Audi Q4 e-tron/BMW iX3/Ioniq 5: Vergleichstest Ioniq 5 stellt sich Audi Q4 und BMW iX3

von Markus Schönfeld 20.09.2021
Inhalt
  1. Audi Q4 e-tron, BMW iX3 und Ioniq 5 im Vergleichstest
  2. Fahrkomfort: Satter Komfort im BMW iX3
  3. Motor/Getriebe: Ioniq 5 Schnellster im Sprint auf 100 km/h
  4. Fahrdynamik: Das ESP bremst die Dynamik im Audi Q4 e-tron aus
  5. Umwelt/Kosten: BMW iX3 mit hohen Anschaffungskosten
  6. Messwerte & technische Daten Audi Q4 e-tron, BMW iX3 und Hyundai Ioniq 5

Im Vergleichstest trifft der Ioniq 5 von Hyundai auf die Elektro-SUV Audi Q4 e-tron 50 quattro und BMW iX3. Es wird spannend.

Gesamtbewertung (max. Punkte)Audi
Q4 e-tron
50 quattro
BMW
iX3
Hyundai
Ioniq 5
4WD
(72,6 kWh)
Karosserie (1000)658716685
Fahrkomfort (1000)732740735
Motor/Getriebe (1000)730742752
Fahrdynamik (1000)696683738
Eigenschaftswertung (4000)281628812910
Kosten/Umwelt (1000)314931873267
Gesamtwertung (5000)314931873267
Platzierung321

Die beiden deutschen Konkurrenten Audi Q4 e-tron und BMW iX3 wirken im Vergleichstest gegen den Ioniq 5 von Hyundai wie biedere Musterschüler. Doch zählt das am Ende für den Sieg in einem Vergleichstest? Auf dem Redaktionsparkplatz der AUTO ZEITUNG geht es manchmal zu wie auf einer kleinen Automesse. Schließlich tummeln sich auf dem ordentlich verlegten Betonboden stets die neuesten Modelle aus allen Fahrzeug-Kategorien, warten auf eine Testfahrt oder eine spektakuläre Fotoproduktion. Man kann sich vorstellen, welche automobilen Träume hier im Laufe der Jahre parkten. Doch nur selten erregte ein Exemplar eine solche Aufmerksamkeit wie der neue Ioniq 5. Das galt sowohl für erfahrene Testredakteur:innen wie auch für unbeleckte Passant:innen. Dieser kantige Elektro-Koreaner steht da wie ein riesiges Ausrufezeichen auf vier Rädern. "Ich bin die Zukunft!", hört man ihn förmlich sagen. Und es ist nicht nur das Design, das Interesse weckt. Auch Konzept und Technik sind erfrischend anders. Ladefähigkeit bis 220 kW, Liegesitze mit Relax-Funktion für gemütliche Pausen, Fußräume so groß wie Schlafkabinen – und man hat die Wahl zwischen Blech-, Glas- oder Solardach. Viel mehr als andere Elektroautos erzeugt der Ioniq 5 wahre Vorfreude auf das, was da nach der Energiewende kommt. Und damit ist er schon jetzt einer der sympathischsten und gefragtesten Botschafter der Elektromobilität.



Der Hyundai Ioniq 5 (2021) im Video:

 
 

