Opel-Verkauf an Peugeot PSA: Kurzarbeit & Milliardenverlust Verluste bei Opel

von AUTO ZEITUNG 06.02.2018
Inhalt
  1. Opel: Kurzarbeit und Milliardenverlust
  2. PSA fordert 50 Prozent des Opel-Kaufpreises von GM zurück
  3. Opel-Sanierung: PSA-Chef erhöht Druck
  4. Opel-Verkauf an PSA: zweitgrößter Autokonzern Europas
  5. Opel-Verkauf an PSA: Lohscheller neuer Chef
  6. Experte: Opel hat 6000 Mitarbeiter zu viel
  7. Opel-Belegschaft kritisiert teure GM-Technik
  8. PSA: Opels CO2-Strategie gescheitert
  9. Technologietransfer PSA-Opel

Das Handelsblatt berichtet von einem Verlust von mehr als einer Milliarden Euro im vergangenen Jahr bei Opel. Man beruft sich dazu auf Aufsichtsratskreise. Opel dementiert den Bericht und spricht von "Fake News". Alle Informationen zum Opel-Verkauf an PSA.​

Es sind unbestätigte Informationen, die das Handelsblatt veröffentlicht hat: Demnach fuhr Opel im Jahr 2017 ein operatives Minus von mehr als einer Milliarde Euro ein. Als Quelle wurden Aufsichtsratskreise genannt. Ein Firmensprecher dementierte die Meldung umgehend und sprach von "Fake News".  PSA wolle sich vor der Bilanzpressekonferenz am 1. März 2018 nicht zum Jahresergebnis von Opel äußern. Stimmen die Gerüchte, wäre es ein herber Rückschlag für den Konzern. Trotz sieben neuer Modelle konnte man das europaweite Verkaufsergebnis nicht verbessern. Entgegen der positiven Entwicklung des Gesamtmarktes sei der Absatz von Opel-Fahrzeugen um fünf Prozent zurückgegangen. Besonders deutlich war das Minus beim Rüsselsheimer Kompaktwagen Astra: Seine Verkäufe gingen um 14 Prozent zurück.

 

Opel: Kurzarbeit und Milliardenverlust

Opel fährt für sechs Monate die Produktion im Werk Rüsselsheim zurück. Mit der von der Bundesagentur für Arbeit bewilligten Kurzarbeit sollen Entlassungen vermieden werden. Die Kurzarbeit war – unter Zustimmung des Betriebsrats – bereits im Dezember 2017 zwischen der PSA-Führung und Opel vereinbart worden. Die Rüsselsheimer wollen schnellstmöglich schwarze Zahlen schreiben und die noch auf GM-Plattformen basierenden Modelle durch neue Projekte auf PSA-Plattformen ersetzen. Dabei soll auch E-Mobilität eine tragende Rolle spielen. Bis 2020 will Opel vier Elektro-Modelle mit PSA-Technologie auf den Markt bringen, darunter der Corsa. Bis 2024 soll jedes Modell die Option auf Elektroantrieb bekommen. Die Kosten pro hergestelltem Auto sollen um 700 Euro sinken, so dass bereits ab 800.000 Autos die Gewinnzone erreicht werde. Durch eine schlankere Produktpalette, eine kostengünstigere Produktion sowie einen gemeinsamen Einkauf will Opel/Vauxhall bis 2020 jedes Jahr 1,1 Milliarden Euro Kosten einsparen. Danach sollen es sogar 1,7 Milliarden Euro jährliche Einsparungen sein. Auch eine Export-Offensive steht auf dem Programm: Opel-Chef Michael Lohscheller wolle bis 2022 rund 20 neue Märkte erschließen und darüber hinaus die Marktchancen in China und Brasilien ermitteln.

Das neue Opel-Logo im Video erklärt:

 
 

PSA fordert 50 Prozent des Opel-Kaufpreises von GM zurück

PSA fordert die Hälfte des Opel-Kaufpreises zurück, das berichtet der Spiegel Online unter Berufung auf die Nachrichtenagentur Reuters. Derzufolge sollen Insider berichtet haben, dass der französische Autobauer vom früheren Opel-Besitzer GM über 500 Millionen Euro verlangt. Grund seien die hohen CO2-Emissionen zahlreicher Opel-Modelle, die durch die immer schärfer werdenden Abgasziele in Europa zu Strafzahlungen führen könnten. PSA sehe sich bei Opels Abgassstrategie getäuscht und beabsichtige deshalb, juristische Schritte gegen die US-Amerikaner einzuleiten. Eine Stellungnahme lehnten beide Konzerne ab. Derweil hat Opel Anfang November 2017 sein Sanierungsprogramm mit dem Namen "Pace" vorgestellt. Die wohl wichtigste Neuigkeit: Opel will den Neustart ohne betriebsbedingte Kündigungen und Werkschließungen schaffen. Trotzdem müsse erneut mit den Gewerkschaften verhandelt werden, denn laut des Sanierungsplans sollen Lohnkosten über Abfindungen, innovative Arbeitszeitkonzepte und Altersteilzeit gesenkt werden. Noch bis Ende 2018 sind die rund 19.000 Opel-Beschäftigten in Deutschland vor betriebsbedingten Kündigungen geschützt.

