Opel-Verkauf an Peugeot PSA: Entwicklungszentrum Opel gibt Teile von Entwicklungszentrum ab

von Alexander Koch 15.11.2018
Inhalt
  1. PSA: Opel-Teilverkauf des Entwicklungszentrums
  2. Opel trägt zum PSA-Umsatzwachstum bei
  3. Opel-Sanierungsprogramm "Pace"
  4. Technologietransfer von PSA zu Opel
  5. Opel-Personalrochade: Lohscheller neuer Chef
  6. PSA: zweitgrößter Autokonzern Europas

Opel-Verkauf an Peugeot PSA: Teile des Rüsselsheimer Entwicklungszentrums werden an Segula veräußert. Zuvor vermeldete der Autokonzern im Oktober 2018 ein deutlich gestiegenes Umsatzwachstum. Und: Opel-Beschäftigte nehmen den Tarifvertrag zur Sanierung des Autobauers an. Dieser Artikel wird laufend aktualisiert!

Der Verkauf von Teilen des Opel-Entwicklungszentrums an den französischen Entwicklungsdienstleister Segula ist fix, wie man am 15. November 2018 mitteilte. Erste Gerüchte über entsprechende Überlegungen kamen im Juli 2018 auf, als sich der Betriebsrat alarmiert zeigte: "Ein (Aus-)Verkauf der Opel-Entwicklung würde Opel die Zukunft nehmen." PSA-Chef Carlos Tavares aber verteidigte Überlegungen des Managements. Auch Opel-Chef Michael Lohscheller betonte in diesem Zusammenhang: "Unser Engineering ist und bleibt Kern von Opel." Alle künftigen Opel-Modelle würden in Rüsselsheim entwickelt. Zudem übernehme Rüsselsheim zahlreiche wichtige Aufgaben für den franzöischen Mutterkonzern PSA Peugeot. Das Auftragsvolumen der früheren Opel-Mutter GM werde in den kommenden Jahren jedoch drastisch abnehmen. Nun herrscht also Gewissheit rund um den Verkauf von Teilen des Opel-Entwicklungszentrums: Bis zu 2000 Mitarbeiter sollen zu Segula wechseln. Der französische Dienstleister will einen Technologie-Campus an dem Standort gründen. Parallel hat man eine strategische Partnerschaft zwischen den Unternehmen vereinbart. Die Franzosen sicherten zu, dass man die bei der Opel-Sanierung vereinbarten Arbeitsplatzgarantien aufrecht erhalten will. Für die Klärung weiterer Details will man sich nun mit IG Metall und dem Opel-Betriebsrat zusammensetzen. Mehr zum Thema: PSA-Chef Carlos Tavares im AUTO ZEITUNG-Interivew

Opel-Modellpalette im Video:

 
 

PSA: Opel-Teilverkauf des Entwicklungszentrums

Auch dank Opel steigert Peugeot PSA im Herbst 2018 kräftig seinen Umsatz: Die Franzosen vermelden gegenüber dem Vorjahresraum ein Plus von 7,8 Prozent im dritten Quartal 2018. Der Umsatz ist demzufolge auf 15,4 Milliarden Euro gewachsen. Opel mit der britischen Schwestermarke Vauxhall hat daran einen kräftigen Anteil: Diese setzten im Quartal 3,88 Milliarden Euro um, was einem Wachstum von 39 Prozent entspricht. In den ersten neun Monaten 2018 steigerte der PSA-Konzern seinen Umsatz insgesamt auf rund 54 Milliarden Euro (plus 29 Prozent). Angaben zum Gewinn machte der Autobauer hingegen nicht. Die Meldung des gestiegenen Umsatzes knüpft annähernd nahtlos an die Gewinnnachricht Opels im Sommer 2018 an: Nach 18 Jahren Verlustgeschäft hatten die Rüsselsheimer im ersten Halbjahr 2018 ein Betriebsergebnis von 502 Millionen Euro erreicht. Vor allem die um 28 Prozent gesunkenen Fixkosten hatten zum Gewinn Opels beigetragen, wie PSA-Chef Carlos Tavares im Juli 2018 sagt. Mit weltweit 572.000 in den ersten sechs Monaten 2018 verkauften Autos waren es nämlich weniger als ein Jahr zuvor unter GM-Regie (599.000 Einheiten). Seit 1999 hatte Opel keinen Gewinn mehr abgeliefert. Die Gründe für den Niedergang der deutschen Marke waren vielfältig: Nach den Glanzzeiten in den 1960er und 70er-Jahren folgten Modelle, die dem gleichzeitigen Aufstieg des Konkurrenten Volkswagen mit seinem Golf wenig entgegen zu setzen hatten. Ein ausschließlich auf niedrigste Preise fixierter Einkauf unter dem Spanier Ignacio Lopez brachte dem Hersteller eine heftige Qualitätskrise ein, während die Fehler in der Modellpolitik nicht abrissen. Mehr zum Thema: Opel-Rückruf wegen Abschalteinrichtungen