Audi Q4 e-tron, BMW iX3 und Ioniq 5 im Vergleichstest

So richtig kann man den Ioniq 5 im Vergleichstest mit Audi Q4 e-tron und BMW iX3 nicht einordnen. Irgendwo zwischen einem SUV und einem großen Hatchback dehnt er sich auf 4,64 Meter Länge und 1,89 Meter Breite aus – baut mit 1,60 Metern Höhe aber flacher als die beiden SUV-Konkurrenten aus Süddeutschland. Es ist vor allem der lange Radstand von genau drei Metern, der dem Ioniq 5 seine außergewöhnlichen Proportionen beschert. Nur zum Vergleich: Die Achsen des Audi Q4 e-tron, der sich die MEB-Plattform mit VW ID.4 und Skoda Enyaq teilt, stehen rund 25 Zentimeter enger zusammen. Damit verschafft Hyundai dem Ioniq 5 einen besonders luftigen Innenraum, der weder durch einen Kardantunnel noch durch ausladende Radhäuser eingeschränkt wird. Im vorderen Fußraum könnte man jedenfalls eine ganze Schar Hühner befördern. Und durch die serienmäßig verschiebbare Rückbank genießt man im Koreaner auch hinten noch beste Bewegungsfreiheit. Konzeptionell hätte auch der Audi Q4 deutlich mehr Raumgestaltungspotenzial. Statt von luftiger Lounge-Atmosphäre wird man im Audi aber von breiten Türverkleidungen und dem wuchtigen Armaturenträger eingeengt. Nach den ersten Vergleichstests des nahezu identisch großen, aber deutlich geräumigeren Konzernbruders VW ID.4 hätten wir uns vom Audi Q4 etwas mehr innovative Raumgestaltung erhofft. Vier Erwachsene mit Gepäck kommen freilich auch in ihm sehr bequem unter. Wie perfekt Raumausnutzung funktionieren kann, zeigt der BMW iX3. Er greift auf das konventionelle Package des X3 zurück, vermittelt deswegen zwar kein Zukunftsgefühl, besticht aber mit einer tadellosen Verarbeitungs- und Materialqualität. In diesem Punkt könnte vor allem der Audi Q4 deutlich mehr auffahren. Im Ingolstädter – der ja zusammen mit den MEB-Geschwistern im hochgerüsteten VW-Werk in Zwickau vom Band läuft – findet man nämlich deutlich mehr Hartplastik, als man es von einem Auto dieser Preisklasse erwartet. Da kann sich der aufregendere Materialmix im Hyundai schon eher sehen lassen. Harte, kratzempfindliche Kunststoffoberflächen findet man aber auch hier, zum Beispiel im Kofferraum. Weil der Innenraum des Ioniq 5 deutlich breiter ist als der von Audi Q4 e-tron und BMW iX3, kann auch das eigentlich flache Frachtabteil mit reichlich Platz protzen. 527 bis 1587 Liter passen unter die Heckscheibe, die nebenbei leider ohne Scheibenwischer auskommen muss. Unter der vorderen Haube versteckt Hyundai noch ein zusätzliches Fach. Das ist bei den Allradmodellen zwar nur 24 Liter groß (bei Heckantrieb: 57 Liter), reicht aber locker, um sämtliche Ladekabel zu verstauen. Obendrein kann das hier getestete Allradmodell 1,6 Tonnen schwere Anhänger an den Haken nehmen. Beim Audi beträgt die Anhängelast 1200 Kilogramm, beim BMW nur 750 Kilogramm. Dennoch gewinnt der BMW iX3 dieses Kapitel des Vergleichstests, weil er schon als Grundmodell nahezu voll ausgestattet ist. Das betrifft vor allem sämtliche Sicherheits- und Assistenzsysteme bis hin zum selbstlenkenden Spur und Abstandshalter. Gegen Aufpreis gibt es ähnlich gut funktionierende Systeme aber auch bei Audi Q4 e-tron und Ioniq 5.

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Fahrkomfort: Satter Komfort im BMW iX3

Auch wenn Elektro-Autos sicher nicht die erste Wahl sind, wenn es um lange Reisen geht – diese drei sind durchweg langstreckentauglich. Niedrige Innengeräuschpegel, bequeme Sitze, reichlich Ablagen und Verstaumöglichkeiten bieten sowohl Audi Q4 e-tron als auch BMW iX3 und Hyundai Ioniq 5. Und die Fahrwerke sind bei allen grundsätzlich auf Komfort ausgelegt. Über ebenen Asphalt rollt dabei der Audi im Vergleichstest am besten. Allerdings können ihn Schlaglöcher oder harte Querfugen schnell aus der Contenance bringen. Beim Hyundai Ioniq 5 dringen solche Stöße dagegen nur von der Hinterachse in den Innenraum durch. Selbst auf Beton-Autobahnen kann das stets zu leichten Bewegungen führen. Dass die Fünflenkerachse, in die auch Antriebswellen und Radlager integriert sind, noch etwas Feinschliff braucht, zeigen auch die leichten Vibrationen, die zwischen 50 und 100 km/h von den Hinterrädern durchsummen. Der BMW iX3 geht dagegen mit der von BMW gewohnten Sattheit selbst über üble Pisten. Schwere Zuladung spürt man bei ihm dafür am deutlichsten.

