Audi A4/Mercedes C-Klasse/Volvo S60: Vergleichstest A4, C-Klasse und S60 im Vergleichtest

von Marcel Kühler 19.03.2020
Inhalt
  1. Audi A4, Mercedes C-Klasse und Volvo S60 im Vergleichstest
  2. Karosserie: Audi A4 mit dem besten Raumgefühl
  3. Fahrkomfort: Mercedes C-Klasse mit überragendem Federungskomfort
  4. Motor/Getriebe: Volvo S60 mit hohem Verbrauch
  5. Fahrdynamik: Mercedes C-Klasse mit ausgeprägter Fahrsicherheit
  6. Umwelt/Kosten: Audi A4 entscheidet das Kosten-Kapitel für sich
  7. Messwerte & technische Daten Audi A4, Mercedes C-Klasse & Volvo S60

Welche klassische, viertürige Stufenhecklimousine überzeugt im Vergleichstest am meisten: der frisch modellgepflegte Audi A4 40 TFSI, die Mercedes C-Klasse als C 200 oder der neue Volvo S60 T4?
 

Gesamtbewertung (max. Punkte)Audi A4 40 TFSIMercedes C 200Volvo S60 T4
Karosserie (1000)624608617
Fahrkomfort (1000)792775762
Motor/Getriebe (1000)651633593
Fahrdynamik (1000)690704699
Eigenschaftswertung (4000)275727202671
Kosten/Umwelt (1000)324313316
Gesamtwertung (5000)308130332987
Platzierung123
 

Audi A4, Mercedes C-Klasse und Volvo S60 im Vergleichstest

Edle Mittelklasse-Stufenhecklimousinen vom Schlag eines Audi A4, einer Mercedes C-Klasse oder eines Volvo S60 haben trotz des aktuell vorherrschenden SUV-/Crossover-Hypes immer noch zahlreiche Vorzüge. Schließlich kombinieren sie Merkmale wie formale Eleganz, einen ausreichenden Nutzwert und nicht zuletzt souveräne Fahreigenschaften. Im Vergleichstest treten diese drei eleganten Prachtexemplare mit geschmeidigen Vierzylinder-Turbobenzinern unter den Hauben gegeneinander an. Mehr zum Thema: Das ist der neue Audi A3

 

Karosserie: Audi A4 mit dem besten Raumgefühl

Dass viertürige Limousinen durchaus familientauglich sind, beweisen die hier in diesem Vergleichstest versammelten Premium-Modelle ohne Einschränkungen, auch wenn der Audi A4 vorn wie hinten das großzügigste Raumgefühl mitbringt. Die Mercedes C-Klasse wirkt etwas enger, während das optionale Schiebedach, mit dem unser Volvo-Testwagen bestückt ist, den Fahrgästen etwas Luft über den Köpfen raubt. Das Kofferraumvolumen der drei Kontrahenten, das von 455 Litern beim Daimler bis zu 470 Litern beim Volvo reicht, dürfte ebenfalls für die meisten Alltagssituationen ausreichen. Jedoch sollte sich, wer häufig sperriges Gepäck transportieren will, besser die Kombi-Versionen der Mittelklasse-Modelle anschauen. Die Ladeluken sind nämlich bei allen Testkandidaten limousinentypisch klein geraten. Wahre Größe zeigt hingegen vor allem der Volvo in Sachen Sicherheitsausstattung. Ein autonomer Notbremsassistent mit Personen- und Großwilderkennung, Verkehrszeichen- und Spurhalte- Assistenten oder auch eine Crash-Früherkennung, die im drohenden Fall eines Unfalls die Gurte strafft und die Fenster schließt – all dies und noch weitere Features bietet der Skandinavier serienmäßig. Autonome Fahrfunktionen kosten hingegen wie bei der Konkurrenz Aufpreis. Vom Finish her bleiben indes der Audi und der Mercedes das Maß aller Dinge. Ihre jeweilige Verarbeitung verdient schlichtweg eine Eins mit Sternchen, während der Volvo, der in den USA vom Band läuft, bei genauerer Betrachtung etwas mehr Sorgfalt bei der Detailverarbeitung verdient, wie beispielsweise eine sich lösende Verkleidung im Türfach auf der Fahrerseite zeigt. Immerhin ist er, wie aber auch der Audi und der Mercedes, mit edlen, handschmeichelnden Materialien bestückt.

