Produkt-Einzeltest

Womonavi im Test: Garmin Camper 795 MT-D EU

Ein spezielles Camper-Navi für Wohnmobile & Co., auch Womonavi genannt, kann Campingfans wertvolle Zusatzinfos geben. Außerdem soll es vor Gefahren wie niedrigen Brücken warnen. Eine gute Ergänzung zu Gratis-Apps wie Google Maps oder teurer Technik-Schnickschnack? Unser Test des Garmin Camper 795 MT-D EU gibt Antworten.

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Die Innenaufnahme zeigt das Garmin-Navi Camper 795 MT-D EU, das an einer Windschutzscheibe angebracht ist. Auf dem Display wird eine Warnung angezeigt.
Eine Investition, die sich lohnt: Als speziell fürs Wohnmobil konzipiertes Navi wusste das Garmin Camper 795 MT-D EU in unserem Test insgesamt auf ganzer Linie zu überzeugen. Foto: AUTO ZEITUNG
Die Innenaufnahme zeigt das Garmin-Navi Camper 795 MT-D EU, wie es an einer Windschutzscheibe angebracht wird.
Kein Hexenwerk: Die Erstinstallation des Garmin-Navigationsgeräts fürs Wohnmobil geht dank eines starken Vakuum-Saugnapfes schnell von der Hand.  Foto: AUTO ZEITUNG
Die Innenaufnahme zeigt das Garmin-Navi Camper 795 MT-D EU, das an einer Windschutzscheibe angebracht ist. Auf dem Display werden verschiedene Fahrzeugtypen angezeigt.
Bei der Routenplanung nimmt das Garmin-Camper-Navi neben der Berücksichtigung der Abmessungen, des Gewichts und der Art des Fahrzeugs auch Rücksicht auf Umweltzonen. Foto: AUTO ZEITUNG
Die Innenaufnahme zeigt das Garmin-Navi Camper 795 MT-D EU, das an einer Windschutzscheibe angebracht ist. Auf dem Display werden Fahrzeugdaten angezeigt.
Damit das Garmin-Navi fürs Wohnmobil das kann, muss man es vor der ersten Inbetriebnahme allerdings erstmal gründlich "füttern" – und zwar mit einer ganzen Reihe von Fahrzeugdaten. Foto: AUTO ZEITUNG
Die Außenaufnahme zeigt einen Tester, der den Kopf aus dem Seitenfenster eines VW-Bullis hält und auf die Höhenbeschränkung schaut.
Achtung, Höhenbeschränkung! Auf diesem Parkplatz ist bei 1,80 m Schluss und somit für den knapp zwei Meter hohen VW-Bulli vom Typ T5, der uns als Testfahrzeug dient, kein Durchkommen.  Foto: AUTO ZEITUNG
Die Innenaufnahme zeigt das Garmin-Navi Camper 795 MT-D EU, das an einer Windschutzscheibe angebracht ist. Auf dem Display wird eine Höhenbeschränkung angezeigt.
Zum Glück war das Navigationssystem auf dem Posten und verhinderte Schlimmeres: In neun von zehn Fällen erkannte das Garmin Camper 795 MT-D EU Höhenbeschränkungen in unserem Test zuverlässig. Ohne Frage ist das eine große Hilfe. Foto: AUTO ZEITUNG
Die Außenaufnahme zeigt einen Tester, der an einem VW-Bulli lehnt und auf eine Parkplatzbeschilderung schaut.
Manchmal gibt einem aber auch das beste Camper-Navi Rätsel auf: Die Frage, ob unser Test-Bulli nun als Wohnmobil im Sinne der Parkplatzbeschilderung durchgeht, kann auch der digitale Beifahrer nicht ad hoc beantworten. Foto: AUTO ZEITUNG
Die Außenaufnahme zeigt einen Tester, der an einem VW-Bulli lehnt.
Am Ende hat alles geklappt. Fahrer und Testfahrzeug sind wohlbehalten am Etappenziel angekommen. Foto: AUTO ZEITUNG
Die Innenaufnahme zeigt das Garmin-Navi Camper 795 MT-D EU, das an einer Windschutzscheibe angebracht ist. Der Finger des Testers gibt ein Ziel auf dem Display ein.
Um das Garmin Camper 795 MT-D EU Navigationssystem im Alltag so praxisnah wie möglich zu testen, haben wir es in den wuseligen Großstadtverkehr der Rhein-Ruhr-Region geschickt. Nächstes Zwischenziel: der Baldeneysee in Essen.  Foto: AUTO ZEITUNG
Die Innenaufnahme zeigt das Garmin-Navi Camper 795 MT-D EU, das an einer Windschutzscheibe angebracht ist. Auf dem Display werden Infos zu einem Campingplatz angezeigt.
Schon bei der Eingabe des Ziels zu Beginn der Routenplanung gibt das Garmin Camper 795 MT-D EU nützliche Infos zum angesteuerten Campingplatz und den Facilities, die er bietet. Foto: AUTO ZEITUNG
Die Innenaufnahme zeigt das Garmin-Navi Camper 795 MT-D EU, das an einer Windschutzscheibe angebracht ist. Auf dem Display wird vor einer scharfen Kurve gewarnt.
Manchmal übertreibt es das System aber mit der Vorsicht: Diese vermeintlich "scharfe Kurve" entpuppte sich beim Durchfahren als ganz handzahm. Foto: AUTO ZEITUNG
