Astra Sports Tourer/Grandland X: Vergleichstest Kombi gegen SUV im Opel-Vergleich

von Paul Englert 20.08.2020
Inhalt
  1. Opel Astra Sports Tourer und Opel Grandland X im Vergleichstest
  2. Fahrkomfort: Opel Grandland X mit besserer Ergonomie
  3. Motor/Getriebe: Opel Astra Sports Tourer hat neueren Motor
  4. Fahrdynamik: Zu langer Bremswerg beim Opel Grandland X
  5. Umwelt/Kosten: Opel Astra Sports Tourer fährt sparsamer
  6. Messwerte & technische Daten: Opel Astra Sports Tourer 1.2 DI Turbo & Opel Grandland X 1.2 DI Turbo

Klassischer Kombi oder angesagtes SUV? Der Opel Astra Sports Tourer und der Opel Grandland X sind die Bestseller im Portfolio der Rüsselsheimer, haben ähnliche Qualitäten, bedienen jedoch unterschiedliche Ansprüche. Ein Vergleichstest!

Gesamtbewertung (max. Punkte)Opel Astra Sports Tourer 1.2 Direct Injection TurboOpel Grandland X 1.2 Direct Injection Turbo
Karosserie (1000)606599
Fahrkomfort (1000)667667
Motor/Getriebe (1000)685629
Fahrdynamik (1000)638589
Eigenschaftswertung (4000)25962484
Kosten/Umwelt (1000)421421
Gesamtwertung (5000)30172905
Platzierung12

Deutschland war und ist ein Kombiland, doch SUV- und Crossover-Modelle boomen seit Jahren ebenfalls. Dabei bieten beide Typen ähnliche Qualitäten: viel Stauraum, Variabilität und praktischen Nutzen. Zwei in ihrem Segment preisgünstige Kompakt-Fahrzeuge sind der Kombi Opel Astra Sports Tourer und das SUV Opel Grandland X, die mit 130 PS starken Dreizylindermotoren und Schaltgetrieben im Vergleichstest aufeinandertreffen. Welches Konzept überzeugt mehr?

Der Opel Grandland X Hybrid (2019) im Fahrbericht (Video):

 
 

Opel Astra Sports Tourer und Opel Grandland X im Vergleichstest

Es sind nur Kleinigkeiten, die Opel Astra Sports Tourer und Opel Grandland X beim Raumangebot unterscheidet. Der Grandland ist vorn und vor allem hinten etwas breiter, der Astra bietet ein paar Zentimeter mehr Platz über dem Kopf. 540 Liter fasst der Gepäckraum des Sports Tourer mindestens, im Grandland X sind es 26 Liter weniger. Klappt man die Fondlehnen um, ergeben sich hier wie dort beinahe ebene Ladeflächen und über 1600 Liter Kofferraum-Volumen. Fächer unter den herausnehmbaren Ladeböden gibt es für beide Opel optional, genau wie die Luke in der Lehne des mittleren Rücksitzes, durch die man lange Gegenstände wie Skier schieben kann, ohne die Rückbank umklappen zu müssen. Trotz guter Sicht auf das Verkehrsgeschehen vorn kann man die Karosserie des hohen SUV weniger gut überblicken, denn die C-Säulen schränken beim Schulterblick die Sicht ein. Praktisch allerdings: Für beide Testkandidaten sind Einparksensoren rundum serienmäßig (Ausstattung Edition). Auch Assistenten, die vor Fahrzeugen im Toten Winkel, beim Verlassen der markierten Fahrspur oder drohenden Frontkollsionen warnen und eine Vollbremsung autonom einleiten können, sind jeweils gegen Aufpreis erhältlich – teilweise aber nur in Verbindung mit höheren Ausstattungsvarianten. Den qualitativ hochwertigeren Eindruck hinterlässt im Vergleichstest der Astra Sports Tourer, weil seine Karosserie verwindungssteifer, so manche Verkleidung solider verankert und der Kofferraum großflächiger mit Filz ausgekleidet ist.

