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Tracktest

Audi RS 5 Avant im Tracktest: 639 PS auf dem Nürburgring

Der neue Audi RS 5 Avant wird unter Autofans derzeit durchaus heiß diskutiert. Vor allem das hohe Gewicht des rasanten Plug-in-Hybrids spielt bei vielen eine übergeordnete Rolle. Auf dem Nürburgring will der 470 kW / 639 PS starke Alltagsbolide beweisen, dass seine Kritiker ihn zu Unrecht stigmatisieren.

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Ein roter Audi RS 5 Avant driftet durch eine Kurve auf einer Rennstrecke. Im Hintergrund sind Tribünen und blauer Himmel zu sehen.
Das Sperrdifferenzial beinhaltet eine E-Maschine, die im Bedarfsfall kurzzeitig 2000 Nm produziert. Das Hinterachsgetriebe verteilt die Kraft selektiv zwischen den Rädern. Foto: Frank Ratering
Ein roter Audi RS 5 Avant fährt durch eine Kurve auf einer Rennstrecke. Im Hintergrund sind Tribünen und blauer Himmel zu sehen.
Trotz der hoch entwickelten Agilität bleibt der Audi RS 5 bei deaktivierten Regelsystemen gut beherrschbar. Das indifferente Lenkverhalten vereitelt aber eine schnellere Rundenzeit. Foto: Frank Ratering
Ein roter Audi RS 5 Avant fährt durch eine Kurve auf einer Rennstrecke. Im Hintergrund sind Tribünen und blauer Himmel zu sehen.
Der RS 5 Avant marschiert entschlossen, aber ohne jedwede Brutalität voran. Die Dosierbarkeit des Antriebspakets ist schlichtweg super. Foto: Frank Ratering
Ein roter Audi RS 5 Avant fährt durch eine Kurve auf einer Rennstrecke. Im Hintergrund sind Tribünen und blauer Himmel zu sehen.
Der härteste Fahrwerksmodus übertreibt es eindeutig. Selbst auf dem kaum welligen Nürburgring stempelt der RS 5 dann ungestüm vor sich hin. Foto: Frank Ratering
Ein roter Audi RS 5 Avant fährt durch eine Kurve auf einer Rennstrecke. Im Hintergrund sind Tribünen und blauer Himmel zu sehen.
Die Fahrleistungen entsprechen der hohen Systemleistung von 470 kW / 639 PS: 0-200 km/h in 12,2 s. Foto: Frank Ratering
Das Audi RS 5 Cockpit zeigt ein Sportlenkrad, digitale Anzeigen und eine Mittelkonsole mit Getränkehaltern sowie rote Ziernähte.
Das fahrerorientierte Cockpit integriert den Piloten standesgemäß in den Power-Kombi. Foto: Frank Ratering
Das Lenkrad des Audi RS 5 Avant mit perforiertem schwarzem Leder, roten Nähten und einer glänzenden, rot umrandeten Speiche mit RS-Logo ist zu sehen.
Das Lenkrad liegt auch bei dynamischer Schwerstarbeit gut in der Hand. Foto: Frank Ratering
Der Innenraum des Audi RS 5 Avant zeigt zwei dunkle Sportsitze mit Wabenmuster und roten Nähten sowie Lenkrad und Mittelkonsole.
Die langstreckentauglichen Sitze stellen einen überragenden Seitenhalt bereit. Foto: Frank Ratering
Das Vorderrad des roten Audi RS 5 Avant mit dunkler Mehrspeichenfelge, gelochter Bremsscheibe und rotem Bremssattel ist zu sehen.
Die standfeste Karbon-Keramik-Bremse kostet 8500 Euro extra, ist aber unverzichtbar für alle, die es öfter auf die Rennstrecke verschlägt. Foto: Frank Ratering
Im roten Motorraum sitzt eine schwarze Motorabdeckung mit Audi-Ringen und roten Streifen, umgeben von Schläuchen und Kabeln.
Der Antrieb besticht mit feinster Dosierbarkeit und spontanem Ansprechen. Foto: Frank Ratering
Eine Hand hält einen Ladestecker im geöffneten Ladeanschluss eines Audi RS 5 Avant. Im Fenster spiegelt sich eine Person.
Extern lädt der Audi RS 5 Avant mit maximal 11 kW. Foto: Frank Ratering