Die Innenaufnahme zeigt das Garmin-Navi Camper 795 MT-D EU, das an einer Windschutzscheibe angebracht ist.
Rätselhaft: Die Zufahrt zum Campingplatz wurde kurzerhand zur Sperrzone für Wohnmobile erklärt. "Keine Durchfahrt für Wohnmobile", so der Warnhinweis, der offensichtlich nicht stimmt. Zum Glück blieben solche Kapriolen des Camper-Navis die absolute Ausnahme.  Foto: AUTO ZEITUNG
Die Außenaufnahme zeigt einen Tester, der vor einem VW-Bulli steht und den Daumen in die Höhe streckt. Dahinter ist die Zufahrt eines Campingplatzes zu sehen.
Angekommen: Am Ende hat uns das Garmin-Camper-Navi dann doch bis vor die Tür des Wunsch-Campingplatzes geführt. Doch vor Ort dann die Ernüchterung... Foto: AUTO ZEITUNG
Das Bild zeigt einen Zettel mit der Aufschrift: Hundeverbot auf dem Campingplatz“.
... "Hundeverbot auf dem Campingplatz“: Diese Info hielt das Garmin-Navi fürs Wohnmobil leider nicht für uns parat. Schade! Auch im digitalen Camping-Zeitalter gibt es diese nur auf analogem Wege: per Zettelaushang an der Einfahrt zum Campingplatz. Foto: AUTO ZEITUNG
Ein Tester sitzt mit seinem Hund vor einem seitlich geparkten VW-Bus.
Sei`s drum! Redaktionshund Athos trägt das mit Fassung und genießt die Pause beim freien Stehen im Grünen auf dem kostenfreien Parkplatz am Essener Baldeneysee sichtlich. Foto: AUTO ZEITUNG
Die Innenaufnahme zeigt das Garmin-Navi Camper 795 MT-D EU, das an der Windschutzscheibe angebracht ist: Auf dem Display werden Infos zu Restaurants in der Nähe angezeigt.
Richtig gut macht das Garmin Camper 795 MT-D EU seine Sache, wenn es um das Stillen menschlicher Bedürfnisse wie Hunger entlang der Strecke geht. Gaben wir beispielsweise "Imbiss" im Suchfeld ein, erhielten wir auf Anhieb stichhaltige Ergebnisse im Umkreis von etwa 10 bis 15 km. In diesem Sinne: Auf zum Korfu-Grill! Foto: AUTO ZEITUNG
Das Detailfoto zeigt eine Hand, die das Garmin-Navi Camper 795 MT-D EU am Zigarettenanzünder anschließt.
Die Stromversorgung erfolgt über den 12-V-Zigarettenanzünder: In unserem Test entpuppt sich das Garmin-Navi leider als echter Stromfresser, der je nach elektrischer Installation des Autos in weniger als einer Stunde leersaugt, wenn man mal vergisst, den 12V-Adapter vom Bordstrom zu trennen. Foto: AUTO ZEITUNG
Die Innenaufnahme zeigt das Garmin-Navi Camper 795 MT-D EU, das an der Windschutzscheibe angebracht ist: Auf dem Display wird eine Route angezeigt.
Und auch das Garmin-Navi Camper 795 MT-D EU ist nicht unfehlbar. Hier leitete es uns direkt in den Rückstau des Autobahnzubringers. Offenbar hat das System die Spuren (zwei von drei führen geradeaus führen) nicht trennscharf erkannt und der richtigen Route zugeordnet. Ein Lapsus, der danach im weiteren Testprozedere zum Glück nicht mehr vorkam. Foto: AUTO ZEITUNG
Die Innenaufnahme zeigt das Garmin-Navi Camper 795 MT-D EU, das an der Windschutzscheibe angebracht ist: Auf dem Display wird die Spotify-Oberfläche angezeigt.
Das Abspielen von Musik über Streaming-Dienste wie Spotify klappt dagegen zuverlässig. Die Bedienung erfolgt über das Touchpad des Garmin Camper 795 MT-D EU. Foto: AUTO ZEITUNG
Ein Smartphone in der Hand eines Testers. Auf dem Display stehen Infos zum Koppeln des Telefons.
Voraussetzung dafür ist allerdings, dass das Garmin-Navi zuvor mit dem Smartphone gekoppelt worden ist. Foto: AUTO ZEITUNG
Das Detailfoto zeigt das Display des Garmin-Navi Camper 795 MT-D EU, auf dem verschiedene Dienste zur Wahl stehen.
Überhaupt geht das Nachrüst-Navi des US-Anbieters bei der Routenführung deutlich vorausschauender zu Werke als sein App-basierter Artverwandter aus dem Hause Google. Auch sogenannte POIs („Points of Interest“), seien es nun klassische Sehenswürdigkeiten wie die Villa Hügel in Essen oder auch nur der nächstgelegene Campingplatz werden zuverlässig angezeigt. Foto: AUTO ZEITUNG
Die Studioaufnahme zeigt den Lieferumfang Garmin-Navi Camper 795 MT-D EU.
Überzeugendes Gesamtpaket: Dem Garmin Camper 795 MT-D EU liegt alles bei, was man braucht, um sofort loszulegen, inklusive Saugnapf und 3M-Klebepad. Nur eine ausführliche Bedienungsanleitung auf Papier sucht man vergeblich. Foto: AUTO ZEITUNG

