Vergleich

Rallye-Stars im Duell: Irmscher Ascona A vs. Commodore B GS/E

Rallye-Fans sollten diese Autos kennen: Irmscher lädt zur schnellen Ausfahrt in den zwei geschichtsträchtigen Boliden Opel Ascona A und Commodore B GS/E​ ein. Natürlich spielt auch Walter Röhrl dabei eine wichtige Rolle …

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Irmscher Opel Commodore B GS/E und Ascona A fahrend von vorne.
Den Irmscher Opel Commodore B GS/E steuerte Walter Röhrl bei der Rallye Monte Carlo 1973, mit dem Schwesterauto des hier gezeigten Ascona A wurde er 1974 Europameister. Foto: Hardy Mutschler
Der Irmscher Opel Commodore B GS/E fahrend von vorne.
Mit dem sportlichen Fahrwerk fährt sich der große Commodore extrem handlich. Foto: Hardy Mutschler
Der Irmscher Opel Commodore B GS/E fahrend von hinten.
Der Commodore GS/E kam unter anderem bei der Rallye Monte Carlo 1973 zum Einsatz, heute startet er bei Oldtimer-Events. Foto: Hardy Mutschler
Das Cockpit des Irmscher Opel Commodore B GS/E.
Im Commodore ist das originale Interieur teilweise noch zu erkennen, wichtig sind die Schalter in der Mittelkonsole. Foto: Hardy Mutschler
Die Sitze des Irmscher Opel Commodore B GS/E.
Zwischen den Wertungsprüfungen landen die Helme im Netz hinter den Sitzen, eine Rückbank würde nur überflüssiges Gewicht bedeuten. Foto: Hardy Mutschler
Der Motor des Irmscher Opel Commodore B GS/E.
Weber-Doppelvergaser bereiten dem 2,8-l-Sechszylinder des Commodore das benötigte Gemisch zu. Foto: Hardy Mutschler
Irmscher Opel Ascona A und Commodore B GS/E fahrend seitlich.
Die Jagd nach Rekordzeiten auf abgesperrten Strecken machte den Ascona A nötig. Der Commodore war schlichtweg zu sperrig. Foto: Hardy Mutschler
Der Irmscher Opel Ascona A fahrend von vorne.
Der authentische Neuaufbau reicht bis zum Kennzeichen – so gingen Carlsson und Petersen 1974 an den Start. Foto: Hardy Mutschler
Der Irmscher Opel Ascona A fahrend von hinten.
Typisch Rallye: Die Schmutzfänger reduzieren die Verwirbelungen auf staubigen Pisten und schützen die Endspitzen vor Steinschlag. Foto: Hardy Mutschler
Das Cockpit des Irmscher Opel Ascona A.
Spartanischer Arbeitsplatz: Alle Anzeigen und Schalter sitzen dort, wo man sie braucht. Foto: Hardy Mutschler
Die Sitze des Irmscher Opel Ascona A.
Auch im Ascona stehen Rennschalensitze an der Tagesordnung. Foto: Hardy Mutschler
Der Motor des Irmscher Opel Ascona A.
Der Vierzylinder des Ascona geht spürbar aggressiver zur Sache, aus 1,9 l Hubraum liefert er kernige 200 PS (147 kW). Foto: Hardy Mutschler
Irmscher Opel Ascona A und Commodore B GS/E stehend von hinten.
Günther Irmscher junior (links) verfolgte als Kind den Aufbau des Ascona – und initiierte später den Neuaufbau. Foto: Hardy Mutschler

Respekt ist zweifelsfrei geboten, wenn man sich den beiden Irmschern Opel Ascona A und Commodore B GS/E nähert: Der Rallyesport hatte in Deutschland nie den Stellenwert einer Formel 1, in der klangvolle Namen wie Hans Stuck, Wolfgang Graf Berghe von Trips, Karl Kling, Stefan Bellof oder eben Michael Schumacher die Motorsport-Fans an die Rennstrecke lockten – um nur einige zu nennen.

Jenseits der befestigten Pisten gab es nur wenige bekannte Namen, bei denen die Deutschen hellhörig wurden. Hier könnte man Eugen Böhringer nennen, der 1962 auf einem Mercedes 220 SE Rallye-Europameister wurde. Er mag somit zum Vorbild für ambitionierte Motorsportler wie Helmut Bein, Egon Evertz oder Klaus-Joachim "Jochi" Kleint geworden sein – oder auch für Günther Irmscher und Walter Röhrl.

