Vorstellung

Ferrari Teppista von S-Klub LA: Rüpel mit Sinn fürs Detail

Beim Anblick des „Ferrari“ Teppista bekommen die Tempelwächter in Maranello Schweißausbrüche und Herzrhythmus-Störungen. Dabei will der Ferrari-Verschnitt von S-Klub LA doch nur Eindruck schinden.

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Ferrari Teppista von S-Klub LA, fotografiert von schräg vorne.
Sieht beinahe so aus wie ein Ferrari, hat einen Ferrari-Motor und die entsprechenden Logos, ist aber kein Ferrari (zumindest kein echter): Der Teppista von S-Klub LA. Foto: S-Klub LA
Ferrari Teppista von S-Klub LA, fahrend fotografiert von hinten.
Mit diesem Flügelwerk könnte der Teppista auch in Le Mans an den Start gehen. Der Heckflügel könnte glatt als Bowling-Bahn herhalten. Foto: S-Klub LA
Ferrari Teppista von S-Klub LA, fotografiert von schräg hinten.
Die Sidepipes dürften nur von der Audio-Anlage übertönt werden. Die hat nämlich 3800 W Leistung. Foto: S-Klub LA
Ferrari Teppista von S-Klub LA, fotografiert von der Seite.
Gegenüber seinem historischen Vorbild, dem Ferrari 250 Testa Rossa, hat der Teppista über 60 cm an Länge zugelegt. Foto: S-Klub LA
Ferrari Teppista von S-Klub LA, stehend fotografiert von schräg hinten.
Die rahmenlose Frontscheibe bieten den zwei Ferraristi an Bord immerhin rudimentären Windschutz. Foto: S-Klub LA
Ferrari 612 Scaglietti, fotografiert von schräg vorne.
Der Ferrari 612 Scaglietti bildet die Basis für den Teppista von S-Klub LA. Der große 2+2-Sitzer wurde von 2004 bis 2011 gebaut und ist heute einer der günstigsten V12 aus Maranello. Foto: Musei Ferrari

Dieser falsche Ferrari sitzt auf einem echten

Dieser Name ist Programm: Teppista heißt auf Italienisch so viel wie Rowdy oder Rüpel. Und so verhält sich der Kahn auch. Während die Performance-Fürst:innen aus der Provinz Modena gern mit minimalistisch-aerodynamisch optimierten Karossen glänzen, die ohne Beiwerk auskommen, springt einem der kalifornische Knock-off mit Spoilerwerk im F1-Format regelrecht ins Gesicht.

Das muss man mögen. Und hoffen, dass sich die Rechtsabteilung in Maranello nicht an den zahlreichen Logos mit dem springenden Pferd stört, die das Eigengewächs der exklusiven Tuningschmiede S-Klub LA als Ferrari ausgeben.

Wobei der gemessene Ferrari-Fruchtanteil in dieser Mixtur nicht zu vernachlässigen ist. Die Spyder-Karosse sitzt nämlich auf dem Chassis eines 612 Scaglietti. Das ist einer der preisgünstigsten V12 aus Maranello, der beim Publikum in den 2000er-Jahren nicht so eingeschlagen ist, wie man das bei Ferrari gewohnt ist.

Der Gran Turismo verbirgt seinen Front-Mittelmotor mit 540 PS (397 kW) diskret unter einer unendlichen Haube. Beim Teppista sitzt ebendieser V12 unter einer Glaskuppel wie unter einer überdimensionierten Lupe. Und zeigt, oh Wunder, dass er trotz seines Beinamens Testa Rossa gar keine roten Zylinderköpfe hat, sondern güldene. Außerdem soll das zum Verkauf stehende Einzelstück auf 600 PS (441 kW) erstarkt sein.

Einzelstück steht zum Verkauf: Der irre Ferrari Teppista im Video

Wind, V12, Sidepipes und 3800-W-Anlage: Für Krach ist gesorgt

Und dies sind nur ein paar von zahlreichen Misstönen in diesem Remix aus alt und neu. Eigentlich soll der Teppista einen Ferrari 250 Test Rossa zitieren. Diese Rennsportikone erntete Le Mans-Siege in Reihe und wird heute als eines der teuersten Sammelobjekte auf vier Rädern gehandelt. Eine Hausnummer: satt zweistellige Millionenbeträge.

Einige Exemplare des extraseltenen Modells stehen selbst in Kunstmuseen. Das dürfte dem Teppista so schnell nicht passieren, denn dafür ist er zu überkandidelt. Allein die Dimensionen des Scaglietti sprengen das Korsett des historischen Vorbilds. Die Breite übersteigt die des 250 schon um 30 cm. Dazu streckt sich der Teppista um gut 60 cm in die Länge.

Jetzt könnte man das gesamte Auto als Ansammlung wild übertriebener Details abtun. Das würde der Sache aber nicht ganz gerecht. Denn die besagten Details mögen zwar überladen und übermotiviert wirken, sie zeigen aber auch den Enthusiasmus, der die selbsternannten Cartisten bei S-Klub LA beflügelt. Sicher, in den Sechzigern gab es keine Frontflügel aus Carbon. Aber allein die Ausmaße dieser Schippe suchen im Automobilbau ihresgleichen. Der Heckflügel könnte gar als Bowling-Bahn herhalten.

Auch die außenliegenden Scharniere der Türen sind ein Stilbruch. Hübsch anzusehen und picobello verarbeitet sind sie trotzdem. Allein die verchromten Schrauben und Nieten, die unsichtbar im Fahrzeugboden stecken, sollen mit 30.000 US-Dollar zu Buche schlagen, während die Audio-Anlage, die S-Klub LA im weitgehend serienmäßigen Scaglietti-Cockpit verbaut hat, mit 3800 W Leistung sogar die doppelten Sidepipes übertönt. Und das sollen Rüpel ja am besten machen: Krach.