Ford Mustang I Roadster: So begann die Geschichte des Ponys

Der Ford Mustang ist eine automobile Legende wie sie im Buche steht. Er war nicht nur Kassenschlager, sondern etablierte sich zum Symbolbild der Pony Cars. Dass der Mustang wie man ihn kennt, eigentlich ganz anders konzipiert war, zeigt die eindrucksvolle Studie namens Ford Mustang I Roadster von 1962.

(1/6)
Der Ford Mustang I Roadster Concept statisch von schräg vorne fotografiert.
Ford Mustang I Roadster Concept Foto: Henry Ford Museum

Mustang-Vater Lee Iacocca hatte sich in den Kopf gesetzt, einen bezahlbaren Sportwagen für die Massen auf den Markt zu bringen. Das Ergebnis war der Mustang I Roadster.

Der Ford Mustang I Roadster Concept statisch von schräg hinten fotografiert.
Ford Mustang I Roadster Concept Foto: Henry Ford Museum

Mit dem späteren Ford Mustang sollte der Prototyp sich allerdings nur den Namen teilen. 

Das Cockpit des Ford Mustang I Roadster Concept.
Ford Mustang I Roadster Concept Foto: Henry Ford Museum

Das Konzept der puristischen Fahrmaschine für Zwei wurde auch im Cockpit verfolgt. 

Der Motor des Ford Mustang I Roadster Concept.
Ford Mustang I Roadster Concept Foto: Henry Ford Museum

Der 1,5-l-Vierzylinder wurde quer im Heck montiert und fand sich ursprünglich im Taunus 12M/15M.

Die Heckleuchte des Ford Mustang I Roadster Concept im Detail fotografiert.
Ford Mustang I Roadster Concept Foto: Henry Ford Museum

Bis auf wenige gestalterische Details und das ikonische Pony fanden sich am serienreifen Mustang kaum Anleihen der Studie wieder. 

Der Ford Mustang II Concept statisch von schräg vorne fotografiert.
Ford Mustang II Concept Foto: Ford

Der 1963 vorgestellte Ford Mustang II basierte auf dem Falcon und ließ darauf schließen, wohin es mit dem Mustang gehen sollte.

Ein blubbernder V8, dazu eine ellenlange Haube und das Gefühl von Freiheit im Bauch: Mit seinen schnörkellosen und trotzdem begehrenswerten Linien, den attraktiven Motoren und seiner Bezahlbarkeit verwandelte der Ford Mustang zahllose Menschen über Generationen zu Autofans. Er prägte das automobile Bild der USA wie wohl kein zweites Auto es jemals tun wird. Und doch war der 1964 vorgestellte Mustang nicht der erste Sportwagen Fords, der sich den Namen mit Kampfflugzeug und Pferderasse teilen durfte.
Auch interessant: Unsere Produkttipps auf Amazon

Der Ford Capri (2024) im Video:

Video Platzhalter
Video: AUTO ZEITUNG

Ford Mustang I Roadster: Lee Iacoccas Vision des bezahlbaren Sportwagens

Diese Ehre wurde einem Prototypen zuteil, der eine ganz andere Vision des bezahlbaren Volkssportlers verfolgte. Die Rede ist vom 1962 vorgestellten Ford Mustang I Roadster. Heute eher in Vergessenheit geraten, zeigt der kleine Sportler, dass auch die Amerikaner:innen in der Lage waren, fernab von großvolumigen Motoren und gigantischen Straßenkreuzern zu denken. Hinter der Idee steckte Lee Iacocca mit der sogenannten Fairlane Group, die er leitete.

Diese Abteilung hatte es sich zur Aufgabe gemacht, neue Produktideen zu finden, die den Erfolg der Marke in jeder gesellschaftlichen Schicht sicherstellen sollten. Zu jener Zeit ging die vor allem wirtschaftlich starke Altersgruppe zwischen 25 und 35 Jahren bei Ford leer aus. Bezahlbare und vor allem schön gestylte Sportwagen wie die Corvette oder importierte Modelle wie der MG 1600 erfreuten sich in den Staaten großer Beliebtheit. Aus diesem Teich wollte Ford ebenfalls fischen.

