Sport oder Stil: Commodore GS/E gegen Mercedes 280 CE
Zwei zweitürige Coupés, zwei starke Sechszylinder: Opel Commodore GS/E und Mercedes 280 CE zeigen Dynamik und Eleganz.
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Der Wilde und der Milde: Opel Commodore GS/E vs. Mercedes 280 CE
Manche mögens heiß, dachten sich Mercedes und Opel zu Beginn der 70er-Jahre. Und packten ihren aus Alltags-Limousinen entstandenen Sportcoupés 280 CE und Commodore GS/E moderne, kräftige Sechszylinder-Einspritzaggregate unter die Motorhauben. Bei Mercedes kam ein 2,8 l großer Einspritzer mit stattlichen 185 PS (136 kW) zum Einsatz. Bei Opel waren es ebenso beachtliche 160 PS (118 kW) aus ebenfalls 2,8 l Hubraum.
Um die Dynamik auch äußerlich anzudeuten, wurden nicht nur die Limousinen, sondern gerade auch die damals modernen Coupés motorisch aufgerüstet. Der Mercedes 280 CE und der Opel Commodore B GS/E brachten zeitgleich Nachschub für die Freunde schneller Gangart auf Deutschlands Autobahnen; der Mercedes wurde von 1972 bis 1976 gebaut, der Opel sogar von 1972 bis 1977.
Der Mercedes 560 SEC im Fahrbericht (Video)

Der GS/E kündigt sich mit Kriegsbemalung an
Schon im Serien-Trimm war dem Commodore GS/E anzusehen: Hoppla, jetzt komm ich. Kräftige Farben, auf Wunsch markante, schwarze Zierstreifen und ein respektheischender Frontspoiler, das alles sorgte für schnelle Räumung der linken Spur. „Wo sich die Silhouette im Rückspiegel zeigt, wird schnell Platz gemacht“, konstatierten die Tester der AUTO ZEITUNG im Herbst 1972. Immerhin war der GS/E als Coupé 200 km/h schnell. Da tat sich der:die Fahrer:in eines 280 CE schon schwerer.
Nur Insider:innen erkannten schon im Rückspiegel, dass es der etwas flachere, eher kantige W114 E28 (so die werksinterne Bezeichnung) faustdick unter der Haube hatte und mit 202 km/h ganz schön schnell unterwegs sein konnte. Das eher elegante Mercedes-Coupé wirkte gegen den je nach Lackierung und Extras wilden Commodore GS/E jedoch konservativ wie ein englischer Lord.
Und heute? Unser GS/E stammt aus dem liebevoll gehegten Fuhrpark von Opel Classic und fällt mit seinem gelben Lack und den schwarzen Zierstreifen sowieso schon auf. Das Testobjekt wurde seinerzeit zudem von Irmscher-Tuning für den Motorsport-Einsatz speziell hergerichtet. Statt der Einspritzung sorgen drei Weber-Doppelvergaser 45 DCOE, ein zweigeteilter Auspuffkrümmer und ein Edelstahl-Auspuffanlage für besseres Ein- und Ausatmen des Sechszylinders. Als Resultat stehen 190 PS (140 kW) parat. Die lassen diesen GS/E sogar 210 km/h rennen. Tripmaster, Schalensitze, ein Überrollkäfig, ein Sperrdifferential mit 75 Prozent Wirkung sowie die vier runden Zusatzscheinwerfer unterstreichen die Motorsport-Tauglichkeit des GS/E.