 

Opel trägt zum PSA-Umsatzwachstum bei

Die Opel-Beschäftigten haben ein Jahr nach dem Opel-Verkauf an Peugeot PSA den Tarifvertrag zur Sanierung des Autobauers angenommen. 96 Prozent der Teilnehmer haben dem Kompromiss zgestimmt, gibt die IG Metall im August 2018, bekannt. Die Einigung sieht keine betriebsbedingten Kündigungen bis zum 31. Juli 2023 vor und deckelt die Zahl der Vorruhestandsregelungen auf 3700. Zudem hat Mutterkonzern PSA Investitionen in Milliardenhöhe für alle deutschen Standorte in Rüsselsheim, Eisenach und Kaiserslautern angekündigt. Dafür macht die Gewerkschaft Zugeständnisse beim Lohn und verschiebt zeitlich Erhöhungen aus dem Flächentarifvertrag. Eine Entscheidung zu einem möglichen Teilverkauf des Rüsselsheimer Entwicklungszentrums gibt es hingegen nicht. "Wir haben alle unsere Werke wettbewerbsfähig gemacht und können nun die Investitionsentscheidungen auslösen", kommentierte Opel-Chef Michael Lohscheller seinerzeit die im Mai 2018 erzielte Einigung. Besonders dringend ist das im Werk Eisenach, wo vom kommenden Jahr an der Geländewagen Crossland X den auslaufenden Corsa ersetzen soll. Statt eines zweiten Modells plant Opel dort weiterhin nur die zusätzliche Montage eines Crossland-Hybrid-Modells. Dafür wurde aber der auf Eisenach entfallene Personalabbau auf 450 Leute begrenzt, rund 300 weniger als zunächst geplant. Für das Entwicklungszentrum in Rüsselsheim wurden weitere Projekte benannt wie die Entwicklung der nächsten Generation der 1,6-Liter-Benzinmotoren, die in der gesamten PSA-Flotte eingebaut werden. Für die Einigung mussten die rund 15.000 Beschäftigen zustimmen.

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Opel-Sanierungsprogramm "Pace"

Anfang November 2017 hat Opel sein Sanierungsprogramm "Pace" vorgestellt. Die wichtigste Neuigkeit: Opel will den Neustart ohne betriebsbedingte Kündigungen und Werkschließungen schaffen. Trotzdem müsse erneut mit den Gewerkschaften verhandelt werden, denn laut des Sanierungsplans sollen Lohnkosten über Abfindungen, innovative Arbeitszeitkonzepte und Altersteilzeit gesenkt werden. Noch bis Ende 2018 sind die rund 19.000 Opel-Beschäftigten in Deutschland vor betriebsbedingten Kündigungen geschützt. Noch vor der Vorstellung des Sanierungsplans hatte PSA-Chef Carlos Tavares den Druck erhöht: "Allen muss klar sein, dass der Status quo bei Opel keine Option ist", sagte er. Die Fabriken der einstigen General-Motors-Tochter seien nicht effektiv genug und erfüllten die eigenen Vorgaben nicht. Bei der britischen Schwester Vauxhall machen die Franzosen bereits ernst und wollen sich von jedem vierten der rund 1600 Beschäftigten im Astra-Werk Ellesmere Port trennen, unter anderem mit Abfindungen. Bei den Konsumenten im bislang größten Einzelmarkt des Opel/Vauxhall-Verbundes grassiert die Brexit-Angst, der Absatz schwächelt merklich. Britische Analysten wie Evercore gehen bereits von einer Schließung in Ellesmere Port und bis zu zwei weiteren Opel-Werken in Europa aus, sollte PSA nicht zusätzliche Kapazitäten für seine anderen Marken benötigen.

