Vergleich

Sport oder Stil: Commodore GS/E gegen Mercedes 280 CE

Zwei zweitürige Coupés, zwei starke Sechszylinder: Opel Commodore GS/E und Mercedes 280 CE zeigen Dynamik und Eleganz.

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Opel Commodore GS/E/Mercedes 280 CE fahrend von schräg vorne fotografiert.
Manche mögens heiß, dachten sich Mercedes und Opel zu Beginn der 70er-Jahre. Und packten ihren aus Alltags-Limousinen entstandenen Sportcoupés 280 CE und Commodore GS/E moderne, kräftige Sechszylinder unter die Hauben. Foto: Stefan Bau
Opel Commodore GS/E fahrend von schräg vorne fotografiert.
„Wo sich die Silhouette im Rückspiegel zeigt, wird schnell Platz gemacht“, konstatierten die Tester der AUTO ZEITUNG im Herbst 1972. Immerhin war der GS/E als Coupé 200 km/h schnell. Foto: Stefan Bau
Opel Commodore GS/E fahrend von schräg hinten fotografiert.
Unser GS/E stammt aus dem liebevoll gehegten Fuhrpark von Opel Classic und fällt mit seinem gelben Lack und den schwarzen Zierstreifen sowieso schon auf. Foto: Stefan Bau
Das Cockpit des Opel Commodore GS/E.
Das Testobjekt wurde seinerzeit zudem von Irmscher-Tuning für den Motorsport-Einsatz speziell hergerichtet. Foto: Wim Woeber
Das Interieur des Opel Commodore GS/E.
Tripmaster, Schalensitze und ein Überrollkäfig gehören dazu. Foto: Wim Woeber
Der Motor des Opel Commodore GS/E.
Statt der Einspritzung sorgen drei Weber-Doppelvergaser 45 DCOE, ein zweigeteilter Auspuffkrümmer und ein Edelstahl-Auspuffanlage für besseres Ein- und Ausatmen des Sechszylinders. Als Resultat stehen 190 PS (140 kW) parat. Foto: Wim Woeber
Mercedes 280 CE fahrend von schräg vorne fotografiert.
Dagegen kann der zwar edle, aber eher biedere 280 CE seine Verwandtschaft zu den Strichacht-Limousinen vom 200 bis 280 E kaum verleugnen. Foto: Stefan Bau
Der Mercedes 280 CE fahrend von hinten.
Abruptes Gaswegnehmen in Kurven sollte man vermeiden, sonst schwenkt das Benz-Heck heftig aus. Foto: Stefan Bau
Das Cockpit des Mercedes 280 CE.
Große Rundinstrumente im typischen Mercedes-Look, glänzende Holzverkleidung im Cockpit und der obligatorische, runde Knopf zur Entriegelung der sogenannten Fuß-Feststellbremse Foto: Wim Woeber
Der Fahrersitz des Mercedes 280 CE.
Die voll versenkbaren Seitenscheiben ohne B-Pfosten beweisen Stil. Foto: Wim Woeber
Der Motor des Mercedes 280 CE.
Der damals neu entwickelte, geschmeidige Sechszylinder trägt auch heute noch mit dazu bei, dass man in diesem Gefährt entspannt reist. Foto: Wim Woeber
Opel Commodore GS/E/Mercedes 280 CE fahrend von schräg hinten fotografiert.
In Kurven untersteuert der Mercedes, wirkt eher behäbig. Der Opel verhält sich dagegen neutral und giert nach Biegungen. Foto: Stefan Bau

Der Wilde und der Milde: Opel Commodore GS/E vs. Mercedes 280 CE

Manche mögens heiß, dachten sich Mercedes und Opel zu Beginn der 70er-Jahre. Und packten ihren aus Alltags-Limousinen entstandenen Sportcoupés 280 CE und Commodore GS/E moderne, kräftige Sechszylinder-Einspritzaggregate unter die Motorhauben. Bei Mercedes kam ein 2,8 l großer Einspritzer mit stattlichen 185 PS (136 kW) zum Einsatz. Bei Opel waren es ebenso beachtliche 160 PS (118 kW) aus ebenfalls 2,8 l Hubraum.

