Skoda-Chef Bernhard Maier: Interview "Bis 2020 bringt Skoda 19 neue Modelle"

von Volker Koerdt 03.07.2018

AUTO ZEITUNG-Interview mit Skoda-Chef Bernhard Maier über den anhaltenden Erfolg der Marke, neue Modelle und die Elektrifizierung.

Herr Maier, 2017 erzielte Skoda das beste Ergebnis der Unternehmensgeschichte (plus 6,6 Prozent). Was waren die ausschlaggebenden Faktoren?
Skoda ist es gelungen, in allen Weltregionen und mit nahezu jeder Modellreihe zuzulegen. Neben unseren Bestsellern Octavia und Superb waren unsere neuen SUV Kodiaq und Karoq die großen Wachstumstreiber. Beide Modelle sind echte Volltreffer. Sie zeigen, dass unsere SUV-Offensive – ein wichtiger Baustein unserer Strategie 2025 – greift. Gleichzeitig motiviert dieser Erfolg, auch in diesem Jahr weiter zuzulegen. Genau das tun wir: mit zahlreichen neuen Produkten und neuen Mobilitätslösungen, die unsere Kunden begeistern werden.

Gibt es noch eine Segment-Lücke, die Skoda besetzen könnte?
Da haben wir in der Tat noch eine Reihe von Möglichkeiten. Auf dem Genfer Autosalon zeigen wir beispielsweise die Studie Vision X, die einen konkreten Ausblick auf einen kleinen Urban Crossover gibt. Mit zunehmender Entwicklung des autonomen Fahrens könnte auch ein Raumkonzept für uns interessant werden. Hier entsteht ein sehr spannender Markt für Mobilitätsservices, an dem wir partizipieren wollen. Und in vielen Weltmärkten wächst das B-SUV-Segment nachhaltig – auch hier kann ich mir ein Angebot von Skoda vorstellen.

B-Segment bedeutet?
Wir reden über ein SUV oberhalb des Kodiaq. Das Segment wächst ebenfalls stark, etwa in China. Doch das ist nur ein Beispiel: Wir haben jede Menge gute Ideen – etwa für weitere Derivate unserer bestehenden Baureihen, mit denen wir die Wünsche unserer Kunden noch besser bedienen können.

Bei allem Erfolg: Der Citigo ist das Sorgenkind …
Wir haben unser Einstiegsmodell vergangenes Jahr grundlegend überarbeitet. Das kommt bei unseren Kunden gut an: Im Januar sind die Auslieferungen des Citigo um 19,1 Prozent gestiegen. Und wir planen bereits den nächsten Schritt: eine Elektro-Version, die wir voraussichtlich schon Ende 2019 vorstellen werden. Ab 2020 starten wir dann unsere Elektrifizierungsoffensive mit zehn weiteren Modellen bis 2025.

Elektrifizierung ist ein gutes Stichwort: Was wird außer der hier in Genf gezeigten Studie von Skoda noch kommen?
Wir gehen weiterhin davon aus, dass der Marktanteil elektrisch angetriebener Fahrzeuge 2025 rund 25 Prozent betragen wird. Deshalb planen wir bei Skoda Fahrzeuge wie den eCitigo oder den Vision E. Andererseits bedeutet das aber auch: 75 Prozent unserer Neuwagen werden noch konventionell angetrieben mit Benzin, Diesel und Erdgas. In Genf zeigen wir die Studie Vision X, die mit einer innovativen Verbindung aus Gasantrieb und einer elektrischen Hinterachse das Beste aus allen Welten verknüpft. Wenn wir bis 2025 große Schritte in Sachen Luftqualität machen wollen, brauchen wir nicht nur reine Elektroautos, sondern auch bezahlbare Hybridtechnik, wie sie im Vision X steckt.

Kommen wir zu dem derzeit meist gescholtenen Antrieb, dem Diesel. Im Skoda Fabia ist er Geschichte.
Die Nachfrage nach Dieselmotoren im Skoda Fabia ist in den vergangenen Monaten immer weiter zurückgegangen, denn wir bieten mit unseren hocheffizienten Dreizylindermotoren bereits heute eine sehr gute Alternative zum Diesel. Die Abgasnachbehandlung wird zudem in diesem Segment schlicht zu teuer. Dennoch ist und bleibt der moderne Diesel ein sehr effizienter Antrieb, der für bestimmte Fahrzeugsegmente weiterhin sehr viel Sinn macht. Vor allem für Vielfahrer ist der Diesel nach wie vor ein gefragter Antrieb. Und auch für die Reduzierung des CO2-Flottenverbrauchs spielt er eine wichtige Rolle.

