Evoque/Q3/XC40: Vergleichstest Kompakt-SUV von Range Rover, Audi und Volvo im Vergleich

von Markus Schönfeld 13.01.2020
Inhalt
  1. Audi Q3, Range Rover Evoque & Volvo XC40 im Vergleichstest
  2. Fahrkomfort: Volvo XC40 und Audi Q3 mit adaptiven Dämpfern
  3. Motor/Getriebe: Audi Q3 lebendig und drehfreudig 
  4. Fahrdynamik: Gewicht des Range Rover Evoque schlägt zu Buche
  5. Umwelt/Kosten: Volvo XC40 sticht Range Rover Evoque aus
  6. Messwerte & technische Daten: Audi Q3 35 TDI quattro, Range Rover Evoque D150 AWD & Volvo XC40 D3 AWD

Im Vergleichstest treten Range Rover Evoque, Audi Q3 und Volvo XC40 gegeneinander an – Jeweils mit Allradantrieb und 150 Diesel-PS.

Gesamtbewertung (max. Punkte)Audi Q3
35 TDI quattro
Range Rover
Evoque D150 AWD
Volvo XC40 D3 AWD
Karosserie (1000)656623622
Fahrkomfort (1000)732713727
Motor/Getriebe (1000)611571589
Fahrdynamik (1000)673604637
Eigenschaftswertung (4000)267225112575
Kosten/Umwelt (1000)361328361
Gesamtwertung (5000)303328392936
Platzierung132

Selbst wenn man direkt vor dem neuen Range Rover Evoque – hier im Vergleichstest gegen den Audi Q3 und Volvo XC40 – steht, könnte es einem fast entgehen, dass es sich hierbei um eine komplette Neuentwicklung handelt. Gut, die Kanten wurden ordentlich geglättet, und auch die neue Antriebsbezeichnungen am Heck fällt auf. Aber seine hinreißenden Proportionen hat der beliebte Engländer über den Modellwechsel gerettet – ebenso die charakteristisch schmalen Scheinwerfer und Rücklichter. Der Rest ist komplett neu und steht jetzt auf einer viel moderneren Plattform, die sogar eine Elektrifizierung des Antriebs ermöglicht. Das erfolgreichste Modell aus dem gesamten Jaguar Land Rover-Portfolio soll eben auch in der zweiten Generation für alle Unwägbarkeiten gewappnet sein. Der Neuauflage des Audi Q3 ist das schon gelungen. Seit 2018 überzeugt der Ingolstädter mit mehr Platz, Komfort und Konnektivität als der Vorgänger. Der Volvo XC40 hat es dagegen bereits innerhalb seines ersten Jahres zum Verkaufsschlager und Herausforderer geschafft. Der Vergleichstest soll klären, wer mit Einstiegsmotorisierung und Allrad dominiert.

Audi Q3 Sportback im Video:

 
 

Audi Q3, Range Rover Evoque & Volvo XC40 im Vergleichstest

Das Design des Range Rover Evoque zählt seit Einführung der ersten Generation 2011 zum wichtigsten Kaufgrund. Daher blieben Form und Größe auch nach dem Generationswechsel nahezu erhalten. Der Evoque basiert jetzt aber nicht mehr auf der alten Freelander-Plattform, sondern teilt sich einen Baukasten mit dem Jaguar E-Pace. Der Radstand wächst damit um gut zwei Zentimeter, was vor allem die Passagiere in der zweiten Reihe merken. Knie- und Bewegungsfreiheit sind nämlich spürbar gewachsen. Beim Platzangebot liegen bei Range Rover Evoque, Audi Q3 und Volvo XC40 nun auf Augenhöhe. Und im Kofferraum verstaut der Evoque als Fünfsitzer mit 591 Litern sogar das meiste Gepäck. Nach dem Umklappen der Rücksitzlehnen entsteht allerdings eine nicht ganz ebene Ladefläche. Hier punktet der Audi, vor allem wegen des insgesamt größten Abteils (1525 Liter). Im Volvo sind es maximal 1336 Liter, im Range Rover 1383 Liter. Die üppigste Kopffreiheit bietet aber nicht der aufrecht geformte Volvo, sondern der neue Q3. Das liegt am niedrigem Sitzniveau von gut 50 Zentimeter über dem Asphalt. Weil man in Volvo und Range Rover deutlich höher sitzt, kommt hier bei den Insassen eher das geschätzte SUV-Gefühl auf. Die Übersicht nach vorn ist jedoch hier wie da gut. Nur beim Rundumblick stören die dicken C-Säulen und die kleinen Heckscheiben. Da lassen sich die knackigen Q3-Proportionen besser abschätzen. Spürbar aufgerüstet hat Range Rover bei der Sicherheitsausstattung. Dank vieler optionaler Assistenzsysteme steht der Evoque jetzt auf Augenhöhe mit den Besten der Klasse. Rückfahrkamera, Spurhalter und Müdigkeitswarner gibt es sogar serienmäßig. Bei der Verarbeitungsqualität liegt im Vergleichstest der Audi vorn. Bis ins Detail ist der Q3, der jetzt im ungarischen Györ vom Band läuft, fein ausgeschlagen. Die Materialauswahl im Engländer kann sich ebefalls sehen lassen. Für den Innenraum lassen sich viele recycelte Stoffe bestellen, die sich gut anfühlen und nachhaltig sind. Für das Dinamica-Velours werden beispielsweise 53 Halbliter-Kunststoff-Flaschen wiederverwendet.