Wer wissen will, wie man am schnellsten und spritsparend mit dem Auto von A nach B kommt, nutzt heutzutage meist Google Maps im Auto. Wie das mit dem Spritsparen per Google Maps geht, haben wir hier zusammengefasst. Die Vorteile der Navigation per Google Maps liegen auf der Hand: Der App-basierte Routenplaner ist kostenlos. Zudem wird er laufend aktualisiert und mit Echtzeit-Verkehrsdaten von Millionen Nutzer:innen gefüttert. Staut sich der Verkehr auf der empfohlenen Strecke, werden automatisch Ausweichrouten errechnet. Kein Wunder also, dass die App des US-Suchmaschinenkonzerns den meisten stationären Navis längst den Rang abgelaufen hat.

Anders sieht die Sache aus, wenn man statt eines Pkw einen Campervan, ein ausladendes Wohnmobil pilotiert oder einen Wohnwagen am Haken hat. Wie sich die verschiedenen Wohnmobil-Typen unterscheiden, haben wir hier erklärt. Camping-Navis wie das Garmin Camper 795 MT-D EU sind genau darauf zugeschnitten.

Ein Womonavi hat viele Talente. Das Camper-Navi warnt frühzeitig vor Engstellen und Durchfahrtshöhenbeschränkungen, um das Hängenbleiben unter Brücken und Unterführungen – ein echtes Horrorszenario für alle Wohnmobilist:innen– zu verhindern. Außerdem liefern sie wertvolle Zusatzinfos, etwa zu Sehenswürdigkeiten entlang der Reiseroute oder zu Campingplätzen oder Restaurants.