 

Opel-Sanierung: PSA-Chef erhöht Druck

Vor der Vorstellung des Sanierungsplans hatte PSA-Chef Carlos Tavares den Druck erhöht: "Allen muss klar sein, dass der Status quo bei Opel keine Option ist", sagte er. Die Fabriken der einstigen General-Motors-Tochter seien nicht effektiv genug und erfüllten die eigenen Vorgaben nicht. Bei der britischen Schwester Vauxhall machen die Franzosen bereits ernst und wollen sich von jedem vierten der rund 1600 Beschäftigten im Astra-Werk Ellesmere Port trennen, unter anderem mit Abfindungen. Bei den Konsumenten im bislang größten Einzelmarkt des Opel/Vauxhall-Verbundes grassiert die Brexit-Angst, der Absatz schwächelt merklich. Britische Analysten wie Evercore gehen bereits von einer Schließung in Ellesmere Port und bis zu zwei weiteren Opel-Werken in Europa aus, sollte PSA nicht zusätzliche Kapazitäten für seine anderen Marken benötigen.

 

Opel-Verkauf an PSA: zweitgrößter Autokonzern Europas

Seit dem 1. August 2017 gehört Autobauer Opel zum französischen PSA-Konzern. Zuvor hatte die EU-Kommission der seit März 2017 verhandelten Übernahme kartellrechtlich zugestimmt. PSA zahlte für das GM-Europa-Geschäft inklusive der britischen Opel-Schwester Vauxhall und der Finanzsparte rund 2,2 Milliarden Euro. GM-Finanzvorstand Chuck Stevens hatte die Kosten für den Verkauf auf 5,5 Milliarden Dollar (4,7 Mrd. Euro) beziffert, da GM noch Pensionsverpflichtungen für die Mitarbeiter übernimmt. Opel/Vauxhall beschäftigt etwa 38.000 Mitarbeiter in sieben europäischen Ländern, die Hälfte davon in Deutschland. Mit der Übernahme entstand gemessen an den Absatzzahlen der nach Volkswagen zweitgrößte Autokonzern Europas mit einem Marktanteil von rund 17 Prozent. Zuvor hatte Opel seit 1929 zu General Motors gehört und war zeitweise der größte Autobauer in Deutschland. Seit 1999 hatten die Rüsselsheimer mit ihrer britischen Schwestermarke Vauxhall allerdings keinen operativen Jahresgewinn mehr abgeliefert.

Neuheiten Opel SUV (2019)
Opel-Neuheiten bis 2020  

29 neue Opel von Adam bis Omega

 

Opel-Verkauf an PSA: Lohscheller neuer Chef

"Opel bleibt deutsch und Vauxhall bleibt britisch. Sie ergänzen unser bestehendes Portfolio aus den französischen Marken Peugeot, Citroën und DS Automobiles perfekt", erklärte Konzern-Chef Carlos Tavares. Es entstehe ein "europäischer Champion". Er möchte also dem deutschen Management die Sanierung Opels überlassen, die Neuaufstellung nicht von Paris aus steuern. Der bisherige Vorstandschef Karl-Thomas Neumann hatte das Unternehmen zuvor verlassen. Für seinen Nachfolger Michael Lohscheller kommt der bisherige PSA-Controller Philippe de Rovira als Finanzchef in den Vorstand. Auch drei neue Bereichsvorstände wurden berufen. Außerdem hat Opel seine Organisation verschlankt und Opel Marketing sowie Vertrieb zusammengelegt. Die bisherige Chefin des Opel-Marketings, Tina Müller, schied daher Ende September 2017 aus. Die zusammengelegten Abteilungen übernahm Vertriebschef Peter Küspert. Mit der Übernahme stellte Opel auch sein neues Logo und einen neuen Markenspruch vor. Der Wandel von "Wir leben Autos" hin zu "Die Zukunft gehört allen" und das minimalistischere Logo sollen die Entwicklung Opels vom Autohersteller zum "Mobilitätsdienstleister" unterstreichen.

