Vergleich

Faszination „Fire + Ice“: VW ID.3 & VW Golf 2 im direkten Vergleich

40 Jahre später sind die 80er wieder angesagt: Volkswagen erinnert sich mit einer Neuauflage des VW Golf Fire + Ice – fantasievoll und detailverliebt legt der VW ID.3 GTX Fire + Ice gegenüber seinem Vorfahren beinahe noch eine Schippe drauf. Und dann geht es ab in die Berge, ins Land von Feuer und Eis.

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Blick von schräg vorne auf die beiden fahrenden Kompaktsportler VW Golf GTI Fire + Ice und VW ID.3 GTX Fire + Ice.
Kühlergrill-Kult: Ende der 1980er sorgten Doppelscheinwerfer noch für Überholprestige, 2025 gibt sich der ID.3 zugeknöpft. Foto: Hardy Mutschler
Blick von der Seite auf den fahrenden VW Golf GTI Fire + Ice.
Knorrig: Auf der Motorbremse die Kehren anfahren, dann entschlossen reinwerfen – 1990 ging das so. Foto: Hardy Mutschler
Blick von der Seite auf den fahrenden VW ID.3 GTX Fire + Ice.
Dass der ID.3 eine Tonne (!) mehr wiegt als sein drahtiger Vorfahr, lässt er sich beim Slalom kaum anmerken. Foto: Hardy Mutschler
Blick in das Cockpit mit einer Person an Steuer des VW Golf GTI Fire + Ice.
Hartplastik-Armaturenträger in Kastenform: Nur das violette Fire + Ice-Logo an der Aschenbecher-Klappe und die farbigen Fußmatten-Keder sorgen im Golf für etwas Frohsinn. Foto: Hardy Mutschler
Blick in das Cockpit mit einer Person an Steuer des VW ID.3 GTX Fire + Ice.
Bekanntes ID.3-Cockpit mit kleinen Farbdetails – wirklich neu ist der Sound: „Purple Disco Machine“ haben auf VW-Wunsch den Fire + Ice-Soundtrack neu angeschoben. Foto: Hardy Mutschler
Blick von schräg vorne auf die beiden fahrenden Kompaktsportler VW Golf GTI Fire + Ice und VW ID.3 GTX Fire + Ice.
Mit seinen 107 PS (79 KW) hat der Golf II GTI keine Chance gegen den starken ID.3 GTX – der Alte lässt es trotzdem herrlich krachen. Foto: Hardy Mutschler
Blick auf die Vordersitze im Innenraum des VW Golf GTI Fire + Ice.
Teils, teils: Wo die Sitzbezüge der Fire + Ice-Erstauflage im symmetrischen Zweifarbmuster prangen, ... Foto: Hardy Mutschler
Blick auf die Vordersitze im Innenraum des VW ID.3 GTX Fire + Ice.
... traut sich das neu aufgelegte Sondermodell eine asymmetrische Verteilung – links rot, rechts blau. Foto: Hardy Mutschler
Blick von schräg hinten auf die beiden fahrenden Kompaktsportler VW Golf GTI Fire + Ice und VW ID.3 GTX Fire + Ice.
Im Golf muss man sich die Kilometer erkämpfen, der ID.3 fährt mühelos. Fazit: Man müsste beide haben … Foto: Hardy Mutschler

Im Vergleich: VW ID.3 GTX Fire + Ice und VW Golf GTI Fire + Ice

Wie doch die Zeit vergeht: Gefühlt gestern waren wir noch 16, 18, 20 Jahre jung – und kaum einen Wimpernschlag später sind ganze Jahrzehnte um. Aus dem Schminkspiegel schaut dir neuerdings ein Youngtimer entgegen: Trotz der hohen Laufleistung zwar noch recht gut in Schuss, doch die Patina von fast einem halben Jahrhundert lässt sich natürlich trotzdem nicht verbergen. Graue Haare, Falten, leicht erhöhte Gewichtsklasse. Und dass sich auf der Reise aus den 80er-Jahren bis ins Heute noch viel mehr getan hat, wird beim Blick durch die Windschutzscheibe offensichtlich: Früher hätte man für eine Alpenreise im Oktober vorsichtshalber noch Schneeketten und die dicke Winterjacke eingepackt, 2025 ist vom Winter weit und breit noch nichts zu sehen.

