Rudi Klein Collection: Scheunenfunde für 23 Mio. Dollar

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Ein Mercedes 300 SL stehend von schräg vorne
Rudi Klein Collection Foto: RM Sotheby's

Unter der unbarmherzigen Sonne Kaliforniens und in verstaubten Lagerhallen stand sich jahrzehntelang die Rudi Klein Collection die Reifen platt. Am 26. Oktober 2024 rollten 70 Fahrzeuge und noch mehr Motoren zur Auktion.

Ein Lamborghini Miura stehend von schräg vorne
Rudi Klein Collection Foto: RM Sotheby's

Ein Miura-Dreigestirn wartet auf eine sanfte Wiederbelebung. Das im Bild gezeigte Exemplar erzielte 1,325 Mio. US-Dollar.

Ein Mercedes 500 K stehend seitlich
Rudi Klein Collection Foto: RM Sotheby's

Der Mercedes 500 K aus Erstbesitz von Rudolf Caracciola fand für einen Preis von 4,135 Mio. US-Dollar ein neues Zuhause.

Porsche- und Mercedes-Klassiker stehend in einer Halle
Rudi Klein Collection Foto: RM Sotheby's

Alleine 200 Porsche 356 soll Klein besessen haben. 17 Stück wurden im Rahmen der Auktion angeboten. Einen Erlös von 1,16 Mio. US-Dollar erzielte dabei ein 356 B Roadster von 1962.

Rostende Oldtimer in einer Halle
Rudi Klein Collection Foto: RM Sotheby's

Hinter den beiden Mercedes 300 SL in bemitleidenswertem Zustand wartet auch der einzigartige Iso Grifo Spider auf Zuwendung. Zusammengerechnet wechselten alle drei für 12,418 Mio. Dollar den Besitz.

Gestapelte Porsche-Karosserien
Rudi Klein Collection Foto: RM Sotheby's

Porsche 911 in jeglicher Verfallsstufe sind auf dem Schrottplatz Massenware.

Ersatzteilregale im Freien
Rudi Klein Collection Foto: RM Sotheby's

Diese wettergegerbten Motoren und Räder treiben so schnell keinen Porsche oder Mercedes mehr an. Dennoch brachten die Triebwerke zehntausende Dollar ein.

Der wohl wertvollste Schrottplatz der Welt räumt auf: Auktionshaus RM Sotheby's versteigerte verloren geglaubte Schätze wie den Mercedes 300 SL Flügeltürer mit Alu-Karosserie und den Iso Grifo Spider. Die Scheunenfunde brachten am Ende 23 Mio. US-Dollar!

Rudi Klein lebte den amerikanischen Traum, vom Tellerwäscher zum Millionär. Beziehungsweise in seinem Fall: vom Metzger zum Schrottplatz-König. Der Ende der 1950er-Jahre aus Deutschland in die USA emigrierte Klein hatte also schon immer ein Händchen dafür, leckere Güter in ihre Einzelteile zu zerlegen. Dass mit der Verschrottung exotischer Sportwagen aus Europa vor den Toren Hollywoods mehr Greenbacks zu machen war, als mit Fleisch, stellte er spätestens 1967 fest, als er seine Verwertungsfirma "Porche Foreign Auto" gründete.

Der Name war dabei kein versehentlicher Griff ins Rechtschreib-Klo, sondern resultierte aus dem Verbot vonseiten Porsches, den Markennamen für den Schrottplatz zu nutzen. Aber er sollte den Fokus auf die Zuffenhausener Sportwagen in den nächsten Jahrzehnten untermauern. Schnell galt Klein als beste Adresse für Porsche und Mercedes, aber auch Lamborghini, Ferrari, Maserati, Aston Martin, Jaguar, Facel Vega und was die Elite der Westküste eben sonst noch so fuhr – sowie als schlechteste Adresse für neugierige Autofans. Auf unangekündigten Besuch soll der Eigenbrötler häufig den Hund gehetzt haben. Und selbst engen Vertrauten gewährte Rudi Klein keinen tieferen Einblick in seine Schatzkammern. Ganz im Stillen reifte sein Inventar in den folgenden Jahrzehnten von ausrangierten Spaßautos zu unbezahlbaren Sammlerstücken.
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Rudi Klein Collection: Ergebnisse in Millionenhöhe

