Vergleich

Audi S4 Avant & Volvo V70 R: Die 300-PS-Kombis der 2000er

Sportliche Kombis lagen 2004 im Trend, Spitzenleistungen von über 300 PS (220 kW) waren dabei keine Seltenheit. Zum Preis von knapp über 54.000 Euro gab es damals den Audi S4 Avant oder den Volvo V70 R. Wir baten die beiden schnellen Lademeister vor mehr als 20 Jahren zum Duell.

(1/11)
Audi S4 Avant/Volvo V70 R
Foto: Willy Bister
Volvo V70 R fahrend von schräg vorne fotografiert.
Trotz veränderbarer Dämpferkennung taucht der Schwede in Kurven deutlich ein. Foto: Willy Bister
Volvo V70 R fahrend von schräg hinten fotografiert.
Der Schwede ist längst nicht so ausgewogen und gut ausbalanciert wie der Audi. Foto: Willy Bister
Das Cockpit des Volvo V70 R.
Dick gepolsterte Sportledersessel, Spaceball-Schaltknauf und königsblaue Instrumente unterstreichen den skandinavischen Stil. Foto: Willy Bister
Der Motor des Volvo V70 R.
Schon ab 1950 Umdrehungen stellt der Fünfzylinder-Turbo sein maximales Drehmoment von 400 Nm zur Verfügung. Foto: Willy Bister
Der Kofferraum des Volvo V70 R.
Großer Kofferraum und ein völlig ebener Ladeboden. Foto: Willy Bister
Audi S4 Avant fahrend von der Seite fotografiert.
Der Audi überzeugt mehr durch Fahrleistungen und schmucke Optik als durch Transporteigenschaften. Foto: Willy Bister
Audi S4 Avant fahrend von schräg hinten fotografiert.
Die recht sanft ausgelegte Zugstufe sorgt dafür, dass er sich mehr als erwartet bei Wellen aus den Federn hebt. Foto: Willy Bister
Das Cockpit des Audi S4 Avant.
Verarbeitung und Bedienungskomfort auf hohem Niveau. Foto: Willy Bister
Der Motor des Audi S4 Avant.
Der 344 PS (253 kW) starke V8 des Audi kommt sowohl mit niedrigen als auch mit hohen Drehzahlen bestens zurecht. Foto: Willy Bister
Der Kofferraum des Audi S4 Avant.
Das Ladevolumen ist wie die Innenabmessungen begrenzt. Foto: Willy Bister

Wer Platz braucht, nimmt den Volvo

Mit dem Audi S4 Avant und dem Volvo V70 R demonstrieren beide Hersteller, wie leistungsfähig Kombis sind und welchen Fahrspaß sie bereiten können. Von einem Kombi erwartet die Kundschaft neben einer anständig bemessenen Ladefläche auch entsprechende Platzverhältnisse für die Insassen. Der spürbar enger ausfallende Audi S4 muss in diesem Kapitel darum erwartungsgemäß dem Volvo den Vortritt lassen. Besonders die Fondpassagier:innen bekommen die eingeschränkten Platzverhältnisse zu spüren. Mehr Bein-, Kopf und Ellenbogenfreiheit sprechen deutlich für den Skandinavier.

Auf den vorderen Sesseln fällt der Unterschied nicht so groß aus. Beide Fahrzeuge verfügen über stark konturierte Sportsitze. Trotzdem hinterlässt der Volvo einen etwas luftigeren Eindruck. Noch klarer wird der Unterschied bei den Laderäumen. Ist die Differenz des Ladevolumens im Normalzustand noch gering (Audi 442 l, Volvo 485 l), offenbart sich mit umgeklappten Rückbänken, diese Option bieten beide übrigens serienmäßig, die Stärke des V70. Im Gegensatz zum Audi ist die Ladefläche absolut eben, und das Stauvolumen beträgt 1641 l. Nur 1184 l kann dagegen der S4 Avant aufnehmen.

Der Audi RS 6 GT (2024) im Video

Video Platzhalter
Video: AUTO ZEITUNG

Materialqualität und Verarbeitung der beiden Streithähne liegen auf einem hohen Niveau. Besonders beim Audi gibt es kaum etwas zu bemängeln. Er ist absolut akribisch montiert, und in Verbindung mit den feinen Stoffen und den echten Metallblenden hinterlässt er einen wahrhaft mustergültigen Eindruck. Der Volvo steht ihm da nicht viel nach, aber die wuchtige Mittelkonsole aus Kunststoff und billiger anmutende Schalter machen den Unterschied aus. Die Sicherheitsausstattung ist sowohl beim Audi als auch beim Volvo nahezu komplett. Ob Bremsassistent, ESP, Fahrer-/Beifahrer-Airbag oder Isofix-Kindersitzbefestigung, hier lassen sich beide Hersteller nicht lumpen.