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Fahrkomfort: Volvo XC40 und Audi Q3 mit adaptiven Dämpfern

Angesichts der 20 Zoll großen Testwagenbereifung hielten sich die Komforterwartungen an den Range Rover Evoque in Grenzen. Doch der kompakte Brite wird selbst mit der großen Sportbereifung nicht unangenehm schroff. Querfugen oder Bahnübergänge kommen zwar zu den Insassen durch, doch der Aufbau beruhigt sich nach der Anregung schnell wieder. Echte Nehmerqualitäten beweisen Federn und Dämpfer auf schlechtesten Straßen – selbst mit voller Beladung. Als Einziger im Vergleichstest-Trio verzichtet der Evoque dabei sogar auf adaptive Dämpfer. Beim Volvo kostet das Fahrwerk mit Four-C-Technologie (Continuously Controlled Chassis Concept) 840 Euro. Ein Aufpreis, der sich lohnt, denn so kann der Volvo XC40 einerseits ausgeglichen über schlechte Fahrbahnen gleiten und andererseits per Knopfdruck zum sportlichen Kurvenräuber mutieren. Überhaupt geht es im Volvo trotz der steilen Karosserie-Flanken erstaunlich ruhig zu. Die Geräuschdämmung zeigt sich hier auch bei höheren Geschwindigkeiten am wirkungsvollsten umgesetzt. Dagegen ist der Audi Q3 im Vergleichstest laut. Dennoch kann sich der Ingolstädter mit besten Fahrwerkseigenschaften und tollen Sitzen in Szene setzen.

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Motor/Getriebe: Audi Q3 lebendig und drehfreudig 

Die 150-PS-Dieselmotoren gelten bei allen drei SUV als Einstiegsmotorisierung, wobei der Range Rover Evoque den Allradantrieb stets mit Neun stufen-Automatik und 46-Volt-Starter-Generator kombiniert. Für kurze Rekuperationsphasen beziehungsweise ein elektrisches Drehmomentplus beim Beschleunigen nutzt das System eine kleine Lithium-Ionen-Batterie, die samt Leistungselektronik im Unterboden versteckt wurde. Neben diesem für die AWD-Modelle obligatorischen Mild-Hybrid-System soll es demnächst übrigens noch einen an der Steckdose aufladbaren Plug-in-Hybriden geben. Mit nur zwei Liter Hubraum ist man in allen drei Autos für alle Lebenslagen ausreichend kräftig motorisiert. Am lebendigsten wirkt im Vergleichstest der drehfreudige Audi-Q3-Motor. Als Einziger mit Handschaltung kombiniert, absolviert der Q3 den Sprint aus dem Stand auf Tempo 100 (9,3 Sekunden) genau eine Sekunde schneller als der Volvo XC40 mit seiner gut funktionierenden Achtstufen-Automatik. Der Schwede ist aber auch fast zwei Zentner schwerer. Zwischen Evoque und Q3 liegen sogar 275 Kilogramm. So leidet der Engländer nicht nur bei Standardsprint (11,1 Sekunden), Höchstgeschwindigkeit oder Kraftentfaltung unter seinen Gewichtsproblemen, sondern besonders beim Verbrauch. Auch wenn die Abstimmung von Motor, Starter-Generator und Neunstufen-Automatik gelungen ist, gönnt sich die Fuhre durchschnittlich 7,9 Liter auf 100 Kilometern. Das ist deutlich mehr, als die Konkurrenten benötigen.