Mehr als 50 Jahre später hat Auktionshaus RM Sotheby's das Geheimnis um das sagenumwobene Inventar von Porche Foreign Auto gelüftet. Zuletzt hatten seine Söhne das Verwertungsimperium verwaltet, nachdem ihr Vater 2001 gestorben war. Nun sind rund 70 Fahrzeuge und noch weit mehr Ersatzteile wie Motoren und Karosseriebleche zur Bieterschlacht am 26. Oktober 2024 unter den Hammer gekommen. RM Sotheby's hatte alle automobilen Schätze gelistet, sodass mehrere Preziosen mit einstelligem Millionenwert ans Tageslicht gekommen sind. Da wäre zum Beispiel der Iso Grifo A3/l Spider von 1964, den sein fehlendes Dach zu einem Einzelstück macht. Der offene Prototyp, den Bertone noch vor der Serienproduktion des Coupés schneiderte, verschwand in den 80er-Jahren in Rudi Kleins Sammlung und erzielte nun 40 Jahre später einen Preis von 1,875 Mio. Dollar (ca. 1,76 Mio. Euro).

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Nicht nur ein Hauch von Verfall haftet dem Mercedes 300 SL an, der als einer von nur 29 Exemplaren die begehrte Alu-Karosserie besitzt. Er erzielte am Tag der Auktion sagenhafte 9,335 Mio. US-Dollar (ca. 8,63 Mio. Euro). Den SL hatte Schrottplatzbesitzer Rudi Klein in den 70er-Jahren für 30.000 Dollar erworben. Ein Investment, das sich nun all die Jahre später vor allem für seine Erben gelohnt hat. Auf Platz zwei der teuersten Fahrzeuge folgt der Mercedes 500 K von 1935, der nicht nur in äußerst geringer Stückzahl als Roadster-Limousine gebaut wurde, sondern auch noch aus Erstbesitz von Rennfahrer-Legende Rudolf Caracciola stammt. Das lange als verschollen geltende Coupé fand für einen Preis von 4,135 Mio. US-Dollar (ca. 3,81 Mio. Euro) ein neues Zuhause. Weniger überraschend ist das Ergebnis des offenen Mercedes 300 SL Roadster von 1957, für den bei 1,187 Mio. Euro der Hammer fiel.

Etwas günstiger fiel das Dreigestirn an Lamborghini Miura aus, das auf den Bildern verstaubt und verbeult auf eine zweite Chance als Concours-Anwärter wartete: Bei 350.000 bis 700.000 US-Dollar (ca. 322.000 bis 644.000 Euro) sollte der Hammer fallen für jeden einzelnen Stier aus Sant'Agata. Der älteste Miura des Trios, ein giftgrüner 1968er P400, setzte mit einem finalen Auktionsergebnis von 1,325 Mio. US-Dollar (ca. 1,22 Mio. Euro) zum Höhenflug an. Auch der Zweite im Bunde überbot den Schätzwert mit einem Verkaufswert in Höhe von 967.500 US-Dollar (ca. 890.440 Euro). Bei der VW T2 Einzelkabine, auf deren Ladefläche die Front eines weiteren Miura ruht, gingen vergleichsweise günstige 56.000 Dollar (ca. 51.540 Euro) über den Tresen. Noch besser erwischten es die Käufer:innen des extrem seltenen Audi Treser Largo. Der im Radstand verlängerte Luxus-Audi 200 wechselte für nur 6160 Dollar (5669 Euro) den Besitz.

1,16 Mio. Dollar erzielte ein Porsche 356

Allein etwa 200 Porsche 356 soll Klein besessen haben. Unter den 17 übrig gebliebenen stehen sich Fahrzeuge mit unglaublich geringer Kilometerleistung die Reifen platt. Der auf 350.000 bis 550.000 Dollar geschätzte 365 B Roadster von 1962 schaffte keine 1000 km, bis er in den Dornröschenschlaf fiel. Er wurde zum Opfer einer Bieterschlacht, die das finale Ergebnis auf eine Summe von 1,16 Mio. US-Dollar (ca. 1,07 Mio Euro) in die Höhe schnellen ließ. 

Auch die unterm Sonnenlicht korrodierten Boxermotoren in meterhohen Regalen machen sprachlos. Pro Stück verlangte das Auktionshaus etwa 2000 bis 5000 Dollar, teilweise erzielten einzelne Triebwerke Preise von 10.200 bis 14.400 Dollar. Warum ihr ehemaliger Besitzer es überhaupt erst so weit kommen ließ, ist nicht eindeutig nachzuvollziehen. Fest steht, dass dank der Auktion die internationale Oldtimer-Szene die einmalige Chance bekommen hat, jahrelang verschwundene Klassiker wieder ans Tageslicht zu bringen und ihnen möglicherweise neues Leben einzuhauchen.