Das Cockpit des Volvo V70 R.
Foto: Willy Bister

Die Fahrwerke machen den Unterschied

Wer sänftenartigen Komfort bei diesen Kombis sucht, sitzt in den falschen Autos. Beide sind straff abgestimmt und für zügige Fahrten ausgelegt. Das herkömmliche Fahrwerk des Audi kommt dabei mit Unebenheiten auf der Straße besser zurecht als die aktive Four-C-Technik des Volvo. Das Continuously Controlled Chassis Concept (4C) verändert die Abstimmung der Dämpfer. Als Regelparameter werden unter anderem die Sensorikdaten des ESP herangezogen. In der Comfort-Stellung ist der V70 zu weich abgestimmt, die Karosserie federt nach. In der Advanced- Position dringen auch kleinste Schläge bis in den Innenraum durch. Diese Konfiguration ist bestenfalls für topfebene Rennstrecken zu empfehlen. Den besten Kompromiss bietet die Stellung Sport, aber auch hier gerät die Dämpfung aus der Fassung. Der Wagen nickt stark auf Bodenwellen, und auf Kanaldeckeln wird er sehr unruhig.

Beim S4 zeigt sich eine klar vorgegebene Definition: straff und trocken. Lediglich die recht sanft ausgelegte Zugstufe sorgt dafür, dass er sich mehr als erwartet bei Wellen aus den Federn hebt. Die Beurteilung des Sitzkomforts fällt nicht so eindeutig aus. Die Frontstühle haben ausgeprägte Seitenwangen, die beim Audi den etwas besseren Seitenhalt bieten und besonders den Rückhalt im Schulterbereich unterstreichen. Die Volvo-Sitze sind etwas großzügiger geschnitten und bieten den größeren Einstellbereich. Wer mit dem Schweden auf längerer Tour ist, wird schnell die angenehm ruhige Geräuschkulisse im Innenraum zu schätzen wissen. Der Achtzylinder des S4 grummelt dagegen deutlich vernehmbar vor sich hin, was auch von den reinen Messwerten unterstrichen wird.

Der Verbrauch bringt den V70 R nach vorn

Unter der Motorhaube des S4 arbeitet ein Achtzylinder mit 4,2 l Hubraum und fünf Ventilen pro Zylinder. Diese Konstellation reicht aus, um ohne Turbolader ein Drehmoment von 410 Nm und eine Motorleistung von 344 PS (253 kW) zu aktivieren. Der Volvo muss sich dagegen mit bescheidenen 2,5 l Hubraum begnügen und verfügt nur über fünf Zylinder. Um trotzdem die 300 PS (220 kW) zu erzielen, ist er mit einem KKK-Turbolader, der einen Ladedruck von mehr als einem bar erreicht, und dem so genannten Dual Wide Range CVVT an der Einlass- und Auslassnockenwelle ausgestattet – Ventilöffnungszeiten werden entsprechend der Motordrehzahl und der Motorbelastung gesteuert. Trotz des kleineren Brennraums erzielt er so mit 400 Nm nahezu gleiche Werte wie der Audi, erreicht das maximale Drehmoment aber schon bei 1950 Umdrehungen der Kurbelwelle. Damit avanciert dieser Motor zum leistungsstärksten Triebwerk bei Volvo. Seine Laufkultur kann mit der des V8-Audi-Aggregats aber nicht ganz mithalten.

Auch bei den reinen Messwerten für die Beschleunigung von null auf 100 km/h und den Zwischenspurt kann sich der Audi besser in Szene setzen und zeigt dem Schweden die Rücklichter. Als Höchstgeschwindigkeit geben beide Hersteller 250 km/h an (elektronisch abgeregelt). Mit nur 11,3 l pro 100 km genehmigt sich der Skandinavier 3,5 l weniger als der durstige Bayer. Zudem ermöglicht der Volvo mit seinem größeren Tank eine Reichweite von 601 km (446 Audi).