 

Experte: Opel hat 6000 Mitarbeiter zu viel

Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer hat sich die französischen Effizienz-Vorgaben näher angeschaut. Er kommt zu dem Schluss, dass Opel mindestens 6000 Beschäftigte zu viel an Bord hat, sofern man PSA-Produktivitätsmaßstäbe anlegt. Auch eine weitere Zahl trägt nicht zu ruhigen Nächten in Rüsselsheim und an den anderen Standorten bei: Von 2011 bis Ende 2016 hat PSA unter der Führung von Tavares und seiner Vorgänger 33.000 Jobs gestrichen. Die Belegschaft wurde um mehr als ein Viertel auf noch knapp 90.000 Leute reduziert, der Hauptschlüssel zur überragenden Produktivität der PSA-Einheiten.

Neuheiten Opel Crossland X (2017)
Opel Crossland X (2017): Preis & Crashtest  

Meriva-Nachfolger Crossland X ab 16.850 Euro

 

Opel-Belegschaft kritisiert teure GM-Technik

Bei der IG Metall und dem Opel-Gesamtbetriebsratsvorsitzenden Wolfgang Schäfer-Klug kommen solche Sparszenarien gar nicht gut an. Die Arbeitnehmervertreter haben sich entschieden, den Umbau des Unternehmens möglichst konstruktiv zu begleiten. Sie hoffen auf Wachstumschancen mit kostengünstiger produzierten Autos.  Für viele Opelaner sind nach einer langen Entfremdung die wahren Verantwortlichen für die Produktivitätsnachteile immer noch bei der ungeliebten Ex-Mutter GM in Detroit zu finden. "Ursache sind insbesondere die überkomplexen GM-Plattformen, auf denen die Fahrzeuge stehen, und die überzogenen GM-Prozessvorgaben für die Werke. (...) Opel war immer die Tochter der Konzernmutter, die über 80 Prozent der Entscheidungen von Opel in Detroit getroffen hat", so Schäfer-Klug. 

 

PSA: Opels CO2-Strategie gescheitert

Die CO2-Strategie mit dem allein stehenden Elektro-Auto Ampera-E ist aus Sicht der Franzosen gescheitert. PSA geht die immer strengeren EU-Vorgaben ganz anders an und hat Plattformen entwickelt, die ohne große Umbauten wahlweise mit Verbrennern, Hybriden oder reinen Elektro-Motoren ausgestattet werden können. Bis 2023 sollen vier von fünf PSA-Modellen elektrisch sein, hat Konzern-Chef Carlos Tavares längst angekündigt. Opel müsse schneller auf diese Strategie einschwenken, um die 2020 noch einmal schärferen Vorschriften zum Flottenverbrauch einzuhalten und hohen Geldbußen seitens der EU zu entgehen. Opel hatte zuletzt einen Flottendurchschnitt von 127 Gramm CO2. Bei PSA liegt er nach eigenen Angaben bei 101 Gramm. Von 2020 an sind 95 Gramm vorgeschrieben.

News Fiat-Chrysler (FCA)
FCA Verkauf Jeep, Alfa Romeo und Maserati: Gerücht  

Fiat will Jeep nicht verkaufen

 

Technologietransfer PSA-Opel

Der Technologietransfer von PSA zu Opel läuft bereits auf Hochtouren, schon vor der Übernahme haben die beiden Hersteller zusammen Autos gebaut, die nun im Opel-Portfolio zu den profitableren gehören. Details sollen wohl erst Mitte November 2017 veröffentlicht werden, heißt es in Unternehmenskreisen. Aus Lizenz- und Kostengründen muss Opel zudem möglichst schnell aus dem Entwicklungsverbund mit der alten Mutter General Motors (GM) herausgelöst werden, der zunächst noch für Auslastung im Rüsselsheimer Stammwerk und der dortigen Entwicklungsabteilung sorgt. Das lässt die Fragezeichen hinter geplanten Modellen größer werden, die noch auf GM-Plattformen aufbauen, namentlich des Mokka-X-Nachfolgers und der SUV-Version des Flaggschiffs Insignia. Der nächste Corsa wurde bereits auf eine PSA-Basis umgeplant. Andere Modelle, etwa Opel Crossland X und Opel Grandland X, sind schon ein Produkt der seit 2013 andauernden Kooperation zwischen Opel und Peugeot Citroën.

Opel-Modellpalette im Video:

 

Tags:
Wir kaufen Ihr Auto!

Einfach, schnell und sicher

Copyright 2018 autozeitung.de. All rights reserved.