Um die Dynamik auch äußerlich anzudeuten, wurden nicht nur die Limousinen, sondern gerade auch die damals modernen Coupés motorisch aufgerüstet. Der Mercedes 280 CE und der Opel Commodore B GS/E brachten zeitgleich Nachschub für die Freunde schneller Gangart auf Deutschlands Autobahnen; der Mercedes wurde von 1972 bis 1976 gebaut, der Opel sogar von 1972 bis 1977.

Der Mercedes 560 SEC im Fahrbericht (Video)

Video Platzhalter
Video: AUTO ZEITUNG

Der GS/E kündigt sich mit Kriegsbemalung an

Schon im Serien-Trimm war dem Commodore GS/E anzusehen: Hoppla, jetzt komm ich. Kräftige Farben, auf Wunsch markante, schwarze Zierstreifen und ein respektheischender Frontspoiler, das alles sorgte für schnelle Räumung der linken Spur. „Wo sich die Silhouette im Rückspiegel zeigt, wird schnell Platz gemacht“, konstatierten die Tester der AUTO ZEITUNG im Herbst 1972. Immerhin war der GS/E als Coupé 200 km/h schnell. Da tat sich der:die Fahrer:in eines 280 CE schon schwerer.

Nur Insider:innen erkannten schon im Rückspiegel, dass es der etwas flachere, eher kantige W114 E28 (so die werksinterne Bezeichnung) faustdick unter der Haube hatte und mit 202 km/h ganz schön schnell unterwegs sein konnte. Das eher elegante Mercedes-Coupé wirkte gegen den je nach Lackierung und Extras wilden Commodore GS/E jedoch konservativ wie ein englischer Lord.

Und heute? Unser GS/E stammt aus dem liebevoll gehegten Fuhrpark von Opel Classic und fällt mit seinem gelben Lack und den schwarzen Zierstreifen sowieso schon auf. Das Testobjekt wurde seinerzeit zudem von Irmscher-Tuning für den Motorsport-Einsatz speziell hergerichtet. Statt der Einspritzung sorgen drei Weber-Doppelvergaser 45 DCOE, ein zweigeteilter Auspuffkrümmer und ein Edelstahl-Auspuffanlage für besseres Ein- und Ausatmen des Sechszylinders. Als Resultat stehen 190 PS (140 kW) parat. Die lassen diesen GS/E sogar 210 km/h rennen. Tripmaster, Schalensitze, ein Überrollkäfig, ein Sperrdifferential mit 75 Prozent Wirkung sowie die vier runden Zusatzscheinwerfer unterstreichen die Motorsport-Tauglichkeit des GS/E.

Opel Commodore GS/E fahrend von schräg vorne fotografiert.
Foto: Stefan Bau

Gediegene Eleganz im Cockpit des 280 CE

Dagegen kann der zwar edle, aber eher biedere 280 CE seine Verwandtschaft zu den Strichacht-Limousinen vom 200 bis 280 E kaum verleugnen. Aber vielleicht macht das heute den besonderen Reiz für Oldtimer-Fans aus. Während der Commodore GS/E speziell die Opel-Freaks anspricht und Fans der Blitz-Marke mit der Zunge schnalzen lässt, dürfte das Mercedes-Coupé auch Fans anderer Marken begeistern, zumal der 280 CE auch heute noch jene gediegene Eleganz ausstrahlt, die luxuriöse Mercedes über viele Jahrzehnte auszeichnete.

Der Innenraum präsentiert sich bis ins Detail in bester Benz-Qualität und ist sauber verarbeitet. Die voll versenkbaren Seitenscheiben ohne B-Pfosten beweisen Stil. Die großen Rundinstrumente im typischen Mercedes-Look, die glänzende Holzverkleidung im Cockpit und der obligatorische, runde Knopf zur Entriegelung der sogenannten Fuß-Feststellbremse: „Endlich zu Hause“, kann man dazu die Mercedes-Werbung zitieren.

„Wo sich die Silhouette des Commodore im Rückspiegel zeigt, wird schnell Platz gemacht.“
AUTO ZEITUNG 22/1972

Der damals neu entwickelte, geschmeidige Sechszylinder trägt auch heute noch mit dazu bei, dass man in diesem Gefährt entspannt reist und – wie früher – keinem beweisen muss, wie viel Power unter der Haube steckt. Wenn es denn doch mal sein soll, wird der Motorsound kerniger. Die von den Fans liebevoll als Strichacht titulierte Modellreihe W114/W115 wies mit dem 280 CE ein im Detail verfeinertes Top-Modell auf, mit dem man heute noch gerne überall vorfährt.