„Mit einer stoischen Ruhe zaubert der Audi Zeiten auf den Asphalt, dass der Volvo nur den Hut ziehen könnte, wenn er einen hätte.“
Jürgen Schramek

Jeder fahrdynamische Punkt spricht für den Audi

Was bereits bei den Beschleunigungsmessungen an den Tag kommt, wird von den Ergebnissen im Slalom und im Handling untermauert. Mit einer stoischen Ruhe zaubert der Audi Zeiten auf den Asphalt, dass der Volvo nur den Hut ziehen könnte, wenn er einen hätte. Hier passt einfach alles. Lenkung, Geradeauslauf, Dosierbarkeit der Bremsen und die als Summe dieser Eigenschaften ermittelte Fahrsicherheit lassen keinen Zweifel daran aufkommen, dass der S4 Avant ganz klar Herr im Ring ist.

Der Schwede ist längst nicht so ausgewogen und gut ausbalanciert wie der Audi. Mit der ganz abschaltbaren Fahrdynamikregelung DSTC und der Möglichkeit, die Fahrwerksabstimmung per Knopfdruck zu verändern, schiebt er einerseits – wie auch der Audi – bei zu schneller Gangart deutlich über die Vorderräder, im Gegensatz zum Ingolstädter reagiert er aber dann mit einem deutlichen Ausbrechen des Hecks bei Gaslupfern. Nötige Korrekturen erschwert die vor allem in der Mittellage gefühllose Lenkung. Die Bremse ist schwer dosierbar, und die Bremsleistung kann sowohl im kalten als auch im warmen Zustand mit der Anlage des Ingolstädters nicht mithalten.

Der Motor des Audi S4 Avant.
Foto: Willy Bister

Weder V70 R noch S4 gingen als Schnäppchen durch

Bei Grundpreisen von über 54.000 Euro kann man die beiden Sport-Kombis nicht gerade als Schnäppchen bezeichnen – aber Leistung kostet nun einmal Geld. Dafür erhält der Kunde jedoch eine nahezu komplette Ausstattung. Lediglich die Metalliclackierung bei beiden und das Radio mit CD-Player beim Audi müssen extra bezahlt werden. Der bessere Werterhalt, die geringeren Wartungskosten und die umfangreicheren Garantieleistungen bringen dem Ingolstädter einige Pluspunkte. Diese gleicht der Schwede dank der niedrigeren Besteuerung, der günstigeren Versicherungseinstufung und der geringeren Kraftstoffkosten aber mehr als aus. So sichert er sich schließlich knapp den Kapitelsieg

Von Jürgen Schramek

Fazit

Der Audi S4 Avant gewinnt diesen Vergleich hauptsächlich wegen seiner überlegenen Fahrdynamik, des agilen Motors, der allerdings zu viel verbraucht, und der trotz aller Sportlichkeit komfortableren Fahrwerksabstimmung. Wenn es um das Platzangebot geht, kann er dem Schweden nicht das Wasser reichen. Dieser ist zudem günstiger im Unterhalt. Im Gegensatz zum Audi, der ein typischer Vertreter moderner Lifestyle- Kombis ist, verfügt der Volvo V70 R über den höheren Nutzwert.

Technische Daten von Audi S4 Avant und Volvo V70 R

AUTO ZEITUNG 3/2004

Audi S4 Avant

Volvo V70 R AWD

Zylinder / Ventile pro Zylin.

V8 / 5

R5 / 4

Hubraum

4163 cm³

2521 cm³

Leistung

253 kW/344 PS bei 7000 U/min

220 kW/300 PS bei 5500 U/min

Max. Gesamtdrehmoment bei

410 Nm bei 3500 U/min

400 Nm bei 1950 – 5250 U/min

Getriebe / Antrieb

6-Gang-Getriebe / Allrad

6-Gang-Getriebe / Allrad

L / B / H

4575 / 1781 / 1408 mm

4760 / 1804 / 1462 mm

Leergewicht

1720 kg

1707 kg

Bauzeit

2003 – 2004

2003 – 2007

Stückzahl

6591

9060

Beschleunigung null auf 100 km/h

5,8 s (AZ 3/2004)

6,5 s (AZ 3/2004)

Höchstgeschwindigkeit

250 km/h (AZ 3/2004)

250 km/h (AZ 3/2004)

Verbrauch auf 100 km

14,8 l SP (AZ 3/2004)

11,3 l SP (AZ 3/2004)

Grundpreis (Jahr)

54.400 Euro (2004)

54.150 Euro (2004)