Audi (RS) e-tron GT (2020): Erste Testfahrt So fährt sich der RS e-tron GT

von AUTO ZEITUNG 14.12.2020
Inhalt
  1. Erste Testfahrt im neuen Audi RS e-tron GT (2021)
  2. Kein One-Pedal-Feeling im neuen Audi RS e-tron GT (2021)
  3. Neuer Audi RS e-tron GT (2021) mit gut 400 Kilometern Reichweite
  4. Erste Testfahrt mit dem Audi e-tron GT (2021)

Während seiner ersten Testfahrt stellen der neue Audi RS e-tron GT (2021) und der neue Audi e-tron GT (2021) ihre Sportlichkeit und ihren Komfort unter Beweis. Anfang 2021 kommen die Serienmodelle zu den Händlern – mit bis zu 646 PS, 400 Kilometer Reichweite und auf Wunsch veganem Interieur!​

Nein, der Audi RS e-tron GT (2021), der zur ersten Testfahrt bereitsteht, ist kein Porsche Taycan mit Audi-Ringen. Und weil die Audi-Presseabteilung diesen Vergleich seit Monaten ertragen muss, einigen wir uns für das Porsche-Pendant auf das "T-Wort". Um den RS e-tron zu verstehen und zu würdigen, bietet es sich deswegen an, das T-Wort für einen Moment zu vergessen und die Audi-Brille aufzusetzen. Dann manifestiert sich der RS e-tron GT als eine Art elektrischer RS 7 mit der Langstreckentauglichkeit einer Ingolstädter Oberklasse und dem brachialen Punch eines RS. Schon optisch wird der erste elektrische RS seinem Namen treu: Breit und flach duckt sich die Karosserie über den Asphalt. Dazu bereit, jede Sekunde loszuzünden. Statt voluminöser Endrohre zeugt ein nicht weniger beeindruckender Diffusor von den dynamischen Qualitäten. Ganz bewusst betont die Tarnfolierung die Formen des Stromers, anstatt sie zu kaschieren. Die ausgestellten Kotflügel kratzen am Rande des Möglichen, was sich mit Aluminium in einem vertretbaren Aufwand formen lässt. Unweigerlich erinnern sie an die markanten Radhäuser des ersten Audi quattro, dessen Geist immer noch ein bisschen mitfährt. Zumindest treiben die beiden E-Motoren an Bord alle vier Räder an. Die Maschinen an der Vorder- und Hinterachse verfügen über eine gemeinsame Systemleistung von 598 PS, die sich im zweieinhalb sekündigen Overboost sogar auf 646 PS erhöht. Damit ist der neue Audi RS e-tron GT (2021) sogar stärker als der Audi R8, der mit ihm gemeinsam in den Böllinger Höfen bei Neckarsulm entsteht. Der elektrische Gran Tourer möchte aber nicht als Supersportler auftreten, schon gar nicht als Konkurrenz zum R8. Mehr zum Thema: Das ist der Audi e-tron S

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Der neue Audi RS e-tron GT (2021) im Video:

 
 

Erste Testfahrt im neuen Audi RS e-tron GT (2021)

Von den GT-Qualitäten des neuen Audi RS e-tron GT (2021) zeugt bei der ersten Testfahrt schon die Rückbank, auf der Personen bis 1,90 Meter Größe bequem Platz finden. Sie ist auch der "Place to be", um die einzigartige Akustik des RS e-tron GT kennenzulernen: Im Fond finden sich nämlich zwei Lautsprecher, die ausschließlich für den künstlichen Motorsound zuständig sind. Dabei geht es jedoch keinesfalls darum, zwanghaft V8-Getöse zu imitieren. Vielmehr verstärken sie die technokratische Aura des Audi, die irgendwo zwischen Tarnkappen-Bomber und Business-Class liegt. Auf dem Fahrersitz fühlen sich Audi-Besitzer auf Anhieb wohl, aber auch für andere Autofahrer wirft das Cockpit nur wenige Fragen auf. Das liegt nicht nur an den griffigen Ledersitzen und dem typischen Audi-Lenkrad, sondern auch am übrigen Interieur-Layout. Hier distanziert sich der RS e-tron GT vom T-Wort. Trotz großen Touch-Displays und digitalen Instrumenten lassen sich wichtige Funktionen weiterhin per Knopf bedienen, anstatt sie in etlichen Untermenüs zu verstecken. Der Getriebewählhebel zwischen Fahrer und Beifahrer ist zwar arg geschrumpft, aber dennoch eindeutig. Zeit ihn auf "D" zu stellen und mit der ersten Testfahrt des neuen Audi RS e-tron GT (2021) zu beginnen.

