Vergleich

Über-Limos der 90er: Mercedes 500 E gegen Opel Lotus Omega

Mit dem Lotus Omega zeigte Opel Mercedes 1990, wo der Hammer hängt. Trotzdem zog der 500 E dem Turbo-Rabauken im Verkauf davon.

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Opel Lotus Omega und Mercedes 500 E fahrend von vorne.
Anfang der 90er dominierten plötzlich große Sportlimos wie Opel Lotus Omega und Mercedes 500 E auf der linken Spur. Foto: Stefan Bau
Der Mercedes 500 E stehend von vorne.
Der 500 E bedeutete Leistung und Luxus für gut 150.000 Mark inklusive Extras. Foto: Wim Woeber
Der Mercedes 500 E stehend von hinten.
Unser 91er Fotomodell fuhr zwischenzeitlich mit spanischem Kennzeichen. Foto: Wim Woeber
Das Cockpit des Mercedes 500 E.
Das fein sortierte Cockpit lässt keine Fragen offen. Ebenso wenig wie der 260-km/h-Tacho. Foto: Wim Woeber
Die Sitze des Mercedes 500 E.
Die bequemen Ledersitze adeln den 500 E zum Speed-Sofa. Foto: Wim Woeber
Der Motor des Mercedes 500 E.
Die 326 PS (240 kW) gehen völlig unaufgeregt, aber dennoch kraftvoll zu Werke. Foto: Wim Woeber
Mercedes 500 E und Opel Lotus Omega fahrend von hinten.
Im Gegensatz zum 190 Evo II hielt sich der W124er optisch zurück. Der Opel besaß da schon mehr Überholprestige. Foto: Stefan Bau
Der Opel Lotus Omega stehend von vorne.
Nach dem Lotus Omega schoss kein Opel mehr so brutal über die BAB. Foto: Wim Woeber
Der Opel Lotus Omega stehend von hinten.
Doppelrohr-Auspuff und Heckspoiler untermauern den sportlichen Anspruch optisch. Foto: Wim Woeber
Das Cockpit des Opel Lotus Omega.
Im Cockpit ganz Omega, unter der Haube dagegen ein echter Lotus. Foto: Wim Woeber
Die Sitze des Opel Lotus Omega.
Die Höchstgeschwindigkeit wird im fünften Gang erreicht. Auf den Ledersitzen haben die Passagiere reichlich Platz. Foto: Wim Woeber
Der Motor des Opel Lotus Omega.
Den Sechszylinder hat Lotus via Turbolader gehörig unter Druck gesetzt. Foto: Jürgen Zerha
Opel Lotus Omega und Mercedes 500 E fahrend von schräg vorne.
Der Opel Lotus Omega war zwar schneller als der Benz, aber ein großer Verkaufserfolg eher nicht. Foto: Stefan Bau

Linke-Spur-Jäger im Duell: Mercedes 500 E trifft Opel Lotus Omega

Das womöglich spannendste Duell Blitz gegen Stern fand zu Beginn der Neunzigerjahre statt. Wann auch sonst. In Deutschland herrschte nach dem politischen Umbruch im Osten eine Volks-Euphorie, wie wir sie seitdem nicht wieder erlebt haben. Dauer-Kanzler Helmut Kohl sagte uns im Rahmen der Wiedervereinigung blühende Landschaften voraus. Roger Waters bereitete den Berlinern mit „The Wall“ das größte Rockkonzert aller Zeiten. Und im norddeutschen Wacken legten 800 wilde Gestalten den Grundstein für das größte Heavy-Metal-Festival der Welt.

Brave Bürger:innen seufzten derweil zur Kino-Romanze von Pretty Woman Julia Roberts. Und Fußballfans begossen den dritten WM-Titel der Nation. Kurz gesagt: Es war herrlich in Deutschland. Da passte es ins Bild, dass auf der Autobahn die Lust am Topspeed frische Blüten trug. Eine neue Spezies eroberte die linke Spur: Vor Selbstbewusstsein strotzend, machten plötzlich potente viertürige Limousinen der Sportwagen-Elite das Leben schwer, wenn die Personen am Steuer bei 240 km/h ganz lässig nochmal einen Zahn zulegten.

Der Mercedes 560 SEC von Bruno Sacco im Fahrbericht (Video)

Video Platzhalter
Video: AUTO ZEITUNG

Der 500 E war Understatement pur

Dabei hing es von der Mentalität der Marke ab, ob der Auftritt eher dezent oder krawallig ausfiel. Bei Mercedes wählte man die erste Variante. Durch eine radikale Frischzellenkur erfuhr der Millionenseller W124 als 500 E eine exklusive Aufwertung. Technik-Partner war ausgerechnet Porsche, wo man noch fast 20 Jahre davon entfernt war, dieses Segment selbst für sich zu erobern.

Außer ausgestellten Kotflügeln und breiteren Reifen war von der gewaltigen Power des auf 326 PS (240 kW) erstarkten V-Achtzylinders von außen nichts zu ahnen. Nicht mal ein Heckspoiler durfte sich in die klassische Linie der Mercedes-Karosserie mogeln.