Auch Echtzeit-Verkehrsdaten, die Einbindung von Handy-Apps per Bluetooth und eine campingfahrzeugspezifische Streckenführung gehören beim von uns getesteten Premium-Modell des amerikanischen GPS-Spezialisten zum Serienumfang. Zudem soll es helfen, Umwelt- und Dieselfahrverbotszonen zu umfahren, die gerade für viele ältere Wohnmobile mangels entsprechender Plakette tabu sind.

Weitere campingspezifische Zusatzinfos, die einem das Gerät auf dem Sieben-Zoll-HD-Display mit auf den Weg gibt, sind im Wesentlichen die folgenden:

  • Streckensperrungen für Wohnmobile

  • Höhen- und Gewichtsbeschränkungen

  • Umweltzonen und Dieselfahrverbote

  • Überholverbote für (schwerere) Lkw oder Wohnwagen-Gespanne

  • Infos zu Steigungen und Gefällstrecken

  • Seitenwindwarnungen

  • Points of Interest ("POI") wie Sehenswürdigkeiten oder empfehlenswerte Campingplätze

  • Infos zu Wetter und Kraftstoffpreisen

So weit die Theorie. Dass die genannten Zusatzfunktionen theoretisch sinnvoll sind, steht außer Frage. Doch lohnt sich der Aufpreis von mehreren Hundert Euro zu einem "normalen" Navi? Wie gut das in der Praxis funktioniert, muss nun unser Test zeigen. Wir wollten es genau wissen und haben das Garmin Camper 795 MT-D EU unter Alltagsbedingungen getestet: im wuseligen Verkehr der Metropolregion Rhein-Ruhr.

Erste Womonavi-Inbetriebnahme und die Montage am Auto

Die erste Überraschung wartet schon vor der ersten Inbetriebnahme des Womonavi von Garmin. Packt man das Garmin-Navi Camper 795 MT-D EU aus, sucht man nämlich eine ausführliche Bedienungsanleitung auf Papier vergeblich. Dafür liegt ein QR-Code bei, der auch zur Einbindung des Smartphones ins digitale Ökosystem des Navis dient Wie man das Smartphone kabellos per Adapter mit dem Auto koppelt, haben wir hier erklärt. Der Aufforderung "Stellen Sie eine Verbindung über die App her, um zusätzliche Funktionen des Garmin Camper 795 zu nutzen" kommen wir gerne nach. Mit Scannen des QR-Codes lädt sich Garmin-App automatisch herunter. Sie installiert sich in weniger als zwei Minuten von selbst. Das funktioniert auf dem Android-Handy wie auf dem iPhone.

Das Bild zeigt, wie das Wohnmobil-Navi Garmin Camper 795 an der Windschutzscheibe des Testfahrzeugs befestigt wird.
Foto: AUTO ZEITUNG

Das Anbringen des Geräts im Camper per mitgeliefertem Vakuum-Saugnapf klappt prima. Auch ohne Zuhilfenahme des beiliegenden 3M-Klebepads sitzt das HD-Farbdisplay bombenfest. Zudem überträgt es keine Vibrationen der Windschutzscheibe, die das Ablesen erschweren würden. Auch auf holprigen Strecken hielt das knapp 260 g schwere Navi sicher und ohne zu verrutschen oder abzufallen. Mit 1,60 m Länge fällt das Kabel lang genug aus, um das Navi auch an hoch aufragenden Wohnmobil-Windschutzscheiben mit Strom zu versorgen.

Das ist auch nötig. Denn ohne permanente Energiezufuhr aus dem 12-V-Zigarettenanzünder geht dem Garmin-Navi schon nach kurzer Zeit der "Saft" aus. Bei stehendem Auto entpuppt sich das Garmin-Navi in unserem Test als echter Stromfresser, der – je nach elektrischer Installation des Autos und Ladezustand – die Starterbatterie in weniger als einer Stunde leersaugt. Genau das ist uns passiert, als wir bei einer längeren Kaffeepause den 12-V-Adapter versehentlich mal nicht vom Bordstrom getrennt hatten.

