WD Denzel 1300: Der "Porsche" aus Wien
Die Hauptstadt Österreichs ist nicht gerade für ihre Automobil-Historie bekannt. Der WD Denzel 1300 ist die ebenso rühmliche wie erfrischende Ausnahme. Seine Geschichte besitzt überraschende Parallelen zu Porsche.
Porsche und Denzel machten während des Krieges gemeinsame Sache. Ihre Sportwagen entstanden jedoch unabhängig voneinander
Es begann alles in Graz: Am 11. Januar 1908 erblickte dort Wolfgang Denzel das Licht der Welt. Der Automobil- und Motorradbau hatte gerade so richtig Fahrt aufgenommen und riss das Talent aus der Steiermark förmlich mit sich: Denzel konstruierte noch während des Technikstudiums sein erstes Motorrad, fuhr Rennen, gründete mit 26 Jahren sein Autohaus und wurde BMW-Handelsvertreter respektive -Importeur.
Nach dem Zweiten Weltkrieg baute er sein Unternehmen mit ebenso viel Weitsicht wie Ehrgeiz wieder auf: Neben dem Handel lag sein Augenmerk auf der Entwicklung eines eigenen Sportwagens. Er nutzte die Teile alter Militärautos. Vor allem VW Käfer und Kübel waren verfügbar und boten solide Technik. Gewisse Parallelen zu einem heute deutlich bekannteren Landsmann und Automobilisten sind nicht zu leugnen: Denzel arbeitete während des Krieges mit Ferdinand „Ferry“ Porsche zusammen. Die Idee, gemeinsam einen Sportwagen zu entwickeln, wurde aber nicht weiter verfolgt. Man munkelt, der Ehrgeiz beider habe einer fruchtbaren Kooperation letztendlich im Weg gestanden … Trotzdem entwickelte man zielstrebig in ähnliche Richtungen weiter.
Der eine Teil der Geschichte ist bekannt: Am 8. Juni 1948 erhielt der Porsche 356/1 seine Einzelgenehmigung und legte damit den Grundstein für den Erfolg der Marke Porsche. Auch Wolfgang Denzel stellte 1948 sein erstes Auto fertig: Das entstand nicht etwa in einem separaten Konstruktionsbüro mit angeschlossener Garage, sondern neben dem regulären Werkstatt-Betrieb in Wiens Gumpendorfer Straße. Dort verkauft die Firma Denzel noch heute Autos.
Denzel experimentierte zunächst mit Kunststoff-Karosserien und verzichtete aus Stabilitätsgründen auf Türen. Schon bald setzte er jedoch auf Stahl und Aluminium: In der eigenen Spenglerei wurden die Bleche über Holzformen gezogen und in Form gebracht, bevor die einzelnen Komponenten verschweißt wurden. Leichtbau spielte dabei schon früh eine große Rolle. Als technische Basis der kleinen Sportwagen dienten zunächst modifizierte VW-Fahrgestelle, später fertigte Denzel eigene Rahmen.
Der Mercedes 560 SEC von Bruno Sacco im Fahrbericht (Video)

Erfolge im Rennsport kurbelten die Verkäufe an
Die Motoren wurden ebenfalls vor Ort überarbeitet: Mit selbst konstruierten leichteren Zylinderköpfen für eine höhere Verdichtung und geändertem Vergaser entlockte Denzel den 1,3-l-Vierzylinder-Boxern bis zu 75 PS (55 kW), für den Rennsport waren sogar 85 PS (63 kW) möglich. Den Umbausatz bot der Österreicher auch anderen Käfer- oder 356-Fahrenden an, die ihrem Auto mehr Leistung entlocken wollten. 1953 war der Sportwagen serienreif: Auf dem Genfer Automobilsalon präsentierte Denzel sein Auto – die Fachwelt war schon bald beeindruckt von den Fahrleistungen des WD Denzel 1300.
Der Ehrgeiz des Firmengründers musste nicht erst geweckt werden, er sah sich gleich bestätigt: 1954 erschien eine weitere Version mit Aluminium-Karosserie und etwas schmalerem Aufbau als Basismodell für den Rennsport. Der Chef selbst bewies, was möglich war: Noch im selben Jahr gewann er mit seinem Auto die französische Alpenfahrt. Denzel nutzte zudem seine Kontakte in die USA – nicht nur, um das Auto dort zu vermarkten, sondern auch, um sein Importgeschäft zu stärken: Um Autos der Marke Nash nach Österreich holen zu können, brauchte er Devisen. Und die beschaffte er sich mit der Ausfuhr seiner Autos und Umbausätze. Weitere Fahrzeuge gingen nach Großbritannien oder Portugal.
Das hier gezeigte 1954er-Modell etwa orderte der portugiesische Rennfahrer Joaquim Filipe Nogueira, der schon kurz nach der Auslieferung den ersten Sieg damit einfuhr. Zwölf weitere Rennen mit überwiegend ersten oder zweiten Plätzen folgten noch im selben Jahr. Die Erfolge auf sämtlichen Rennstrecken und Rallyepisten sprachen sich herum – dafür sorgte nicht zuletzt Marketing-Stratege Denzel selber. Schon bald hatte er mit einem „Luxus-Problem“ zu kämpfen: Zum einen überstieg die Nachfrage die Fertigungs-Kapazitäten, zum anderen war die Produktion sehr aufwendig (und teuer).
Letztendlich entpuppte sich die Sportwagen-Fertigung als Verlustgeschäft für den Automobilhändler. Um Geld mit dem 1300 verdienen zu können, hätte Denzel das Auto noch teurer machen oder den technischen Aufwand verringern müssen. Beides wollte der ehrgeizige Geschäftsmann nicht. 1959 zog er die Reißleine und arbeitete nur noch die vorliegenden Bestellungen ab. Rund 70 Autos – die Angaben variieren – sollen entstanden sein, ein geplantes Projekt mit Vignale wurde gestoppt. Doch Wolfgang Denzel hatte längst den nächsten Pfeil im Köcher: 1957 stellte er BMW einen potenziellen Kleinwagen vor, den 700. Aber das ist eine andere Geschichte.
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