iX3/Mustang Mach-E/EQC: Vergleichstest BMW, Ford und Mercedes im Elektro-Vergleich

von Markus Schönfeld 25.05.2021
Inhalt
  1. BMW iX3, Ford Mustang Mach-E und Mercedes EQC im Vergleichstest
  2. Fahrkomfort: Beste Federung im Mercedes EQC
  3. Motor/Getriebe: Ford Mustang Mach-E am kraftvollsten
  4. Fahrdynamik: BMW iX3 bester im Handling
  5. Umwelt/Kosten: Höhere Unterhaltskosten bei Mercedes EQC
  6. Messwerte und technische Daten: BMW iX3, Ford Mustang Mach-E AWD Extended Range und Mercedes EQC 400 4Matic

Dass es bei der Elektro-Mobilität rasant vorangeht, wollen die Newcomer Ford Mustang Mach-E und BMW iX3 dem bereits zwei Jahre alten Mercedes EQC beweisen. Wo man tatsächlich einen Generationsunterschied spürt, zeigt der Vergleichstest.

Gesamtbewertung (max. Punkte)BMW iX3Ford Mustang
Mach-E AWD
Extended Range
Mercedes EQC
400 4Matic
Karosserie (1000)716666674
Fahrkomfort (1000)748722735
Motor/Getriebe (1000)716724705
Fahrdynamik (1000)691679644
Eigenschaftswertung (4000)287127912758
Kosten/Umwelt (1000)302315297
Gesamtwertung (5000)317331063055
Platzierung123

Obwohl die drei Vergleichstest-Konkurrenten BMW iX3, Ford Mustang Mach-E und Mercedes EQC in Abmessungen, Gewichten und Fahrleistungen klar auf Augenhöhe gegeneinander antreten, könnten ihre Entwicklungsansätze nicht unterschiedlicher sein. BMW lässt die Elektro-Mobilität im iX3 so unauffällig wie möglich in ein bereits bestehendes Erfolgs-Package einfließen. Ford schlägt mit dem eigenständigen Mustang Mach-E AWD Extended Range so laut es geht auf die Pauken. Und der Mercedes EQC 400 4Matic versucht mit viel Make-up zu vertuschen, dass er technisch eigentlich auf dem GLC basiert. Welches Rezept am Ende das beste Gesamtergebnis liefert, lässt sich nur im Vergleichstest klären.

Der Mercedes EQC (2019) im Crashtest (Video):

 
 

BMW iX3, Ford Mustang Mach-E und Mercedes EQC im Vergleichstest

Gegen den BMW iX3 haben es Ford Mustang Mach-E und Mercedes EQC im Vergleichstest nicht leicht, denn der 4,73 Meter lange iX3 entspricht in Form und Format exakt dem seit 2017 bekannten X3. Schließlich hat genau diese Baureihe (G01) oft genug bewiesen, dass eine effiziente Raumausnutzung, eine tadellose Verarbeitungsqualität und eine umfangreiche Sicherheitsausstattung das perfekte Fundament für Testsiege bilden. Der Elektro-Mustang wirkt dagegen unkonventionell: deutlich längerer Radstand, Extra-Kofferraum unter der Fronthaube, keine Türgriffe. Doch das Innere des Ford Mustang Mach-E überzeugt mit einer gemütlichen Geräumigkeit, feinen Materialien und guter Verarbeitung. Selbst die Kopffreiheit in zweiter Reihe geht für Großgewachsene noch gerade so in Ordnung. Vor den Knien und neben den Schultern bleibt dafür viel Bewegungsfreiheit. Überhaupt wirkt das Ford-Interieur sehr luftig. Die tiefe Mittelkonsole protzt nur so mit Ablageflächen. Und das imposante Glasdach (optional) erzeugt fast Cabrio-Gefühle. Allerdings lässt es sich weder öffnen noch mit einer Jalousie abdunkeln. Nicht zuletzt entsteht durch den gewaltigen 40-Zentimeter-Touchscreen in der Mitte so etwas wie Wohnzimmeratmosphäre. Das Ablenkungspotenzial des "Fernsehers" ist allerdings gewaltig, zumal auch nicht alle Menüpunkte so intuitiv erreicht werden wie beispielsweise in einem Tesla. Gut, dass der umfangreiche Fahrassistent samt Fahrspurhalter bereits serienmäßig installiert ist. Ein solches Assistenzpaket lässt sich Mercedes im EQC  mit 2297 Euro extra bezahlen. Überhaupt ist die Aufpreisliste hier viel länger als bei den nahezu voll ausgestatteten Rivalen. Allerdings können sämtliche Luxus-Optionen nicht über die etwas lieblose Verarbeitung hinwegtäuschen. Die spektakulär gestaltete Kunststofflandschaft im Cockpit wirkt jedenfalls nicht so edel wie sonst vom Daimler gewohnt. Durch die ausladende Mittelkonsole und die relativ kleinen Fensterflächen fährt man im Mercedes EQC auch eher wie in einem engen Kokon. Immerhin darf das Elektro-SUV als Einziger im Test auch schwerere Anhänger bis zu 1800 Kilogramm ziehen.

