100 Jahre Citroën: DS/CX/C6 Der Tradition zum Trotz

von Elmar Siepen 17.06.2019
Inhalt
  1. 100 Jahre Citroën: DS, CX und C6 im Vergleich
  2. Citroën CX mit futuristischem Ambiente debütierte 1974
  3. Citroën DS, CX und C6 bieten markentypisches Fahrgefühl
  4. Seitengeneigtes Gleiten im Citroën CX
  5. Citroën C6 glänzt im Vergleich mit hohem Geräuschkomfort

Auch wenn Citroën dieses Jahr 100 Jahre alt wird, Rost hat die Marke noch nicht angesetzt. Seit jeher hat bei ihr der Bruch mit der Konvention Tradition – das zeigt das Generationentreffen mit einem Vergleich von DS, CX und C6.

Zum 100. Geburtstag der Marke Citroën im Jahr 2019 stellen sich die Modelle DS, CX und C6 unserem Vergleich. Hätten alle Autohersteller nur Kunden wie die Sobezyk-Molinas, könnten sie Werbung und Marketing komplett einstellen. Die Familie aus Versailles fährt nur Citroën – und zwar seit 1937. So erklärt sich auch Bruno Sobezyk-Molinas Faible für den CX. Zum Generationentreffen kommt der Telekommunikationsfachmann mit seinem 84er CX zum Chateau d’Ermenonville nahe Paris vorgefahren, wo der Philosoph und Freidenker Jean Jacques Rousseau seinen Lebensabend verbrachte. "Der Mensch ist frei geboren und liegt doch überall in Ketten." Nicht ausgeschlossen, dass Rousseaus Feststellung auch André Citroën beeindruckt hat, als er sich entschloss, im Autobau zusammen mit Konstrukteur André Lefèbvreden Traditionen zu trotzen und besonders fortschrittliche Autos zu bauen – wie den 1934 vorgestellten „Traction Avant“ mit selbsttragender Karosserie, Frontantrieb, hydraulischen Bremsen und ab 1954 mit hydropneumatischer Federung an der Hinterachse. Ein Meilenstein im Automobilbau. Überhaupt der Frontantrieb: "Ein Pferd schiebt ja auch keinen Wagen, sondern zieht ihn", soll André Citroën dieses Antriebskonzept und die seinerzeit sensationelle Straßenlage begründet haben, die auch 100 Jahre nach der Gründung Citroëns in aller Munde ist. Mehr zum Thema: 100 S4 gegen CX Turbo und 525i

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100 Jahre Citroën: DS, CX und C6 im Vergleich

André Citroëns Fortschrittsvermächtnis zeigt sich auch in dem Nachfolger, der "Göttin" DS, die 1955 die Autowelt überraschte und sich nun dem Vergleich mit Citroën CX und C6 stellt. Mit einer DS 23 "Pallas" aus dem vorletzten Baujahr 1974 lässt Citroën-Enthusiast Jérôme Berge aus Pantin den Chateau-Kies unter den Rädern knirschen. "Mich beeindruckt an diesem Auto besonders das Design", erklärt Modellbauer Berge seine Vorliebe für die Göttin und ihre unkonventionellen Formen. Noch immer ist das von Flaminio Bertoni stammende Design mit spitz zulaufender, Kühlergrill-loser Front und den hinteren, aus dem Dach herauswachsenden Blinkern zeitlos. Der Zeit voraus war damals die aufwendige Technik mit Hochdruckbremse, Zentralhydraulik für Lenkung, Bremse, Kupplung, Schaltung sowie mit hydropneumatischer Federung und – ab 1967 – Kurvenlicht.

