Audi TT RS/Porsche 718 Cayman GTS: Test Cayman GTS tritt gegen TT RS an

von Paul Englert 18.09.2020
Inhalt
  1. Audi TT RS und Porsche 718 Cayman GTS 4.0 im Vergleichstest
  2. Motor/Getriebe: Porsche 718 Cayman mit 293 km/h Spitze
  3. Fahrdynamik: Audi TT RS mit enormem Grip 
  4. Karosserie: Solide verarbeitet und anpsrechende Materialien, in puncto Qualität überzeugen beide 
  5. Fahrkomfort: Audi TT RS bequemer
  6. Umwelt/Kosten: Porsche 718 Cayman GTS teurer als Audi TT RS

Nach einem Vierzylinder mit Turboaufladung ist der neue Porsche 718 Cayman GTS 4.0 wieder mit einen Sechszylinder ausgestattet. In unserem Vergleichstest tritt er an gegen den Audi TT RS.

Gesamtbewertung (max. Punkte)Audi TT
RS Coupé
Porsche 718 Cayman GTS 4.0
Karosserie (1000)456433
Fahrkomfort (1000)543525
Motor/Getriebe (1000)766769
Fahrdynamik (1000)853828
Eigenschaftswertung (4000)26182555
Kosten/Umwelt (1000)268237
Gesamtwertung (5000)28862792
Platzierung12

Dieser Vergleichstest zwischen Audi TT RS und Porsche 718 Cayman GTS 4.0 verspricht Spaß. Zur Erinnerung: Was haben wir nicht alle über den Turbo mit vier Brennräumen im alten Cayman GTS gemeckert. Kein Charakter, kein Klang, eine Frechheit. Obwohl, objektiv betrachtet ist so ein 2,5-Liter-Boxer mit Aufladung richtig gut, hat deutlich mehr Dampf aus dem Drehzahlkeller, etwas weniger Verbrauch. Irgendwie müssen sie in Zuffenhausener von der Meckerei Wind bekommen haben, denn ab sofort steckt im Porsche 718 Cayman GTS 4.0 wieder ein Sechszylinder vor der Hinterachse, und zwar das seine Luft selbst ansaugende, neu entwickelte Vierliter- Aggregat aus dem GT4 – hier nur marginal entschärft, mit 400 PS bei 7000 Touren. Was liegt also näher, als die Boxer-Maschine samt drum herum gebautem Coupé einmal auszutesten? Und weil's zu zweit einfach schöner ist, laden wir uns zum Vergleichstest noch den Audi TT RS ein, praktischerweise ebenfalls mit 400 Pferdestärken – die allerdings auf ganz andere Art und Weise entstehen.

Der Porsche 718 Cayman GTS im Video:

 
 

Audi TT RS und Porsche 718 Cayman GTS 4.0 im Vergleichstest

Im Audi TT RS sind es in Summe fünf quer eingebaute Zylinder à 496 Kubikzentimeter Hubraum, die unter der Haube sitzen und mit bis zu 1,35 bar Frischluft von einem Borg-Warner-Turbo serviert bekommen. Macht 400 PS. Von 1950 bis 5850 Touren sollen die maximalen 480 Newtonmeter Drehmoment bereitstehen, de facto bäumt sich die Druckwelle des Fünfzylinders aber erst ab rund 2500 Umdrehungen so richtig auf, mit explosionsartiger und gleichzeitig linearer Kraftentfaltung. Erst ganz oben, wenn die digitale Drehzahlnadel sich der 7000er-Marke nähert, kommt nicht mehr so viel, weshalb man das Aggregat mit der weltberühmten Zündfolge 1-2-4-5-3 nicht immer und überall auswringen muss, um schnell zu sein. Einfach den Motor im optimalen Drehmoment-Fenster bewegen, dann passt es. Weil hier ein Duo aus Doppelkupplungsgetriebe und Allradantrieb mit Haldex-Kupplung für die Kraftübertragung zuständig ist, geht's in nur 3,8 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. Zahlt man 1462 Euro extra, endet die Beschleunigung im Vergleichstest erst bei 280 statt 250 km/h – auch hier noch elektronisch abgeregelt.