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Motor/Getriebe: Ioniq 5 Schnellster im Sprint auf 100 km/h

Ihre schweren Batteriepakete verstecken Audi Q4 e-tron, BMW iX3 und Ioniq 5 nicht nur in diesem Vergleichstest im Unterboden. Und der Hauptantrieb – ein starker Synchron-Elektro-Motor – sitzt bei allen an der Hinterachse. Stark heißt in diesem Fall zwischen 150 und 210 kW. Audi und Hyundai spendieren ihren Topmodellen noch eine weitere E-Maschine an der Vorderachse. Das macht sie nicht nur zu Allradlern, sondern auch zu ausgewiesenen Sprintern. Der gut zwei Tonnen schwere Ioniq 5 schießt etwa aus dem Stand in nur 5,1 Sekunden auf Tempo 100. Bestwert in diesem Vergleichstest! Beim Audi sind es 6,4 Sekunden. Doch auch der BMW iX3 mit Heckantrieb krallt sich mit seinen 275 Millimeter breiten Hinterreifen beachtlich in den Asphalt und schafft die Prüfung in 6,5 Sekunden. Zum Vergleich: Das ist ungefähr so schnell, wie ein aktueller VW Golf GTI beschleunigt. Und ganz nebenbei glänzt der iX3 mit dem geringsten Verbrauch. Für 100 Kilometer reichen ihm im Schnitt 19,4 Kilowattstunden – trotz Volllastanteil auf der Autobahn. Der Hyundai verlangt mit 20,1 kWh jedoch nur nach etwas mehr Strom. Im Audi müssen nach der gleichen Strecke 21,6 kWh nachgeladen werden. Apropos Laden: Hier setzt Hyundai ein weiteres Ausrufezeichen, denn der Ioniq 5 kann wie sonst nur deutlich teurere E-Autos mit 800-Volt-Technik nachgeladen werden. Während die Ladeleistung bei Audi auf 125 kW und bei BMW auf 150 kW begrenzt ist, zieht sich der Koreaner – sofern verfügbar – bis zu 220 kW aus dem Schnelllader. In der Praxis kann die Ladezeit auf diese Art halbiert werden. Von 10 auf 80 Prozent geht es in nur 18 Minuten. Chapeau!

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Fahrdynamik: Das ESP bremst die Dynamik im Audi Q4 e-tron aus

Als hätten wir den Hyundai Ioniq 5 im nicht schon genug gelobt – ausgerechnet im Fahrdynamik-Kapitel des Vergleichstests zeigt der Ioniq 5 Audi Q4 e-tron und BMW iX3 endgültig die lange Nase. Lenkung, Traktion, Dosierbarkeit der Bremse, Fahrspaß – alles funktioniert gerade im Sportmodus tadellos. Der Allradler mutiert regelrecht zum bissigen Kurvenräuber, auch wenn geringer Seitenhalt und starke Seitenneigung keinesfalls auf sportliche Ambitionen schließen lassen. Bei ausgeschaltetem ESP lässt sich aber sogar das Heck spielerisch zum Eindrehen bewegen, ohne dabei auch nur den Anschein von Panik aufkommen zu lassen. Dagegen nimmt die Elektronik von Audi und BMW ihre Stromer übertrieben eng an die Kette. Zwar ist bei Audi Q4 e-tron quattro und BMW iX3 die Leistungsdosierung am Kurvenausgang sehr feinfühlig geregelt, freizügigen Fahrspaß erlebt man in den beiden deutschen SUV aber nicht. Weil der Hyundai im Handling ungezwungener aufspielt und auf seinen 20-Zöllern dazu auch noch die besten Bremswerte abliefert, liegt er in der Fahrdynamik-Wertung deutlich vorn.