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Fahrkomfort: Beste Federung im Mercedes EQC

In Sachen Federungskomfort hat der Mercedes EQC im Vergleichstest mit BMW iX3 und Ford Mustang Mach-E freilich die Nase vorn. Auch wenn man ihm sein stattliches Gewicht von fast 2,5 Tonnen deutlich anmerkt, überrollt der EQC die meisten Unebenheiten extrem gelassen. Das leichte Nachschwingen verführt eher zur gemütlichen Fahrweise. Dagegen wirkt der BMW iX3 mit dem adaptiven M-Fahrwerk deutlich aufgeweckter. Doch auch er lässt sich selbst auf übelsten Straßen nicht aus der Ruhe bringen und beruhigt seinen Aufbau schneller als die Mitstreiter. Auch der Ford Mustang Mach-E gefällt als kommoder Cruiser. Abgesehen von einer leichten Nicktendenz auf Autobahnfugen rollt man im Ami sehr komfortabel durch die Welt. Das liegt auch an den üppig bemessenen und weich gepolsterten Sitzen. Nur die Geräuschdämmung ist im Ford nicht ganz so effektiv gelungen wie bei der Konkurrenz. Hier sticht vor allem der BMW heraus, in dem man weder vom Antriebsstrang noch vom Fahrtwind viel mitbekommt. Dass unser Testwagen mit den optionalen Sportsitzen bestückt ist, mindert den Fahrkomfort keinesfalls. Schließlich sind die Einstellungen vielfältig, und der Seitenhalt ist wirkungsvoll. Das gilt übrigens auch für das Gestühl im Mercedes EQC, das hier mit dem Sitzkomfort- Paket und der einstellbaren Lordosenstütze aufgerüstet wurde. Eine Luftfederung wie im GLC gibt es für das Elektro-Pendant übrigens nicht.

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Motor/Getriebe: Ford Mustang Mach-E am kraftvollsten

