Deutsche Autohersteller in China: Fakten

(1/11)
Bestseller in China: BYD Song Plus
Bestseller in China: BYD Song Plus Foto: BYD

Das Plug-in-Hybrid- oder Elektro-SUV war 2023 das bisher erfolgreichste Auto in China

Bestseller in China: Tesla Model Y
Bestseller in China: Tesla Model Y Foto: Tesla

Trotz leichter Verluste schob sich der US-Stromer in China auf Platz zwei.

Bestseller in China: BYD Qin Plus
Bestseller in China: BYD Qin Plus Foto: BYD

Auch den drittplatzierten Kompakten gibt es als Plug-in-Hybrid oder Elektro-Auto.

Bestseller in China: Nissan Sylphy
Bestseller in China: Nissan Sylphy Foto: Nissan

Mit einem deutlichen Minus von 41,5 Prozent fiel der Japaner von Rang zwei auf vier.

Bestseller in China: VW Lavida
Bestseller in China: VW Lavida Foto: VW

Der VW Lavida, 2019 noch meistverkauftes Auto in China, stürzte in diesem Jahr auf Platz fünf ab.

VW ist nicht mehr Marktführer
VW ist nicht mehr Marktführer Foto: AUTO ZEITUNG

Die Grafik zeigt die Verkäufe der Marken in China im ersten Quartal 2023.

Chinas Automarkt im Umbruch
Chinas Automarkt im Umbruch Foto: AUTO ZEITUNG

Die Grafik zeigt die Anteile der Motorvarianten an den Verkäufen sowie die Anteile der Marken an den Verkäufen.

Deutsche Autoindustrie: Abhängigkeit von China
Deutsche Autoindustrie: Abhängigkeit von China Foto: AUTO ZEITUNG

Doch VW, BMW und Mercedes kennen in China kein Zurück mehr: Dafür sind ihre jahrzehntelangen Investitionen zu hoch und die Verschränkungen mit den Partnern vor Ort zu stark.

Deutsche Autoindustrie: Abhängigkeit von China
Deutsche Autoindustrie: Abhängigkeit von China Foto: AUTO ZEITUNG

Zudem sind weltweit keine anderen Automärkte in Sicht, die ihre Absätze in China kompensieren können.

Jetta VS5
Jetta VS5 Foto: Jetta

China ist der einzige Markt weltweit, für den der VW-Konzern mit Jetta eine eigene Marke ins Leben gerufen hat.

VW ID.6 SUV
VW ID.6 SUV Foto: VW

Obwohl es in China sogar eigene ID.-Modelle wie das große SUV gibt, enttäuschen die VW-Elektro-Verkäufe.

Die deutschen Autobauer sind in eine extreme Abhängigkeit von China geraten. Ungünstig, denn die chinesischen Hersteller erobern ihren Heimatmarkt immer weiter zurück. Was das für VW, BMW & Co. bedeutet, erklärt die AUTO ZEITUNG hier.

(Letztes Update: Verlängerung der Subventionen in China, inhaltlicher Stand: 12.05.2023)

Deutsche Automarken in China

Noch vor wenigen Jahren galten die eigenen Marken unter der chinesischen Bevölkerung als unbeliebt, sie krankten an mangelnder Qualität und schlechtem Image. Wer es sich leisten konnte, fuhr einen Neuwagen eines ausländischen Herstellers, bevorzugt ein Modell aus Deutschland. Es ist eine Tugend der deutschen Autoindustrie, dass sie neue Märkte immer frühzeitig erschließen konnte. Vor allem VW war hier Vorreiter: Bereits 1951 begann die Wolfsburger Marke mit der Montage des Käfer in Südafrika. Auch in Brasilien war VW ab 1953 einer der Pioniere. Und 1984 startete VW als erster ausländischer Hersteller eine Fertigung in China. Vier Jahre später folgte Audi als erste Premiummarke. Heute scheint diese Tugend jedoch zu einem Fluch geworden zu sein: Die deutschen Autokonzerne befinden sich in einer extremen Abhängigkeit von China, dem mittlerweile größten Automarkt der Welt. Auch interessant: Unsere Produkttipps auf Amazon

Leslie & Cars zeigt Neuheiten auf der Auto Shanghai 2023 im Video:

Video Platzhalter
Video: AUTO ZEITUNG

Rund ein Drittel aller BMW- sowie Mercedes-Neuwagen wurden 2022 in der Volksrepublik verkauft, im VW-Konzern lag der Anteil bei 40,4 Prozent. Und Audi setzte sogar 41,6 Prozent seiner Fahrzeuge in China ab. Bei der Elektromobilität ist die Abhängigkeit noch größer: Von 207.200 ausgelieferten ID.-Modellen der Marke VW gingen 104.700 nach China – satte 50,5 Prozent. Ähnlich stark sind auch die deutschen Autozulieferer in China engagiert, die VW, Mercedes & Co. in den vergangenen Jahren dorthin gefolgt sind. Eine problematische Situation. Und das nicht nur aufgrund des zunehmenden Selbstbewusstseins der chinesischen Staatsführung und ihrer Politik gegenüber Taiwan. Ein geopolitischer Konflikt mit der Volksrepublik würde die deutsche Autoindustrie ruinieren. Und es übt ein weiterer Faktor Druck auf deutsche Hersteller aus: Auf dem weltweit größten Automarkt hat eine Kulturrevolution begonnen.