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Fahrkomfort: Opel Grandland X mit besserer Ergonomie

Der Astra-Testwagen fährt mit den im Paket 2300 Euro teuren, elektrisch einstellbaren, ergonomischen Aktiv-Sitzen vor, der Fahrersitz bietet dann sogar eine Massage-Funktion. Die Integration des Körpers in den Sitz, die gute Kontur dank pneumatisch einstellbarer Seitenwangen und die feine Justierung der Sitzfläche erleichtern es jedem Piloten, eine angenehme Sitzposition zu finden. Zudem sind die mit Kunstleder bezogenen Sitze des Kombis etwas straffer gepolstert – auch im Fond. Die Rückbank steht aber etwas flach, sodass man die lange Oberschenkelauflage nicht optimal nutzen kann, sondern mit leicht angewinkelten Beinen sitzt. Genau an der richtigen Stelle sind die Armablagen in den Türen angebracht, die in der Neigung nicht einstellbare Lehne dürfte jedoch steiler stehen. Im Grandland sitzt man vorn ebenfalls bequem, nach kurzer Zeit aber fallen die Unterschiede der manuell einstellbaren Seriensitze zum Astra-Gestühl auf: weichere Polster, weniger seitliche Abstützung, die Einstellbarkeit ist nicht so fein gerastert. Das SUV überzeugt innen aber mit besserer Ergonomie und größeren, zahlreicheren Ablagen. Allerdings muss man beim Einladen in den Kofferraum Gegenstände 17 Zentimeter höher hieven als beim Astra. Im direkten Vergleich von Opel Astra Sports Tourer und Opel Grandland X sind die Antriebs- und Abrollgeräusche im Kombi präsenter – das bestätigen auch die objektiven Messungen des Schalldruckpegels im Vergleichstest. Doch der Grandland ist nicht nur leiser, er verarbeitet zudem Fahrbahnunebenheiten einen Tick besser – was auch auf das Konto der Reifen mit höherem Querschnitt geht.

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Motor/Getriebe: Opel Astra Sports Tourer hat neueren Motor

Drei Zylinder, 1,2 Liter Hubraum, Turbolader: Vermeintlich gleiche Voraussetzungen für Opel Astra Sports Tourer und Opel Grandland X, allerdings hat der Astra den neu entwickelten Dreizylinder von GM unter der Haube, der Grandland X dagegen den bekannten 1.2 von PSA. Das nur 66 Kilogramm schwerere, aber ungünstiger im Wind stehende SUV zum Beispiel braucht 1,6 Liter mehr Superbenzin auf 100 Kilometer als der Kombi. Das kostet trotz des größeren Tanks außerdem gut 100 Kilometer Reichweite. Obendrein ist der Grandland X anders übersetzt: Bei Tempo 130 dreht die Maschine im sechsten Gang 2800 Touren, im Astra nur 2500. Dieses Manko münzt das SUV beim Sprint und bei der Elastizitätsmessung in bessere Werte um, unterstützt von etwas mehr Drehmoment bereits bei niedrigerer Drehzahl. Allerdings läuft der Grandland X-Dreizylinder schon im Stand und bei niedertouriger Fahrweise unruhiger, sodass man im Vergleichstest mehr Vibrationen in der Karosserie spürt. Im Vergleich zur gut abgestuften Astra-Schaltung ist im SUV die Schalthebelführung etwas weniger präziser.

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Fahrdynamik: Zu langer Bremswerg beim Opel Grandland X

Im Vergleichstest zwischen Opel Astra Sports Tourer und Opel Grandland X ist das eindeutig fahrdynamischere, besser auf der Straße liegende Fahrzeug der Sports Tourer. Das verdankt er seinem niedrigen Schwerpunkt, dem optionalen Dynamikfahrwerk (Wattgestänge an der Hinterachse) und der sensibleren Lenkung. Bei plötzlichen Ausweichmanövern oder Spurwechseln etwa regelt das ESP im Astra zudem feiner und unterstützt sinnvoller, wodurch die Arbeit am Lenkrad auch in Notsituationen leichter von der Hand geht. Man fühlt sich besser mit Fahrzeug und Fahrbahn verbunden. Auch bei einer Vollbremsung ist auf den Kombi Verlass – trotz der montierten Spritsparreifen. Im Verlgleichstest sind knapp unter 36 Meter Bremsweg aus Tempo 100 bis zum Stand zwar kein Traumwert, die rund 37 Meter des Grandland X jedoch erst recht nicht. Überhaupt ist das SUV insgesamt träger, neigt deutlicher zum Untersteuern, rückmeldet nicht so präzise, baut etwas weniger Traktion auf, hat aber einen Vorteil: den kleineren Wendekreis. Zwar beträgt der Unterschied nur rund 50 Zentimeter, allerdings fällt einem diese Differenz beim Rangieren in engen Parkhäusern sofort auf.