Kommen wir im Vergleichstest zwischen BMW iX3, Ford Mustang Mach-E und Mercedes EQC zum Antriebskapitel. Hier hat der Ford das Sagen. Ford bietet den Elektro-Mustang mit Hinterrad- oder Allradantrieb an. Unsere AWD-Version trägt zusätzlich zum 290 PS starken E-Motor an der Hinterachse noch einen zweiten für die Vorderräder. Zusammen bringt es das Antriebs-Duo auf 346 PS und 580 Newtonmeter Drehmoment. Klar, dass diese beiden Kraftmaschinen leichtes Spiel mit dem 2,2 Tonnen schweren Ford Mustang Mach-E AWD Extended Range haben und ihn in weniger als sechs Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 katapultieren. Ford bietet über den Touchscreen zudem unterschiedliche Antriebseinstellungen an. Neben den Drive-Modes Aktiv, Zahm und Temperamentvoll lässt sich zusätzlich noch der 1-Pedal-Modus aktivieren. Damit kann sich der Mustang dann ohne aktives Bremsen und nur durch Rekuperationswirkung effizient durch den Stadtverkehr kämpfen. Auf Landstraßen und Autobahn hingegen empfiehlt sich das Segeln. Wer beide Fahrstile sinnvoll einsetzt, wird im Ford tatsächlich mit akzeptablen Verbräuchen belohnt. Trotz winterlichen Wetters und Vollgasanteil auf der Autobahn kommen wir bei auf der Testrunde auf 26,5 Kilowattstunden je 100 Kilometer. Weil der Ami hier mit 90 Kilowattstunden den größten Akku besitzt, sind alltägliche Reichweiten von mehr als 300 Kilometer kein Problem. Zum Vergleich: Der Mercedes EQC 400 4Matic benötigt für dieselbe Prüfung 33,6 Kilowattstunden. Das Mehrgewicht und die zusätzliche Leistung verhageln dem Benz die Energiebilanz und die Reichweite. 238 Kilometer sind heute selbst in der Elektro-Welt nicht viel. Dafür ist der Allradler mit seinen zwei insgesamt 408 PS starken E-Motoren zu Beschleunigungswerten von 4,9 Sekunden imstande. Ganz so zügig geht es im BMW iX3 nicht voran. Anders als die Konkurrenten setzt BMW nämlich nur auf einen Motor an der Hinterachse. Der hat mit 286 PS und 400 Newtonmetern aber immer noch genügend Dampf für sportliche Fahrleistungen. Und Traktionsprobleme spürt man selbst bei Nässe nicht. Zu guter Letzt geizt der BMW-Heckantrieb mit der Energie aus dem 74-kWh-Akku. 25,6 Kilowattstunden auf 100 Kilometern stehen im Test-Protokoll. Bei sparsamer Fahrweise sind sogar weniger als 20 kWh drin. Beachtlich für ein SUV dieser Größe.

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Fahrdynamik: BMW iX3 bester im Handling

Gewohnt souverän meistert der BMW iX3 – der übrigens in China vom Band läuft – auch das Kurvengeschlängel auf dem abgesperrten Testparcours. Wie an die Ideallinie gekettet umrundet er den Kurs immer reproduzierbar mit Bestzeit. Der Ford Mustang Mach-E AWD Extended Range wird dagegen etwas wilder. Das stets fröhlich mittänzelnde Heck zaubert aktiven Fahrer:innen aber ein Lächeln aufs Gesicht. Auch die Bremswerte des Amis – der wiederum in Mexiko gebaut wird – gehen absolut in Ordnung. Der Mercedes EQC dagegen patzt bei dieser Prüfung. Er ist wegen der schwammigen Rückmeldung weder für messerscharfe Fahrdynamik gemacht noch fürs bissige Bremsen. Immerhin braucht er – als Längster im Vergleichstest mit BMW iX3 und Ford Mustang Mach-E – am wenigsten Platz zum Wenden.

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Umwelt/Kosten: Höhere Unterhaltskosten bei Mercedes EQC

Preislich bleibt Mercedes immerhin fair, denn der EQC 400 4Matic ist mit rund 66.000 Euro nicht teurer als die Konkurrenten im Vergleichstest. Wie auch iX3 und Mustang ist der Stuttgarter – der zusammen mit den GLC-Modellen in Bremen gebaut wird – damit noch förderfähig. Allerdings mit reduzierter Umweltprämie. Im Unterhalt gehört er wegen der teuren Versicherungseinstufungen und der hohen Stromkosten zu den teuersten E-Autos. Apropos Stromkosten: Die Verbräuche von BMW iX3, Ford Mustang Mach-E und Mercedes EQC sind ohne Ladeverluste angegeben. Nicht nur bei winterlichen Temperaturen können im Display des Schnellladers gern 15 bis 20 Prozent höhere Werte auftauchen. Müssen beim EQC beispielsweise 33 Kilowattstunden nachgefüllt werden, sind dazu nicht selten 38 Kilowattstunden nötig. Die zusätzliche Energie muss natürlich auch bezahlt werden, was den Kostenvorteil eines Elektro-Autos im Vergleich zu konventionellen Verbrennern schnell umkehrt. Freilich haben auch BMW iX3 und Ford Mustang Mach-E mehr oder weniger stark mit diesem physikalischen Nachteil zu kämpfen. Umso erfreulicher ist, dass der Ford hier ansonsten die niedrigsten Kosten produziert. Das Topmodell der Baureihe mit Allradantrieb und großem Akku gibt es voll ausgestattet mit Umweltbonus für rund 58.000 Euro. Der iX3 ist fast 6000 Euro teurer, liefert aber die umfangreichste Ausstattung.

