Schweinisch: S-Klub LA schlachtet "rote Sau" AMG 300 SEL 6.8
Nicht nur vegetarische Menschen haben an dieser roten Sau mächtig zu schlucken: S-Klub LA hat den legendären AMG-Renner 300 SEL 6.8 neu interpretiert und mit moderner Technik versehen.
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Schmaler Grat zwischen Sakrileg und Supercar: AMG-Renner 300 SEL 6.8 von S-Klub LA
Für AMG ist die „rote Sau“ eine heilige Kuh. Mit der magischen Verbindung einer S-Klasse und einem V8, dem die AMG-Gründer Werner Aufrecht und Erhard Melcher 6,8 l Hubraum eingeschenkt haben, wurde die Tuningschmiede Anfang der 1970er-Jahre schlagartig bekannt. Das Kürzel AMG steht seitdem für konsequentes Schnellermachen von ohnehin flotten Stars und Sternchen.
So viel Symbolkraft war für einen betuchten Amerikaner offenbar zu viel. Und da sich auf dem Gebrauchtwagenmarkt wenige bis keine roten Säue, mit bürgerlichem Namen Mercedes-AMG 300 SEL 6.8, tummeln, griff er zur Geldbörse und dem ultimativen Heilmittel gegen akuten Oldtimer-Entzug: dem Bau einer Replika.
Mit dem Projekt betraut hat er ausgerechnet die berüchtigten Coachbuilder von S-Klub LA. Die wedeln bei jeder Gelegenheit im übertragenen Sinn mit ihrem Banner, auf dem steht „Purist:innen werden uns hassen“. Und sind mächtig stolz darauf. Sie bauen historische Designikonen von Mercedes, Porsche oder Ferrari mit aktueller Technik neu auf und schrecken auch vor wilden Stilbrüchen nicht zurück.
Seltsamerweise halten sie sich bei dem schweinischen Vorhaben eher zurück. Wobei anzumerken ist, dass der Mercedes-AMG 300 SEL 6.8 im Grunde ja nichts anderes war als ein rasender Stilbruch. Niemand bei Verstand hatte bis dahin versucht, eine Luxuslimousine in einen Spa-Sieger zu verwandeln. AMG tat es einfach. Die rote Sau, hier im Duell gegen Opels schwarze Witwe, war geboren.
Der AMG 300 SEL 6.8 von SL-Klub LA im Video
Alter W109 und junger W205 gehen hier eine seltsam symbiotische Beziehung ein
Wie üblich haben die Mercedes-Profis aus Monterey ein Spenderfahrzeug der Generation W109 bis aufs nackte Blech gestrippt. Beim Wiederaufbau diente die Original-Sau als Inspiration, nicht als Konstruktionsplan. Folglich finden sich LED-Scheinwerfer und Carbon-Anbauteile am Wagen, welche die Zuteilung eines H-Kennzeichens vermutlich vereiteln würden.
Chrom haben die „Cartisten“ fast vollständig weggelassen. Aber ist das wichtig? Eher nicht. Schon die rosa Schweinchen-Abdeckungen der Hella-Zusatzscheinwerfer signalisieren, dass man die Historientümelei mit Distanz und Humor betreiben sollte. Fest steht: Dieses… Etwas hat Präsenz. Amis würden die tiefliegende Wildsau wohl als „bold“ bezeichnen. Wir sagen: „saugeil“.
Die Stilbrüche werden unter der Haube und im Innenraum geradezu zelebriert. Hinter der Vorderachse lauert nämlich ein vergleichsweise klitzekleiner Vierliter-V8. Ja was denn, Downsizing vom Radikal-Tuner? In der Tat, die acht Pötte der Replika sind im Volumen deutlich reduziert. Der einem C 63 S der Generation W205 entnommene Antrieb spuckt dennoch turbogeladene 510 PS (375 kW) aus, deutlich mehr als der mit 428 PS (315 kW) angegebene Sauger des Originals.
Auch im Innenraum hat der Wahnsinn Methode. Armaturenbrett und Mittelkonsole wurden ebenfalls dem jungen Organspender entnommen und gehen dort eine seltsam symbiotische Beziehung mit Schalensitzen, Vierpunktgurten und Überrollkäfig ein. Bevor es dann doch wieder zu harmonisch wird, sorgt das eckige Lenkrad, offenbar vom Hypercar Mercedes-AMG One inspiriert, wieder für die Prise Unordnung, ohne die Extremtuning wohl sinnlos wäre.


