Für unsere Zwecke nicht wirklich stilecht, aber zumindest angenehm: Vom „Fire and Ice“ der kommenden Ski-Saison verschont, feilen wir auf Sommerreifen und gut warmgefahren die Alpenpässe der Zentralschweiz hinauf und hinunter. Slalom, Parallelschwung, Serpentinen-Tricks. Ein klein wenig fühlt sich das an wie beim letzten Klassentreffen: Irgendeiner der früheren Klassen-Clowns hat die Telefonnummern der alten Clique aufgetrieben, du bist aus reiner Neugierde hingestiefelt – und jetzt liegt man sich in den Armen, schwelgt in Erinnerungen.

Blick in das Cockpit mit einer Person an Steuer des VW Golf GTI Fire + Ice.
Foto: Hardy Mutschler

In unserem Fall hat Volkswagen das Foto der Abschlussklasse von 1990 herausgezogen, und da war er auf einmal, der VW Golf „Fire + Ice“: Lackierung in „Dark Violet Perleffekt“ mit einem changierenden Farbspektrum von Aubergine-Lila bis beinahe Schwarz. Auch die Innenausstattung sorgt mit Violett-blauen Stoffbezügen für Partylaune, das Tattoo-mäßige Fire+Ice-Logo findet sich großzügig verteilt am ganzen Auto. Und egal, ob es sich um die 90-PS-Basis oder die GTI- und GTD-Modelle handelt: So ein Fire+Ice-Golf rollt immer auf kernigen 15-Zoll-Rädern daher im glanzgedrehten „Estoril“-Design und trägt den sportlichen Look eines GTI: Doppelscheinwerfergrill, teillackierte Stoßfänger, feiste Radläufe, weiße Blinker vorn und dunkel getönte Rücklichter.

Das schaltet Erinnerungen frei an die kunterbunten 80er. An aufkeimende bürgerliche Abenteuerlust zwischen Windsurfbrett, Synthesizer-Discosound und erstem Snowboard. VW packte damals den Lifestyle ans Auto, es gab Themen-Sondermodelle von „Flair“ bis „Pasadena“ – aber keines war so gut eingewurzelt wie der Fire+Ice-Golf.

Der VW ID.3 GTX (2024) im Video

Video Platzhalter
Video: AUTO ZEITUNG

Aus Vertriebsmaßnahme wird Fan-Kultur – ob das nochmal klappt?

Bereits 1986 hatte Skimoden-Tausendsassa und Wintersport-Filmer Willy Bogner seinen ersten „Fire + Ice“-Film in die Kinos gebracht, einen ebenso handlungsarmen wie actionreichen Streifen, der nicht für die ernste Botschaft da war, sondern den reinen Spaß. Sozusagen die Frühform der heutigen Red Bull-Action-Kracher, wo zwischen suizidalen Mountainbike-Jumps, Schwarze-Pisten-Eskalation und Wingsuit-Irrwitz lustvoll die Schlüsselbeine knacken, auf dass YouTube (hier gehts zum Kanal der AUTO ZEITUNG) mit neuem Adrenalin-PR-Material gefüttert werden kann.

Gute vier Jahre nach dem ersten „Fire + Ice“-Streifen brachte Bogner die noch verwegenere Fortsetzung – und damit ist natürlich keine Handlung gemeint, sondern die volle Unterhaltungs-Breitseite. Der Modemacher aus München konnte mit seinen Showbusiness-Verbindungen Stars wie Roger Moore gewinnen, Gastauftritte von Walter Röhrl bis Niki Lauda machten die Neuauflage komplett. Und Bogner schaffte es eben auch, VW-Vorstand Herbert Schuster von der Notwendigkeit eines Fire + Ice-Sonder-Golf zu überzeugen – mit jenem selbstsicheren Instinkt, der beim Surfen ganz vorn auf der Erfolgswelle vermutlich inklusive ist.

