Chrom-Geschichten: Opel Rekord und Mercedes Ponton im Duell

Als der Rüsselsheimer Autobauer den Opel Olympia Rekord präsentierte, war der Mercedes 180 Ponton bereits fünf Jahre auf dem Markt – ein Nachteil? Die beiden Classic Cars im Vergleich.

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Opel Olympia Rekord/Mercedes 180 Ponton fahrend von schräg vorne fotografiert.
Opel Olympia Rekord/Mercedes 180 Ponton Foto: AUTO ZEITUNG

Ein Nachzügler mit Flosse: Der Opel P1 tritt gegen den Ponton W120 an.

Mercedes 180 Ponton Opel Olympia Rekord Vergleich
Opel Olympia Rekord/Mercedes 180 Ponton

Offenes Dach: Mit dem Ponton kann mehr Frischluft genießen.

Mercedes 180 Ponton Heck
Mercedes 180 Ponton

Farblicher Unterschied: Der Mercedes 180 kommt ganz in schwarz.

Mercedes 180 Ponton Cockpit
Mercedes 180 Ponton

Der Ponton enthält sich jeder Mode – bis auf die Lenkradschaltung.

Mercedes 180 Ponton Sitze
Mercedes 180 Ponton

Die Steppung in der Seitenverkleidung ist Merkmal der Serie I.

Mercedes 180 Ponton Motor
Mercedes 180 Ponton

Der Motor zieht bis 90 km/h gut, darüber wird es jedoch zäher.

Opel Olympia Rekord P1 Cockpit
Opel Olympia Rekord

Jukebox-Design im Opel war der letzter Schrei.

Opel Olympia Rekord P1 Sitze
Opel Olympia Rekord

Im Opel findet sich vorne eine durchgehende Sitzbank.

Opel Olympia Rekord P1 Motor
Opel Olympia Rekord

Der Motor ist recht elastisch und harmoniert in dem leichten Wagen gut mit der Dreigang-Schaltung.

Er war die Sensation der IAA 1957: Der neue Opel Olympia Rekord. Mit Panoramascheibe und Heckflossen traf er stilistisch den Nerv der Zeit und brachte den amerikanischen Traum vom Fahren auf deutsche Straßen – zu Preisen ab 5785 Mark. Zum Vergleich: Ein Export-Käfer kostete zum selben Zeitpunkt 4600 Mark und war gefühlt halb so groß. Wer auf der modernen Sitzbank des Opel P1 mit Einzelsitzlehnen Platz nimmt, blickt auf ein liebevoll gestaltetes Armaturenbrett im Jukebox-Design. Man schaut herum und hat freie Sicht in alle Richtungen.

Nur mit den Knien müssen die vorne Sitzenden vorsichtig sein, denn die Ausläufer der Panoramascheibe zielen beim Ein- und Aussteigen direkt auf das empfindliche Gelenk. Polster gibt es nicht. Hinten geht es enger zu als vorn. Etwas mehr Bein- und Kopffreiheit wären wünschenswert. Der Einstieg gelingt trotz nicht eben weit öffnender Türen aber gut. Polsterung und Lehne erweisen sich als bequem. Damit in den Urlaub? Aber gern! 
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Der Mercedes 560 SEC im Fahrbericht (Video):

Video Platzhalter
Video: AUTO ZEITUNG

Opel Olympia Rekord & Mercedes 180 Ponton im Classic-Cars-Vergleich

Der von Opel Klassik gut gepflegte Museumswagen springt willig an und zieht ohne Verschlucken hoch. Drei Gänge hält das Schaltmenü am Lenkstock bereit. Das reicht vollkommen aus. Der 55 PS (40 kW) starke Wagen entwickelt sein bestes Drehmoment von 120 Nm schon bei 2100 Touren. Die Kraft aus dem Keller hilft, den nur 950 kg schweren Opel Olympia Rekord behände in etwa 20 s auf 100 km/h zu bringen. Der 1700er Motor kam erst 1959 auf den Markt, als der Nachfolger Rekord P2 schon am Horizont aufblitzte.

