Über 1000 statt 75 PS: Blaues Golf 2-Wunder mit Allrad
Die Tuningschmiede Patience Metal Fab hat einem alten VW Golf zu neuer Tatkraft verholfen. Mit Sechszylinder, Turbo, Allrad und gepflegter Spritzwand brennt der Golf 2 über 1000 PS auf den Asphalt.
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Der eher ungeliebte Golf 2 wird zum Schmuckstück
Die zweite Generation des VW Golf ist nicht die beliebteste unter den Golf-Fans. Wahrscheinlich haben sich viele Leute an dem über sechs Millionen Mal verkauften Kompakten mit den rundlichen Formen sattgesehen. Auch technisch war der Golf 2 gegenüber seinen Nachfolgern im Nachteil. Die Nummer 2 hatte weder Fünf- noch Sechszylindermotoren unter der Haube. Bei den maximal 160 PS (118 kW) der seltenen Version G60 war Schluss. Bis ein Kunde der Tuningschmiede Patience Metal Fab in Minnesota im Jahr 2023 einen ziemlich abgeranzten Golf des Baujahres 1992 in die Werkstatt gestellt hat. Der Auftrag: Macht ein mächtiges Show & Go-Car aus der Gurke, koste es was es wolle.
Fast zwei Jahre später ist das blaue Wunder vollbracht. Das, was in den Staaten einst als Kleinstwagen galt, hat statt der serienmäßigen 75 jetzt über 1000 PS an Bord. So ganz genau weiß man das nicht. Der von Schimmel Performance komplett neu aufgebaute VR6 passt quer millimetergenau ins Motorabteil. Dazu gesellt sich ein Turbolader von Garrett, der großformatig die Sicht auf die wohl schönste Spritzwand verstellt, die je einem Volkswagen vergönnt war: Der Golf-Besitzer hat die Power-Propheten von Patience Metal Fab angewiesen, den Volkswagen-Schriftzug in ein Meter Breite in Alublech zu stanzen und dies dann an die Spritzwand zu schweißen.

Der Über-Golf aus den Staaten hat einen speziellen Allradantrieb
Damit von der Leistung auch etwas auf die Straße kommt, wurde zudem der Antriebsstrang gründlich überarbeitet. Eine Kardanwelle im angepassten Mitteltunnel schickt über eine Haldexkupplung –an einen eigens angefertigten Hilfsrahmen geschraubt – massig Drehmoment an die Hinterräder. Als Getriebe dient eine sequenzielle Sechsgang-Schaltbox, die über einen langen Hebel bedient wird. Das hat mit dem Syncro-System des Golf 2 nicht mehr viel zu tun, soll aber bestens funktionieren. Schön anzusehen ist es jedenfalls. Von der Domstrebe über den massiven Käfig im Innenraum bis hin zu anderen stabilisierenden Maßnahmen: Schweißnahtfetischist:innenen werden mit dem Golf 2, der seltsamerweise auf den Beinamen Waskly hört – übersetzt wackelig – ihre Freude haben.
Selbst der Alu-Tank, aus Platzgründen in den Kofferraum verbannt, ist ein Augenschmauß. Wenn man von den fehlenden Rücksitzen absieht, die dem Überrollkäfig zum Opfer fallen, sieht der Wagen sogar praxistauglich aus. Orange-blaue Karositze treffen auf ein weitgehend digitalisiertes Cockpit. Das kleine Sparco-Lenkrad wartet darauf, dass jemand an ihm kurbelt. Verstellbare Pedale wollen gefühlvoll getreten werden. Die Anbauteile bleiben recht dezent. Sogar einen überdimensionierten Heckflügel hat sich der Auftraggeber verkniffen. Als Gewichtsparmaßnahme fällt die Motorhaube ins Auge. Zum ersten Szenetreff auf der SEMA 2025 war sie gar nicht erst angeschraubt, um den Blick auf den appetitlichen Sechszylinder nicht zu verstellen. Gut so.
