Gediegene Eleganz im Cockpit des 280 CE
Dagegen kann der zwar edle, aber eher biedere 280 CE seine Verwandtschaft zu den Strichacht-Limousinen vom 200 bis 280 E kaum verleugnen. Aber vielleicht macht das heute den besonderen Reiz für Oldtimer-Fans aus. Während der Commodore GS/E speziell die Opel-Freaks anspricht und Fans der Blitz-Marke mit der Zunge schnalzen lässt, dürfte das Mercedes-Coupé auch Fans anderer Marken begeistern, zumal der 280 CE auch heute noch jene gediegene Eleganz ausstrahlt, die luxuriöse Mercedes über viele Jahrzehnte auszeichnete.
Der Innenraum präsentiert sich bis ins Detail in bester Benz-Qualität und ist sauber verarbeitet. Die voll versenkbaren Seitenscheiben ohne B-Pfosten beweisen Stil. Die großen Rundinstrumente im typischen Mercedes-Look, die glänzende Holzverkleidung im Cockpit und der obligatorische, runde Knopf zur Entriegelung der sogenannten Fuß-Feststellbremse: „Endlich zu Hause“, kann man dazu die Mercedes-Werbung zitieren.
Der damals neu entwickelte, geschmeidige Sechszylinder trägt auch heute noch mit dazu bei, dass man in diesem Gefährt entspannt reist und – wie früher – keinem beweisen muss, wie viel Power unter der Haube steckt. Wenn es denn doch mal sein soll, wird der Motorsound kerniger. Die von den Fans liebevoll als Strichacht titulierte Modellreihe W114/W115 wies mit dem 280 CE ein im Detail verfeinertes Top-Modell auf, mit dem man heute noch gerne überall vorfährt.
Die hohe Verarbeitungsqualität und die herausragende, passive Sicherheit ließen sich die Daimler-Strateg:innen auch 1972 schon ausgesprochen gut bezahlen. 22.977 Mark (ohne Extras) verlangte Mercedes für einen 280 CE. Kein Wunder, dass die Opel-Verkäufer:innen das frech als Argument nutzten: „Es gibt nur wenige Wagen, die soviel bieten wie der Commodore. Das einzige, was ihm fehlt, ist der hohe Preis.“ Tatsächlich war der Commodore GS/E als Coupé mit 16.795 Mark deutlich günstiger als der schwäbische Gegner, und das bei vergleichbarer, kompletter Ausstattung. Das Mercedes-Prestige wollte gut bezahlt sein.

Enormen Fahrspaß bieten beide auf ihre Art
Was 1972 bei den Neuwagen mehr zählte als heute bei Oldtimern, ist das Fahrverhalten. Der Opel war trotz sportlicher Ausrichtung ein komfortabler Reisebegleiter. Zitat aus dem Test: „Das Kurvenverhalten ist beispielhaft geblieben. Das sichere Fahrgefühl überwiegt.“ Und so bereitet der Commodore GS/E auch heute noch enormen Fahrspaß. „Auf bulliger Breitspur gegen die Fliehkraft“ war bei ihm wirklich kein hohler Werbespruch, sondern deckte weitgehend die Realität ab.
Weniger aufgeregt, aber ebenso fahrsicher gibt sich der Mercedes. Zunächst untersteuert er leicht. Das bei höherem Kurventempo eintretende Übersteuern kann dank der Servolenkung leicht korrigiert werden. Abruptes Gaswegnehmen in Kurven sollte man jedoch vermeiden, sonst schwenkt das Benz-Heck heftig aus.
Die große Preisdifferenz beim Neukauf 1972 kommt auch heute, Jahrzehnte nach dem Debüt der beiden Modelle, wieder zum Tragen: Im gepflegten Zustand 2 wird das Commodore GS/E-Coupé derzeit mit rund 17.900 Euro eingestuft. Für einen 280 CE in ähnlich guter Verfassung muss man laut Classic Data gut 25.300 Euro hinblättern. Das nennt man Wertstabilität. Technisch sind sie zwar vergleichbar, aber doch trennen die beiden Coupés von der Anmutung wie auch vom Fahrspaß her Welten. Der Opel ist etwas für Sport-Freaks, der Mercedes macht mehr auf Eleganz. Beide Modelle sind noch erschwinglich. Aber: Es gibt halt nur noch wenige gut erhaltene Exemplare.
Von Werner Müller
Technische Daten von Opel Commodore GS/E und Mercedes 280 CE
Classic Cars 12/2014 | Opel Commodore GS/E | Mercedes 280 CE |
|---|---|---|
Zylinder / Ventile pro Zylin. | R6 / 2 | R6 / 2 |
Hubraum | 2748 cm³ | 2717 cm³ |
Leistung | 118 kW/160 PS bei 5400 U/min | 136 kW/185 PS bei 6000 U/min |
Max. Gesamtdrehmoment bei | 229 Nm bei 4200 U/min | 238 Nm bei 4500 U/min |
Getriebe / Antrieb | 4-Gang-Getriebe / Hinterrad | 4-Gang-Getriebe / Hinterrad |
L / B / H | 4607 / 1728 / 1370 mm | 4685 / 1790 / 1395 mm |
Leergewicht | 1240 kg | 1450 kg |
Bauzeit | 1972 – 1977 | 1972 – 1976 |
Stückzahl | 7657 | 11.518 |
Beschleunigung null auf 100 km/h | 8,7 s (AZ 22/1972) | 10,3 s (AZ 16/1972) |
Höchstgeschwindigkeit | 200 km/h (AZ 22/1972) | 202 km/h (AZ 16/1972) |
Verbrauch auf 100 km | 17,4 l S (AZ 22/1972) | 15,6 l S (AZ 16/172) |
Grundpreis (Jahr) | 16.795 Mark (1972) | 22.980 Mark (1972) |