Audi RS 5 Avant: Erbe der legendären Audi-Sportkombis

Schöne Kombis heißen Avant. Das wissen wir spätestens seit der Audi-Werbekampagne, die 1995 von der bekannten Werbeagentur Jung von Matt durch die Medien ging. Die besonders rasanten Audi-Kombis tragen zusätzlich das Kürzel RS in der Modellbezeichnung. Und das sogar schon seit 1994, als der gemeinsam mit Porsche entwickelte 
RS 2 die Autobranche in Schockstarre versetze. Ein eigentlich braver Kombi mit waschechten Sportwagen-Zutaten aus Zuffenhausen und einem 315 PS starken Turbomotor hatte die Welt bis dato noch nicht gesehen. 1999 folgte der mit breiten Radhäusern ungleich martialischer auftretende RS 4 mit 381 PS starkem Biturbo-V6. Dessen Nachfolger wiederum verfügte nicht nur über einen neuen V8 mit 420 PS Leistung, erstmals gab es den Mittelklasse-RS serienmäßig in verschiedenen Karosserievarianten (Limousine, Avant und Cabriolet). Unter Fans genießen aber immer noch die Derivate mit der großen Heckklappe den größten Kultstatus – der neue RS 5 Avant soll das Erbe der legendären Audi-Sportkombis nun ins Hier und Jetzt hinüberretten.

Erste Testfahrt mit dem Audi Q7 im Video

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Video: AUTO ZEITUNG

Antrieb: Kraft, Dosierbarkeit und Effizienz

Da sich die Anforderungen an ein Automobil hinsichtlich des Spritverbrauchs und des Emissionsverhaltens jedoch auch in der Hochleistungsklasse massiv geändert haben, tritt der RS 5 als Plug-in-Hybrid an. Eine vom Hersteller angegebene elektrische Reichweite von maximal 83 km verdeutlicht, dass sich überragende Dynamik und ein solides ökologisches Gewissen nicht ausschließen müssen. Doch letzteres soll auf der Nürburgring-Sprintstrecke allenfalls eine Randnotiz bleiben. Vielmehr zählen hier die energische System-Gesamtleistung von 470 kW / 639 PS, die der Turbo-V6 in Zusammenarbeit mit der Synchronmaschine an alle vier Räder schickt, das Fahrverhalten im Grenzbereich und natürlich die erreichbaren Kurvengeschwindigkeiten. Kurz und bündig ausgedrückt: die schiere Performance.

„Der RS 5 Avant marschiert entschlossen, aber ohne jedwede Brutalität voran. Die Dosierbarkeit des Antriebspakets ist schlichtweg super!“
Marcel Kühler

Schenken wir zunächst dem neu entwickelten Antriebsstrang unsere voll Aufmerksamkeit. Das Zusammenspiel von Verbrenner, Elektro-Maschine und spontan wie situationsgerecht agierender Achtstufen-Automatik geschieht flüssig und ohne dass der Fahrer von den 
komplexen Prozessen etwas mitbekommen würde. Stattdessen freut sich dieser über ein wunderbar spontanes und völlig organisches Ansprechverhalten sowie reichlich Schub,
den der Ingolstädter schon aus dem Drehzahlkeller heraus entwickelt.

Die Messwerte belegen das subjektiv Empfundene: Der Sprint bis 100 km/h ist bereits nach 3,6 Sekunden ad acta gelegt. Lediglich 12,2 
Sekunden vergehen aus dem Stand, bis der schwere Audi Tempo 200 erreicht. Die gemessene Geschwindigkeit in Höhe von 229 km/h am Ende der langen Start/Ziel-Geraden spricht zusätzlich für die Leistungsbereitschaft des herrlich kernig, aber niemals aufdringlich klingenden Sportkombis. Die akustische Untermalung, wenngleich im Innenraum synthetisch verstärkt, bringt das Beste zutage, das ein V6-Zylinder zu bieten hat: ein leicht bedrohliches Brodeln in niedrigen und ein heiseres Fauchen in mittleren sowie ein furioses Brüllen in hohen Drehzahlbereichen.