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Technologietransfer von PSA zu Opel

Wohin die Reise unter PSA technisch geht, sieht Opel seit 2012 im eigenen Unternehmen: Mit den Franzosen sind inzwischen vier Modelle, etwa Opel Crossland X und Opel Grandland X, auf den Weg gebracht worden, in denen ein Großteil Peugeot-Technik tickt. Aus Lizenz- und Kostengründen muss Opel zudem möglichst schnell aus dem Entwicklungsverbund mit der alten Mutter General Motors (GM) herausgelöst werden. Das lässt die Fragezeichen hinter geplanten Modellen größer werden, die noch auf GM-Plattformen aufbauen, namentlich des Mokka-X-Nachfolgers und der SUV-Version des Flaggschiffs Insignia. Der nächste Corsa wird bereits auf eine PSA-Basis umgeplant. In Zukunft könnte den Opel-Ingenieuren bei etlichen Autos nur noch der äußere Feinschliff als Aufgabe bleiben, um die neuen Opels von den Schwestermodellen der anderen Konzernmarken Peugeot, Citroën und DS unterscheidbar zu machen. Tavares schätzt an den Opel-Autos ihre "Germanness", den deutschen Stil, den man auch auf anderen Märkten in der Welt gut verkaufen könnte. Fragt sich, wieviel deutsches Engineering es dafür braucht. Mehr zum Thema: Opel-Vorwürfe im Dieselskandal

 

Opel-Personalrochade: Lohscheller neuer Chef

Opels Vorstandschef Karl-Thomas Neumann hatte das Unternehmen mit der Übernahme durch PSA im Juni 2017 verlassen. Für seinen Nachfolger Michael Lohscheller kam der bisherige PSA-Controller Philippe de Rovira als Finanzchef in den Vorstand. Auch drei neue Bereichsvorstände wurden berufen. Außerdem hat Opel seine Organisation verschlankt und Opel Marketing sowie Vertrieb zusammengelegt. Die bisherige Chefin des Opel-Marketings, Tina Müller, schied deshalb Ende September 2017 aus. Die zusammengelegten Abteilungen übernahm Vertriebschef Peter Küspert. Mit der Übernahme stellte Opel auch sein neues Logo und einen neuen Markenspruch vor. Der Wandel von "Wir leben Autos" hin zu "Die Zukunft gehört allen" und das minimalistischere Logo sollen die Entwicklung Opels vom Autohersteller zum "Mobilitätsdienstleister" unterstreichen.

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PSA: zweitgrößter Autokonzern Europas

Seit dem 1. August 2017 gehört Autobauer Opel zum französischen PSA-Konzern. Zuvor hatte die EU-Kommission der seit März 2017 verhandelten Übernahme kartellrechtlich zugestimmt. PSA zahlte für das GM-Europa-Geschäft inklusive der britischen Opel-Schwester Vauxhall und der Finanzsparte rund 2,2 Milliarden Euro. GM-Finanzvorstand Chuck Stevens hatte die Kosten für den Verkauf auf 5,5 Milliarden Dollar (4,7 Mrd. Euro) beziffert, da GM noch Pensionsverpflichtungen für die Mitarbeiter übernimmt. Opel/Vauxhall beschäftigt etwa 38.000 Mitarbeiter in sieben europäischen Ländern, die Hälfte davon in Deutschland. Mit der Übernahme entstand gemessen an den Absatzzahlen der nach Volkswagen zweitgrößte Autokonzern Europas mit einem Marktanteil von rund 17 Prozent. Zuvor hatte Opel seit 1929 zu General Motors gehört und war zeitweise der größte Autobauer in Deutschland. Seit 1999 hatten die Rüsselsheimer mit ihrer britischen Schwestermarke Vauxhall allerdings keinen operativen Jahresgewinn mehr abgeliefert. Mehr zum Thema: Das ist der neue Opel Corsa GSi

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