Chrom-Geschichten: Opel Rekord und Mercedes Ponton im Duell
Als der Rüsselsheimer Autobauer den Opel Olympia Rekord präsentierte, war der Mercedes 180 Ponton bereits fünf Jahre auf dem Markt – ein Nachteil? Die beiden Classic Cars im Vergleich.
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Er war die Sensation der IAA 1957: Der neue Opel Olympia Rekord. Mit Panoramascheibe und Heckflossen traf er stilistisch den Nerv der Zeit und brachte den amerikanischen Traum vom Fahren auf deutsche Straßen – zu Preisen ab 5785 Mark. Zum Vergleich: Ein Export-Käfer kostete zum selben Zeitpunkt 4600 Mark und war gefühlt halb so groß. Wer auf der modernen Sitzbank des Opel P1 mit Einzelsitzlehnen Platz nimmt, blickt auf ein liebevoll gestaltetes Armaturenbrett im Jukebox-Design. Man schaut herum und hat freie Sicht in alle Richtungen.
Nur mit den Knien müssen die vorne Sitzenden vorsichtig sein, denn die Ausläufer der Panoramascheibe zielen beim Ein- und Aussteigen direkt auf das empfindliche Gelenk. Polster gibt es nicht. Hinten geht es enger zu als vorn. Etwas mehr Bein- und Kopffreiheit wären wünschenswert. Der Einstieg gelingt trotz nicht eben weit öffnender Türen aber gut. Polsterung und Lehne erweisen sich als bequem. Damit in den Urlaub? Aber gern!
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Der Mercedes 560 SEC im Fahrbericht (Video):

Opel Olympia Rekord & Mercedes 180 Ponton im Classic-Cars-Vergleich
Der von Opel Klassik gut gepflegte Museumswagen springt willig an und zieht ohne Verschlucken hoch. Drei Gänge hält das Schaltmenü am Lenkstock bereit. Das reicht vollkommen aus. Der 55 PS (40 kW) starke Wagen entwickelt sein bestes Drehmoment von 120 Nm schon bei 2100 Touren. Die Kraft aus dem Keller hilft, den nur 950 kg schweren Opel Olympia Rekord behände in etwa 20 s auf 100 km/h zu bringen. Der 1700er Motor kam erst 1959 auf den Markt, als der Nachfolger Rekord P2 schon am Horizont aufblitzte.
Dennoch: Knapp 100.000 Exemplare des 1700er mit zwei oder vier Türen verließen die Rüsselsheimer Werkshallen binnen eines Jahres – ein echter Rekord-Rekord. In diesem ausgereiften Stadium brillierte er mit gepolstertem Armaturenbrett, elektrischen Scheibenwischern und reichhaltiger Ausstattung. Die vier Trommelbremsen verzögern kraftvoll und halten den P1 in der Spur. Die Lenkung allerdings will eine starke Hand. Der Rekord segelt eher durch die Kurve, als dass er fährt.

Bessere Fahrsicherheit im Ponton, mehr Power im Opel
In damaligen Tests wurde der Wagen als fahrsicher betitelt, doch diese Disziplin erledigt der Mercedes 180 Ponton wesentlich besser. Und das, obwohl wir im Vergleich den "Urtyp" fahren, also einen Ponton der ersten Serie, der noch über die Pendelschwingachse verfügt. Ab Herbst 1955 lieferte Mercedes den W120 dann mit Eingelenk-Pendelachse aus, was die Fahrsicherheit nochmal erhöhte. Anders als der Opel weist der Mercedes ein Viergang-Getriebe auf, das sich über die Lenkradschaltung ebenfalls bestens bedienen lässt. Der dritte Gang reicht bis knapp über 90 km/h; der nötige Schaltvorgang und der recht große Sprung in der Übersetzung sorgen im Verein mit dem etwas schwächeren Motor und dem höheren Fahrzeuggewicht dafür, dass der Schwabe beim Standardsprint vom Konkurrenten nur die Rücklichter sieht.
Der Ponton-Benz war aber ebenfalls kein langsames Auto und vereinte zudem die Mercedes-Tugenden wie etwa Solidität, Gemütlichkeit der Adenauer-Ära und – unter Oldtimer-Gesichtspunkten auch heute ein Faktor – Wertstabilität. Das Platzangebot vor allem hinten ist besser als im Opel, dennoch ist das Raumgefühl enger: Die vergleichsweise kleinen Fensterflächen fordern ihren Tribut. Bei Fahrleistungen und Design hat also klar der Opel die Nase vorn. Der Mercedes 180 Ponton bietet dafür das ausgereiftere Fahrwerk und mehr Platz. Sein höherer Wert und die bessere Ersatzteilversorgung machen ihn scheinbar zum begehrenswerteren Oldtimer. Aber im Opel wird man auf jedem Treffen umlagert, weil er so selten ist. Das Herz will den Opel, der so den perfekten Schwaben aussticht.
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Technische Daten von Opel Olympia Rekord und Mercedes 180 Ponton
| Classic Cars | Opel Olympia Rekord P1 | Mercedes 180 W120 |
| Zylinder/Ventile pro Zylin. | R4/2 | R4/2 |
| Hubraum | 1680 cm³ | 1767 cm³ |
| Leistung | 40 kW/55 PS bei 4000/min | 38 kW/52 PS bei 4000/min |
| Max. Gesamtdrehmoment bei | 120 Nm 2100/min | 112 Nm 1800/min |
| Getriebe/Antrieb | 3-Gang manuell/Hinterrad | 4-Gang manuell/Hinterrad |
| L/B/H | 4433/1616/1490 mm | 4460/1740/1560 mm |
| Leergewicht | 950 kg | 1150 kg |
| Bauzeit | 1957-1960 | 1953-1962 |
| Stückzahl | 98.637 | 51.907 |
| Beschleunigung null auf 100 km/h | 20,0 s | 31,0 s |
| Höchstgeschwindigkeit | 132 km/h | 126 km/h |
| Verbrauch auf 100 km | 9,5 l | 8,7 l |
| Grundpreis (Jahr) | 7110 Mark (1959) | 9450 Mark (1954) |