Dennoch: Knapp 100.000 Exemplare des 1700er mit zwei oder vier Türen verließen die Rüsselsheimer Werkshallen binnen eines Jahres – ein echter Rekord-Rekord. In diesem ausgereiften Stadium brillierte er mit gepolstertem Armaturenbrett, elektrischen Scheibenwischern und reichhaltiger Ausstattung. Die vier Trommelbremsen verzögern kraftvoll und halten den P1 in der Spur. Die Lenkung allerdings will eine starke Hand. Der Rekord segelt eher durch die Kurve, als dass er fährt.

Mercedes 180 Ponton Opel Olympia Rekord Vergleich
Foto: AUTO ZEITUNG

Bessere Fahrsicherheit im Ponton, mehr Power im Opel

In damaligen Tests wurde der Wagen als fahrsicher betitelt, doch diese Disziplin erledigt der Mercedes 180 Ponton wesentlich besser. Und das, obwohl wir im Vergleich den "Urtyp" fahren, also einen Ponton der ersten Serie, der noch über die Pendelschwingachse verfügt. Ab Herbst 1955 lieferte Mercedes den W120 dann mit Eingelenk-Pendelachse aus, was die Fahrsicherheit nochmal erhöhte. Anders als der Opel weist der Mercedes ein Viergang-Getriebe auf, das sich über die Lenkradschaltung ebenfalls bestens bedienen lässt. Der dritte Gang reicht bis knapp über 90 km/h; der nötige Schaltvorgang und der recht große Sprung in der Übersetzung sorgen im Verein mit dem etwas schwächeren Motor und dem höheren Fahrzeuggewicht dafür, dass der Schwabe beim Standardsprint vom Konkurrenten nur die Rücklichter sieht.

Der Ponton-Benz war aber ebenfalls kein langsames Auto und vereinte zudem die Mercedes-Tugenden wie etwa Solidität, Gemütlichkeit der Adenauer-Ära und – unter Oldtimer-Gesichtspunkten auch heute ein Faktor – Wertstabilität. Das Platzangebot vor allem hinten ist besser als im Opel, dennoch ist das Raumgefühl enger: Die vergleichsweise kleinen Fensterflächen fordern ihren Tribut. Bei Fahrleistungen und Design hat also klar der Opel die Nase vorn. Der Mercedes 180 Ponton bietet dafür das ausgereiftere Fahrwerk und mehr Platz. Sein höherer Wert und die bessere Ersatzteilversorgung machen ihn scheinbar zum begehrenswerteren Oldtimer. Aber im Opel wird man auf jedem Treffen umlagert, weil er so selten ist. Das Herz will den Opel, der so den perfekten Schwaben aussticht.

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Technische Daten von Opel Olympia Rekord und Mercedes 180 Ponton

Classic CarsOpel Olympia Rekord P1Mercedes 180 W120
Zylinder/Ventile pro Zylin.R4/2R4/2
Hubraum1680 cm³1767 cm³
Leistung40 kW/55 PS bei 4000/min38 kW/52 PS bei 4000/min
Max. Gesamtdrehmoment bei120 Nm 2100/min112 Nm 1800/min
Getriebe/Antrieb3-Gang manuell/Hinterrad4-Gang manuell/Hinterrad
L/B/H4433/1616/1490 mm4460/1740/1560 mm
Leergewicht950 kg1150 kg
Bauzeit1957-19601953-1962
Stückzahl98.63751.907
Beschleunigung
null auf 100 km/h
20,0 s31,0 s
Höchstgeschwindigkeit132 km/h126 km/h
Verbrauch auf 100 km9,5 l8,7 l
Grundpreis (Jahr)7110 Mark (1959)9450 Mark (1954)