Der Mercedes 500 E (W124) stehend von vorne
Foto: Wim Woeber

Bei Opel dagegen ließ man es optisch richtig krachen. Schließlich ging es um eine besonders einprägsame Umsetzung der Botschaft „Technik, die begeistert“. Der brave Omega bekam ein atemberaubendes Aerodynamikset mit riesiger Frontschürze und wuchtigem Heckleitwerk verpasst. Beinahe wäre die Mutation zum Macho in Lufthutzen auf der Motorhaube gegipfelt.

Doch das hielt man in Rüsselsheim dann doch für eine Nummer zu heftig – und beließ es bei versenkten Öffnungen. Technische Hilfe bei dem Projekt kam von der englischen Edelschmiede Lotus, die damals als General Motors-Tochter zum Konzern gehörte. Die Basis stellte der Motor aus dem Omega 3000 24V dar, mit vergrößertem Hub und zwei Garret-Turboladern. Dabei beließen es die Engländer:innen aber nicht.

Wenn die Turbolader zünden, gibt es im Omega kein Halten mehr

Der Block erhielt andere Kanäle, ein völlig neues Steuergehäuse und eine verstärkte Lagergasse. Und auch in der Peripherie blieb nichts, wie es war, von der Wasserpumpe bis zum Abgasstrang. So kamen schließlich imposante 377 PS (277 kW) und 557 Nm Drehmoment zustande. Der Fairness halber sei erwähnt, dass sich auch BMW nicht lumpen ließ und die zweite Generation des M5 ins Rennen schickte, während Alpina mit dem B10, der dank zweier Turbolader an der 300-km/h-Marke kratzte, sogar noch eins drauf setzte.

Jedes dieser Autos war auf seine Weise einzigartig. Aber der Kontrast hätte wohl kaum größer sein können als zwischen 500 E und Lotus Omega. Das lag gar nicht mal an den unterschiedlichen Fahrleistungen. Zwar nahm ein optimal geschalteter Lotus dem Automatik-Mercedes im Standardsprint eine gute Sekunde ab und fuhr ihm in der Endgeschwindigkeit uneinholbar davon. Auffälliger war aber die Art und Weise, wie man in beiden Limousinen schnell fuhr.

Der Opel Lotus Omega stehend von vorne
Foto: Wim Woeber

Im Lotus Omega haderte die Person am Steuer unterhalb 3000 Touren mit einem lustlos herumtrödelnden, ruckelnden Antrieb, um dann im Ladebereich mit Lenken und Schalten kaum nachzukommen. Der Mercedes dagegen ging einfach nur voran, völlig unaufgeregt und unspektakulär, lieber aus niedrigen Drehzahlen als mit hohen, aber trotzdem nachdrücklich. Es war ein Duell Speed-Sofa gegen Turbo-Rabauke.

Wäre eine repräsentative Zufriedenheits-Umfrage unter Eigner:innen beider Fahrzeuge durchgeführt worden, vermutlich hätte im Ergebnis keiner von ihnen tauschen wollen. Man war eben entweder der Lotus-Typ oder der Mercedes-Fan. Daran hat sich bis heute im Prinzip nichts geändert. Und das, obwohl dem Lotus im Gegensatz zum Mercedes schon kurz nach Verkaufsstart der Ruf einer anfälligen Diva anhing.

Sowohl Mercedes als auch Opel haben ihre Macken

Profis relativieren das mittlerweile und wissen mit den Eigenarten der wenigen verbliebenen Exemplare umzugehen, etwa mit den zickenden Nockenwellensensoren oder der empfindlichen Steuerung des Turbo-Systems. Aber auch der als grundsolide gerühmte 500 E hat seine Macken.

Dem Youngtimer bereiten defekte Verteilerkappen, durch Stauhitze zerbröselte Kabelbäume und der Rückwärtsgang des Getriebes Probleme. Die Stückzahl des Mercedes übertraf jene des Lotus Omega um mehr als das Zehnfache. Dem Reiz des schnellen Opel tut das keinen Abbruch.

Technische Daten von Mercedes 500 E und Opel Lotus Omega

Classic Cars 12/2014

Mercedes 500 E

Opel Lotus Omega

Zylinder / Ventile pro Zylin.

8 / 4

6 / 4; 2 Turbolader

Hubraum

4973 cm³

3615 cm³

Leistung

240 kW/326 PS bei 5700 U/min

277 kW/377 PS bei 5200 U/min

Max. Gesamtdrehmoment bei

480 Nm bei 3900 U/min

557 Nm bei 4200 U/min

Getriebe / Antrieb

4-Stufen-Automatik / Hinterrad

6-Gang-Getriebe / Hinterrad

L / B / H

4720 / 1763 / 1431 mm

4768 / 1812 / 1435 mm

Leergewicht

1830 kg

1690 kg

Bauzeit

1990 – 1995

1990 – 1992

Stückzahl

10.479

907

Beschleunigung null auf 100 km/h

6,5 s (AZ 7/1992)

5,3 s (AZ 10/1992)

Höchstgeschwindigkeit

250 km/h (AZ 7/1992)

278 km/h (AZ 10/1992)

Verbrauch auf 100 km

16,5 l S (AZ 7/1992)

15,4 l S (AZ 10/1992)

Grundpreis (Jahr)

144.324 Mark (1992)

125.000 Mark (1990)