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Kein One-Pedal-Feeling im neuen Audi RS e-tron GT (2021)

Beim Anfahren zur ersten Testfahrt simuliert der neue Audi RS e-tron GT (2021) eine Wandler-Automatik und rollt ohne Gaseinsatz los. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass das sogenannte "One Pedal Feeling" nicht aufkommt. Selbst die stärkste Rekuperation – die über Paddles am Lenkrad dreistufig einstellbar ist – verlangt Bremseinsatz des Fahrers. Im Efficiency- und Comfort-Modus zieht der Gran Tourer still durch die Lande, während die Dreikammer-Luftfederung gröbere Unebenheiten des Asphalts wegbügelt. Bei höheren Reisegeschwindigkeiten macht sich die gute Aerodynamik und die penible Dämmung des Innenraums bemerkbar. Die Autobahnoase endet erst, wenn der Fahrer auf die Landstraße abbiegt und den Dynamic-Modus ansteuert. Während sich die Dämpfung merklich verhärtet, verdrängt ein finsterer Bass-Ton das Säuseln des Stromers. Das Zweigang-Getriebe schaltet erstmals mit einem hörbaren "Tschonk" in den ersten und macht die Bahn frei für wilde Beschleunigungsexzesse. Am beeindruckendsten ist die Launch Control, die den 2,3 Tonnen schweren RS e-tron GT in etwa 3,5 Sekunden in die Dreistelligkeit knallen lässt. Aber auch in Kurven ist der neue Audi RS e-tron GT (2021) bei der ersten Testfahrt eine Macht: Mit einem niedrigeren Schwerpunkt als der R8 und Allradlenkung geht der Stromer äußerst behände ums Eck. Dank der vier Kühlkreise an Bord ist Volllast auch über 20 bis 30 Minuten kein Problem und wird höchstens von leergesaugten Batterien begrenzt.

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Neuer Audi RS e-tron GT (2021) mit gut 400 Kilometern Reichweite

Die 85,7 kWh (Nettokapazität) fassenden Batterien des neuen Audi RS e-tron GT (2021) sollen bei schonender Fahrt eine Reichweite von mehr als 400 Kilometern ermöglichen, was wir bei der ersten Testfahrt allerdings nicht erproben konnten. Dank 800-Volt-Ladetechnik können bei entsprechenden Ladesäulen in fünf Minuten 100 Kilometer Reichweite "getankt" werden. Zwangspausen an Autobahnraststätten halten sich folglich in Grenzen. Wäährend bei entsprechender Fahrweise die Reifen recht schnell verschleißen könnten, leben die Bremsen dank der Energierückgewinnung – auch durch Nutzung des Bremspedals – umso länger. Das gilt sowohl für die Stahl- und Karbon-Keramik-Bremsen, als auch für die optionalen Bremsen aus Karbid mit niedriger Bremsstaub-Belastung, die siebenstellige Kilometerbeträge halten dürften. Zum Schluss müssen wir aber doch noch einmal das T-Wort herauskramen: Denn wie der Porsche wird auch der neue Audi RS e-tron GT (2021) eine günstigere und leistungsschwächere Variante erhalten, die ohne das Kürzel RS und mit etwa 530 PS auskommen muss. Dessen erste Testfahrt folgt weiter im nächsten Absatz. Zur offiziellen Präsentation Anfang 2021 wird wahrscheinlich auch die Preis-Frage beider Modelle beantwortet werden: Das RS-Modell dürfte bei knapp 140.000 Euro starten.
von Tim Neumann