Dass VW die Episode in nicht allzu schlechter Erinnerung haben kann, zeigt nun die Neuauflage der Fire + Ice-Idee – 35 Jahre später, aber nicht mehr mit dem Golf, sondern mit dem ID.3. Auch das hat sich geändert: Vor 35 bis 40 Jahren war der Golf noch unangefochtener Mainstream-Held, mittlerweile hat er Konkurrenz durch einen vollelektrisch-zweieiigen Zwilling bekommen. Zumindest so lange, bis in nicht allzu ferner Zukunft der ID.-Handlungsstrang wieder im Golf mündet. Bis es soweit ist, darf sich der ID.3 nun ebenfalls ein wenig an der Legendenbildung als später Fire + Ice-Ableger versuchen – in Memoriam jener automobil unbekümmerten Jahre, als man sich das Gezerre um einen fundamentalen Wechsel der Antriebstechnologie im laufenden Betrieb beim besten Willen nicht hätte vorstellen können.

Auf den ersten Kontrollblick ist der VW ID.3 GTX Fire + Ice übrigens erstaunlich gut geworden, das Volkswagen-Design hat den ausgelassenen Spirit der Vorlage auf den Punkt erwischt und herrlich opulent umgesetzt: In „Ultra Violet Metallic“ knallt er einfach besser als das Original mit dem oft beinahe schwarz wirkenden Lack, die in Wagenfarbe lackierten 20-Zöller lassen das Sondermodell wuchtig auf der Straße stehen. Im Cockpit wird mit dem Zweifarb-Thema des Fire+Ice-Golf gespielt, allerdings mit neuem Twist: Der Fahrersitz ist rot abgesetzt, der Beifahrersitz blau, gesteppte Sitzmittelbahnen sollen mit aufgesetzter Reißverschluss-Optik an das Design von Ski-Daunenjacken erinnern – ein koketter Gruß an den Kollaborationspartner Bogner.

Blick auf die Vordersitze im Innenraum des VW ID.3 GTX Fire + Ice.
Foto: Hardy Mutschler

Den Golf zu fahren, gleicht einer Zeitreise

Fahren? Das ist 35, 40 Jahre nachdem der Golf II für die deutsche Autowelt Mittelpunkt des Universums war eine echte Zeitreise. Es braucht daher einige Kilometer, bis wir uns im VW Golf GTI Fire + Ice des Jahrs 1990 zurechtfinden. Kaum zu glauben, wie luftig und licht man im Youngtimer sitzt, wie gut der Überblick aus den großen, steil stehenden Scheiben auf die kompakte, kantige Karosserie ist. Der moderne VW ID.3 GTX Fire + Ice mauert seine Mitfahrenden dagegen regelrecht tresorhaft ein – wie alle Autos seiner Generation.

Während man im alten Golf sofort unbekümmert in die Ecken stechen und mit verwegenem Grinsen nur Millimeter an den Felsen und Abstürzen der alpinen Pass-Straße vorbei über die Ideallinie zimmern möchte, muss man im ID.3 erst einmal ein Gefühl für die Abmessungen des Autos bekommen. Man sitzt entkoppelt von der Umwelt, getrennt vom Geschehen. Schade irgendwie, denn dieser Eindruck täuscht: Das moderne Auto fährt um ein Vielfaches präziser, neutral und auf den Punkt. Flüssig, entspannt, flink. Der alte Golf ist dagegen bockend unterwegs. Er will mit Kraft gelenkt werden, gibt nur ungefähre Rückmeldungen über Straßenzustand, Lenkwinkel und Traktion zurück.

Im Grenzbereich reitet man ihn ganz grob über den Daumen, die angetriebene Vorderachse wechselt dauernd zwischen leichtem Untersteuern mit seifigem Lenkgefühl und dann wieder bizepsspannenden Rückstellkräften. Seltsam. Das hatten wir überhaupt nicht so in Erinnerung. Der Golf GTI, das war doch ein Held der Landstraße, den man mit großem Herzen und gern auch mal robustem Gasfuß ins Abenteuer führen konnte …? Liegt es vielleicht an unserem Besucher aus dem Jahr 1990, der nach vielen zehntausenden Kilometern eben die ganz normalen Verschleißerscheinungen zeigt?

