Alfa R.Z./BMW M3 Cabrio/944 S2 Cabrio: Classic Cars Cabrio-Exoten im Classic-Cars-Vergleich

von Karsten Rehmann 11.10.2019
Inhalt
  1. Alfa R.Z./BMW M3 Cabrio/Porsche 944 S2 Cabrio im Classic Cars-Vergleich
  2. Der offene BMW M3 macht dicke Backen
  3. Porsche 944 S2 Cabrio besticht durch Qualität und Haltbarkeit
  4. 944 S2 Cabrio nicht so emotionslos wie vorgeworfen

Alfa R.Z., BMW M3 Cabrio und Porsche 944 S2 Cabrio sind fast gleich alt, fast gleich stark, haben sogar technisch vieles gemeinsam – und doch sind ihre Charaktere so unterschiedlich wie Tag und Nacht, wie der Classic Cars-Vergleich eindrucksvoll belegt!

Ist das Kunst oder fährt das gleich weg? Der Alfa Romeo R.Z. braucht sich keinen Meter zu bewegen, um dem BMW M3 Cabrio oder dem Porsche 944 S2 Cabrio des Classic Cars-Vergleichs die Show zu stehlen. Es reicht aus, dass er einfach so herumsteht und unsere ästhetischen Maßstäbe sprengt. Seinen Spitznamen "Il Mostro" – das Monster – trägt er zurecht. Er sieht aus wie ein Betonquader, ein grob behauener Monolith, inspiriert von Höhlenzeichnungen aus der Steinzeit und Granitstelen moderner Bildhauer. Schroff, scharfkantig, tonnenschwer wirkt er aus jedem Blickwinkel. Seine Form konterkariert die filigrane, feminine Eleganz klassischer Alfa Romeo-Sportwagen. Mit seinem dicken Hintern verhöhnt er die gertenschlanken Alfa Spider aus den Sechziger- und Siebzigerjahren. Du steigst ein wie in einen Badezuber, hockst bis zum Hals in der Wanne und bist darauf gefasst, dass gleich das Wasser einläuft, wenn Du den Zündschlüssel herumdrehst. Doch die Wanne bleibt trocken, und anstelle eines rauschenden Wasserfalls hörst Du nun das Summen eines Bienenschwarms. Das kann unmöglich der Motor sein, denkst Du. Ein Monster wie dieses sollte mit markerschütterndem Grollen zum Leben erwachen. Du erwartest, dass es rotzt und röhrt und grölt, mindestens so laut wie ein Alfa TZ ohne Auspuff, das ist es seinem wahren Namen schuldig. Das "Z" in Alfa Reomeo R.Z. steht für Zagato, und Zagato steht bei Alfa optisch wie akustisch für ein Finale furioso mit weit offenen Drosselklappen und brachialem Schallpegel, bis sich alles, was das Geräusch dämmen könnte, in Staub auflöst.

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Alfa R.Z./BMW M3 Cabrio/Porsche 944 S2 Cabrio im Classic Cars-Vergleich

Stattdessen spitzt Du die Ohren, um die Nuancen in der drehzahlabhängigen Tonleiter dieses offenkundig eher den schönen Künsten verpflichteten V6-Zylinders wahrzunehmen. Die Kennlinie des Gaspedals ist unüberhörbar der Dynamik verpflichtet, das Aggregat reagiert so spontan auf jede Bewegung des großen Zehs, als wären telepathische Kräfte im Spiel. Der Drehzahlmesser verrät, dass alles mit rechten Dingen zugeht: Bis jetzt waren es nur 3500 Touren, und das erklärt auch, warum der Alfa Romeo R.Z. noch nicht annähernd so schnell Fahrt aufnimmt, wie es sein Motor-Sound vermuten lässt. Das maximale Drehmoment steht erst ab 4500 Umdrehungen zur Verfügung, und der V6 lässt sich Zeit, bevor er mit dem Anstieg zu diesem Gipfel beginnt. Mit anderen Worten: Unten herum tut sich wenig, der Alfa Romeo will gedreht werden. Dann liefert er willig seine Leistung ab, untermalt sein Werk mit einer sehr melodischen Auspuff-Fanfare und beweist mit seinen Fahrleistungen, dass dieses Kunstwerk aus wesentlich leichterem Material besteht, als eingangs vermutet. Nun wäre es gut, wenn Du Dich an die eigenartige Sitzposition und die eigenwilligen Tanzschritte im Fußraum gewöhnt hättest – die schwergängige Kupplung, das tief unten in der Höhle vergrabene Bremspedal, das federleichte Gaspedal. Monsterhaft benimmt sich der Alfa Romeo R.Z. erst, wenn er alles andere als meisterhaft in schnelle Kurven geworfen wird und dann spitz bekommt, wie seinen Fahrer der Mut verlässt: Unter hoher Querbeschleunigung – und der R.Z. verträgt in Kurven mehr als 1,0 g – brauchst Du nur leicht das Gaspedal zu lupfen, und das so massiv aussehende Stummelheck verwandelt sich fix in einen wild rotierenden Brummkreisel.

