MPU: Gründe, Ablauf, Kosten, Vorbereitung – alle wichtigen Fragen
Wenn Autofahrer:innen ihre Fahrerlaubnis wegen Alkohol, Drogen oder zu vielen Punkten in Flensburg verlieren, ist häufig eine MPU (Medizinisch-Psychologische-Untersuchung) die Konsequenz. Wie man sich darauf vorbereiten kann, wie sie üblicherweise abläuft und welche Kosten zu erwarten sind, sagt die AUTO ZEITUNG hier!
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- Gründe für eine MPU – dann ist sie Pflicht
- Zuständigkeiten bei einer MPU
- Alle Schritte bis zur Wiedererteilung des Führerscheins
- Ablauf: Was passiert und wie lange dauert eine MPU?
- Was wird bei der MPU gefragt?
- Welche Unterlagen und Nachweise werden benötigt?
- Wie hoch sind die MPU-Kosten?
- Ist eine Vorbereitung auf die MPU sinnvoll?
- MPU angeordnet – das muss man wissen (FAQ)
Eine MPU (Medizinisch-Psychologische Untersuchung) wird angeordnet, wenn die Fahrerlaubnisbehörde erhebliche Zweifel an der Fahreignung hat. Typische Auslöser sind Alkohol- oder Drogenauffälligkeiten, acht Punkte im Fahreignungsregister oder gesundheitliche Einschränkungen. Die MPU prüft, ob die Ursachen des Fehlverhaltens verstanden wurden und ob eine stabile Verhaltensänderung vorliegt. Neben der Begutachtung selbst spielen Nachweise und die Vorbereitung eine zentrale Rolle.
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Wissenswertes zum Führerscheinentzug im Ausland (Video):

Gründe für eine MPU – dann ist sie Pflicht
Alkohol am Steuer
- Ab 1,6 Promille ist eine MPU verpflichtend.
- Zwischen 1,1 und 1,59 Promille kann eine MPU angeordnet werden, etwa bei besonderen Auffälligkeiten oder bei wiederholten Alkoholdelikten.
- Bei niedrigeren Promille-Werten kann eine MPU folgen, wenn Ausfallerscheinungen, Unfälle oder andere Begründungen vorliegen (Einzelfallentscheidung).
Drogen am Steuer
- Nach einer Drogenfahrt kann die Behörde bereits beim Erstverstoß eine MPU verlangen.
- Bei Wiederholung oder Mischkonsum ist die Anordnung einer MPU noch wahrscheinlicher.
Zu viele Punkte in Flensburg
Bei acht Punkten im Fahreignungsregister wird die Fahrerlaubnis entzogen. Nach einer Sperrfrist ist für die Wiedererteilung in der Regel ein Eignungsnachweis nötig, häufig als MPU. Entscheidend ist, ob die Behörde das Verhalten als dauerhaft risikoreiches Fahrverhalten einschätzt.
Krankheiten und körperliche Beeinträchtigungen
Eine MPU wird angeordnet, wenn medizinische Gründe die sichere Fahrzeugführung infrage stellen – etwa nach schweren Erkrankungen, neurologischen Einschränkungen oder bei Medikamenten mit relevanten Nebenwirkungen. Grundlage sind die Eignungsregeln der Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV).
Zuständigkeiten bei einer MPU
- Fahrerlaubnisbehörde: ordnet MPU an, entscheidet über den Führerschein
- Begutachtungsstelle (z. B. TÜV, Dekra): führt MPU durch und erstellt das Gutachten
Wer darf eine MPU durchführen?
Eine MPU darf von 15 anerkannten Trägern in Deutschland an rund 270 Beratungsstellen, darunter auch Dekra und TÜV-Gesellschaften, durchgeführt werden. Wenn eine MPU angeordnet wurde, darf die betroffene Person selbst entscheiden, wo sie diese absolvieren will. Eine Übersicht sowie Adressen zu allen Begutachtungsstellen gibt es auf der Website der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt).