Manchmal können Erinnerungen auch sehr ernüchternd sein

Vielleicht. Aber nur ein klein wenig. Den eigentlichen Unterschied macht, dass sich der Stand der Technik innerhalb der letzten Jahrzehnte so schnell weiterentwickelt hat. Der moderne VW ID.3 GTX Fire + Ice ist schlicht und einfach das deutlich bessere Auto, er verbindet Dynamik mit Komfort, Präzision mit Gelassenheit. Wenn es den jetzt noch mit jener lichten Transparenz gäbe, wie es die Karosserie des VW Golf mit sich bringt … Aber vermutlich müsste man dann auch mit der Lautstärke des alten Kämpen leben, der akustischen Dünnhäutigkeit, die jeden Kieselstein in den Radhäusern zum Prasseln macht und das Mahlen der Antriebsachsen sowie das mechanische Knarzen des Vierzylinders durchs Blech zur fahrenden Person morst.

Wobei: Wäre das so schlimm? Fühlt sich eben diese Ehrlichkeit nicht auch herrlich lebendig an? Schließlich fährt man den VW Golf Fire + Ice so, wie man einen Handkantenschlag führt: entschlossen und muskulös mit einer Dauerinjektion Adrenalin. Einen Aufmerksamkeits-Assistenten brauchst du da unter Garantie nicht, der 1990er-GTI hält dich nicht nur wach, sondern ganz in seinem Bann. Motor ausdrehen, Gänge trocken durchreißen, mit gespannten Waden in die Bremsen treten. Und von vorn. Herrlich. An unbändiger Kraft liegt der Fahrspaßkick dabei freilich nicht, schließlich galt der 107 PS (79 kW) starke Motor des Golf GTI II schon zu seiner Zeit nicht gerade als Höllenhund.

Allein das brachiale Elektro-Drehmoment des VW ID.3 GTX (545 Nm) führt den Klassiker herzlos vor. So lässig und hemmungslos, wie der E-VW die steilen Passrampen hinaufdrängt, schafft es der Golf GTI nicht einmal bergab. Der Vergleich ist ernüchternd. Dass der ID.3 GTX eine satte Tonne mehr wiegen soll als sein kaum 1000 kg schwerer Vorfahr, ist nicht zu glauben. Und trotzdem bleibt nach der Fahrt mehr als eine wiederbelebte Erinnerung zurück. Was den Golf in den Achtzigern und frühen Neunzigern ausmachte, hat er immer noch: seinen grundehrlichen, sympathischen und mitreißenden Charakter. Der GTI II kann den knallbunten Schuss „Fire + Ice“ mit großer Selbstverständlichkeit tragen.

Technische Daten des VW Golf GTI Fire + Ice und VW ID.3 GTX Fire + Ice

AUTO ZEITUNG 26/2025

VW Golf GTI Fire + Ice

VW ID.3 GTX Fire + Ice

Technische Daten

Motor

4-Zylinder, 2-Ventiler

Permanentmagnet-Synchronmaschine (PSM),

Hubraum

1781 cm³

-

Leistung Verbrenner

79 kW /
107 PS bei 5400 /min

-

Max. Drehmoment Verbrenner

157 Nm bei 3800 /min

-

Leistung E-Motoren

-

16 kW / 21 PS

Systemleistung

79 kW /
107 PS

210 kW /286 PS

Max. Systemdrehmoment

157 Nm

545 Nm

Getriebe / Antrieb

5-Gang, manuell, Vorderradantrieb

Konstantübersetzung, Hinterradantrieb

Akkukapazität

-

79,0 kWh; Li-Io-Batterie

Maße & Gewichte

Außenmaße (L / B / H)

4040 / 1665 / 1415 mm

4264 / 1809 / 1564 mm

Leergewicht

995 kg

1981 kg

Fahrleistungen

Beschleunigung (0–100 km/h)

10,5 s

5,9 s

Höchstgeschwindigkeit

189 km/h

180 km/h

Verbrauch auf 100 km

8,5 l S/100 km (Drittelmix)

14,9 kWh/100 km

Reichweite elektrisch

-

591 km

Kaufinformationen

Grundpreis

31.670 Mark (1990)

56.020 Euro