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Der offene BMW M3 macht dicke Backen

Das ist in etwa der Moment, wenn der zu nassforsche Alfa-Fahrer sich sammelt und bemerkt, dass ein vorhin noch in weitem Abstand folgendes BMW 3er Cabrio inzwischen formatfüllend im Innenspiegel auftaucht. Aus der nächsten Spitzkehre heraus setzt der BMW frech zum Überholen an und zieht vorbei, ehe der Alfa richtig bei Kräften ist. Erst jetzt, auf den zweiten Blick, gibt er sichan seinen breitbackigen Kotflügeln als BMW M3 zu erkennen. Eine solche Begegnung wird auf öffentlichen Straßen so gut wie nie stattfinden, dafür sind beide Modelle zu selten. Alfa und Zagato brachten mit Mühe und Not 278 Exemplare des Alfa Romeo R.Z. zustande, und BMW stellte auch nicht mehr als 786 BMW M3 Cabrios auf die Räder. Auch im Falle BMW trug das Design nicht unbedingt positiv zur Verbreitung bei. Während der geschlossene M3 glaubwürdig das Basismodell eines kompetenten Renntourenwagens abgab, wirkte das Cabriolet wie ein mit zu viel Botox behandelter Backfisch auf der Suche nach einem abenteuerlustigen Gönner. Aber dieser Backfisch ist mit allen Wassern gewaschen und weiß, worauf es ankommt! Er empfängt seine Insassen mit brettharten Sportsitzen, die wenig Komfort. aber viel Seitenhalt bieten, und er liest dem Fahrer jeden Wunsch von den Zehen- und Fingerspitzen ab. Das BMW M3 Cabrio folgt mustergültig dem vorgewählten Lenkeinschlag, behält auch auf unebenen Straßen die Contenance und liefert auf ausdrücklichen Wunsch des Gasfußes eine Kostprobe seines Könnens ab, die man nicht so schnell vergisst. Dieser nur 2,3 Liter große Vierzylinder steht nominell nicht besser im Futter als der Alfa, aber er hangelt sich mit zunehmenden Rotationen immer behänder aus dem Drehzahlkeller. Bei 5000 Touren fühlt es sich an, als werfe eine Kompanie Heinzelmännchen den letzten Ballast über Bord, und das BMW M3 Cabrio bekommt eine Art zweiten Wind. Je länger Du mit ihm unterwegs bist, desto mehr verwächst Du mit ihm. Die Magie der E30-Reihe entfaltet ihre Wirkung. Kein anderer Dreier-BMW konzentriert sich so gut aufs Wesentliche, die Präzision des Fahrens ohne Ablenkung durch Styling-Firlefanz. Er fühlt sich an wie ein Werkzeug, das haargenau auf seine Funktion hin konstruiert wurde. Du schaust ihn nicht andächtig an wie den Alfa, Du schnappst ihn Dir, nimmst ihn in die Hand und legst los. Während der BMW-Fahrer dem Handwerk frönt und ohne nachzudenken mit dem M3 seine Lustschneisen in die Landschaft schlägt, folgt ihm ein Porsche 944 S2 Cabrio völlig unspektakulär wie ein Schatten, und der Fahrer rechnet sich im Kopf aus, ob er in dieser Woche nochmal tanken muss, wenn er weiterhin spätestens bei 4800 Umdrehungen den nächsthöheren Gang einlegt.

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Porsche 944 S2 Cabrio besticht durch Qualität und Haltbarkeit