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Alle Schritte bis zur Wiedererteilung des Führerscheins
- Entzug der Fahrerlaubnis durch Gericht oder Behörde, ggf. mit Sperrfrist.
- MPU-Anordnung durch die Fahrerlaubnisbehörde.
- Vorbereitung und mögliche Nachweise (z. B. Abstinenznachweis).
- MPU-Termin bei einer anerkannten Begutachtungsstelle.
- Gutachten wird erstellt und ausgehändigt.
- Antrag auf Wiedererteilung bei der Behörde, Gutachten vorlegen.
- Entscheidung der Behörde, ggf. mit Auflagen.
Ablauf: Was passiert und wie lange dauert eine MPU?
Die MPU dauert meist zwei bis vier Stunden. Das Gutachten liegt häufig nach ein bis zwei Wochen vor. Meist besteht die Untersuchung aus vier Teilen:
- Medizinische Untersuchung: Gesundheitscheck und – je nach Anlass – Laborwerte oder Nachweise.
- Psychologisches Gespräch: Schwerpunkt der MPU. Geprüft werden Deliktursachen, Einsicht, Verhaltensänderung und deren Stabilität.
- Leistungstest: Computertests zu Reaktion, Konzentration und Belastbarkeit.
- Fragebögen/Anamnese: Daten zu Person, Fahrhistorie, Deliktverlauf, ggf. Wissensabfragen.
Was wird bei der MPU gefragt?
Das Gespräch folgt immer der Logik "Vergangenheit – Einsicht – Veränderung – Zukunft". Typische Themenfelder sind:
- Deliktverlauf: Was ist konkret passiert?
- Ursachen: Warum kam es dazu? Welche Muster lagen vor?
- Einsicht: Welche Risiken wurden unterschätzt oder akzeptiert?
- Veränderung: Welche konkreten Änderungen sind seitdem umgesetzt?
- Stabilität: Wie wird Rückfall oder Wiederholung verhindert?
Beispielfragen variieren nach Anlass (Alkohol, Drogen, Punkte, Verhalten) und sind im Kern darauf ausgerichtet, ob die Erklärungen plausibel mit den Akten und Nachweisen zusammenpassen.
Häufige Gründe für ein negatives Gutachten
- Bagatellisierung oder Schuldabwälzung.
- Unplausible Erklärungen im Vergleich zu Aktenlage/Nachweisen.
- Keine erkennbare stabile Verhaltensänderung.
- Widersprüche zwischen Fragebogen, Laborwerten und Gespräch.
Welche Unterlagen und Nachweise werden benötigt?
Je nach Anlass werden typischerweise verlangt:
- MPU-Anordnung / Bescheid der Behörde
- Personaldokumente
- ggf. Abstinenz- oder Kontrollnachweise (Urin, Haar, Blut; Programmnachweise)
- ggf. ärztliche Atteste / Fachgutachten bei medizinischen Anlässen
Welche Nachweise im Einzelfall anerkannt werden, legt die Behörde bzw. die Begutachtungsstelle im Rahmen der Vorgaben fest.
Wie hoch sind die MPU-Kosten?
Die Kosten sind seit 2018 nicht mehr einheitlich geregelt. Es entstehen in der Praxis drei Kostenblöcke:
- Begutachtung: Je nach Delikt häufig im Bereich mehrere hundert Euro. Hier gibt es größere Variationen.
- Nachweise / Screenings: Je nach Programm und Dauer kommen zusätzliche Kosten für Labor- und Kontrollverfahren hinzu (Blut-, Urintests und Haaranalysen).
- Vorbereitung / Beratung: Verkehrspsychologische Beratung oder Kurse sind freiwillig, verursachen aber meist weitere Kosten.
Im Gesamten richten sich die Kosten nach Aufwand und Einzelfall und betragen häufig 1500 bis 3000 Euro, in komplexen Fällen deutlich mehr. Die Kosten müssen selbst gezahlt werden. Meist ist es billiger, die MPU mithilfe einer bezahlten Beratung beim ersten Mal zu bestehen, als die Untersuchung mehrmals über sich ergehen lassen zu müssen. Denn: Bei Nichtbestehen fallen Begutachtungsgebühren erneut an.