Neuheiten Skoda Kodiaq RS (2018)
Skoda Kodiaq RS (2018): Motor & Ausstattung Skoda öffnet die Auftragsbücher

Skoda auf dem Genfer Autosalon 2018:

 
 

Skoda-Chef Bernhard Maier im Interview

Zum Rapid-Nachfolger: Der wird ja deutlich "sexier" werden als das derzeitige Auto und das Kompaktauto von Skoda – also der Golf von Skoda. Hat er genügend Abgrenzungen zum Octavia?
Ja, eindeutig. Wir haben eine passgenaue Segmentierung gewählt und bei der Positionierung klar darauf geachtet, dass wir die unterschiedlichen Kundengruppen erreichen. Was das Thema Raumangebot und Größe betrifft, wird der Nachfolger am oberen Ende des Segments angesiedelt sein. Das hat sich bei unseren anderen Baureihen auch bewährt. Wir schaffen damit quasi Zwischensegmente für unsere Produkte. Das gelingt uns beim Octavia seit vielen Jahren sehr erfolgreich. Dasselbe gilt für Superb, Karoq und Kodiaq.

Was haben Sie für Strategien, um die Marke Skoda emotional aufzuladen?
Das ist eine vielschichtige Aufgabenstellung. Zentrale Handlungsfelder sind der kommunikative Auftritt, das Erscheinungsbild der Marke und besonders das Design unserer Produkte. Dabei geht es um die gelungene Symbiose von Emotionalität und Funktionalität. Wir werden auch weiterhin jedes einzelne unserer Modelle mit "Simply Clever"-Eigenschaften ausstatten und darüber hinaus weitere neue Ideen entwickeln – besonders im Hinblick auf künftige digitale Services. Wir bringen allein bis Ende 2020 19 Produktneuheiten auf den Markt. Das werden sehr emotionale Fahrzeuge mit brandneuen Technologien. Besonders freue ich mich auf die Serienversion des Vision E, die 2020 auf den Markt kommen wird. Ich bin sicher: Auch dieses Auto wird dem Markenwert Emotionalität einen weiteren  ordentlichen Schub verleihen.

Bleiben wir bei der Emotionalität – bei den Verbrennern: Was haben wir denn bei den RS-Modellen noch zu erwarten?
In der Tat entscheiden sich heute viele Kunden für ein RS-Modell von Skoda. Da ist es natürlich reizvoll, über eine Ausweitung des Angebots nachzudenken. Uns ist aber auch klar, dass wir uns hier in einem Spannungsfeld bewegen: auf der einen Seite die hohe Nachfrage unserer Kunden und auf der anderen Seite das Thema CO2-Compliance und Umweltverträglichkeit. Doch RS muss ja nicht automatisch bedeuten: Verbrennungsmotor, zwei Liter Hubraum und 350 PS. Die RS-Idee würde auch sicher hervorragend als Hybrid funktionieren.

Es ist kein Geheimnis, dass ein Kodiaq RS kommt. Ist auch ein Superb RS eine Option?

Das kann ich Ihnen momentan noch nicht sagen – obwohl das sehr verlockend wäre. Im Hinblick auf die künftigen Fahrzeuge unserer Modellpalette macht eine RS-Variante des Vision E unter Umständen Sinn.

Sie haben 2017 1,2 Millionen Skoda-Fahrzeuge verkauft. Wann sind die 1,5 Millionen realistisch?
Wenn wir denn die notwendigen Kapazitäten zur Verfügung hätten, wäre dieses Ziel für 2018 vielleicht nicht einmal unrealistisch. Doch uns ist wichtig, dass wir nachhaltig und beherrschbar wachsen. Dass die Marke Skoda ein enormes Wachstumspotenzial hat, steht für  mich außer Frage. Wir haben uns deshalb vorgenommen, unser Geschäft zu verdoppeln. Das heißt, dass wir in Zukunft auch die Schwelle von zwei Millionen Einheiten überschreiten können. Entscheidend ist aber, dass wir profitabel wachsen.

Thema USA: Sie haben immer mal wieder verlauten lassen, dass man an einem der größten Automobilmärkte – lange Zeit war es ja der größte überhaupt, bis ihn jetzt China überholt hat – nicht vorbeikommt. Was machen diese Pläne? Sind sie konkreter geworden? Es ist ja sehr teuer, einen Markeneintritt in den USA zu realisieren …

Allgemein beschäftigen wir uns im Rahmen unserer Strategie 2025 intensiv mit der weiteren Internationalisierung von Skoda. Derzeit sind wir in 102 Märkten vertreten und wollen unsere Präsenz auf 120 Länder ausbauen. Die USA sind mit rund 25 Prozent Anteil am Weltmarktabsatz nach wie vor ein hoch interessanter Markt. Wir beobachten diesen Markt deshalb weiterhin genau. Ob und wann daraus ein konkreter Plan wird, haben wir noch nicht festgelegt. Wir sind hier nicht unter Zeitdruck, es gibt auch andere Märkte mit viel Potenzial. Ende 2016 haben wir beispielsweise vom Konzern den Auftrag bekommen, eine globale Fahrzeugarchitektur für preissensible Fahrzeugsegmente zu evaluieren, zunächst mit dem Fokus auf Indien. Das Projekt ist eine enorme Chance für uns, und wir widmen uns dieser Aufgabe mit großer Intensität. Wir sind dabei bereits große Schritte vorangekommen. Das strategische Ziel ist es, das erste Modell, das auf dieser neuen Plattform basieren wird, bereits 2020 im indischen Markt einzuführen. Dieses Projekt hat aktuell eine höhere Priorität als ein möglicher Markteintritt in den USA.

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