Der spätere Opel-Tuner hatte sich in der heimischen Garage einen NSU Prinz TT vorbereitet, mit dem er ab 1965 bei diversen Rundstrecken- und Rallye-Läufen antrat. Bei der Rallye Tour d'Europe 1967 gelang Irmscher zusammen mit seinem Co-Piloten Harald Andersen sogar der Gesamtsieg. Der Erfolg motivierte: 1968 verkaufte er sein Rallye-Auto, um mit dem Erlös seine Firma zu gründen – Irmscher Automobilbau. Hier kümmerte er sich fortan in erster Linie um die Modelle der Marke Opel, für die er Teile zum optischen wie technischen Tuning anbot.

Gleichzeitig baute er weiterhin Rallye-Autos auf, mit denen beispielsweise Achim Warmbold, Sepp Haider oder Walter Röhrl an den Start gingen. Und damit kommt der Name der deutschen Rallye-Größe ins Spiel, deren Strahlkraft bis heute kaum verblasst ist. Damals war der Regensburger motorsportlich gesehen noch ein kleines Licht. Mit Herbert Marecek und Hannes Rothfuß war er seit 1968 bei einigen Rallyes gestartet und hatte erste Erfolge verbuchen können. 1972 startete Röhrl erstmals mit seinem neuen Beifahrer Jochen Berger in einem Ford Capri.

Der Opel Astra im Fahrbericht (Video)

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Video: AUTO ZEITUNG

Irmschers Anfänge mit einem NSU Prinz

Zur gleichen Zeit bereitete Günther Irmscher einen Opel Commodore B GS/E für den Rallyesport vor. Interessiert hatte er die Karriereanfänge des jungen Regensburgers verfolgt, der bei der Olympia-Rallye 1972 unter anderem mit einer Bestzeit im unterlegenen Ford bewies, dass mit ihm noch zu rechnen sein würde. Irmscher nahm Kontakt zu Röhrl auf und konnte ihn schließlich zusammen mit Jochen Berger als Fahrer-Team für seinen Commodore gewinnen. Für Röhrl wiederum bedeutete das nach dem ersten Ford-Engagement den endgültigen Einstieg in den professionellen Rennsport.

Am 19. Januar 1973 ging es los: 18 Prüfungen auf über insgesamt 456,5 km warteten auf die Teilnehmenden des ersten Rallye-WM-Laufs. Der Rest ist Motorsportgeschichte: Jean-Claude Andruet und Michèle Espinosi-Petit gewannen im Alpine-Renault A110 die Rallye. Röhrl/Berger konnten bei ihrer actiongeladenen Opel-Premiere einen Klassensieg für sich verbuchen, kamen aber letztendlich nicht ins Ziel. Der Commodore war reichlich ramponiert, erwies sich im Nachhinein aufgrund von Größe und Gewicht auch nicht unbedingt als optimales Rallye-Auto. Trotzdem hatten sowohl Irmscher als auch Röhrl ihre Marken im internationalen Motorsport gesetzt.

„Für Röhrl wiederum bedeutete Irmscher den endgültigen Einstieg in den professionellen Rennsport.“
Thomas Pfahl

Günther Irmscher junior machte zu dieser Zeit in der väterlichen Werkstatt seine ersten Schritte. 1999 übernahm er das Unternehmen und erinnert sich gern an dessen Historie – das führte letztendlich auch zur Wiederbelebung des Opel Commodore B GS/E, in dem wir jetzt Platz nehmen dürfen. Irmscher Classics setzt das Auto heute bei klassischen Rennveranstaltungen ein – wobei die Technik im Lauf der Zeit noch etwas optimiert wurde. Bei der Rallye Monte Carlo war das große Coupé deutlich näher an der Serie, heute ist die Leistung des Reihensechszylinders auf 230 PS (169 kW) angewachsen. Weber-Doppelvergaer lassen den Opel dazu kerniger klingen.