Ein roter Audi RS 5 Avant fährt durch eine Kurve auf einer Rennstrecke, von schräg hinten neben rot-weißen Randmarkierungen gesehen.
Foto: Frank Ratering

Fahrverhalten: Ein völlig neues Fahrgefühl

Früheren Audi-RS-Modellen haftete zu Recht der Ruf an, im Grenzbereich etwas zu stumpf über die Vorderachse zu schieben, was den Spaß am Kurvenräubern naturgemäß reichlich schmälert. Beim aktuellen RS 5 Avant hat Audi Sport daher tief in die technische Trickkiste gegriffen, um ein hoch agiles, tendenziell eher hecklastiges Fahrerlebnis zu ermöglichen.

Stichwort „Dynamic Torque Control“: Hinter dieser Funktion steckt ein elektromechanisches Torque-Vectoring-System an der Hinterachse, bei dem ein wassergekühlter Hochvoltaktuator mit einem Überlagerungsgetriebe und einem Differenzial zusammenarbeitet und so eine nahezu voll variable Verteilung des Drehmoments zwischen den beiden Hinterrädern ermöglicht. Gesteuert wird das Ganze mit 200 Hertz Rechenfrequenz – und zwar richtig schnell: Innerhalb von nur 15 Millisekunden kann das System bis zu 2000 Newtonmeter Differenzmoment aufbauen. Es greift nicht 
nur beim Beschleunigen, sondern ebenso im Schub- und Bremsbetrieb ein und soll dadurch Agilität, Traktion und Fahrstabilität spürbar steigern. Dazu verteilt das variable Allradsystem im Bedarfsfall bis zu 85 Prozent der Antriebsleistung in Richtung Hinterachse.

„Der härteste Fahrwerksmodus übertreibt es eindeutig. Selbst auf dem kaum welligen Nürburgring stempelt der RS 5 dann ungestüm vor sich hin.“
Marcel Kühler

Wie gut das Ganze in der Praxis funktioniert, zeigt sich auf dem Ring. Bereits nach einigen schnell angegangenen Richtungswechseln wird offensichtlich: Die üppigen Pfunde werden zur absoluten Nebensache, da sie kaum spürbar sind. Der RS 5 schwingt sich mit überraschender Leichtfüßigkeit in die komplexen Kurvenkombinationen der Strecke. Das von früheren Sportmodellen der Ingolstädter bekannte und wenig geschätzte Untersteuern beziehungsweise Schieben über alle vier Räder liegt dem Neuling völlig fern. Im Gegenteil: Bei deaktivierten Fahrhilfen glänzt der Avant mit einem reichlich heckbetonten Fahrverhalten. Das stets leicht nach außen drückende Heck gehört genauso zur DNA des RS 5 wie die enorm haftstarke Vorderachse.

Allerdings erweist sich der von Audi Sport als ultimatives Rüstzeug für den Rundkurs propagierte RS-Sport-Modus auf der Sprintstrecke der Eifelpiste als eher unpraktikabel. Der Grund: Die adaptiven Dämpfer übertreiben es maßlos mit gnadenloser Härte, sodass der Kombi selbst auf dieser vermeintlich glatten Strecke häufig ins Stempeln gerät und so bei forcierter Kurvenfahrt reichlich unruhig wird. Das fühlt sich nicht nur unangenehm an, sondern beeinflusst die Performance negativ. Abhilfe schafft der RS-Individual-Modus, in dem man die Dämpfergüte sowie alle übrigen fahrdynamisch relevanten Parameter nach persönlichem Geschmack einstellen kann.

Doch die viel zu harte Federung im schärfsten Modus ist nicht der einzige Grund, warum die Präzision im Grenzbereich hinter den Erwartungen zurückbleibt. Die direkte und nicht zu leichtgängige Lenkung schafft es nicht, eine symbiotische Verbindung zwischen Fahrerhände und Vorderwagen zu schaffen. Ihr wenig klar definiertes Anlenkmoment führt dazu, dass man unbewusst etwas zu weit einlenkt, wodurch die Fuhre im Umkehrschluss stärker als gewollt abbiegt. Ständige Korrekturen und ungewolltes Übersteuern sind die Folge der 
intransparenten Arbeitsweise der variabel übersetzten Lenkung.