Vergleichstest Mercedes GLC 300 d 4Matic/Mercedes EQC 400 4Matic
Mercedes EQC/Mercedes GLC: Vergleichstest Der EQC fordert den GLC heraus

 

Messwerte und technische Daten: BMW iX3, Ford Mustang Mach-E AWD Extended Range und Mercedes EQC 400 4Matic

AUTO ZEITUNG 09/2021BMW iX3Ford Mustang
Mach-E AWD
Extended Range
Mercedes EQC
400 4Matic
Technik
E-MotorSynchron-
maschine,
permanent-
erregt,
flüssigkeits-
gekühlt
2 Synchron-
maschinen,
permanent-
erregt,
flüssigkeits-
gekühlt
2 Asynchron-
maschinen,
permanent-
erregt,
flüssigkeits-
gekühlt
Systemleistung210 kW / 286 PS258 kW / 346 PS300 kW / 408 PS
Systemdrehmoment400 Nm580 Nm760 Nm
BatterieLithium-IonenLithium-IonenLithium-Ionen
Spannung/Kapazität (netto)400 V / 74 kWh400 V / 90 kWh405 V / 80 kWh
Max. Ladeleistung DC/AC150 kW / 11 kW150 kW / 11 kW110 kW / 11 kW
Getriebe/AntriebKonstant-
übersetzung /
Hinterrad
Konstant-
übersetzung /
Allrad
Konstant-
übersetzung /
Allrad
Messwerte
Leergewicht (Werk/Test)2185 / 2210 kg2143 / 2194 kg2420 / 2495 kg
Beschleunigung 0-100 km/h (Test)6,5 s5,8 s4,9 s
Höchstgeschwindigkeit (Werk)180 km/h180 km/h180 km/h
Bremsweg aus 100 km/h
kalt/warm (Test)
35,4 / 35,0 m35,8 / 35,4 m37,1 / 37,3 m
Verbrauch auf 100 km (Test/WLTP)25,6 / 19,5 kWh26,5 /18,7 kWh33,6 / 22,2 kWh
CO2-Ausstoß (Test/WLTP)103 / 0 g/km106 / 0 g/km135 / 0 g/km
Reichweite (Test/WLTP)289 / 373 km339 / 400 km238 / 325 km
Preise
Grundpreis66.300 Euro62.900 Euro66.069 Euro
Testwagenpreis63.825 Euro57.925 Euro59.034 Euro

von Markus Schönfeld von Markus Schönfeld
Unser Fazit

Der neue Ford Mustang Mach-E AWD Extended Range ist eine echte Bereicherung für die E-Mobilität. Dank großer Batterie und top Reichweite taugt er als vollständiger, üppig ausgestatteter und komfortabler Allrounder. Und preislich ist sogar das Topmodell vergleichsweise attraktiv. Für einen Sieg im Vergleichstest gegen den BMW iX3 fehlt es ihm nur an etwas Feinschliff und besserer Raumausnutzung. BMWs neuer Stromer im Kleid des X3 wirkt indes rundum stimmig, voll alltagstauglich und ausgereift. Weil er obendrein sehr effizient arbeitet und alle Vorzüge des X3 trägt, gewinnt er diesen Vergleichstest klar. Im Vergleich dazu wird der Mercedes EQC 400 4Matic hier tatsächlich als Vertreter einer älteren Elektro-Auto-Generation entlarvt. Sein hohes Gewicht geht zulasten der Fahrdynamik und treibt den Verbrauch in die Höhe. So bleibt ihm der dritte Platz.

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