Routenführung

Nach diesem ersten kleinen Stimmungsdämpfer machen wir uns auf den Weg ins Ruhrgebiet. Doch bevor es richtig losgeht, will das Garmin Camper 795 MT-D EU noch mit allerhand Fahrzeugdaten "gefüttert" werden: Wie hoch, wie breit, welches Baujahr ist der Camper? Grüne Plakette: ja/nein? Wohnmobil? Campervan, Pkw mit Wohnanhänger? All das will das Garmin Camper 795 wissen, bevor es bereit ist, den digitalen Lotsenjob anzutreten.

Das Bild zeigt Wohnmobil-Navi Garmin Camper 795 an der Windschutzscheibe des Test-Campers. Auf dem Display stehen Fahrzeugdaten,
Foto: AUTO ZEITUNG

So weit, so nachvollziehbar. Allerdings staunen wir nicht schlecht, als wir feststellen, dass auch für die Aktualisierung des Kartenmaterials noch jede Menge Daten benötigt werden. Das erste Update per WLAN soll laut Display "6:15 Stunden" in Anspruch nehmen. Danach ist aktuelles Kartenmaterial des afrikanischen Kontinents an Bord zu haben, für Weltenbummler:innen unter den Wohnmobil-Fans sicher nicht verkehrt, für den Wochenend-Campingtrip nach Holland oder den Verwandtenbesuch in Wanne-Eickel aber nicht wirklich vonnöten. Leider kennt das System beim Update des Kartenmaterials nur "ganz oder gar nicht". Datenpakete für bestimmte Regionen oder zumindest Kontinente lassen sich nicht einzeln auswählen und aufspielen. 

Davon abgesehen: Nichts zu meckern! Beim Test im engmaschigen Straßen- und Autobahnnetz des Ruhrgebiets findet sich das Camper-Navi "blind" zurecht. Die Auflösung des 1024x600-Pixel-Displays ist brillant. Darstellung, Routen- und Menüführung sind sehr übersichtlich, gut strukturiert und selbsterklärend. Bei der Wahl des schnellsten Weges sind sich Garmin und Google-Maps fast immer einig, die geschätzte Ankunftszeit variiert um maximal ein bis zwei Minuten.

Lediglich die Rechenzeiten bei spontanen Routenänderungen sind etwas nervig. Diese könnten etwas kürzer ausfallen. Zudem muss ein Abweichen von der geplanten Route erst etwas umständlich durch einen Klick auf das USB-Karten-Symbol auf dem Touchscreen bestätigt werden müssen. Aber das ist letztlich zu verschmerzen. Schließlich wollen wir beim Urlaub mit dem Wohnmobil reisen, nicht rasen.

Übersichtliche Darstellung: der Splitscreen als Game Changer

Ansonsten: Alles top! Besonders bei nahenden Autobahnabfahrten oder im Nahbereich des Ankunftsorts macht es das Garmin-Navi Camper 795 MT-D EU einem leicht, sich zurechtzufinden, indem es den Bildschirm teilt wie Moses das Rote Meer. Das kommt vor allem der Übersicht zugute. Generell geht das Nachrüst-Navi des US-Anbieters bei der Routenführung deutlich vorausschauender zu Werke als sein Konkurrent aus dem Hause Google.

Das Innenaufnahme zeigt das Garmin-Navi im Testeinsatz an der Windschutzscheibe einem VW-Busses. Auf dem Display wird eine Autobahnabfahrt in Essen gezeigt.
Foto: AUTO ZEITUNG

Spontane Richtungswechsel und rotierende Pfeilspitzen, wie man sie bisweilen von Google Maps kennt: Fehlanzeige! Fünf Minuten vor Ankunft wird zudem eine hochauflösende Satellitenkarte des Nahbereichs in der "Birds Eye" genannten Vogelperspektive gezeigt. Auch sogenannte POI ("Points of Interest") – seien es nun klassische Sehenswürdigkeiten wie die Zeche Zollverein oder die industrie- wie kunsthistorisch nicht minder bedeutsame Villa Hügel am Essener Baldeneysee werden zuverlässig angezeigt.

