Vorstellung

Bugatti EB112: Diese Bugatti-Limo ist echt, und sie wird verkauft

Bugatti-Modelle mit vier Türen kann man an einer Hand abzählen, und fast immer ritten sie die Marke an den Rand des Ruins. Der nur dreimal gefertigte Bugatti EB112 wird ebenfalls ordentlich ins Geld gehen, denn Ende April versteigert RM Sotheby's die Limousine von 1999 zum markenüblichen Preis.

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Der Bugatti EB112 stehend von schräg vorne.
Der Bugatti EB112 ist noch schräger als sein Hufeisen-Grill. Mitte der 90er wollte die Marke bei den Luxuslimousinen mitmischen, doch verzettelte sich finanziell. Foto: RM Sotheby's
Der Bugatti EB112 stehend von schräg hinten.
Wer den Type 57 SC Atlantic nicht vor Augen hat, könnte den EB112 auch für einen frühen und besonders dramatischen Panamera-Entwurf halten. Foto: RM Sotheby's
Der Bugatti EB112 stehend von vorne.
Während der EB110 noch mit einem kleinen, stilisierten Hufeisen in der Front auskam, sollte die Limo die Pracht der 30er-Jahre heraufbeschwören. Foto: RM Sotheby's
Der Bugatti EB112 stehend seitlich.
Die Limo sollte 300 km/h schaffen und in 4,3 s auf 100 km/h beschleunigen. Foto: RM Sotheby's
Der Bugatti EB112 stehend von hinten.
Dieses Heck sahen mit Hinblick auf die Laufleistung von 388 km wohl nur wenige Verkehrsteilnehmende. Foto: RM Sotheby's
Das Cockpit des Bugatti EB112.
Leise und nüchtern gibt sich der EB112 von innen. Das Armaturenbrett zitiert die Sportwagen der Vorkriegszeit. Foto: RM Sotheby's
Die Sitze des Bugatti EB112.
Der EB112 verfügte über vier Einzelsitze. Foto: RM Sotheby's
Der Motor des Bugatti EB112.
Für eine möglichst neutrale Balance montierte Bugatti den umfangreich überarbeiteten V12 möglichst weit hinten. Foto: RM Sotheby's

Bugatti versuchte sich bereits viermal an einer Limousine – und scheiterte stets

Eine Limousine von Bugatti mag ebenso sonderbar erscheinen wie ein Jutesack von Hermès, dabei ist die Idee schon 100 Jahre alt. 1927 wollte Ettore mit der übergroßen Luxuslimousine Type 41 Royale den Deal seines Lebens eintüten, doch das drei Tonnen schwere Flaggschiff mit 12,8-l-Achtzylinder kenterte in den unruhigen Gewässern der Weltwirtschaftskrise und hätte beinahe die gesamte Marke mit in den Untergang gerissen.

66 Jahre später war Bugatti in der Hand des italienischen Geschäftsmanns Romano Artioli und auf dem besten Wege, erneut den Nimbus der Vorkriegszeit zu erreichen. 1991 hatte die Marke, nun im „Tal der Motoren“ in der Emilia Romagna unweit von Ferrari, Lamborghini und Co. ansässig, den Supersportler EB110 zum 110. Geburtstag von Ettore Bugatti aufgelegt. Zwei Jahre später, also zu Ettores 112., präsentierte die Firma einen ersten Prototypen des Bugatti EB112.

Das Projekt geriet ähnlich kühn wie einst der Royale, denn der Techniktransfer vom Mittelmotorsportler EB110 zur klassischen Luxuslimousine EB112 war enorm aufwendig. Das Kohlefaser-Chassis musste umfangreich überarbeitet werden, damit sich das viertürige Layout mit möglichst weit hinten platziertem Frontmotor realisieren ließ.

Auch den V12-Motor drehte Bugatti auf links: Statt 3,5 l Hubraum in Kombination mit gleich vier Turboladern entschied sich die Marke für einen frei saugenden Sechsliter-V12, dessen Charakteristik besser zu einem noblen Langstreckengleiter passen würde. Statt 560 PS (411 kW) leistete der EB112-Motor lediglich 460 PS (338 kW), bei einem vergleichbaren Drehmoment von rund 600 Nm. Der hecklastige Allradantrieb in Kombination mit dem Sechsgang-Schaltgetriebe adelte die Luxuslimo zu einem echten Fahrerauto.