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Umwelt/Kosten: Opel Astra Sports Tourer fährt sparsamer

Der laut Liste günstigste Preis für den Astra Sports Tourer mit dem 1,2 Liter DI Turbomotor liegt bei 22.395 Euro für die Ausstattung Business Edition. Zwar sind dann nur 15-Zöller montiert, allerdings bekommt man dafür Extras wie Tempomat, Parksensoren hinten, Bluetooth- und USB-Schnittstellen, Klimaanlage, Gepäcktrennnetz sowie Multifunktionslenkrad. Auch den Grandland X gibt es als Business Edition – mit der hier getesteten Motorisierung ab 26.750 Euro. Der Astra-Testwagen ist jedoch mit Features wie Dynamik-Fahrwerk, 17-Zoll-Rädern und Aktiv-Sitz ausgestattet, die nicht nur extra kosten, sondern auch erst ab der teureren Ausstattungsvariante "Opel 2020" erhältlich sind. Und diese kostet per se 3105 Euro Aufpreis. Beim prognostizierten Wertverlust von Opel Astra Sports Tourer und Opel Grandland X ist der Kombi leicht im Vorteil, in Sachen Grundausstattung das SUV mit Alu-Felgen und Metalliclackierung ab Werk. Bei den Kosten für Wartung und Versicherung ergeben sich im Vergleichstest nur kleine Unterschiede, auch die Steuerlast ist ähnlich hoch. Rechnet man allerdings die Kraftstoffkosten auf Basis der von uns ermitteln Verbräuche bei einer Jahresfahrleistung von 20.000 Kilometern hoch, ist der Astra Sports Tourer mit seinem sparsamen Antrieb klar im Vorteil. Dass es nur zwei Jahre Technik und ein Jahr Mobilitätsgarantie gibt, betrifft beide Opel.

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Messwerte & technische Daten: Opel Astra Sports Tourer 1.2 DI Turbo & Opel Grandland X 1.2 DI Turbo

AUTO ZEITUNG 15/2020Opel Astra Sports Tourer 1.2 Direct Injection TurboOpel Grandland X 1.2 Direct Injection Turbo
Technik
Zylinder/Ventile pro Zylin.3/4; Turbo3/4; Turbo
Hubraum1199 cm³1199 cm³
Leistung96 kW/130 PS96 kW/130 PS
Max. Drehmoment225 Nm230 Nm
Getriebe/Antrieb6-Gang, manuell/ Vorderrad6-Gang, manuell/ Vorderrad
Messwerte
Leergewicht (Werk/Test)1280/1332 kg1295/1398 kg
Beschleunigung 0-100 km/h (Test)10,2 s10,2 s
Höchstgeschwindigkeit (Werk)215 km/h188 km/h
Bremsweg aus 100 km/h
kalt/warm (Test)
35,7/35,8 m36,9/37,2 m
Verbrauch auf 100 km (Test/WLTP)6,0/5,4 l S7,6/6,2 l S
CO2-Ausstoß (Test/WLTP)143/124 g/km181/141 g/km
Preise
Grundpreis22.395 Euro26.750 Euro
Testwagenpreis28.400 Euro27.300 Euro

von Paul Englert von Paul Englert
Unser Fazit

Im Vergleichstest zwischen Opel Astra Sports Tourer und Opel Grandland X ist es ein klarer Sieg für den Kombi. Der Opel Astra Sports Tourer erzielt mit seinem sparsamen Antrieb und den dynamischeren sowie sichereren Fahreigenschaften einen Vorsprung von über 100 Punkten. In puncto Raumangebot, Komforteigenschaften und Kosten liegen beide Rüsselsheimer quasi gleichauf. Die Stärke des Opel Grandland X sind seine Eigenschaften als SUV, also dass man hoch sitzt, eine bessere Sicht auf den Verkehr hat und sich so etwas sicherer fühlt. Das sind jedoch Qualitäten, die wir nicht bewerten. Objektive Argumente für den Grandland sind seine etwas höhere Anhängelast, der kleinere Wendekreis, der leicht spritzigere Antrieb und der hier günstigere bewertete Preis – wobei der Astra ohne die teure Fahrwerks- und Komfortausstattung auch bei den Kosten die Nase vorn hätte.

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