Das Wetter spielt mit, wir haben nicht mit den winterlichen Widrigkeiten zu kämpfen wie Walter Röhrl und Jochen Berger vor einem halben Jahrhundert. Ganz ohne den Zeitdruck einer Rallye können wir den Commodore erleben. Wie in einem Flugzeug wollen zunächst einige Schalter in der Mittelkonsole bedient werden: Benzinpumpe, Zündung, Startknopf. Wenn es sein muss, wird der E-Lüfter noch zugeschaltet. Der erste Gang lässt sich wie gewohnt einlegen, dann geht es los!

Irmscher Opel Commodore B GS/E erstaunlich handlich

Erstaunlich, wie handlich sich der große Opel nach kurzer Eingewöhnung gibt. Klar: Auf engen Wertungsprüfungen mit schnellen Spitzkehren und Abzweigen hat der verhältnismäßig lange Radstand den GS/E sicherlich sperrig werden lassen. Bei unserer Ausfahrt durch die Weinberge rund um Remshalden hingegen kommt echter Fahrspaß auf, untermalt vom herrlich kernigen Klang des 2,8-l-Motors, dessen Block natürlich im Irmscher-typischen Grün lackiert ist.

Wir werden neugierig auf den Zweiten im Bunde: Der Irmscher Opel Ascona A wurde 1973 komplett neu aufgebaut. Er ist das Schwesterauto des Opel, mit dem Walter Röhrl einige Läufe seiner ersten Rallye-Saison bestritt (WN-P 844) – zunächst noch in der schmalen Version, später als verbreitertes Gruppe-2-Fahrzeug. Dieses Auto ist heute im Fuhrpark von Opel Classic unterwegs. Im grün-gelben Auto aus der Irmscher-Sammlung gingen seinerzeit der Schwede Lars Carlsson und sein deutscher Beifahrer Peter Petersen an den Start.

Der Irmscher Opel Commodore B GS/E fahrend von vorne.
Foto: Hardy Mutschler

Carlsson war schon seit 1960 im Rallyesport unterwegs und unter anderem im Volvo 544 sowie im Saab 96 bei der 1000-Seen-Rallye angetreten. Nach zwei Porsche-Jahren und einer Saison im Volvo Amazon wechselte er 1971 in den Opel Kadett, bevor er 1972 erstmals einen Lauf im Irmscher-Ascona absolvierte. Mit drei Lauf-Siegen, unter anderem bei der legendären Hunsrück-Rallye, sicherten sich Carlsson und Petersen 1974 schließlich den Titel in der Deutschen Rallye-Meisterschaft.

Nach dem originalen FIA-Datenblatt und mit einigen Mitgliedern der damaligen Mechaniker-Crew entstand der Neuaufbau des einstigen Wettbewerbsautos, das für Irmscher enorm wichtig war – trug es doch die bis Mitte der 80er-Jahre gängigen Firmenfarben Grün und Gelb in die (Motorsport-)Welt hinaus. Obwohl insgesamt um einige Zentimeter kleiner, wirkt der Irmscher Opel Ascona A doch deutlich martialischer als der Commodore. Das ist natürlich vor allem den mächtigen Kotflügelverbreiterungen geschuldet. Der Eindruck verstärkt sich, sobald der Startknopf gedrückt wird: Der 1,9-l-Vierzylinder klingt schon beim Anlassen viel aggressiver und will seine 200 PS (147 kW) offenbar so schnell wie möglich in den Schotter wühlen. Auch hier erzeugen Weber-Doppelvergaser das Gemisch, auch hier ist der Motorblock grün lackiert.

Der Irmscher Opel Ascona A gibt sich deutlich aggressiver

Der Unterschied zeigt sich beim Anfahren: Die Sportkupplung erfordert einen ebenso sensiblen wie kräftigen linken Fuß – beim Start in die Wertungsprüfung ist das völlig egal, da soll es nur möglichst schnell vorangehen. Beim Rangieren ins beste Fotolicht ist die Intention eine ganz andere … Dass die originale Tacho-Einheit einer simplen Platte mit eingelassenen Instrumenten gewichen ist, zeugt von der konsequenten Umsetzung damals wie heute: So hatte die Person am Steuer genau die Anzeigen im Blick, die sie auf der Wertungsprüfung brauchte. 