Der Ferrari 849 Testarossa im Fahrbericht (Video)

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Video: AUTO ZEITUNG

Der Bugatti EB112 sollte den legendären Type 57 SC Atlantic zitieren

Verpackt war das Ganze in einer Hülle, die aus heutiger Sicht nicht unbedingt gut gealtert ist. Im Gegensatz zum progressiv gestalteten EB110 von Marcello Gandini hatte Jahrhundertdesigner Giorgetto Giugiaro den Auftrag erhalten, einen traditionelleren Entwurf für den EB112 abzuliefern. Dafür orientierte er sich an der Bugatti-Ikone schlechthin, dem Type 57 SC Atlantic.

Zu den stilistischen Zitaten gehörten der sich von der Motorhaube bis zum Kofferraumdeckel ziehende Kamm ebenso wie das geteilte Heckfenster und der große, hufenförmige Bugatti-Grill. Ließe man diesen weg, könnte man die Fließhecklimo aber auch für einen frühen Porsche Panamera-Entwurf mit Hang zum Art-Deco halten.

Das Cockpit des Bugatti EB112
Foto: RM Sotheby's

Wer heutige Bugatti-Cockpits vor Augen hat, dem oder der wird der Innenraum des EB112 fast schon ordinär vorkommen. Tatsächlich markierte der Luxusliner aber nicht nur von außen, sondern auch von innen eine radikale Abkehr vom EB110, dessen Bedienelemente noch sehr hemdsärmelig daherkamen. Gerade die fünf Alu-Knöpfe unterhalb der Klimabedienung und das Armaturenbrett mit Perlschliff waren ein Verweis an die Handwerkskunst von einst.

Dann kam es aber so, wie es schon einmal gekommen war: Bugatti hatte sich erneut übernommen. 1993 hatte Artioli Lotus aufgekauft, nur um wenig später die Rezession in voller Härte zu spüren. Bereits 1995 meldete das Unternehmen Insolvenz an und stellte die Produktion ein. Bis dahin waren nur ein fahrbereiter Prototyp und zwei unfertige Chassis des EB112 entstanden.

RM Sotheby's erwartet einen siebenstelligen Preis

Ganz zu Ende war die Geschichte des Bugatti EB112 damit aber noch nicht. In den Folgejahren ergoss sich die Konkursmasse über den europäischen Markt, was teils zu kuriosen Zuständen führte. So wollte sich der monegassische Geschäftsmann Gildo Pallanca Pastor mit Ersatzteilen für seinen EB110-Rennwagen eindecken und erhielt dazu gleich noch die Überbleibsel des EB112-Projekts mit dazu.

Damit gelang es ihm, zwei weitere 112er fertigzustellen, von denen er einen noch bis 2015 behielt. Das schwarze Auto verblieb im Fürstentum und durfte immerhin 388 km fahren, was in Anbetracht der 50 km Straßennetz in Monaco gar nicht mal so wenig ist. Nun will sich auch die zweite Hand vom Ausnahme-Bugatti trennen, weshalb das Aktionshaus RM Sotheby's die Limo am 25. April 2026 unter den Hammer bringt. Typisch Bugatti ist dann wieder der Schätzpreis von 1,5 bis zwei Millionen Euro.

Auch für Bugatti bedeutete die Insolvenz nicht das Ende. Bekanntermaßen übernahm VW die Namensrechte 1998 und baute die Marke in ihrer ursprünglichen Heimat Molsheim (Frankreich) neu auf. Ferdinand Piëch schien die Idee eines Bugatti-Viertürers ebenfalls zu gefallen: 1999 durfte Giugiaro seinen Entwurf als EB218 weiterentwickeln, allerdings nun mit einem unfassbaren 18-Zylindermotor.

Einen derartigen Konkurrenten für die ebenfalls frisch einverleibte Marke Bentley und den bereits weit entwickelten VW Phaeton wollte das VW-Imperium damals aber nicht realisieren. Den bis dato letzten Flirt mit einer Luxuslimousine hatte Bugatti 2009 mit dem 16C Galibier. Auch an ihm fanden sich noch viele Elemente des EB112. Bevor die Studie zum 100. Jubiläum von Bugatti fertig war, hatte aber schon die nächste Finanzkrise eingeschlagen.