Opel-Chef Michael Lohscheller: Interview "Opel ist wieder da"

von Volker Koerdt 14.01.2020

Opel-Chef Michael Lohscheller im Interview mit der AUTO ZEITUNG über die gesteigerte Effizienz der Marke, seine Elektrifizierungs-Strategie und die Stimmung der Belegschaft.

Herr Lohscheller, die Redaktion hat Sie gerade mit der Ehren-Auto Trophy zum "Manager des Jahres" ausgezeichnet. Glückwunsch zum gelungenen Tournaround.

Dafür möchte ich mich herzlich bedanken. Und zwar nicht nur in meinem Namen. Die Auszeichnung ist ein Kompliment für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hier bei Opel. Alle arbeiten hart für unsere gemeinsamen Ziele, die wir im Unternehmensplan PACE! formuliert haben: Opel wird nachhaltig profitabel, elektrisch und global. Die Kolleginnen und Kollegen haben geliefert. Opel ist wieder da, und wir sind stolz darauf.

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Opel-Chef Michael Lohscheller im Interview

Was sind die Hauptgründe für die schwarzen Zahlen? 

Da kann ich ganz unterschiedliche nennen. Mit PACE! haben wir wirklich das gesamte Unternehmen neu erfunden. Zum einen haben wir unser Produktportfolio fokussiert. Wir haben die Komplexität deutlich reduziert. Ein Beispiel übrigens, dem derzeit etliche Wettbewerber folgen. Zudem haben wir eine bessere Preisdurchsetzung am Markt, was bedeutet, dass unsere Kunden wieder deutlich mehr Geld für größere und besser ausgestattete Opel ausgeben. Und natürlich haben wir die Kosten in erheblichem Maße reduziert. 

Wäre es dann nicht an der Zeit, einen echten Brandshaper zu etablieren, einen elektrischen Manta zum Beispiel?

Absolut. Wir nennen das Markenlokomotive. Und die steht gewissermaßen schon unter Dampf. Sie kennen unser Konzeptmodell Opel GTX Experimental. Nächstes Jahr startet der Nachfolger des Mokka X. Und der wird dem GTX erstaunlich nahe kommen. Er trägt das neue Opel-Markengesicht, den Grill, den wir Vizor nennen. Der Mokka basiert wie der neue Corsa auf unserer Multi-Antriebs-Konzernplattform CMP und wird als Benziner, Diesel sowie mit vollelektrischem Antrieb auf den Markt kommen. Darüber hinaus kann ich mir eine weitere emotionale Markenlokomotive vorstellen. Was das für ein Auto wird, ist derzeit noch offen.

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Ein SUV?

Nicht zwangsläufig. Wir schauen uns verschiedene Lösungen an. Es ist an der Zeit, sich Gedanken darüber zu machen, was nach dem SUV kommt. Wir schauen uns verschiedene Lösungen an – wie etwa ein hochattraktives Crossover-Modell auf einer unserer variablen Plattformen. Sie bieten die volle Bandbreite aller Motorisierungen vom Diesel bis zum reinen E-Antrieb. 

Stichwort CMP, also "Common Modular Platform": Der Crossland X basiert ebenfalls darauf. Ist auch davon eine reine E-Variante in Planung?

Wir werden alle Modelle bis 2024 elektrifizieren. Im kommenden Jahr haben wir bereits vier Opel-Modelle elektrifiziert am Markt – darunter den Corsa-e und den Plug-in-Hybrid vom Grandland X, daneben den Vivaro und den erwähnten Mokka X-Nachfolger ebenfalls rein elektrisch. 2021 werden es dann schon acht elektrifzierte Modelle sein. Wir sind sehr schnell unterwegs. Wir träumen nicht, wir liefern.

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Nächstes Jahr starten viele neue E-Modelle. Erwarten Sie gleich zu Beginn harte Preiskämpfe?

Das Angebot und die Nachfrage werden deutlich zunehmen. Ganz klar ist, dass wir mit unseren Angeboten wie dem neuen Corsa-e vom Start weg Geld verdienen wollen. 

Kann das gelingen?

Ja, natürlich. Quersubventionen von den Verbrennern hin zu den Elektrischen wird es bei uns nicht geben. Wir müssen und werden mit jedem Auto Geld verdienen. 

Eine Prognose bitte: Wie viele reine Elektro-Autos werden 2020 in Deutschland verkauft?