Der Rallye-Sport hatte sich verändert, als Carlsson und Peterson ihrer Meisterschaft entgegenflogen: Zunächst waren die meisten Veranstaltungen sogenannte Gleichmäßigkeits-Rallyes, wenn auch mit meist recht knapp bemessenen Zeiten. Immer häufiger kamen Zeitprüfungen auf abgesperrten Streckenabschnitten hinzu. 1974 ging es dann nur noch um die Höchstgeschwindigkeit, der Einsatz des leichteren und wendigeren Ascona war die logische Konsequenz.

Der Irmscher Opel Ascona A fahrend von vorne.
Foto: Hardy Mutschler

Beide Autos, Commodore wie Ascona, haben eine historische Bedeutung: Sie ermöglichten Walter Röhrl den Weg ins Profigeschäft und Günther Irmscher den Aufbau eines erfolgreichen Unternehmens. Die Entwicklung ging weiter: Dass der Name Opel verstärkt in den Siegerlisten auftauchte, wurde in Rüsselsheim durchaus wahrgenommen. Allerdings hätte ein offizielles Rallye-Engagement nicht zur Unternehmenspolitik von General Motors gepasst. Sportchef Helmut Bein trieb daher den Aufbau eines "Euro Händler Teams" voran, offiziell finanziert von den europäischen Opel-Händlern. Günther Irmscher unterstützte das Projekt sowohl mit Teilen als auch mit seinem Know-how. Die motorsportliche Verbindung zwischen Irmscher und Opel trug im Lauf der Jahrzehnte viele Früchte.

Walter Röhrl und Jochen Berger blieben der Marke ebenfalls erst einmal verbunden und gewannen 1974 die Rallye-Europameisterschaft. Weniger erfolgreich war die folgende Zeit mit einem Kadett GT/E, Opel setzte seinen ambitionierten Fahrer zeitweise sogar in der Deutschen Rennsport-Meisterschaft ein. Nach einigen Einsätzen mit anderen Fabrikaten kehrte Röhrl 1982 zu Opel zurück, mittlerweile mit seinem neuen Stamm-Beifahrer Christian Geistdörfer. Im Ascona 400 schrieben sie mit dem letzten Fahrer-Titel auf einem hinterradgetriebenen Auto erneut Geschichte. Übrigens setzte auch Irmscher 1980/81 einen Ascona 400 ein – natürlich wieder in Grün-Gelb. Am Steuer saß Sepp Haider, gelotst wurde er von Jörg Pattermann. Aber das ist eine andere Geschichte.

Fazit

50 Jahre ist es her, dass diese Autos Geschichte schrieben. 50 Jahre, in denen viel passiert ist. Günther Irmscher baute sein Unternehmen auf, Walter Röhrl wurde zur festen Größe im deutschen Motorsport. Schön, dass sowohl Commodore als auch Ascona die gute alte Zeit heute noch (beziehungsweise wieder) erlebbar machen: Nicht alles lief glatt, nicht jede Rallye haben sie unbeschadet überstanden. Das sieht man den beiden Klassikern nicht an: Mit viel Liebe zum Detail hat das Team um Günther Irmscher junior sie wiederhergestellt, um ein halbes Jahrhundert nach ihren Erfolgen bei verschiedenen Klassik-Veranstaltungen zu demonstrieren, wie es damals zur Sache ging.

Technische Daten von Opel Ascona A und Commodore B GS/E

Classic Cars 01/2024

Opel Ascona A

Opel Commodore B GS/E

Zylinder/Ventile pro Zylin.

4/2

6/2

Hubraum

1997 cm³

2784 cm³

Leistung

66 kW/90 PS 5100/min (Rallye: 147 kW(200 PS)

118 kW/160 PS 5400/min (Rallye: 169 kW/230 PS)

Max. Gesamtdrehmoment bei

149 Nm 3100/min

233 Nm 4200/min

Getriebe/Antrieb

4-Gang-Getriebe/Hinterrad

4-Gang-Getriebe/Hinterrad

L/B/H

4124/1626/1385 mm

4607/1728/1370 mm

Leergewicht

845 kg

1240 kg

Bauzeit

1970-1975

1972-1977

Stückzahl

691.000

140.827 (Commodore gesamt)

Beschleunigung null auf 100 km/h

13,5 s

k.A.

Höchstgeschwindigkeit

160 km/h

200 km/h

Verbrauch auf 100 km

 9,5 l S

11,3 l S

Grundpreis (Jahr)

7696 Mark (1970)

16.795 Mark (1972)