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Erste Testfahrt mit dem Audi e-tron GT (2021)

Auf seiner ersten Testfahrt läuft sich der neue Audi e-tron GT (2021) schon einmal warm für das Rennen gegen Tesla Model S & Co. Dass das keine leere Versprechung bleibt, liegt an der geschickten Familienplanung: Der knapp fünf Meter lange, aber nur 1,38 Meter hohe e-tron GT teilt sich die Plattform mit dem Porsche Taycan und kann sich deshalb auch dann rentieren, wenn die Stückzahlen nicht durch die Decke gehen sollten. Nicht umsonst ist das Projekt schließlich bei der Audi Sport GmbH angesiedelt und nicht bei der AG in Ingolstadt. Mit der festen Produktionsabsicht vor Augen beweist der neue Audi e-tron GT (2020) auf seiner ersten Testfahrt im Gegensatz zu so vielen anderen Showcars deshalb auch eine gewisse Bodenhaftung. Und das nicht nur, weil er natürlich ein quattro ist, sondern vor allem, weil sich das Team um Designchef Marc Lichte so ziemlich alle Spielereien verkniffen hat. Das vegane Interieur ist da noch die größte Extravaganz, und selbst das hat durchaus Chancen, weil Kunden immer öfter danach fragen. Deshalb findet man sich hinter dem Lenkrad auch sofort zurecht. Schließlich ist das Cockpit nur eine weitere Evolutionsstufe der neuen Klarheit, die mit dem Audi A8 Einzug gehalten hat: Die Bildschirme sind wieder ein bisschen größer geworden, die Grafiken ein bisschen bunter und die Knöpfe noch ein bisschen weniger. Mehr zum Thema: Das ist der Porsche Taycan

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Fürs Erste interessiert ohnehin nur der kleine Schieberegler auf dem Mitteltunnel, mit dem man auf D wechselt und endlich die erste Testfahrt mit dem neuen Audi e-tron GT (2020) beginnt. Die beiden E-Maschinen leisten zusammen 530 PS und katapultieren die in jeder Hinsicht elektrisierende Alternative zum A7 in etwa vier Sekunden auf Tempo 100. Und wo für das e-tron SUV bei 200 Sachen Schluss ist, bekommt der Gran Turismo Auslauf bis mindestens 240 km/h. Da bleiben die UUS-Cops auf ihren betagten Harleys, die dem neuen Schönheitskönig unter den Stromern Geleitschutz geben, ohne Chance – der e-tron summt ihnen still und leise, aber dafür um so schneller davon. Natürlich wird der GT hier in Downtown Los Angeles nie ausgefahren, und so richtig lang ist die Jungfernfahrt auch nicht. Aber über die Tage läppert sich das Programm dann doch, irgendwann sind die 90 kWh großen Akkus für eine Normreichweite von 400 Kilometern trotzdem leer und der Ausflug in die Wirklichkeit braucht eine Zwangspause. Allerdings nur eine kurze. Denn dank seines 800 Volt-Laders zapft der e-tron binnen 20 Minuten den Strom für weitere 300 Kilometer.
von Thomas Geiger

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von AUTO ZEITUNG von AUTO ZEITUNG
Unser Fazit

Mit dem e-tron GT ist Audi ein Prestigeobjekt für die Marke und der gesamten Elektromobilität gelungen – mit und ohne RS-Kürzel. Auch wenn er auf dem Porsche Taycan basiert, ist er durch und durch ein Audi, sowohl optisch als auch vom Fahrgefühl her. Neben dem hohen Preis sorgt aber leider die Reichweite von lediglich 400 Kilometern für Stirnrunzeln. Damit sind die großen Touren, die den Namen GT (Gran Turismo) wortwörtlich ausmachen, nur begrenzt möglich. Für tägliche Strecken zur Arbeit und Ausflüge am Wochenende funktioniert er prächtig als Alternative zum Audi RS 7, mit den Vorzügen eines grünen Gewissens.

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