Vorstellung

Ruffian Plymouth mit Viper-Power: Nicht rost- aber rastlos

Das brave Plymouth Coupé hat ein Corvette-Chassis und einen gewaltigen V10 aufgeschnupft und sich dabei in ein Pistenmonster mit nostalgischer Anmutung verwandelt.

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Plymouth GT1 von Ruffian Cars, fotografiert von schräg vorne.
Der V10 lugt keckt aus dem Motorraum, während sich die 345 mm breiten Walzen (vorne: 335 mm) unter Carbon-Kotflügeln verstecken. Foto: Ruffian Cars
Plymouth GT1 von Ruffian Cars, fotografiert von schräg hinten.
Bei dem Build wurde die Karosserie des Plymouth PJ von 1935 auf das Chassis einer Corvette C5 verpflanzt. Die Patina blieb dabei erhalten. Foto: Ruffian Cars
Vorderrad und Motor des Plymouth GT1 von Ruffian Cars, fotografiert von schräg hinten.
Aus dem Kontrast von steinalt und hochmodern entsteht ein neues Ganzes. Foto: Ruffian Cars
Motor des Plymouth GT1 von Ruffian Cars, fotografiert von schräg oben.
Ursprünglich hatte der Plymouth PJ einen Sechszylinder unter der schmalen Haube. Für den Viper-V10 wird es da naturgemäß eng. Foto: Ruffian Cars
Ventilator im Heck des Plymouth GT1 von Ruffian Cars, fotografiert von schräg hinten.
Die Kühlung wurde deshalb ins Heck verlegt. In der Reserveradaufnahme fächelt ein Ventilator dem Kühler Frischluft zu. Foto: Ruffian Cars
Cockpit des Plymouth GT1 von Ruffian Cars, fotografiert von links.
Im Cockpit vermischen sich antike Schubschalter mit volldigitalen Instrumenten. Foto: Ruffian Cars
Plymouth GT1 von Ruffian Cars, fotografiert von schräg vorne.
Da man bekanntlich niemals genug Leistung hat, hat die Ruffian-Crew den Viper-Motor auf neun Liter Hubraum aufgebohrt und erntet damit 803 PS (590 kW). Foto: Ruffian Cars

Dieser Plymouth mischt Patina mit Punch

1935 war ein aufregendes Jahr in Amerika. Während bei Plymouth der nagelneue PJ den Absatz ankurbelte, wurde in Oklahoma City die erste Parkuhr der Welt aufgestellt. Roosevelts New Deal bescherte den Amerikaner:innen Alters- und Arbeitslosenversicherung. Dem Chemieriesen DuPond gelang die Entwicklung von Nylon. Heutzutage weckt so viel Aufbruchstimmung nostalgisches Begehren. Zum Glück lindert Ruffin Cars, eine Tuningschmiede in Fountain Valley, den Phantomschmerz. Die Power-Päpste aus Kalifornien haben einem Plymouth Coupé des Baujahres 1935 mit einem Corvette-Chassis und Viper-Motor zu einer spektakulären Wiedergeburt verholfen. Und eine explosive Mischung aus Patina und Punch angerührt.

„Ich wollte schon lange einen großen Motor verbauen“, rechtfertigt Gründer und Geschäftsführer Chris Ashton die Initiative. Mit „groß“ meint er größer als einer der Viper entlehnter V10, mit ursprünglich acht Litern Verdichtungsvolumen nicht eben ein Winzling. Darum schenkte seine Crew dem Drehmomentmonster noch einen Liter Hubraum mehr ein. Somit versuchen 803 PS (590 kW) und 1017 Nm, die Kardanwelle in einen Korkenzieher zu verwandeln. Das schwarze Coupé mit Giftschlangen-Gen ist zum Schrecken der Hot Rod-Szene mutiert.

Doch mit einem simplen Motor-Swap war es hier nicht getan. Der gewaltige Zehnzylinder hätte den Plymouth bei der ersten Beschleunigung aufgezwirbelt wie Kaiser Wilhelm seinen Bart. „Wir brauchten ein stabiles Chassis“, schlussfolgert Ashton. Das passende Auto dazu stand seit Jahren in einer Ecke seiner Werkstatt: eine Corvette C5 im GT1-Renntrimm, dicker Staubschicht drauf und platten Reifen.

Der Ruffian-Plymouth mit Viper-V10 im Video

In diesem Plymouth PJ verschmelzen Alteisen und Neuteile zu einem neuen Ganzen

Das arme Ding hatte in den 1990er-Jahren mehrere Saisons Rennbetrieb in der Trans am Serie überstanden. Ashton und sein Team haben es waidgerecht aufgebrochen und ausgebeint, das Chassis auf den passenden Radstand gebracht und verstärkt. Natürlich ging das brave Vorkriegscoupé dabei auch in die Breite. Um die Hot Rod-Walzen zu bedecken, haben die Kalifornier Stoßstangen und Kotflügel in Carbonfaser modelliert und passend gemacht. Das Sichtcarbon-Gewebe bildet einen starken Kontrast zum noch original lackierten, aber stellenweise rostgeplagten Blech des Plymouth.

Die Sidepipes wirken, als hätten sie ihre Karriere zunächst als Fallrohre einer Regenrinne begonnen. Da unter der schmalen Motorhaube kein Platz war für einen großen Kühler, haben Ashtons Leute ihn im Heck verbaut, wo ihm ein in die Reserveradaufnahme des Kofferraumdeckels integrierter Ventilator Luft zufächelt.

Auch im Innenraum verschmelzen Alteisen und Neuteile zu einem neuen Ganzen. Die Schalensitze sind Reproduktionen eines McLaren Senna. Digitale Instrumente, ein abnehmbares Lenkrad und Rennpedale verdeutlichen das Potential des Hot Rod. Im Verbund mit der nach vorne aufstellbaren Windschutzscheibe und den wie aus der Antike stammenden Schubschaltern entsteht so eine einzigartige Atmosphäre. Dieses Ding hier will gefahren werden, getreten sogar, am besten von einem strammen Wadenmuskel, denn die Kupplung reicht über 1000 Nm an die manuelle Sechsgang-Schaltbox weiter. Wenn man dem braven Plymouth PJ 1935 verraten hätte, dass dieses Monster seine Karriere krönen wird, er hätte es niemals geglaubt.