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Range Rover Velar D300/Mercedes GLE 350 d Coupé: Test Neuer Velar setzt sich vor den GLE

von Martin Urbanke 09.03.2018
Inhalt
  1. Ranger Rover Velar und Mercedes GLE im Test
  2. Fahrkomfort in beiden SUV sehr gut
  3. Motor/Getriebe: Velar hat weniger Durst
  4. Velar mit deutlich mehr Fahrdynamik
  5. Umwelt/Kosten: Gleichauf bei der Kostenbilanz

Sie sind schick, sie sind angesagt, aber sie sind keine Fliegengewichte: Die aktuellen Lifestyle-SUV von Land Rover und Mercedes kombinieren ein betont modisches Äußeres mit innerer Größe und Charakterstärke. Im Test: Velar gegen GLE Coupé.

Der Name Velar zierte einst die ersten Range Rover-Prototypen, mit denen die Entwickler 1970 noch unerkannt durch die Straßen rollten. Ein luxuriöses SUV mit Lifestyle-Attitüde? So etwas kannte man damals noch nicht – und hätte ein solches Auto nie und nimmer mit der Marke Land Rover in Verbindung gebracht. Das sieht heute anders aus: Range Rover-Modelle stehen inzwischen als Synonym für feinste Offroader, und mit dem Debüt des Evoque (2011) haben die Briten bewiesen, dass sie auch das Lifestyle-Segment überzeugend bedienen können. Nun startet mit dem 4,80 Meter langen Velar eine vierte, völlig neue Baureihe, die sich zwischen dem kompakten Bestseller Evoque und dem mittlerweile sehr teuer gehandelten Oberklasse-SUV Range Rover Sport einfädelt. Ein geschickter Schachzug, zumal der Velar dort kaum auf direkte Gegner trifft. Mercedes offeriert mit dem GLE Coupé zwar ein sehr ähnlich eingepreistes Lifestyle-SUV, doch der Stuttgarter Konkurrent mit der extravaganten Dachlinie ist fast zehn Zentimeter länger. Kann er diesen Größenvorteil in unserem Test nutzen – insbesondere da im GLE als stärkster Diesel ein Dreiliter-V6 mit 258 PS in der Preisliste steht, während der Velar zum ersten Test auch mit Dreiliter-V6-Diesel, aber strammen 300 PS antritt?

Der Range Rover Velar im Video:

 
 

Ranger Rover Velar und Mercedes GLE im Test

Parken beide Kontrahenten nebeneinander, fällt der Unterschied in der Außenlänge kaum auf. Doch der Mercedes wirkt ungleich bulliger und baut sichtlich höher. Die gestreckte Linie des Range erinnert eher an die eines Crossover und verleiht ihm einen frischen Auftritt. Dass der Velar auf derselben Architektur basiert wie die Jaguar-Typen XE, XF und vor allen Dingen F-Pace, sieht man ihm hingegen nicht an. Erst auf der Waage zeigt sich, dass Chassis und Karosserie zum Großteil aus Aluminium bestehen. Gegenüber dem aus Stahlblechen gefertigten Mercedes spart der Brite 250 Kilo ein. Das ist schon mal ein guter Anfang, zumal die Alu-Konstruktion mit hoher Torsionssteifigkeit glänzt. Doch der GLE punktet im Karosseriekapitel mit mehr Platz in beiden Reihen. Im Gespannbetrieb erlaubt der Benz zudem bis zu 3,5 Tonnen Anhängelast (ohne Luftfederung: 2,9 t), während der Range Rover bei 2,5 Tonnen Zuglast ausgereizt ist. Der Kofferraum des Velar fällt geringfügig größer aus und ist dank der niedrigeren Ladekante besser zugängig. Weiterer Vorteil: Die Rückbank lässt sich dreiteilig und per Fernentriegelung umklappen. Die Fondsitze im GLE sind asymmetrisch geteilt, fügen sich bei Bedarf aber nahtlos in den ebenen Ladeboden ein. Bei der Bedienung gehen die Verantwortlichen bei Land Rover neue Wege und verbannen beinahe sämtliche Knöpfe aus dem Cockpit. Fast alle Funktionen werden über zwei je zehn Zoll große Touchscreen-Displays gesteuert. Das sieht futuristisch aus und klappt ganz hervorragend. Allerdings verlangen die Menüstruktur des InControl-Systems sowie die Handhabung der zwei Dreh-Drück-Steller im unteren Touchscreen eine gewisse Eingewöhnungsphase. Wer einmal mit der Range Rover-Logik vertraut ist, wird das System lieben. Wer zum ersten Mal Kontakt hat, muss einige Funktionen und Einstellungen zunächst geduldig erkunden. Die Handhabung der voll versenkbaren Türgriffe gelingt im Test indes spielerisch, und der optionale Activity Key (wasserdichtes und stoßfestes Armband statt Funkschlüssel) ist ein ebenso cleveres wie praktisches Gimmick. Dem begegnet der Mercedes mit vertrauten Lösungen wie soliden Bügelgriffen und erprobten Bedienelementen, etwa dem kombinierten Blinker-/Wischer-Hebel. Ferner ist die Menüstruktur des Comand-Systems mittlerweile so weit verbreitet, dass man etliche Schritte und Kniffe aus anderen Stern-Fahrzeugen kennt – im Test erleichtert das den Umgang. Weil der GLE überdies eine noch umfangreichere Sicherheitsausstattung aufbieten kann als sein Herausforderer, beendet er das Karosseriekapitel als Sieger.