Produkte für den Klassiker:

Aluminiumkarosserie, Mittelmotor und V4 aus dem Taunus

Das Chassis stammte vom erfahrenen Rennsport-Ingenieur Roy Lunn. Es verfügte über damals moderne Technik wie Einzelradaufhängung und vordere Scheibenbremsen. Für das Design waren Eugene Bordinat und Philip T. Clark verantwortlich. Die Formensprache war flach, kantig und betont futuristisch – weit entfernt vom späteren Serien-Mustang. Die Karosserie fertigten das Ingenieursteam aus leichtem Aluminium. Platz bot der Ford Mustang I Roadster lediglich für Zwei.

Um Kopf- und Hecklastigkeit vorzubeugen wählte man den Weg des quer sitzenden Mittelmotors mit hinter dem Cockpit montiertem Getriebe. Wenig amerikanisch war dabei die Motorenwahl. Um die Lücke zwischen kleinen englischen Roadstern und der großen Corvette zu schließen, nutzte das Team um Iacocca als technische Basis einen V4-Motor aus dem Ford Taunus 12M/15M mit 1,5 l Hubraum. Zwei Leistungsstufen sollen zur Wahl gestanden haben, entweder 89 PS (66 kW) oder 109 PS (81 kW).

Der Motor des Ford Mustang I Roadster Concept.
Foto: Henry Ford Museum

Mustang I im Renneinsatz mit Dan Gurney

Vieles steht und fällt selbstverständlich mit dem Modellnamen. So soll Designer John Najjar den Namen "Mustang" vorgeschlagen haben, inspiriert von der North American P-51 Mustang, einem Jagdflugzeug, das während des Zweiten Weltkrieges zur Legende avancierte. Gleichzeitig schwang darin etwas vom Wilden Westen mit, der Name erregte ein Gefühl von Abenteuer und Freiheit. Mit dem Prototyp wurde der Name erstmals im Automobilbereich verwendet – und sollte in der Folge Markenhistorie schreiben.

Am 7. Oktober 1962 feierte der voll fahrbereite Prototyp beim Großen Preis der USA in Watkins Glen, New York, seine Premiere. Um die Fahrleistungen des für amerikanische Verhältnisse winzig anmutenden Vierzylinders wirkungsvoll zu demonstrieren, setzte man den Formel-1-Fahrer und Ford-Testpiloten Dan Gurney in Zuge eines besonderen Rahmenprogramms hinters Steuer. Das beinhaltete unter anderem Hochgeschwindigkeitsfahrten, die die Höchstgeschwindigkeit von 190 km/h unter Beweis stellten.

Auch interessant:

Warum der Prototyp nicht in Produktion ging

Publikum und Presse zeigten sich begeistert und die Gerüchteküche um ein baldiges Erscheinen eines massentauglichen Sportwagens aus Dearborn, Michigan, hatte reichlich Futter. Doch das Projekt Mustang I hatte seine Tücken. Aufgrund der aufwendigen Technik galt der Roadster als zu komplex für eine Serienfertigung. Ford tourte mit der Studie zwar in den darauffolgenden Jahren noch über zahlreiche Automobilmessen. Und dort war das Interesse der Fans und Fachleute weiterhin groß. 

Das Konzept Mustang ging 1963 in die nächste Runde. Mit dem Mustang II folgte ein technisch weit weniger aufwendiges und massentauglicheres Konzept. Die Plattform des Ford Falcon diente als Basis. Der fertige Protoyp bewegte sich nahe am serienreifen Ford Mustang, bot Platz für mindestens vier Personen und zeigte sich auch sonst deutlich alltagstauglicher. Vom Mustang I Roadster waren lediglich die "Pony Car"-Proportionen geblieben: lange geschwungene Motorhaube, kurzes hinteres Deck und scharf geschnittene Flanken. 1974 ging der Prototyp als Spende in das Inventar des Henry Ford Museums über, wo er heute noch bewundert werden kann.

Der Ford Mustang I Roadster Concept statisch von schräg hinten fotografiert.
Foto: Henry Ford Museum

Fazit

Es ist ein interessantes Gedankenspiel, wie der Mustang heute aussehen würde, wenn Ford den Mustang I Roadster in Serie gebaut hätte. Ob ein so radikal gedachter Sportwagen bei einem Massenhersteller wie Ford auf lange Sicht überleben hätte können? Aus wirtschaftlicher Sicht ist die Entscheidung der Amerikaner:innen heute nachvollziehbar, emotional betrachtet aber eine vertane Chance.