Drogen am Steuer: Grenzwerte, Strafen und THC-Regelung

Seit April 2024 gelten neue Regelungen für den Besitz und Anbau von Cannabis. Doch was gilt am Steuer eines Autos? Welche weiteren Grenzwerte und Strafen es für Drogen am Steuer gibt, erklärt die AUTO ZEITUNG hier.

Cannabis am Steuer
Cannabis am Steuer Foto: Imago
Auf Pinterest merken

Seit der Teillegalisierung von Cannabis am 1. April 2024 gilt im Straßenverkehr weiterhin: Wer unter Drogeneinfluss fährt, gefährdet sich und andere – und riskiert empfindliche Konsequenzen bis hin zum Entzug der Fahrerlaubnis. Für die meisten berauschenden Substanzen gilt ein striktes Nachweisprinzip. Bei Cannabis existiert seit 2024 ein gesetzlicher THC-Grenzwert, der als klare Schwelle für eine Ordnungswidrigkeit dient. Übrigens: Auch E-Scooter-Fahrten unter Drogeneinfluss werden wie Fahrten mit dem Auto behandelt. Bei Fahrunsicherheit unter Drogeneinfluss auf dem Fahrrad kann ebenfalls eine Strafbarkeit oder eine Eignungsprüfung (MPU) folgen.
Auch interessant: Unsere Produkttipps auf Amazon

Wissenswertes zum Führerscheinentzug im Ausland (Video):

Video Platzhalter
Video: AUTO ZEITUNG

Welche Grenzwerte gelten bei Drogen am Steuer?

Anders als bei Alkohol gibt es für illegale Substanzen keine gesetzlichen Grenzwerte beim Autofahren. Sogenannte harte Drogen, die unter das Betäubungsmittelgesetz fallen, sind beim Autofahren grundsätzlich verboten. Dazu zählen unter anderem Kokain, Amphetamin, Methamphetamin, Heroin/Morphin und MDMA. Wird die geringste Menge einer Substanz im Blut von Autofahrer:innen nachgewiesen, gilt das als Fahren unter der Wirkung eines berauschenden Mittels und stellt eine Ordnungswidrigkeit dar. Die einzige Ausnahme ist Cannabis (siehe nächster Absatz).

THC-Grenzwert beim Autofahren: Was gilt aktuell?

  • Der gesetzliche THC-Grenzwert liegt bei 3,5 ng/ml Blutserum. Er gilt seit 22. August 2024 als Wirkschwelle für eine Ordnungswidrigkeit nach § 24a StVG, also auch ohne Fahrfehler.
  • Probezeit und unter 21 Jahren: Hier gilt Null-Toleranz.
  • Mischkonsum Cannabis + Alkohol: Nach aktueller Rechtslage gilt für Cannabiskonsumierende ein absolutes Alkoholverbot am Steuer, sobald der THC-Grenzwert erreicht ist. Zusätzlich wird eine weitere Verschärfung politisch geprüft.

​Medizinisches Cannabis am Steuer: Gibt es Ausnahmen?

Medizinisches Cannabis fällt unter das Medikamentenprivileg in § 24a StVG. Das bedeutet: Es besteht nicht automatisch eine Ordnungswidrigkeit, wenn THC-Werte auf eine ordnungsgemäße, ärztlich verordnete Einnahme zurückgehen. Trotzdem bleibt Fahruntüchtigkeit strafbar. Bei Ausfallerscheinungen oder Gefährdung greifen die allgemeinen Strafnormen. 

Wie lange ist THC nachweisbar?

THC-Abbauprodukte sind je nach Konsummuster und Person unterschiedlich lange nachweisbar. Einfluss haben beispielsweise die Häufigkeit des Konsums, der Stoffwechsel, der Körperfettanteil und die Konsumform.

  • Blut: eher kurze Nachweiszeit, relevant für aktuellen Wirkeinfluss.
  • Urin: je nach Häufigkeit von wenigen Tagen bis mehrere Wochen.
  • Haare: sehr lange Nachweiszeit. Bei durchschnittlichem Wachstum von etwa ein cm pro Monat bildet eine sechs cm lange Haarprobe typischerweise rund sechs Monate ab.

Welche Strafen drohen bei Drogen am Steuer?

Bereits der Erstverstoß ist teuer. Die Sanktionen richten sich danach, ob es sich um eine Ordnungswidrigkeit oder eine Straftat handelt.

