Audi Q8/Mercedes GLE Coupé/VW Touareg: Test Q8 gegen die gestandene Konkurrenz

von Martin Urbanke 23.11.2018
Inhalt
  1. Audi Q8, Mercedes GLE Coupé & VW Touareg im Test
  2. Fahrtkomfort: VW Touareg mit exellentem Sitzkomfort
  3. Motor/Getriebe: VW macht das Rennen
  4. Fahrdynamik: Audi Q8 am dynamischten 
  5. Umwelt/Kosten: GLE Coupé ist ein teures Auto
  6. Technische Daten Audi Q8, Mercedes GLE Coupé, VW Touareg

Im Test tritt der neue Audi Q8 gegen den Mercedes GLE Coupé & VW Touareg an. Wir klären, ob der Ingolstädter mit der etablierten Konkurrenz mithalten kann und wo er in diesem namhaften Duell einzuordnen gilt!

Mit ihren stattlichen Außenabmessungen, den mindestens 20 Zoll großen Rädern und jeweils finster dreinblickenden LED-Scheinwerfern stehen mit dem neuen Audi Q8, Mercedes GLE Coupé & VW Touareg imposante Erscheinungen im Test. Böse Zungen könnten die Oberklasse-SUV auch "protzig" nennen, doch über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten. Mehr SUV als den Q8 bekommt man bei Audi derzeit jedenfalls nicht. In unserem Vergleichstest muss sich das Flaggschiff aus Ingolstadt nun der Konkurrenz aus Stuttgart und Wolfsburg stellen. Alle drei Testkandidaten treten mit kräftigen Dreiliter-V6-Dieseln samt SCR-Katalysatoren, Automatik-Getrieben und Allrad an.

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Audi Q8, Mercedes GLE Coupé & VW Touareg im Test

Beim Audi Q8 fahren die Ingolstädter die coupéhafte Lifestyle-Schiene, verzichten jedoch auf eine übermäßig flach stehende Heckscheibe und statten sein Top-SUV dafür mit rundum rahmenlosen Türscheiben aus. Das Mercedes GLE Coupé besetzt das Coupé-Designthema mit seiner stark abfallenden Dachlinie noch konsequenter, während die Formensprache des VW Touareg deutlich stärker an die eines klassischen Geländewagens erinnert. In puncto Raumangebot hat der Wolfsburger zumindest für Fahrer und Beifahrer am meisten zu bieten: Trotz des optionalen Panoramaglasdachs bietet er am meisten Luft über dem Scheitel, und auch die seitliche Bewegungsfreiheit lässt keine Wünsche offen. Im Audi geht es ähnlich geräumig zu, allerdings sitzt man dichter an der Mittelkonsole und hat etwas weniger Kopfraum. Spürbar enger geschnitten als die Konkurrenz ist der Mercedes, vor allem Bein- und Kopffreiheit fallen deutlich geringer aus. Und im Fond fordert die coupéhafte Dachlinie aufgrund der stark ausgeprägten seitlichen Dacheinzüge ihren Tribut mit einer relativ niedrigen Innenhöhe. Dass der Audi Q8 hinten am meisten Raum bietet, überrascht bei einem um neun Zentimeter längeren Radstand kaum: Vor allem mit seiner stattlichen Kniefreiheit übertrumpft der Audi so den VW Touareg, bietet zudem sogar noch eine etwas bessere Kopffreiheit. Zudem offeriert der Q8 mit 613 Kilogramm die höchste Zuladung, ist am sorgfältigsten verarbeitet und fährt die umfangreichste Sicherheitsausstattung auf. So bietet der Audi optional unter anderem einen Ausweich- und einen Abbiegeassistenten sowie eine Ausstiegswarnung, wenn sich ein Fahrzeug von hinten nähert. Dass der Touareg dennoch die meisten Punkte sammelt, verdankt er dem mit 810 bis 1800 Liter größten Ladevolumen, seiner ausgeklügelten Variabilität und der eingängigsten Bedienung. Die zuverlässige Sprachsteuerung sowie die üppig dimensionierten Schaltflächen des optionalen 15-Zoll-Touchscreens (3500 Euro) können in der Praxis überzeugen.