Für reisefreudige Campingfans, die gerne abseits eines festen Standplatzes unterwegs sind, besonders wichtig: Auch Stellplatzinfos plus Sternewertung der einschlägigen Campingführer und Angaben zu Sanitäranlagen, Übernachtungspreis sowie zu Zahl der aktuell verfügbaren Stellplätze werden durch die Einbindung der Reiseführer-Apps von Michelin und Tripadvisor zuverlässig angezeigt. Interessant für alle, die gerne mal ein paar Tage autark und trotzdem sicher stehen: Auch kostenfreie öffentliche Wohnmobil-Stellplätze in der Nähe (das System nennt sie, ganz amerikanisch und frei nach der zugrundeliegenden App "Trailers Park"), werden gelistet.

Das Gesetz der Straße: Wo das Wohnmobil-Navi an seine Grenzen stößt (Beschränkungen & Warnhinweise)

Sperrzone Campingplatz

Mit den Warnhinweisen übertreibt es das Garmin-Navi aber zuweilen. So staunten wir nicht schlecht, als die einzige Zufahrt zum am malerischen Ufer des Essener Baldeneysees gelegenen Campingplatzes, der uns auf einer Testetappe als Zwischenziel diente, kurzerhand zur Sperrzone für Wohnmobile erklärt wurde. "Keine Wohnmobile zugelassen", so der Warnhinweis.

Offensichtlich ein Trugschluss, wie die Armada von Hymer-, Fendt- und Dethleffs-Campern, die den Platz bevölkern und die einzige Zufahrt zum Platz zuvor also passiert haben müssen, beweist. Zum Glück blieben solche Kapriolen des digitalen Beifahrers die absolute Ausnahme.

Höhenbeschränkungen

Das Bild zeigt eine Tester am Steuer eines VW-Bus vor der Einfahrt zu einem höhenbeschränkten Parkplatz.
Foto: AUTO ZEITUNG

In Sachen Höhenbeschränkungen ist auf das Womonavi von Garmin generell Verlass: Rund neun von zehn Durchfahrtbeschränkungen erkannte das Garmin Camper 795 MT-D EU. Heißt allerdings im Umkehrschluss: Bei jedem zehnten Versuch wäre es möglicherweise zu einem teuren Kontakt des Campers mit der Umrandung einer Unterführung, der Höhenbeschränkungstafel an einem Parkplatz oder einem Brückenbogen gekommen.

Auf keinen Fall sollte man sich also blind auf die Angaben des Navis verlassen und den Kopf ausschalten, sobald das Gerät eingeschaltet ist. Allerdings: Auf die Eigenverantwortung wird man, so muss man fairerweise sagen, allerdings bei jedem Hochfahren des Systems hingewiesen.

Seitenwindwarnung oft nur heiße Luft

Spätestens ab einer Aufbauhöhe von drei Metern, die viele Integrierte und Alkoven-Wohnmobile mit Satellitenschüssel auf dem Dach locker erreichen, sind auch Windwarnungen relevant. Liegt beispielsweise eine Gewitterwarnung für die gerade mit dem Camper befahrene Region vor, warnte das Display eindringlich per orangefarbig unterlegter Einblendung vor "Seitenwind voraus", auch wenn in unmittelbarer Umgebung des Fahrzeugs davon wenig bis nichts, sondern allenfalls ein laues Lüftchen zu spüren war.

Kurvenreich, aber risikoarm

Ähnliches gilt für Geschwindigkeitsbeschränken und die Warnung vor kurvenreichen Strecken, deren Serpentinen sich beim Durchfahren oft nicht als so gefährlich entpuppen, wie es einem Garmin-Navi fürs Wohnmobil zunächst glauben macht. Aber (Über-)Vorsicht ist auch hier die Mutter der Porzellan- oder besser gesagt: Campinggeschirr-Kiste.

Alternativen zum Garmin Camper 795 MT-D EU

Garmin-Navi für den Pkw

So viel Zusatznutzen, wie ihn das Womonavi von Garmin bietet, hat seinen Preis. Mit einem empfohlenen Verkaufspreis von rund 450 Euro für die Sieben-Zoll-Version (Zehn-Zoll-Version kostet mit rund 750 Euro deutlich mehr) muss man für das Garmin Camper 795 MT-D EU etwa doppelt so viel Geld ausgeben wie für ein ähnlich großes Garmin-Navi für den Pkw, das wir ebenfalls bereits ausgiebig getestet haben. Allerdings muss man wissen, dass es über die oben beschrieben Zusatzfunktionen eines Navi für Wohnmobile logischerweise nicht verfügt. Hier unser Test des Garmin Drive Smart 66 MT-S.