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Citroën CX mit futuristischem Ambiente debütierte 1974

Formale Extravaganzen kennzeichnen ebenfalls den Citroën CX, der 1974 debütierte. Ein Symbol automobilen Freigeistes, das es – Ironie der Geschichte – als Spitzenmodell "Prestige" mit langem Radstand und Vinyldach gar in den Fuhrpark von Erich Honecker schaffte. Die langgestreckte Silhouette der Schräghecklimousine, die unter der Federführung von Robert Opron entstand, der Einarmwischer und die teilverkleideten Hinterräder zeigen, woher der CX seinen Namen hat: CX ist eine andere Bezeichnung für cW-Wert. Und der lag – für damalige Serienautos sensationell – bei strömungsgünstigen 0,39. Den Innenraum dominieren die elipsenförmige Instrumenteneinheit mit Lupentacho und "Bedienungssatelliten" rechts und links. Damit lassen sich Blinker, Warnblinker, Scheibenwischer und -wascher sowie Hupe und Licht betätigen, ohne dass der Fahrer die Hände vom Lenkrad nehmen muss. Das futuristische Ambiente versprüht Science-Fiction-Feeling, sodass man mit dem CX spontan abheben und einen Satelliten persönlich ins All befördern möchte.

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Citroën DS, CX und C6 bieten markentypisches Fahrgefühl

Geschichte wiederholt sich – in diesem Fall mit dem aktuellen Citroën C6. Das Schrägheck, die konkave Heckscheibe, die Rückkehr der rahmenlosen Seitenscheiben und die weiterentwickelte Hydropneumatik – Design- und Technik-Zitate, gekonnt arrangiert, die nicht unter einer Überdosis Retro leiden. All das dürfte dafür sorgen, dass Brunos Familie auch im Jahr 2047 noch Citroën fährt. Der CX-Besitzer ist nach den ersten Kilometern im C6 entsprechend begeistert. Überhaupt machen Deja-vù-Erlebnisse einen Teil der Fahreindrücke von den drei Citroën-Limousinen DS, CX und C6 im Vergleich aus. Zum Start der Citroën DS dreht man keinen Schlüssel, sondern stellt den spindeldürren Wählhebel der Halbautomatik auf D (für démarrer = starten), drückt selbigen dann nach hinten, um den ersten Gang einzulegen – und beschwingt helfen einem die 126 PS des 2,3-Liter-Benzineinspritzers, der Zeit zu enteilen. Stilecht seitengeneigt durch die wenigen Kurven der Picardie gleitend, wähnt man sich auch in dieser über 50 Jahre alten Konstruktion noch auf dem Weg in die Zukunft. Mehr zum Thema: Vier Limousinen der 70er im Vergleich

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Seitengeneigtes Gleiten im Citroën CX

Jenes Gleiten, das sanfte Wiegen auf Bodenwellen, die nahezu perfekte Absorption von Schlaglöchern – das ist es auch, was den Citroën CX auszeichnet. Neu gegenüber der Citroën DS ist die gewöhnungsbedürftige DIRAVI-Servolenkung (DIrection assistée à RAppel asserVI, frei übersetzt: Servolenkung mit automatischer Rückstellung) und ihrer Eigenart, die Vorderräder von allein wieder in Geradeausstellung zu bringen. Dafür wartet der Citroën CX aber mit einem sensationellen Geradeauslauf auf. Gemeinsam, aber nicht minder gewöhnungsbedürftig, hat der Citroën CX mit der Citroën DS eine druck- statt weggesteuerte Bremse, welche die Dosierung erschwert. 138 PS aus 2,5 Liter Hubraum, eine Einspritzanlage und eine elektronische Zündung sorgen für Laufkultur und zügige Beschleunigung, die Karosserie verursacht nur wenig Windgeräusche. "Der Verbrauch liegt im Schnitt bei 9,5 Liter Super auf 100 Kilometer", lobt Bruno Sobezyk-Molina die Aerodynamik.

 

Citroën C6 glänzt im Vergleich mit hohem Geräuschkomfort

Mit hohem Geräuschkomfort glänzt auch der Citroën C6 im Vergleich mit DS und CX. Dank weiterentwickelter Hydropneumatik gibt der große Gallier bei Citroën seit 2005 den Ton in puncto Federungskomfort an. Und beim Drehmoment stellt der flüsterleise Common-Rail-Diesel die Benziner der Ahnen in den Schatten: 400 Newtonmeter Drehmoment und die Sechsgangautomatik sorgen für noch mehr Gelassenheit. Geblieben ist das sanfte Wiegen auf zweitklassigen Landstraßen. So spannend kann Entspannung sein. Die Gedanken sind frei – auf die nächsten 100 Jahre!

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