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Umwelt/Kosten: BMW iX3 mit hohen Anschaffungskosten

Der BMW iX3 wird mit zwei extrem voll gepackten Ausstattungsvarianten angeboten. Das verhagelt dem Münchener allerdings eine gute Kostenbilanz im Vergleichstest mit Audi Q4 e-tron und Ioniq 5. Das 53.600 Euro-Basismodell des Audi Q4 e-tron hingegen ist noch nicht einmal mit einem Tempomaten ausgestattet. Der kostet beispielsweise 300 Euro Aufpreis. In testrelevanter Konfiguration bleibt der Q4 aber auf dem Niveau des von Haus aus gut bestückten Hyundai Ioniq 5, weil dessen 20-Zoll-Räder nach der gehobenen Techniq-Ausstattung verlangen. Doch mit der vollumfänglichen Acht-Jahres-Garantie zieht der Ioniq 5 sein letztes Ass aus dem Ärmel. Und das sticht nachhaltig zum deutlichen Gesamtsieg im Vergleichstest.

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Messwerte & technische Daten Audi Q4 e-tron, BMW iX3 und Hyundai Ioniq 5

AUTO ZEITUNG 18/2021Audi
Q4 e-tron
quattro
BMW
iX3
Hyundai
Ioniq 5
4WD
(72,6 kWh)
Technik 
E-Motorvorn Asynchronm. (80 kWh),
hinten permanent
err. Synchronmaschine
(150 kWh)
fremd erregte
Synchron-
maschine
hinten
2 permanent
erregte Synchron-
maschinen,
vorn 70 kW,
hinten 160 kW
Systemleistung220 kW/
299 PS
210 kW/
286 PS
225 kW/
305 PS
Systemdrehmoment460 Nm400 Nm605 Nm
BatterieLithium-Ionen,
klimatisiert
Lithium-Ionen,
klimatisiert
Lithium-Ionen,
klimatisiert
Spannung/Kapazität (netto)400 V
76,6 kWh
400 V
74,0 kWh
653 V
72,6 kWh
Max. Ladeleistung DC/AC125 kW/
11 kW
150 kW/
11 kW
220 kW/
11 kW
Ladeanschluss/OrtTyp 2 und CSS/
hinten rechts
Typ 2 und CSS/
hinten rechts
Typ 2 und CSS/
hinten rechts
Getriebe/AntriebKonstant-
übersetzung /
Allradantrieb
Konstant-
übersetzung /
Hinterradantrieb
Konstant-
übersetzung /
Allradantrieb
Messwerte 
Leergewicht (Werk/Test)2135/2230 kg2143/2207 kg2095/2100 kg
Beschleunigung 0-100 km/h (Test)6,4 s6,5 s5,1 s
Höchstgeschwindigkeit (Werk)180 km/h180 km/h185 km/h
Bremsweg aus 100 km/h
kalt/warm (Test)
35,7/35,0 m35,5/35,0 m34,1/34,0 m
Verbrauch auf 100 km (Test/WLTP)21,6/15,4 kWh19,4/14,5 kWh20,1/14,8 kWh
CO2-Ausstoß (Test/WLTP)102/0 g/km92/0 g/km95/0 g/km
Reichweite (Test/WLTP)354/497 km381/510 km361/490 km
Preise 
Grundpreis53.600 €66.300 €48.900 €
Testwagenpreis49.940 €63.825 €49.925 €

von Markus Schönfeld von Markus Schönfeld
Unser Fazit

Wie schnell die Entwicklung der Elektroautos voranschreitet, zeigt dieser Vergleichstest. Denn selbst der drittplatzierte Audi Q4 e-tron 50 quattro kann sich als voll alltagstauglicher, komfortabler und moderner Allrounder in Szene setzen. Die Raumausnutzung ist beim BMW iX3 allerdings besser gelungen. Weil der Münchener obendrein sparsamer unterwegs ist, geht er hier als Zweitplatzierter vom Platz. Die Überraschung in der Elektrowelt kommt derzeit aber aus Korea. Der Testsieger Hyundai Ioniq 5 erfüllt mit seinem innovativen Raumkonzept, der polarisierenden Optik und dem tadellosen Infotainment-System nämlich alle Ansprüche an ein Auto der nächsten E-Generation. Die ultraschnelle Ladetechnik ist in dieser Preisklasse konkurrenzlos – genauso wie die Acht-Jahres-Garantie.

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