EU-Verordnung: Sound für Elektroautos So entstehen Sounds für Elektroautos!

von Christina Finke 01.07.2019

Nach einer EU-Verordnung müssen Elektroautos seit dem 1. Juli 2019 ein Soundgeräusch absondern. Hintergrund ist der Schutz der Fußgänger, die flüsterleise E-Autos sonst kaum hören könnten. So entstehen die Sounddesigns!

Alle neuen Typen von Elektroautos und Hybridfahrzeugen in der EU müssen ab dem 1. Juli 2019 mit einem künstlichen Sound ausgestattet sein. Das sogenannte AVAS – Acoustic Vehicle Alerting System – soll dazu beitragen, Unfälle insbesondere mit Fußgängern sowie Radfahrern zu verhindern. Dazu simuliert es zwischen dem Anfahren und dem Erreichen einer Geschwindigkeit von 20 km/h sowie beim Rückwärtsfahren Fahrzeuggeräusche. Ab 20 km/h ist der künstliche Sound für E-Autos nicht mehr nötig, da die Abrollgeräusche der Reifen den Klang eines Soundgenerators oder herkömmlichen Motors übertönen. Läuft bei einem Hybridauto der Verbrennungsmotor, darf das AVAS keine Geräusche machen. Und auch Fahrzeuge, die beim Rückwärtsfahren ohnehin einen Warnton von sich geben, müssen keine zusätzlichen Geräusche simulieren. Laut der EU-Verordnung muss das System mit einem leicht erreichbaren Schalter zum Ein- und Ausschalten ausgestattet und beim Start automatisch eingeschaltet sein. Bei dem Soundgeräusch für Elektroautos muss es sich um ein Dauergeräusch handeln, das eindeutig auf das Fahrzeugverhalten (bspw. Beschleunigung) hinweist und sollte im vorgeschriebenen Geschwindigkeitsbereich denen eines Verbrennungsmotors der gleichen Fahrzeugklasse entsprechen. Mehr zumThema: Kaufprämie für Elektroautos

Elektroauto Elektroauto kaufen & Preise
Elektroauto kaufen & Preise: Wichtige Tipps! Darauf beim E-Auto-Kauf achten

E-Auto-Bremse von Continental im Video:

 
 

Ab 1. Juli 2019 gilt EU-Verordnung für Sound von Elektroautos

Wer jetzt hofft, dass ein Elektroauto durch die EU-Verordnung bald wie ein V8 klingt, der wird allerdings enttäuscht sein: Der künstliche Sound muss mit dem Geräusch eines Verbrennungsmotors derselben Fahrzeugklasse vergleichbar sein. Außerdem muss es sich um ein Dauergeräusch handeln, das eindeutig auf das Fahrzeugverhalten hinweist – etwa eine Beschleunigung. Dennoch werden die Töne von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich sein: Denn, wie genau die elektrifizierten Modelle klingen sollen, ist nicht vorgeschrieben. "Daher basteln bei allen Automobilherstellern seit geraumer Zeit Sounddesigner an Motorgeräuschen, die zu der jeweiligen Marke und dem jeweiligen Fahrzeug passen", erklärt Michaela Rassat, Juristin des D.A.S. Rechtsschutz Leistungservice. Wie genau die Fahrzeuge ab Juli 2019 klingen werden, steht also noch nicht fest. Wichtig ist, dass sich ihr Sound im mittleren Frequenzbereich abspielt, denn hohe Frequenzen werden von älteren Menschen nicht mehr so gut wahrgenommen. Da die Regelung zunächst nur für neue Fahrzeugtypen und später dann für Neuwagen gilt, sollten Verkehrsteilnehmer weiterhin aufmerksam sein: Erst ab dem 1. Juli 2021 müssen Hersteller dann bei allen Neuwagen mit Elektro- und Hybridantrieb einen Sound (AVAS) einbauen. Ältere Fahreuge können, müssen aber nicht nachgerüstet werden. Mehr zum Thema: Das beim Unfall mit E-Auto beachten

News Continental-Soundsystem
Sound im Auto ohne Lautsprecher: Conti Auto-Soundsystem ohne Lautsprecher

 

So entstehen Sounds für Elektroautos

Die gesetzlichen Vorschriften und Regelungen für den Sound von Elektroautos sind eindeutig, lassen den Herstellern aber noch ausreichend Freiraum zur Gestaltung, weiß Ric Scheuss. Er ist Managing Director der in Düsseldorf ansässigen Tro GmbH, die unter anderem für das Sounddesign des ersten Elektro-SUV des chinesischen Herstellers "Weltmeister" verantwortlich ist. Um sicherzustellen, dass Verkehrsteilnehmer Fahrzeuge mit Elektroantrieb nicht überhören, sorgen Sounddesigner zunächst dafür, dass die Soundgeräusche von Elektroautos in einem Frequenzbereich liegen, der für Menschen am besten wahrnehmbar ist. "Das ist zwischen 315 und etwa 3000 Hertz der Fall", so Scheuss. Außerdem sei es wichtig, ein Geräusch zu kreieren, das eindeutig auf ein Auto hinweist – und nicht etwa versehentlich mit dem einer herannahenden Drohne verwechselt werden kann. Daher greifen die Sounddesigner auf angelernte Töne zurück und bedienen sich auch an Sounds, die etwa aus der Popkultur bekannt sind. Scheuss erklärt, dass seine Firma dabei auch auf das sogenannte MAYA-Prinzip zurückgreife. MAYA, das steht für: "Most advanced. Yet acceptable". Bedeutet konkret: Man entwickelt ein Produkt, das zwar neuartig und innovativ ist, vom Kunden am Ende aber immer noch angenommen wird und nicht abschreckend wirkt. Einfach den Sound eines Fahrzeugs mit Verbrennungsmotor für ein Elektroauto zu verwenden, komme daher nicht in Frage: "Wir wollen schließlich hörbar machen, dass das die Zukunft ist, die hier fährt." Und er ergänzt: "Autos sind immer auch eine fahrende Werbetafel." Dank der Freiheiten, die die gesetzlichen Regelungen des AVAS Herstellern und Sounddesignern lassen, gebe es heutzutage außerdem mehr Möglichkeiten dafür, dass der Sound von Elektroautos auf das Image der Marke einzahlt. "Die Menschen sollen am Ende nicht nur erkennen, dass da ein Elektroauto angefahren kommt. Sie sollen und werden auch genau erkennen können, von welchem Hersteller es kommt", erklärt Scheuss. Immerhin ist der Sound eines Autos etwas, das Emotionen wecken kann – und das soll auch in Zeiten der Elektromobilität so bleiben. Mehr zum Thema: Fünf Mal E-Mobilität im Überblick

News Elektroautos: Klimabilanz
Elektroautos klimaschädlicher als Diesel: Studie Kritik an Klimabilanz-Studie von E-Autos

Tags:
Copyright 2019 autozeitung.de. All rights reserved.