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Fahrtkomfort: VW Touareg mit exellentem Sitzkomfort

Der hohe Bedienkomfort geht beim VW Touareg einher mit einem exzellenten Sitzkomfort: Die im Testwagen installierten ergoComfort-Vordersitze mit Lederpolsterung (Paketpreis: 3890 Euro) bieten eine gute Konturierung und zahlreiche Einstellmöglichkeiten – so lassen sich auch lange Fahretappen nahezu ermüdungsfrei abspulen. Auf den optionalen Sportsitzen des Audi reist man zwar auch sehr kommod, allerdings kann man die integrierten Kopfstützen nicht einstellen. Dafür ist die Rückbank des Audi Q8 mit ihrer sehr gut nutzbaren Beinauflage bei den Fondpassagieren erste Wahl. Aufgrund nicht erweiterbarer Schenkelauflage und nur mäßiger seitlicher Abstützung erhalten die Mercedes-Sitze die wenigsten Punkte. Und die angenehm konturierte Rückbank des Mercedes GLE Coupé ist – anders als bei den Rivalen – weder verschieb-, noch in der Lehnen-Neigung variierbar. Während der Q8 bei Autobahntempo einen gelungenen Federungskomfort zeigt und etwa Wellen souverän verarbeitet, reagiert die optionale Luftfederung bei langsamer Fahrt zuweilen hölzern auf Kanten oder Schlaglöcher. Anteil daran hat auch die 22 Zoll große Optionsbereifung. Trotzdem federt der Audi in Summe besser als der Mercedes, der ebenfalls mit Luftfederung ausgerüstet ist, dennoch nervöser wirkt und gröbere Fahrbahnverwerfungen mit Steifbeinigkeit quittiert. Und der VW? Er setzt sich deutlich von seinen Wettbewerbern ab, vereint sensibles Anfedern bei geringem Tempo mit souveränem Wegschlucken von Wellen und Querfugen bei Autobahnfahrten und verfügt zudem über die wirkungsvollste Geräuschdämmung.

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Motor/Getriebe: VW macht das Rennen

Dieselmotoren stehen dieser Tage heftig in der Kritik, doch an Bord eines großen SUV sind sie immer noch erste Wahl. Ihre Kombination aus Kraft, Laufkultur und Effizienz ist derzeit konkurrenzlos. Überdies sind die drei Antriebe im Test bereits nach WLTP-Messverfahren homologiert – und somit aktuell als Neufahrzeug verfügbar. Allerdings erfüllt das Mercedes GLE Coupé trotz SCR-Kat und AdBlue-Einspritzung nur die Euro-6c-Abgasnorm, während die moderneren V6-Aggregate von Audi Q8 und VW Touareg den Limits der Euro 6d-Temp genügen. Für die Besteuerung und eventuell drohende Fahrverbote spielt das jedoch keine Rolle. Ohnehin dürfte der Dreiliter-V6 im GLE mit dem nächsten Modellwechsel dem unlängst eingeführten Reihensechszylinder weichen, der eine noch bessere Laufkultur (und mehr Leistung) verspricht. Doch auch mit dem aktuellen 350 d geht man sehr gern auf lange Fahrt. Erst beim Umstieg in den Audi oder VW registriert man, dass diese eine dezentere Akustik bieten und geschmeidiger laufen. Sein Alter merkt man dem Mercedes am deutlichsten beim Verbrauchstest an, wo er sich mit 10,4 Litern gut eineinhalb Liter mehr genehmigt als Audi (8,6 l) und VW (8,8 l). Dass der Q8 noch eine Nuance effizienter arbeitet, verdankt er seinem Mild-Hybrid- Konzept: Ein 48-Volt-Startergenerator boostet beim Start und optimiert die Energierückgewinnung in der Rekuperationsphase. Allerdings bräuchte die Abstimmung des Antriebs dringend noch ein wenig Feinschliff. So nervt der Audi je nach Fahrsituation mit trägen Reaktionen, ruckigen Schaltvorgängen und verzögerter Gasannahme. Der TDI-Antrieb im VW hingegen brilliert mit einem harmonischen Zusammenspiel von Motor und Getriebe sowie einer angenehm kraftvollen Leistungsentfaltung.