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Fahrkomfort: Mercedes C-Klasse mit überragendem Federungskomfort

Premium-Limousinen gelten zu Recht als beliebte Langstrecken- Begleiter – sei es im privaten oder im geschäftlichen Bereich. Eine entsprechend wichtige Rolle nimmt daher der gebotene Fahrkomfort ein. Die große Stärke der Mercedes C-Klasse ist immer noch das optionale Luftfahrwerk inklusive elektronisch geregelter Dämpfer, das mit 1666 Euro zwar nicht ganz günstig ist, dafür aber einen überragenden Federungskomfort selbst bei hohen Geschwindigkeiten gewährleistet, wie der Vergleichstest zeigt. Auch Unwegsamkeiten wie tiefe Schlaglöcher gleicht der Stuttgarter am souveränsten aus. Die leichte Schwäche beim Anfedern auf Kanten bei langsamer Fahrt sehen wir dem Daimler vor diesem Hintergrund gern nach. Den stimmigsten Gesamt-Komforteindruck hinterlässt dennoch der Audi A4, der ähnlich kommod federt wie der Daimler, dabei aber vorn wie hinten die noch bequemeren Sitzgelegenheiten bietet. Bei höheren Geschwindigkeiten fällt zudem die hervorragende Geräuschisolierung auf. So schmiegt sich der Fahrtwind mit einem nur äußerst dezenten Grundrauschen um die Karosserie. Dies wird umso offensichtlicher beim direkten Umstieg in den Volvo S 60, in dem Abroll- und auch Windgeräusche präsenter zutage treten. Beim Mercedes ist es hingegen der Motor, der akustisch eben nicht jene feine Zurückhaltung zeigt wie das Triebwerk des A4. Apropos weniger fein: Das straff abgestimmten Fahrwerk des Schweden tastet den Untergrund trotz aufpreispflichtiger adaptiver Dämpfer vergleichsweise grobschlächtig ab. Die Folgen für die Passagiere: Sowohl Kanten als auch kurze Wellen sorgen für spürbare Unruhe im Aufbau. Die vielfach einstellbaren Sportsitze des Volvo sind hingegen über jeden Zweifel erhaben und begünstigen langes Reisen maßgeblich. Und: Sie gehören löblicherweise zur Serienausstattung des S60.

Test
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Motor/Getriebe: Volvo S60 mit hohem Verbrauch

Während der Audi A4 40 TFSI und der Volvo S60 T4 von klassischen, 2,0 Liter großen Turbobenzinern mit 190 PS angetrieben werden, geht Mercedes im Fall des C 200 mit einem nur 1,5 Liter großen, gleichfalls aufgeladenen Vierzylinder technisch einen anderen Weg. Unterstützt wird der 184 PS starke Daimler-Verbrenner von einem Mildhybridsystem, das aus einem Riemen-Starter-Generator samt 48-Volt-Bordnetz besteht und laut Hersteller zeitweilig bis zu 14 zusätzliche PS beisteuert. Von den Fahrleistungen her ist es dennoch der Audi, der in diesem Vergleichstest die Messlatte markiert. Unterstützt vom schnell schaltenden Doppelkupplungsgetriebe, spurtet der Ingolstädter in nur 7,5 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und erreicht 241 km/h. Zum Vergleich: Der gleich starke, dabei aber 174 Kilogramm schwerere Volvo benötigt für den Standardsprint glatte neun Sekunden und erreicht eine maximale Geschwindigkeit von 220 km/h. Der Daimler bleibt mit einer Beschleunigung von 8,1 Sekunden und 239 km/h Topspeed hingegen in Schlagdistanz zum flotten Audi. Dessen souveräne Fahrleistungen gehen übrigens keineswegs mit einem überhöhten Spritkonsum einher. Im Gegenteil: Mit einem Durchschnittsverbrauch von guten 7,6 Litern ist der A4 sogar die sparsamste Limousine im Test. Der S60 markiert hingegen mit einem Verbrauch von 8,8 Litern derweil auch in der Effizienzwertung das Schlusslicht.

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Fahrdynamik: Mercedes C-Klasse mit ausgeprägter Fahrsicherheit