Ein roter Audi RS 5 Avant fährt auf einer Rennstrecke an einer überdachten Tribüne mit leeren blauen Sitzreihen vorbei.
Foto: Frank Ratering

Hotlap: 1:39,4 Minuten auf der Nürburgring Grand-Prix-Strecke

Über jeden Zweifel erhaben ist hingegen die optionale Bremsanlage des RS 5, die vorn und hinten innenbelüftete und gelochte Karbon-Keramik-Scheiben beinhaltet. Zwar kostet sie stolze 8500 Euro Aufpreis, doch wer häufiger einen Besuch auf der Rennstrecke plant, sollte dieses Geld dringend investieren. Die Stopper vernichten rabiat und zuverlässig auch hohe Geschwindigkeiten. Mit heißen Komponenten steht der 2,4 Tonnen schwere Sporttransporter nach nur 30,4 Metern nach der Vollbremsung aus Tempo 100. Dazu glänzt die Anlage mit feinster Dosierbarkeit und neigt auch nach etlichen Runden am Stück nicht zum Fading.

Am Ende der Hotlap zeigt das Messgerät eine respektable Zeit von 1:39,4 Minuten an. Sie ist mehr als nur aller Ehren wert, wenn man die Tatsache bedenkt, dass es sich beim RS 5 Avant keineswegs um ein beinhartes Ringtool handelt. Vielmehr muss der schnelle Ingolstädter komplexe Alltagsaufgaben bewältigen, die ökologischen Anforderungen unserer Zeit erfüllen und gleichzeitig sportlich ambitionierte Fahrer zufriedenstellen. Und wer die Vorgänger-Modelle kennt, wird ob der ungleich ausgeprägteren Agilität des Schwergewichts angenehm überrascht sein. Die Fortsetzung der traditionsreichen RS-Saga darf also insgesamt als gelungen angesehen werden.

Ein roter Audi RS 5 Avant fährt auf einer Rennstrecke über rot-weiße Randsteine. Die Front ist aus niedriger Perspektive zu sehen.
Foto: Frank Ratering

Fazit

Der Audi RS 5 Avant ist in Summe seiner Eigenschaften ein wirklich faszinierendes Auto. Sein Antrieb begeistert mit üppiger Kraft, feinster Dosierbarkeit und im Alltag mit brauchbarer rein elektrischer Reichweite. Ebenfalls bei profanen Alltagsfahrten top ist der gebotene Fahrkomfort. Auf kurvenreicher Strecke begeistert der fast 2,4 Tonnen schwere Brocken mit ungeahnter Agilität und viel Fahrspaß. Dass dem Ingolstädter auf der Rennstrecke im Grenzbereich zuweilen die Präzision abhanden geht, dürften ihm RS-Fans wohl verzeihen.

Technische Daten & Messwerte

AUTO ZEITUNG 21/2026

Audi RS 5 Avant

Technik

Motoren

V6-Zylinder, 4-Ventiler, Biturbo; eine permanenterregte Synchronmaschine

Hubraum

2894 cm³

Leistung Verbrenner

375 kW / 510 PS bei 6300 – 6800 U /min

Leistung E-Motor

130 kW / 177 PS

Systemleistung

470 kW / 639 PS

Max. Systemdrehmoment

825 Nm

Antrieb

8-Stufen-Automatik; variabler Allradantrieb, elektronisch geregeltes Mitten-Sperrdifferenzial

Spannung / Kapazität

400 V / 22,0 kWh (netto)

Abmessungen

Leergewicht / Zuladung

2364 / 561 kg

Gesamtmaße (L / B / H)

4896 / 1952 (2099)* / 1446 mm

Radstand

2903 mm

Kofferraumvolumen

361 – 1302 l

Fahrleistung

0 – 100 km/h

3,6 s

0 – 200 km/h

12,2 s

Höchstgeschwindigkeit

270 km/h (opt.)

Bremsweg

100 – 0 km/h (kalt / warm)

32,0 / 30,4 m

50 – 0 km/h / 150 – 0 km/h

8,9 / 70,7 m

Verbrauch & Reichweite

WLTP-Verbrauch auf 100 km

3,9 l SP + 17,8 kWh

Testverbrauch auf 100 km

8,8 l SP + 11,0 kWh

Elektr. Reichweite WLTP / Test

83 / 68 km

Umwelt & Abgas

Abgasnorm

Euro 6e

CO2-Emission

88 g/km

Preis

Grundpreis

107.850 €

Steuer & Versicherung

KH / VK / TK Typklassen

14 / 30 / 29