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Fahrdynamik: Audi Q8 am dynamischten 

Eine überzeugende Vorstellung liefert der große VW Touareg zudem in den dynamischen Disziplinen ab: Stoischer Geradeauslauf, hohe Traktion und problemlose Fahreigenschaften – auch dank des aktiven Wankausgleichs (48 Volt) – zeichnen ihn aus. Die optionale Allradlenkung des Testwagens sorgt für Agilität, operiert exakt, dürfte aber mehr Feedback bieten. Noch fahraktiver bewegt sich der straffer abgestimmte Audi Q8, dessen optionale 22-Zoll-Bereifung ein enormes Griplevel aufbaut und die kürzesten Bremswege im Vergleich garantiert. Mit warmen Stoppern verzögert das immerhin knapp 2,3 Tonnen schwere Audi-SUV in weniger als 32 Meter aus 100 km/h bis zum Stillstand. Ärgerlich indes ist die ausgeprägte Tendenz des Q8, selbst bei geringer Geschwindigkeit auf Spurrinnen aus dem Ruder zu laufen. Mehr Tempo sorgt hier zugleich für mehr Stabilität. Unser Mercedes-Testwagen reagiert ähnlich empfindlich auf "Ablenkungsmanöver" in der Fahrbahndecke. Größere Lenkwinkel und ein weniger spontanes Einlenken verlangen mehr Konzentration des Fahrers bei den erforderlichen Kurskorrekturen. Übrigens: Die im Testwagen verbaute Wankstabilisierung wird für das Diesel-Mercedes GLE Coupé inzwischen nicht mehr angeboten.

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Umwelt/Kosten: GLE Coupé ist ein teures Auto

Aber selbst wenn man den Aufpreis für das System abzieht, bleibt das Mercedes GLE Coupé ein teures Auto. Genau wie der Audi Q8 sprengt er locker die 80.000-Euro-Marke – wohingegen es den nicht minder hochwertigen VW Touareg schon ab gut 60.000 Euro gibt. Selbst mit vielen Optionen aufgerüstet, bleibt der VW stets um etliche Tausender unter den Tarifen, die Audi und Mercedes für ihre Modelle aufrufen. Ähnliches gilt für den Wertverlust, der nach unserer Musterkalkulation rund 5000 bis 10.000 Euro geringer ausfällt.

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Technische Daten Audi Q8, Mercedes GLE Coupé, VW Touareg

 Audi Q8 50 TDI quattroMercedes GLE 350 d 4Matic CoupéVW Touareg V6 TDI SCR 4Motion
Zylinder/Ventile pro ZylinderV6/4V6/2V6/4
Hubraum2967 cm³2987 cm³2967 cm³
Leistung210 kW/286 PS bei 3500-4000/min190 kW/258 PS bei 3400/min210 kW/286 PS bei 4000/min
Maximales Drehmoment600 Nm bei 2250-3250/min620 Nm bei 1600-2400/min600 Nm bei 2250-3250/min
Getriebe/Antrieb8-Stufen-Automatik; Allradantrieb9-Stufen-Automatik; Allradantrieb8-Stufen-Automatik; Allradantrieb
Beschleunigung   
0 - 100 km/h6,1 Sekunden7,6 Sekunden6,2 Sekunden
0 - 150 km/h13,8 Sekunden16,8 Sekunden13,7 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit245 km/h226 km/h235 km/h
Bremsweg aus 100 km/h warm31,9 Meter33,6 Meter34,4 Meter
Leergewicht2145 Kilogramm2200 Kilogramm1995 Kilogramm
Verbrauch (Test)8,6 l D/100 Kilometer10,4 l D/100 Kilometer8,8 l D/100 Kilometer
Grundpreis76.300 Euro71.698 Euro60.675 Euro
Testwagenpreis86.915 Euro83.789 Euro73.675 Euro
Punkte (5000 möglich)329230563329
Platzierung231

von Martin Urbanke von Martin Urbanke
Unser Fazit

Mit dem Audi Q8 50 TDI quattro liefern die Ingolstädter ein edles Designstück ab und stellen zugleich ein kompetentes, überraschend geräumiges und sehr fahraktives Oberklasse- SUV auf die riesigen Räder. Der konventioneller gezeichnete Konzernkollege VW Touareg V6 TDI SCR 4Motion bietet jedoch unterm Strich noch mehr Platz und Komfort. Sein Antrieb arbeitet überdies harmonischer, und das Auto kostet trotz hochwertigem Finish erheblich weniger – das sichert ihm den Testsieg. Dem kann auch das etablierte Mercedes GLE 350 d 4Matic Coupé wenig entgegensetzen: zu eng, durstig, teuer – Platz drei. Der Nachfolger mit Reihensechser wird die Karten jedoch neu mischen.

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