Vermutlich eine Zahl im mittleren einstelligen Prozentbereich. Es sind ja auch nicht alle Modelle gleich im Januar 2020 verfügbar. Eine präzise Prognose ist zu Beginn der Elektrifizierung schwierig, was auch an der Ladeinfrastruktur liegt, die gerade erst entsteht. 

Ist die Brennstoffzelle noch ein Thema für Opel? 

Die E-Mobilität wird sich durchsetzen. Für leichte und mittlere Nutzfahrzeuge ist dabei die Brennstoffzelle eine hochattraktive Technologie. Wir forschen seit vielen Jahren daran. Die CO2-Bilanz ist besser, die Ladezeiten sind kürzer. Wir wollen in nicht allzu ferner Zukunft eine Flotte von Testfahrzeugen auf Basis des Zafira Life aufbauen. Unter anderem bei der Brennstoffzelle haben wir das Kompetenzzentrum im gesamten PSA-Konzern bei uns Rüsselsheim.

Die Mittelklasse steht unter Druck. Wird es einen neuen Insignia geben?

Zunächst stellen wir jetzt ja erst einmal unseren neuen Insignia vor. Und klar ist: Opel braucht dauerhaft ein Flaggschiff. Wird es wieder genau den gleichen Body-Style wie heute haben? Das ist eine andere Frage. 

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Ein großes SUV vielleicht? 

Wir sind mit dem knapp 4,50 Meter langen Grandland X sehr gut aufgestellt. Ein noch sehr viel größeres SUV, das am Ende nicht mehr in die Städte passt, ist wenig sinnvoll. Das hat auch etwas mit der Akzeptanz bei den Menschen zu tun. 

Wie viele Opel-Ingenieure sind zum Entwicklungsdienstleister Segula gewechselt?

Rund 700 sind gewechselt und bleiben hier am Standort, was mich persönlich freut. 

Bis zum Start des neuen Astra 2021 wird in Rüsselsheim einzig der Insignia gefertigt. Sie haben Kurzarbeit beantragt. War das alternativlos?

Kurzarbeit ist eine kurzfristige Maßnahme. Wir müssen den Standort auf den neuen Astra vorbereiten und werden die Produktion verschlanken sowie effizienter gestalten. Dafür benötigen wir Zeit. Der Insignia basiert auf einer Plattform von unserer ehemaligen Muttergesellschaft. Zur Überbrückung der relativ kurzen Zeitspanne ein anderes Modell zu etablieren, wäre wenig sinnvoll.

Wird es noch einen zweiten Produktionsstandort geben?

Das haben wir so entschieden. Bislang ist aber noch offen, welcher das sein wird. Es gibt verschiedene Optionen.

Ellesmere Port in Großbritannien etwa?

Das ist abhängig vom Brexit und von den künftigen Handelsbeziehungen zwischen dem Vereinigten Königreich und der Europäischen Union.

Sie etablieren eine gemeinsame Produktion auch im Zuge der Rückkehr auf den russischen Markt?

So ist es. Wir fertigen die für Russland bestimmten Modelle vor Ort mit den Kollegen in Kaluga und bauen derzeit eine Vertriebsorganisation und ein leistungsfähiges Händlernetz auf. 

Durch die Fusion von PSA und Fiat-Chrysler relativiert sich die Bedeutung von Opel innerhalb des Mehr-Marken-Konzerns. Ist Opels Stellung gefährdet?

Ich sehe die geplante Fusion sehr positiv. Ein größerer Konzern hätte viele Vorteile, und Opel wäre und bliebe die einzige deutsche Marke im neuen Verbund. German Engineering hat weltweit einen sehr guten Ruf. Unsere Aufgabe würde es sein, die Marke noch klarer und schärfer zu positionieren.

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Sie sind in den Konzernvorstand von PSA berufen worden. Fühlen Sie sich geehrt?

Opel steht für rund 25 Prozent des gesamten Konzernumsatzes und ist dankbar für diesen Einfluss. Die Berufung ist ein deutliches Signal dafür, wie Opel heute wahrgenommen wird. Ich repräsentiere das Unternehmen dabei stellvertretend für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – und ich stelle fest, dass sie sich ehrlich freuen. Wir haben eine lange Durststrecke hinter uns. Das geht an niemandem spurlos vorbei. Es ist an der Zeit, dass die Opelaner wieder stolz auf ihr Unternehmen sind.

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