Ordnungswidrigkeit (ohne Ausfallerscheinungen)

Wird bei einer Kontrolle ein berauschendes Mittel im Blut nachgewiesen, gelten in der Regel folgende Strafen:

  • Erster Verstoß: 500 Euro, zwei Punkte, ein Monat Fahrverbot
  • Zweiter Verstoß: 1000 Euro, zwei Punkte, drei Monate Fahrverbot
  • Dritter Verstoß: 1500 Euro, zwei Punkte, drei Monate Fahrverbot

Zusätzlich kann die Fahrerlaubnisbehörde bereits nach dem Erstverstoß eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU) oder ein ärztliches Gutachten anordnen, wenn Eignungszweifel bestehen.

Straftat (mit Ausfallerscheinungen, Unfall oder Gefährdung)

Liegt Fahrunsicherheit vor oder kommt es zu einem Unfall, kann der Fall strafrechtlich bewertet werden (z. B. wegen Gefährdung im Straßenverkehr). Dann drohen:

  • Entzug der Fahrerlaubnis mit Sperrfrist
  • Geldstrafe oder Freiheitsstrafe
  • Zwei bis drei Punkte in Flensburg

Die konkrete Einordnung hängt von der Substanz, der Konzentration und dem Fahrverhalten ab.

Drogen am Steuer in der Probezeit

Für Fahranfänger:innen gilt auch bei THC eine Toleranzgrenze von null und es drohen zusätzliche Maßnahmen:

  • Verlängerung der Probezeit
  • Aufbauseminar
  • bei Wiederholung bis hin zum Entzug der Fahrerlaubnis

Kommt nach einer Drogenfahrt automatisch eine MPU?

Nicht automatisch, aber sehr häufig, vor allem bei harten Drogen, Mischkonsum oder Wiederholung.

Wie lange ist der Führerschein weg?

  • Ordnungswidrigkeit: Fahrverbot für mindestens ein Monat, bei Wiederholung drei Monate.
  • Straftat: Fahrerlaubnisentzug mit mehrmonatiger Sperrfrist. Die Dauer richtet sich je nach Gerichtsbeschluss.
  • MPU-Anordnung: Die Fahrerlaubnis bleibt entzogen, bis ein positives Gutachten vorliegt.

Drogenkontrolle: Rechte und Pflichten

Schnelltests (Speichel/Schweiß/Urin) bei einer Drogenkontrolle sind meist freiwillig. Bei begründetem Verdacht kann die Polizei eine Blutentnahme anordnen. Entscheidend für Sanktionen ist das Ergebnis der Blutuntersuchung.

Was gilt bei Verweigerung eines Schnelltests?

Die Verweigerung allein ist keine Strafe, sie kann aber eine Blutentnahme nach sich ziehen, wenn ein Verdacht besteht.

Welche Mittel gelten laut Straßenverkehrsgesetz als berauschende Substanzen?

Die Anlage zu § 24a im Straßenverkehrsgesetz (StVG) beinhaltet eine Liste an berauschenden Mitteln und deren Substanzen, die beim Führen eines Fahrzeugs im Straßenverkehr nicht im Blut nachweisbar sein dürfen:

  • Amphetamin
  • Cannabis (Tetrahydrocannabinol (THC))
  • Designer-Amphetamin
    (Methylendioxyamphetamin (MDA),
    Methylendioxyethylamphetamin (MDE),
    Methylendioxymetamphetamin (MDMA))


  • Heroin
  • Kokain (Kokain, Benzoylecgonin)
  • Metamphetamin
  • Morphin

Es ist jedoch zu beachten, dass auch andere berauschende Mittel am Steuer verboten sind, deren Konsum die sichere Führung eines Fahrzeugs negativ beeinflusst. Dann liegt laut Strafgesetzbuch (StGB) § 315c eine Gefährdung im Straßenverkehr vor, die mit Geldstrafen oder bis zu fünf Jahren Gefängnis geahndet wird.

Auch interessant:

Kann man wegen Drogenbesitz den Führerschein verlieren?

Auch aufgrund von Drogenbesitz kann der Führerschein von den Behörden eingezogen werden. Man muss also nicht zwingend am Steuer und unter Drogeneinfluss erwischt werden, um den Führerschein abgeben zu müssen. Auch eine MPU kann wegen Drogenbesitz angeordnet werden.