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Fahrkomfort in beiden SUV sehr gut

Auch in die Komfort-Wertung startet der Deutsche mit günstigen Voraussetzungen. Der Testwagen hat nicht nur das optionale geräuschdämmende Verbundglas an Bord, sondern zudem die aufpreispflichtige Luftfederung eingebaut. Einseitige Anregungen absorbiert der GLE trotz der 21 Zoll großen Räder geschmeidig, und die Innengeräusche fallen erfreulich dezent aus. Dazu kommt, dass die serienmäßigen Sportsitze sehr bequem gepolstert und großzügig bemessen sind. Doch der Range Rover lässt sich nicht lumpen. Luftfederung und adaptive Dämpfer zählen bei ihm zum Serienstandard. Die Sitze im Testwagen kosten zwar fast 5000 Euro extra, bieten aber eine 20-Wege-Einstellung, sind klimatisiert und verwöhnen mit einer variantenreichen Massage-Funktion sowie erheblich mehr Seitenhalt im Vergleich zum GLE. Auf Bodenwellen und derb geflickten Landstraßen hinterlassen zudem seine Federungselemente einen kompetenteren Eindruck, sodass die beiden Widersacher in diesem Kapitel gleichauf liegen.

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Motor/Getriebe: Velar hat weniger Durst

Antriebsseitig müsste der Velar im Vorteil sein. Schließlich verfügt er über mehr Power bei weniger Gewicht. Tatsächlich beschleunigt er spürbar leichtfüßiger und nimmt dem Mercedes beim Sprint bis 180 km/h glatte sechs Sekunden ab. Auch in der Höchstgeschwindigkeit enteilt der Brite mit 241 km/h seinem Verfolger deutlich (226 km/h) – sofern er nicht auf den Serienrädern (18-Zoll-Allseason) rollt. Dann nämlich ist schon bei 220 km/h Schluss. Praxisrelevanter ist jedoch sicherlich, dass der Range Rover erheblich sparsamer fährt: Der Testwagen benötigt nur 9,1 l/100 km (GLE: 10,9 l), obwohl er auf optionalen 20-Zoll-Reifen fährt und seine achtstufige ZF-Automatik nicht "segeln" (bei Schiebebetrieb im Leerlauf rollen) kann. Das Automatik-Getriebe des Mercedes ist sogar neunstufig und kann zumindest, wenn man im Individual-Modus den Antrieb auf Eco trimmt, segeln. Doch der Motor wirkt ungeachtet der bärigen 620 Nm stets angestrengter als der souveräne D300 (700 Nm) im Velar. Neben dem höheren Gewicht des GLE schlagen hier auch die 315 mm breiten Hinterreifen (Option) des Testwagens zu Buche. Diese Runde geht an den Briten.

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Velar mit deutlich mehr Fahrdynamik

Die breiten 21-Zöller sorgen zusammen mit dem (optionalen) aktiven Wankausgleich dafür, dass der GLE zackig durch den Slalom-Parcours wedelt. Bei höheren Kurvengeschwindigkeiten hat der massige Mercedes jedoch Mühe, Richtungswechsel so spontan umzusetzen, wie sie vom Fahrer vorgegeben werden. Das gelingt dem Range Rover trotz ausgeprägter Seitenneigung erheblich besser. Er folgt den Lenkimpulsen willig, dreht bei Lastwechseln leicht mit dem Heck ein und fährt so dem Gegner regelrecht davon. Die flotte Rundenzeit ist auch ein Verdienst der wirksamen Bremsen sowie der wahlweise (ohne Aufpreis) angebotenen Sommerreifen.

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Umwelt/Kosten: Gleichauf bei der Kostenbilanz

Beide Autos kosten ein kleines Vermögen und unterscheiden sich in der Kostenbilanz kaum. Der Velar verursacht weniger Spritkosten, der GLE bietet die umfangreicheren Garantien. Weil beide Diesel-Aggregate über die eine aufwendige Abgasreinigung (Euro 6, Partikelfilter, Oxidations- und SCR-Kat) verfügen, muss man sich nicht um drohende Fahrverbote sorgen.

Technische DatenLand Rover Range Rover Velar D300Mercedes GLE 350 d 4Matic Coupé
MotorV6/4, BiturbodieselV6/4, Turbodiesel
Hubraum2993 ccm2987 ccm
Leistung300 PS258 PS
Maximales Drehmoment700 Nm620 Nm
Getriebe8-Stufen-Automatik9-Stufen-Automatik
AntriebAllradAllrad
0-100 km/h7,0 s7,7 s
Höchstgeschwindigkeit241 km/h226 km/h
Leergewicht1959 kg2200 kg
Kofferraum673-1731 l650-1720 l
L/B/H in mm4803/1930/16654900/2003/1796
Testverbrauch9,1 l D/100 km10,9 l D/100 km
Grundpreis66.400 Euro67.771 Euro
Testwagenpreis73.985 Euro78.571 Euro
Platzierung12

von Martin Urbanke von Martin Urbanke
Unser Fazit

Der komplett neue Range Rover Velar bringt nicht nur frischen Wind ins Segment, sondern wirbelt mit einem verdienten Testsieg gegen das etablierte Mercedes GLE Coupé gleich ordentlich Staub auf. Der Deutsche überzeugt weiterhin mit klassischen Talenten wie einem üppigen Raumangebot und hohem Fahrkomfort. Doch der Debütant aus UK steht ihm diesbezüglich kaum nach. Dafür erweist sich der D300 als die souveränere und zugleich sparsamere Motorisierung. Das Velar-Fahrwerk zeigt sich harmonisch abgestimmt, und die aufpreisfrei verfügbaren Sommerreifen anstelle der bei Land Rover traditionell verwendeten Allseason-Profile sorgen für mehr Dynamik – sowie kürzere Bremswege. Das Bedienkonzept des Range Rover ist sicherlich zukunftsweisend, verlangt aber noch Gewöhnung.

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