Machtwechsel auf dem chinesischen Automarkt

Bestseller in China: VW Lavida
Der VW Lavida hat seine Spitzenposition auf dem chinesischen Automarkt verloren. Foto: VW

Eingeleitet wird sie von einem Machtwechsel mit Symbolkraft: VW ist 2023 erstmals seit den 1980er-Jahren nicht mehr Marktführer in China. Mit BYD wurde die Wolfsburger Marke in den ersten drei Monaten 2023 von einer chinesischen Marke überholt. Diese platzierte im ersten Quartal ganze vier Modelle in den Top Ten, während der VW Lavida, 2019 noch das meistverkaufte Auto in China, auf Platz fünf abstürzte. Innerhalb eines Jahres vergrößerte sich der Anteil der chinesischen Marken von 43 auf 47 Prozent. Ihr Erfolg geht mit dem Boom der Elektromobilität in China einher: 2022 stieg der Anteil der reinen E-Autos am Gesamtmarkt von 13 auf 21 Prozent. Zum Vergleich: In Europa erhöhte sich dieser nur von elf auf 14 Prozent. Entgegen vorheriger Informationen verlängerte China die staatlichen Subventionen für preisgünstige E-Autos bis ins Jahr 2027.

Chinesische Elektro-Marken profitieren

Der ungebrochene Boom führt dazu, dass im ersten Quartal vor allem rein elektrische chinesische Marken profitierten: neben BYD (+67,0 %) auch GAC mit der Elektro-Submarke Aion (+12,6 %), Li Auto (+65,8 %) und die Geely-Tochter Zeekr (+84,9 %). Dagegen hat gerade der einstige Marktführer VW in China Probleme mit seinen Elektro-Mobilen: Der VW ID.4 lag als bester Stromer mit 7951 Verkäufen auf einem desaströsen 147. Rang aller Neuwagen. Doch die Welle der E-Mobilität ist nur ein Grund für die erfolgreiche Aufholjagd der chinesischen Marken. Gerade in den Volumensegmenten haben sie im digitalen Bereich inzwischen mehr zu bieten als die ausländischen Hersteller: Sprachsteuerung, eine umfassende Smartphone-Integration und Social-Media-Vernetzungen gehören oft schon zur Serienausstattung. Das liegt daran, dass die chinesischen Newcomer meist den Tesla-Ansatz wählen, also das Auto vonseiten der Software her denken und entwickeln. Hier haben die ausländischen Konzerne einen großen Rückstand, der erst über Jahre wieder aufholbar ist.

Deutsche Hersteller designen für China

Selbst beim Design gelingt es VW & Co. immer schwerer, die Vorlieben der chinesischen Kundschaft zu treffen. Die chinesischen Marken kopieren nicht mehr, sie haben längst eigene Akzente gefunden, während die ausländischen Hersteller weiter die Designsprachen ihrer Heimatländer sprechen. Nur bei den Premiummarken wie Mercedes und BMW ist erkennbar, dass sie ihre Neuheiten zunehmend auf den Geschmack chinesischer Kundschaft ausrichten. Unter der erstarkten Konkurrenz leidet jedoch nicht nur VW (-21,8 %): Toyota büßte in den ersten drei Monaten mit einem Minus von 22,3 Prozent in derselben Größenordnung ein. Noch schlimmer erwischte es Honda und Nissan, deren Absatz sich fast halbierte. Doch auch chinesische Marken, die nur zögerlich auf E-Autos setzen wie Haval (-46,4 %), Changan (-21,5 %) und Geely (-20,1 %) mussten hohe Rückgänge hinnehmen.

Fazit

Es wird brenzlig für die ausländischen Konzerne in China: Die chinesischen Newcomer haben nicht nur bei der E-Mobilität ihre Hausaufgaben gemacht. Das ist gefährlich, schließlich war die Volksrepublik fast zwei Jahrzehnte lang der Wachstumsgarant vor allem der deutschen Marken. Aktuell entfallen 30 bis 50 Prozent ihrer weltweiten Verkäufe auf China. Und zugleich ist für BYD, Nio & Co. die Dominanz in ihrem Heimatland ein entscheidender erster Schritt, um auch ausländische Märkte zu erobern.