Könnte man jetzt den Pulsschlag des Fahrers messen, er wäre so niedrig wie das Drehzahlniveau seines Porsche-Motors. Nur wer noch nie unter die Motorhaube eines Porsche 944 S2 Cabrio geschaut hat, denkt bei ihm zuerst an einen Vierzylinder und hat ihn schon unterschätzt. Wer ihn besser kennt, denkt an drei Liter Hubraum und 280 Newtonmeter Zugkraft bei 4100/min, wenn Alfa und BMW kaum zwei Drittel davon freisetzen. Der Porsche ist kein Draufgänger, er löst sich etwas träge aus dem Leerlauf, doch zwischen 3000 und 5000 Touren schiebt er so gewaltig an, dass keine Notwendigkeit besteht, die letzten Leistungsreserven abzurufen. Alfa und BMW fahren ihm auch so nicht davon. Genauso achselzuckend folgt das Fahrwerk den Vorgaben der Lenkung. Im Gegensatz zum Alfa R.Z. ist der ebenfalls nach Transaxle-Manier gebaute Porsche 944 sehr gut ausbalanciert, sein Eigenlenkverhalten bleibt bis in den Grenzbereich hinein der Neutralität verpflichtet. Wer Über- oder Untersteuern erleben möchte, muss es mutwillig provozieren. Die Lenkung kommt mit drei Umdrehungen von Anschlag zu Anschlag aus, kleine Impulse, fein dosierte Korrekturen reichen aus, um das Porsche 944 S2 Cabrio exakt auf Kurs zu halten. Passend dazu garniert der Porsche seine Vorstellung mit einem Federungs- und Geräuschkomfort, der beinahe Limousinen-Level erreicht. Er verfügt über exzellente Komfortsitze, die Sitzposition liegt deutlich tiefer als im Alfa Romeo und weiter hinten als im BMW, der als Einziger vier Erwachsenen Platz bieten muss. Der Porsche hat nur zwei Notsitze im Fond. Sie sind tief genug ausgeformt, um Reisetaschen formschlüssig zu fixieren und nur im Nebenjob auch für Kinder bis 1,40 Meter Körpergröße geeignet. Für die außergewöhnlich guten Allround-Eigenschaften des Porsche 944 S2 Cabrios gibt es mehrere Gründe: Die Porsche-Ingenieure hatten nach der Präsentation des Prototypen 1985 noch vier Jahre lang Gelegenheit, das Serienauto abzustimmen, weil die Organisation des Produktionsablaufs so langwierig war. Beim Alfa lief derselbe Prozess in kaum mehr als eineinhalb Jahren ab, da blieb nicht viel Zeit zum Rekapitulieren. Außerdem hatte Porsche mit dem 911 Carrera Cabrio ein für schwäbische Verhältnisse herrlich unvernünftiges, sehr emotionales Modell im Programm. Das Porsche 944 S2 Cabrio nahm ohne zu murren die Aufgabe an, ein Kontrastprogramm dazu zu bilden: genauso schnell, aber mit mehr Komfort und weniger Stress.

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944 S2 Cabrio nicht so emotionslos wie vorgeworfen

Genau diese Rollenverteilung wurde dem 944 imagetechnisch beinahe zum Verhängnis. Weil er so nüchtern klingt, glauben viele, er mache keinen Spaß. Weil er so leicht zu beherrschen ist, glauben viele, er sei kein Sportwagen. Weil er so langstreckentauglich ist, glauben viele, er sei zu brav. Weil er so durchdacht ist, heißt es, ihm fehle die Emotion. Tatsächlich ist das Porsche 944 S2 Cabrio der coolste, reservierteste Sportler in diesem Trio. Er kann alles, nur eines kann er nicht: Dir vor Begeisterung den Boden unter den Füßen wegziehen. Dafür ist er ein durch und durch vernünftiges Cabriolet, das wegen seiner hohen Langzeitqualität auch nach 30 Jahren noch weit verbreitet ist und relativ günstig gehandelt wird. Seine unbestreitbaren Qualitäten als Sportwagen kämen erst zur Geltung, wenn diese Vergleichsrunde um einen Mercedes 300 SL der Baureihe R129 erweitert würde. Was den Marktwert betrifft, so stellt der trotz moderater Stückzahl immer noch weit verbreitete 944 S2 ohnehin das einzige finanziell verlockende Angebot in dieser Runde dar – vorausgesetzt, es liegen keine größeren Arbeiten an. Über mangelnde Emotionalität wird sich beim BMW M3 Cabriolet niemand ernsthaft beklagen. Allein der mustergültig agile Motor, das perfekt schaltbare Sportgetriebe und die enorm feinfühlige Lenkung sind eine genussvolle Probefahrt wert. Ob der Raritätswert eine um ein vielfaches höhere Investition als für ein 325i Cabriolet rechtfertigt, hängt dann allein von der Größe des verfügbaren Budgets ab. Die Kombination Cabriolet plus M3 verdoppelt nämlich nicht automatisch auch die Attraktivität. Wäre hier auch ein schmal gebautes Alpina B3 2.7 Cabriolet mit von der Partie, geriete das BMW M3 Cabrio in Stilfragen leicht von der Ideallinie ab. Der König der Emotionen in diesem Trio bleibt eindeutig der Alfa R.Z.. Ihm mit Vernunftmaßstäben zu begegnen, hieße, seinen einzigartigen Charakter zu verleugnen Anschauen allein reicht nicht, dieses Auto musst Du fahren, um es zu verstehen. Es bricht mit allen Konventionen, stellt das Geschmacksempfinden auf eine harte Probe, erfordert in Anschaffung und Reparatur hohe Investitionen – und weckt unterm Strich doch den größten Besitzerstolz.

von Karsten Rehmann von Karsten Rehmann
Unser Fazit

Ich gebe zu, dass ich befangen bin, denn mir gehört der hier abgebildete Porsche 944 S Cabrio. Seit 17 Jahren steht er im unrestaurierten Originalzustand in meiner Garage, und wenn ich ihn brauche, ist er bereit. Mit seiner Coolness, Nüchternheit und Zuverlässigkeit wuchs er mir nach und nach ans Herz. Der Alfa und der BMW könnten das nicht. Ein seltenes Zagato-Modell ist entweder Liebe auf den ersten Blick oder es wird nie das richtige Auto sein. Der BMW M3 schüttet beim Fahren mehr Endorphine aus, aber als Cabrio fehlen ihm die Gelassenheit und das Understatement des normalen E30.

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