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Motor/Getriebe: Porsche 718 Cayman mit 293 km/h Spitze

Rennen, so schnell er kann, darf der Porsche 718 Cayman GTS 4.0, und zwar 293 km/h. Allerdings geht das nur mit Einsatz von linkem Fuß und rechter Hand, denn den GTS gibt's zunächst nur mit manuellem Sechsgang-Getriebe. Die Arbeit damit funktioniert ausgezeichnet, dank kurzer Schaltwege, klar definierter Gassen, einem nah am Lenkrad installierten, griffigen Knauf und automatischer  Zwischengasfunktion beim Runterschalten. Klar, im Stop-and-Go-Verkehr ist die S tronic des Audi TT RS lässiger, zumal dank des siebten Gangs bei 200 km/h nur 3500 Umdrehungen anliegen (Porsche: 4700 im 6. Gang). Allerdings arbeitet der Doppelkuppler stellenweise unharmonisch, legt beim Anfahren oft den zweiten Gang ein und lässt die Kupplung lange schleifen, sodass die Dosierbarkeit mit dem Gaspedal leidet. Oder das Getriebe schaltet bei Teillast voreilig zurück. Dass beide Aggregate effizient laufen können, zeigen die Verbrauchswerte im Vergleichstest, die unter den WLTP-Werten liegen – trotz Autobahnanteil mit Tempo 200 Fahrdynamik.

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Fahrdynamik: Audi TT RS mit enormem Grip 

Wenn Sie parallel zum Text auch die Punktetabelle studieren, werden Sie sich vielleicht wundern: Audi dynamischer als Porsche? Ja. Dafür gibt es zwei Gründe. Erstens hat der Audi TT RS einen via Lamellenkupplung variabel regelnden  Allradantrieb, der ihm eine Top-Traktion garantiert. Zweitens wurden dem Testwagen die 6200 Euro teuren Performance-Räder spendiert, mit klebrigen Pirelli P Zero Corsa-Reifen, einer Vorstufe zum Semislick. So bremst der Audi objektiv nicht nur auf Porsche-Niveau, sondern fährt ihm in den engen Slalom-Kurven sogar davon. Das liegt auch am besonders neutral, beim Einlenken untersteuernd ausgelegten Setup. Man kann das 4,20 Meter kurze Coupé regelrecht in Kehren reinwerfen und es bleibt dabei lammfromm. In Kurven hineinbremsen sollte man jedoch nur, wenn die Hinterräder warm sind, denn sonst wird's dem TT doch recht leicht ums Heck. Umgekehrt verhält sich das mit dem Porsche 718 Cayman GTS 4.0. Der Vergleichstest zeigt - auf der Rennstrecke liegt er überall satt und sicher, das im Slalom vehemente Eindrehen des Hecks kann man hier gut nutzen, um den knapp 1,29 Meter flachen Zweisitzer inengen Kurven wieder früh gerade zu stellen. Das hilft auch deshalb, weil die Traktion des Hecktrieblers am Kurvenausgang nicht auf TT-Niveau ist. Mit dem latscht man am Scheitelpunkt einfach voll aufs Gas, macht die Lenkung wenn nötig noch mal ein wenig zu, den Rest regeln Reifen und Allradantrieb. Und weil der Audi am Kurvenausgang so mächtig Druck macht, vor dem Bremspunkt oft ein paar km/h schneller ist, sind es am Ende nur vier Zehntel, die ihm am Nürburgring auf den Porsche fehlen. Der Cayman rettet sich mit der standfesteren, besser dosierbaren Karbon-Keramik-Bremse (7134 Euro) und dem höheren Kurventempo vom Eingang bis zum Scheitelpunkt. Ein weiterer Grund, warum das alles so gut funktioniert, ist einmal mehr die wunderbar mitteilsame Lenkung des Zuffenhauseners, die ein perfektes Maß an Haltekräften aufbaut und weniger hektisch agiert als das Richtungsänderungs-Instrument im Ingolstädter, auf dessen Vorderachse 908 Kilo lasten.

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Karosserie: Solide verarbeitet und anpsrechende Materialien, in puncto Qualität überzeugen beide 

Der eindeutig praktischere, weil variablere Sportwagen im Vergleichstest ist der Audi TT RS, in dem man zur Not auch mal Kinder mitnehmen, auf jeden Fall aber jede Menge Gepäck einladen kann. Maximal 712 Liter Kofferraumvolumen bei umgeklappten Fondlehnen reichen sogar für ein kompaktes Rennrad. Das größere Standardvolumen hat zwar der Cayman, allerdings verteilt sich das auf zwei Gepäckabteile, hinterm Motor (270 l) und vor der Vorderachse (150 l). Vorn haben Passagiere im Audi etwas mehr Platz für Beine und Ellenbogen. Weil die Sitze allerdings etwas hoch montiert sind, bleibt weniger Raum überm Kopf. Auch in Sachen Bedienung liegt der zwar durchgestylte, aber dennoch innen durchdacht gestaltete TT RS mit Dreh-Drück-Steller und Lenkrad-Tasten vorn. Im Porsche 718 Cayman GTS 4.0 läuft vieles über den zentral angeordneten Touchscreen und die mittig platzierten Regler und Tasten. Qualitativ liegen beide Sport-Coupés auf einem Niveau, mit steifen Karosserien, solider Verarbeitung und optisch sowie haptisch ansprechenden Materialien.