Der Mercedes C 200 bringt in diesem Vergleichstest auf der Rundstrecke wie auch auf kurvenreicher Landstraße ein hohes Maß an Agilität mit ausgeprägter Fahrsicherheit in Einklang. Der Schwabe lenkt willig ein und lässt sich über die direkte Lenkung spielerisch dirigieren. Das sanft, aber bestimmt regelnde elektronische Stabilitätsprogramm sorgt dabei im Verbund mit der guten Traktion umgehend für ein hohes Maß an Vertrauen. Ähnliches gilt für den Audi A4, der sich beim Einlenken sogar noch einen Tick agiler und leichtfüßiger als sein schwäbischer Kontrahent anfühlt. Die für einen Fronttriebler sehr ordentliche Traktion, der transparente Druckpunkt des Bremspedals, die feinfühlige Lenkung, der stabile Geradeauslauf und das weitgehend neutrale Fahrverhalten sind weitere Pluspunkte des Bajuwaren. Im Gegensatz zu einigen anderen Volvo-Modellen wirkt aber auch der S60 sehr lebendig. Ein Eindruck, an dem die im ESP-Sportmodus auftretenden, teils kräftigen Lastwechselreaktionen einen Anteil haben, die dafür sorgen, dass das Heck zum kurvenäußeren Rand drängt. Allerdings lässt es die Lenkung aufgrund ihrer sehr leichtgängigen Arbeitsweise etwas an Gefühl vermissen. Dafür glänzt der S60 mit den besten Verzögerungsleistungen. Vor allem der bei kalter Anlage sehr kurze Bremsweg von 33,3 Metern beeindruckt. Der Audi etwa benötigt dafür 2,20 Meter mehr Strecke.

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Umwelt/Kosten: Audi A4 entscheidet das Kosten-Kapitel für sich

Egal für welchen der drei edlen Viertürer das Herz schlägt, ein relativ üppig gefülltes Budget ist die Grundvoraussetzung für ein ernsthaftes Kaufinteresse. Den niedrigsten Grundpreis haben die Produktplaner von Audi für ihre Premium-Limousine berechnet: 39.900 Euro. Und auch im testrelevanten Ornat bleibt der Audi A4 mit 42.385 Euro das günstigste Angebot. Die Mercedes C-Klasse ist 2277, der Volvo S60 2285 Euro teurer. Dass der A4 das Kostenkapitel in diesem Vergleichstest für sich entscheiden kann, liegt aber nicht nur am niedrigsten bewerteten Preis. Auch die günstigsten Versicherungseinstufungen, die niedrigsten Wartungsaufwendungen und nicht zuletzt die geringsten Kraftstoffkosten bescheren dem Audi einen Vorsprung auf die Wettbewerber – wenn auch einen recht knappen.

Vergleichstest
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Messwerte & technische Daten Audi A4, Mercedes C-Klasse & Volvo S60

AUTO ZEITUNG
25/2019
Audi A4 40 TFSIMercedes C 200Volvo S60 T4
Technik 
Zylinder/Ventile pro Zylin.4/4; Turbo4/4; Biturbodiesel4/4; Turbo
Hubraum1984 cm³1497 cm³1969 cm³
Leistung140 kW/290 PS135+10 kW/184+10 PS140 kW/190 PS
Max. Drehmoment320 Nm280 Nm300 Nm
Getriebe/Antrieb7-Gang, Doppelkupplung / Vorderrad9-Stufen-Automatik/
Hinterrad
8-Stufen-Automatik / Vorderrad
Messwerte 
Leergewicht (Werk/Test)1455/1551 kg1430/1598 kg1602/1725 kg
Beschleunigung (Test)   
0 - 100 km/h7,5 s8,1 s9,0 s
0 - 150 km/h15,6 s17,4 s18,9 s
Höchstgeschwindigkeit (Werk)241 km/h239 km/h220 km/h
Bremsweg aus 100 km/h
kalt/warm (Test)
35,5/34,3 m34,5/34,2 m33,3/34,0 m
Verbrauch (Test/WLTP)7,6/k.A. l S/100 km8,0/6,4 l S/100 km8,8/7,1 l S/100 km
CO2-Ausstoß (Test/WLTP)180/k.A. g/km190/146 g/km208/161 g/km
Preise 
Grundpreis39.900 Euro40.288 Euro43.200 Euro
Testwagenpreis42.385 Euro44.625 Euro44.670 Euro

von Marcel Kühler von Marcel Kühler
Unser Fazit

Auch wenn jede der drei Limousinen mit ihren ganz eigenen Reizen überzeugt, kann es am Ende in diesem Vergleichstest nur einen Sieger nach Punkten geben. Und das ist in diesem Fall der Audi A4 40 TFSI. Raumangebot, Geräuschkomfort und der flinke sowie sparsame Antrieb sprechen für den Erfolgstypen. Dahinter sortiert sich die Mercedes C-Klasse als C 200 ein. Er glänzt unter anderem mit Fahrdynamik und hohem Federungskomfort – auch wenn letzterer wegen des optionalen Luftfahrwerks teuer erkauft wird. Gäbe es in unserem Testschema eine Designwertung, wäre der Volvo S60 T4 sicherlich als Sieger aus ihr hervorgegangen. So aber bleibt es beim dritten Platz. Stärken wie die bequemen Sportsitze und die hervorragenden Bremsen sorgen allerdings dafür, dass der Schwede in Schlagdistanz zu seinen Wettbewerbern bleibt.

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