Ist eine Vorbereitung auf die MPU sinnvoll?
Die Vorbereitungsdauer hängt vom Anlass und von möglichen Nachweisen ab. In vielen Fällen ist mehrmonatige Vorbereitung realistisch, bei Abstinenzprogrammen entsprechend länger. Fachstellen empfehlen frühzeitiges Vorgehen, weil kurzfristige Vorbereitung die Erfolgswahrscheinlichkeit senkt. Ziel der Vorbereitung ist eine nachvollziehbare, dauerhaft umgesetzte Verhaltensänderung. Studien belegen, dass Personen, die sich frühzeitig informiert, beraten und schulen lassen, sehr viel höhere Chancen haben, die MPU zu bestehen. Als Vorbereitung auf eine MPU werden sowohl Gruppen- als auch Einzelsitzungen angeboten. In einer guten MPU-Beratung wird den Ursachen des Fehlverhaltens auf den Grund gegangen. Ziel ist, festzustellen, inwiefern sich die betroffene Person mit ihrem Fehlverhalten hinterm Steuer auseinandergesetzt, dieses reflektiert und die Einstellung sowie Verhalten stabil geändert hat.
MPU angeordnet – das muss man wissen (FAQ)
Kann eine MPU durch höhere Geldstrafen abgewendet werden?
Nein, eine MPU kann nicht durch eine höhere Geldbuße abgewendet werden.
Was passiert, wenn man keine MPU macht?
Eine MPU ist zwar grundsätzlich freiwillig, aber ohne positives Gutachten wird die Fahrerlaubnis in den meisten Fällen nicht wieder erteilt. Wer dauerhaft auf die MPU verzichtet, bleibt rechtlich ohne Fahrerlaubnis.
Wie oft kann eine MPU wiederholt werden?
Eine feste Obergrenze existiert nicht. Nach einem negativen Gutachten kann eine neue MPU beantragt werden. Dabei entstehen erneut die vollständigen Kosten, und es ist sinnvoll, die im Gutachten genannten Defizite gezielt zu beheben.
Trotz MPU-Anordnung mit ausländischem Führerschein in Deutschland fahren?
Wer trotz MPU-Anordnung mit einem ausländischen Führerschein erwischt wird, macht sich einer Straftat schuldig, nämlich dem Fahren ohne Fahrerlaubnis.
Frist für MPU abgelaufen: Führerschein komplett neu machen?
Eine MPU-Anordnung verjährt nicht automatisch. Praktisch kann sie nach langen Fristen gegenstandslos werden, wenn Einträge getilgt sind. Aus Tilgungs- und Wartefristen ergibt sich eine maximale Frist von bis zu 15 Jahren. Danach kann die Fahrerlaubnis neu beantragt werden; häufig verlangt die Behörde dann eine neue Theorie- und Praxisprüfung. Maßgeblich ist der Zeitpunkt der Eignungszweifel bzw. der Eintragung. Im Einzelfall ist die behördliche Akte entscheidend.
Kann die Behörde trotz positivem Gutachten ablehnen?
Das Gutachten ist eine fachliche Grundlage. Die Entscheidung über die Wiedererteilung liegt rechtlich bei der Fahrerlaubnisbehörde. Ein positives Gutachten führt in der Praxis regelmäßig zur Wiedererteilung, die Behörde bleibt aber formal entscheidungszuständig.
Unterschied zur Verkehrsmedizinischen Untersuchung
Die Medizinisch‑Psychologische Untersuchung (MPU) wird angeordnet, wenn konkret die Fahreignung infrage steht. Die verkehrsmedizinische Untersuchung hingegen kann vorbeugend bei gesetzlich festgelegten Fahrerlaubnisklassen oder beim Verdacht auf gesundheitliche Einschränkungen angeordnet werden.