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Fahrkomfort: Audi TT RS bequemer

Das komfortablere Feder-Dämpfer-Setup besitzt der Cayman, trotz sehr hoher fahrdynamischer Eigenschaften. Allerdings drücken drei Punkte enorm auf seine Bilanz in diesem Kapitel des Vergleichstests: Der 5220 Euro teure Karbon-Schalensitz ist zwar perfekt für den Rennstreckenausflug, dafür schränken die hohen, steifen Seitenwangen den Einstieg aber stark ein und die dünn gepolsterten Karbon-Schalen passen nicht zu jeder Figur. Zweites Manko im Porsche 718 Cayman GTS 4.0 sind die wenigen Ablagemöglichkeiten, drittes ist das insgesamt höhere Geräuschniveau. Im Audi TT RS sitzt man bequemer, auf vielfacheinstellbaren, sportlichen Polstern, der Innenraum ist ergonomischer gestaltet, mit praktischen Fächern. Allerdings ist die Abstimmung des Serienfahrwerks ohne adaptive Dämpfer ziemlich straff ausgelegt, werden Fahrbahnunebenheiten weniger souverän gefiltert, sind Karosserie  und Insassen deshalb ständig in einer Auf- und Ab-Bewegung, was im Alltag auf Dauer nervt.

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Umwelt/Kosten: Porsche 718 Cayman GTS teurer als Audi TT RS

Mit 79.861 Euro kostet der Cayman GTS 4.0 über 13.000 Euro mehr als der Audi TT RS. Auch bei den testrelevanten Optionen liegt der Porsche 718 Cayman GTS mit Schalensitzen (5220 Euro) und Karbon-Keramik-Bremse (7134 Euro) vorn. Deutlich günstiger ist der Porsche nur bei der Versicherung, in allen anderen Kostenpunkten fällt der Vergleichstest zu gunsten des Audis aus.

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AUTO ZEITUNG 16/2020Audi TT RS CoupéPorsche 718 Cayman GTS 4.0
Technik
Zylinder/Ventile pro Zylin.R5/4; TurboB6/4
Hubraum2480 cm³3995 cm³
Leistung
bei
294 kW/400 PS,
5850 - 7000 /min
294kW/400 PS
7000 /min
Max. Drehmoment480 Nm, 1950-5850 /min420 Nm, 5000 - 6500 /min
Getriebe/Antrieb7-Gang, Doppelkupplung /
Allrad, Sperrdiff. (Mitte)
6-Gang, manuell /
Hinterrad, Sperrdiff. (hinten)
Messwerte
Leergewicht (Werk/Test)1450 / 1480 kg1405 / 1400 kg
Beschleunigung 0-100 km/h (Test)3,8 s4,5 s
Höchstgeschwindigkeit (Werk)280 km/h293 km/h
Bremsweg aus 100 km/h
kalt/warm (Test)
33,5 / 31,3 m33,0 / 31,7 m
Verbrauch auf 100 km (Test/WLTP)8,6 / 9,2 l SP / 100 km9,7 / 10,08 l SP / 100km
CO2-Ausstoß (Test/WLTP)205 / 208 g/km231 / 246 g/km
Preise
Grundpreis66.529 €79.861 €
Testwagenpreis75.093 €92.470 €

von Paul Englert von Paul Englert
Unser Fazit

Und, hat sich die Meckerei über den rauen Porsche-Vierzylinder gelohnt? Na klar! Der neue Vierliter-Boxer mit sechs Zylindern verleiht dem Porsche 718 Cayman GTS 4.0 wieder Charakter. Allerdings reicht das Cayman-Konzept nicht für den Gesamtsieg im Vergleichstest, trotz komfortabler Federung, Platz fürs Gepäck und hoher Fahrdynamik. Geht es um Sportwagenuntypische Tugenden wie Variabilität, Sitz- und Geräuschkomfort, fährt das günstigere Audi TT RS Coupé vorne weg. Mit den aufgezogenen Sportreifen ist auch der Ingolstädter extrem dynamisch unterwegs, narrensicher obendrein – ein verdammt schneller Sportwagen, mit dem selbst ungeübte Fahrer nicht viel falsch machen können. Der TT RS fordert nicht, sondern liefert einfach. Im Porsche hingegen muss man arbeiten, um schnell zu sein. Und genau das macht ihn so begehrenswert. 

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