Die hohe Verarbeitungsqualität und die herausragende, passive Sicherheit ließen sich die Daimler-Strateg:innen auch 1972 schon ausgesprochen gut bezahlen. 22.977 Mark (ohne Extras) verlangte Mercedes für einen 280 CE. Kein Wunder, dass die Opel-Verkäufer:innen das frech als Argument nutzten: „Es gibt nur wenige Wagen, die soviel bieten wie der Commodore. Das einzige, was ihm fehlt, ist der hohe Preis.“ Tatsächlich war der Commodore GS/E als Coupé mit 16.795 Mark deutlich günstiger als der schwäbische Gegner, und das bei vergleichbarer, kompletter Ausstattung. Das Mercedes-Prestige wollte gut bezahlt sein.

Mercedes 280 CE fahrend von schräg vorne fotografiert.
Foto: Stefan Bau

Enormen Fahrspaß bieten beide auf ihre Art

Was 1972 bei den Neuwagen mehr zählte als heute bei Oldtimern, ist das Fahrverhalten. Der Opel war trotz sportlicher Ausrichtung ein komfortabler Reisebegleiter. Zitat aus dem Test: „Das Kurvenverhalten ist beispielhaft geblieben. Das sichere Fahrgefühl überwiegt.“ Und so bereitet der Commodore GS/E auch heute noch enormen Fahrspaß. „Auf bulliger Breitspur gegen die Fliehkraft“ war bei ihm wirklich kein hohler Werbespruch, sondern deckte weitgehend die Realität ab.

Weniger aufgeregt, aber ebenso fahrsicher gibt sich der Mercedes. Zunächst untersteuert er leicht. Das bei höherem Kurventempo eintretende Übersteuern kann dank der Servolenkung leicht korrigiert werden. Abruptes Gaswegnehmen in Kurven sollte man jedoch vermeiden, sonst schwenkt das Benz-Heck heftig aus.

Die große Preisdifferenz beim Neukauf 1972 kommt auch heute, Jahrzehnte nach dem Debüt der beiden Modelle, wieder zum Tragen: Im gepflegten Zustand 2 wird das Commodore GS/E-Coupé derzeit mit rund 17.900 Euro eingestuft. Für einen 280 CE in ähnlich guter Verfassung muss man laut Classic Data gut 25.300 Euro hinblättern. Das nennt man Wertstabilität. Technisch sind sie zwar vergleichbar, aber doch trennen die beiden Coupés von der Anmutung wie auch vom Fahrspaß her Welten. Der Opel ist etwas für Sport-Freaks, der Mercedes macht mehr auf Eleganz. Beide Modelle sind noch erschwinglich. Aber: Es gibt halt nur noch wenige gut erhaltene Exemplare.

Von Werner Müller

Technische Daten von Opel Commodore GS/E und Mercedes 280 CE

Classic Cars 12/2014

Opel Commodore GS/E

Mercedes 280 CE

Zylinder / Ventile pro Zylin.

R6 / 2

R6 / 2

Hubraum

2748 cm³

2717 cm³

Leistung

118 kW/160 PS bei 5400 U/min

136 kW/185 PS bei 6000 U/min

Max. Gesamtdrehmoment bei

229 Nm bei 4200 U/min

238 Nm bei 4500 U/min

Getriebe / Antrieb

4-Gang-Getriebe / Hinterrad

4-Gang-Getriebe / Hinterrad

L / B / H

4607 / 1728 / 1370 mm

4685 / 1790 / 1395 mm

Leergewicht

1240 kg

1450 kg

Bauzeit

1972 – 1977

1972 – 1976

Stückzahl

7657

11.518

Beschleunigung null auf 100 km/h

8,7 s (AZ 22/1972)

10,3 s (AZ 16/1972)

Höchstgeschwindigkeit

200 km/h (AZ 22/1972)

202 km/h (AZ 16/1972)

Verbrauch auf 100 km

17,4 l S (AZ 22/1972)

15,6 l S (AZ 16/172)

Grundpreis (Jahr)

16.795 Mark (1972)

22.980 Mark (1972)