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Fahrdynamik: Gewicht des Range Rover Evoque schlägt zu Buche

Und das hohe Gewicht des Range Rover Evoque ist auch bei den Fahrdynamikprüfungen des Vergleichstests zu spüren. Zwar gibt sich der Range Rover auf dem engen Kurvengeschlängel des Handlingparcours sehr neutral und narrensicher, doch so zackig wie die beiden Rivalen kann er die Pylonen nicht umrunden. Lenkung und Bremsen liefern zudem nur wenig Rückmeldung. Dagegen bleibt die Abstimmung von Lenkung, Getriebe und Fahrwerk im Dynamic-Modus des Volvo XC40 als angenehm sportlich in Erinnerung. So sehr man bei schnellen Runden auch im Grenzbereich agiert, der Volvo bleibt stets ganz korrekt auf Kurs. Das kann zwar auch der Audi Q3. Seine wilden ESP-Eingriffe in zackig genommenen Wechselkurven trüben aber das ansonsten dynamische Gesamtbild. Wer bei schneller Slalomfahrt unterhalb der Regelimpulse bleibt, erreicht nämlich überragende Durchschnittsgeschwindigkeiten. Im Vergleich sammelt der Q3 auch Punkte für die wirkungsvollsten Bremsen – das geringe Gewicht zahlt sich hier deutlich aus. Der schwere Evoque braucht für eine Vollbremsung aus Tempo 100 genau 1,60 Meter mehr.

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Umwelt/Kosten: Volvo XC40 sticht Range Rover Evoque aus

Im Kostenvergleich sticht der Allrad-Evoque mit einem Einstiegspreis jenseits der 40.000-Euro-Marke selbst aus diesem teuren Vergleichstest-Trio entschlossen heraus. Dabei sollte für den typisch feinen britischen Anspruch mindestens die S-Variante mit besserer Ausstattung gewählt werden. Diese ist aber nochmals gut 5000 Euro teurer. Für so viel Geld bekommt man den nicht gerade günstigen Volvo XC40 schon in voll ausgestatteter Topversion Inscription – inklusive besserer Garantiebedingungen und niedrigerer Versicherungskosten. Auch der Allrad-Audi-Q3 nicht billig, ist gegenüber dem kostentreibenden Range Rover aber geradezu erschwinglich. Und viele Assistenzsysteme sind sogar schon serienmäßig an Bord. Audi-Designpakete, Multimedia-Aufrüstung und Komfortextras können den Preis beim Q3 aber ebenfalls schnell signifikant nach oben treiben – der hier gezeigte Testwagen hat einen Listenpreis von 64.540 Euro.

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Messwerte & technische Daten: Audi Q3 35 TDI quattro, Range Rover Evoque D150 AWD & Volvo XC40 D3 AWD

AUTO ZEITUNG
17/2019
Audi Q3 35 TDI quattroRange Rover Evoque D150 AWDVolvo XC40 D3 AWD
Technik
Zylinder/Ventile pro Zylin.4/4; Turbodiesel4/4; Turbodiesel4/4; Turbodiesel
Hubraum1968 cm³1999 cm³1969 cm³
Leistung110 kW/150 PS110 kW/150 PS110 kW/150 PS
Max. Gesamtdrehmoment340 Nm380 Nm320 Nm
Getriebe/Antrieb6-Gang,manuell/
Allrad, permanent
9-Stufen-Automatik/
Allrad, permanent
8-Stufen-Automatik/
Allrad, permanent
Messwerte
Leergewicht (Werk/Test)1625/1693 kg1816/1968 kg1667/1780 kg
Beschleunigung (Test)   
0 - 100 km/h9,3 s11,1 s10,3 s
0 - 150 km/h22,0 s27,0 s25,0 s
Höchstgeschwindigkeit (Werk)207 km/h196 km/h200 km/h
Bremsweg aus 100 km/h kalt/warm (Test)34,2/35,0 m35,9/36,6 m35,7/35,9 m
Verbrauch (Test/WLTP)6,7/6,1 l D/100 km7,9/6,8 l D/100 km7,4/6,3 l D/100 km
CO2-Ausstoß (Test/WLTP)178/161 g/km209/181 g/km196/167 g/km
Preise
Grundpreis38.600 Euro43.250 Euro38.950 Euro
Testwagenpreis41.335 Euro46.504 Euro41.160 Euro

von Markus Schönfeld von Markus Schönfeld
Unser Fazit

Bei der kompletten Neuauflage des Range Rover Evoque haben die Briten das richtige Maß an Feingefühl bewiesen. Obwohl das SUV auf einer komplett neuen Plattform steht, erkennt man die zweite Generation erst auf den zweiten Blick. Unter der charakteristischen Hülle gibt es jetzt deutlich mehr Komfort, Ausstattung und Platz. Sein hohes Gewicht trübt jedoch die Bilanz bei Fahrdynamik und Antrieb, und auch wegen der hohen Kosten landet er am Schluss auf dem dritten Platz des Vergleichstests. Der Volvo XC40, der trotz seines jungen Alters ein rundum ausgereiftes und harmonisches Bild abgibt, wird Zweiter. Vor allem bei der Raumausnutzung liefert der Audi Q3 in der zweiten Generation aber die besseren Argumente. Er fährt zudem nicht zuletzt wegen seines lebhaften, aber sparsamen Antriebs an die Spitze des kompakten Trios.

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