Getestet wurde es von uns jeweils in in Verbindung mit der Rückfahrkamera Garmin BC 50 und der besonders lichtstarken Rückfahrkamera Garmin BC 50 Night Vision.

10-Zoll-Womonavi von Garmin

Wem das von uns getestete Womonavi von Garmin immer noch eine Nummer zu klein ist, der fährt mit dem zehn Zoll großen Garmin Camper 1095 MT-D EU desselben Herstellers gut, das sich ebenfalls als Spezial-Navi für Wohmobile versteht. Vom Funktionsumfang ist es vergleichbar. Nur verfügt es eben über ein Display mit einer Bilschirmdiagonale 25,7 cm.

Womonavi von Tom Tom

Natürlich ist Garmin nicht der einzige Anbieter von spezialisierten Navis für Wohnmobile. Auch der zweite Platzhirsch auf dem Navi-Markt, der direkte Garmin-Wettbewerber TomTom hat ein Womonavi im Programm. Hierbei handelt es sich um das Tom Tom-Camper Navi Go, das ebenfalls sieben Zoll groß ist und somit als direkter Wettbewerber des getesteten Garmin Camper 795 MT-D EU gelten darf.

So haben wir getestet

Um den Nutzwert eines speziellen Camper-Navis unter so praxisnahen Bedingungen wie möglich zu testen, diente uns ein zum Camper ausgebauter VW-Bulli vom Typ T5. Mit ihm wurden zuvor definierte Ziele und POIs in der Rhein-Ruhr-Region angesteuert, die uns das Navi teils selbst empfohlen hat.

Um Aufschluss über die Qualität der Routenführung zu erhalten, lief parallel Google Maps auf einem Smartphone mit, das per Handyhalter unterhalb des Garmin-Displays im direkten Blickfeld des Fahrers positioniert war. Um die Eignung des Garmin Camper 795 MT-D EU auch für größere Wohnmobile zu testen, wurden die Spezifikationen in einer zweiten Test-Runde auf 3,50 m Höhe und 4,25 t zulässiges Gesamtgewicht erhöht und die Routenführung eines solchen "Dickschiffs" im Realverkehr simuliert.

Die Qualität der durchs System generierten Zusatzinfos und Zwischenziele ("POIs") wurde anhand von analogen Quellen wie dem Erlebnisführer "Ruhr Kompakt" in seiner aktuellen Auflage und von einschlägigen Camping-Apps wie camping.info und park4night stichprobenartig überprüft.

FAQ: Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Navi für Wohmmobile

Das Womonavi-Angebot ist insgesamt überschaubar. Unser klarer Favorit kommt von Garmin. Das hier getestete Garmin Camper 795 MT-D EU bringt trotz einzelner, weiter oben im Detail beschriebenen Schwächen wie langen Ladezeiten bei Stauumfahrungen und spontanen Routenänderungen alles mit, was man braucht, um mit dem Wohnmobil oder Wohnwagen am Hänger sicher und entspannt ans Ziel zu kommen. Wer nicht so viel Geld ausgeben möchte, wird beim Wettbewerber Tom Tom fündig, wo ein sieben-Zoll-Gerät mit demselben Zweck nur rund die Hälfte kostet.

Unter Nutzwert-Aspekten ist ein Camper-Navi eine Investition, die sich lohnt, aber gut überlegt sein will. Eine andere, auf den ersten Blick zunächst kostengünstiger erscheinende Möglichkeit der Wohnmobil-Navigation ist es, auf eine der zahlreichen einschlägigen Camping-Apps wie Sygic oder Copilot zurückzugreifen. Doch diese sind, meist nach Ablauf einer Testphase wie bei der TomTom Go-App, die nach 75 km endet, mitunter kostenpflichtig (Achtung: Abomodelle!). Das geht, zumindest auf längere Sicht auch ins Geld.

Günstiger, weil immer kostenfrei, fährt, wer Google Maps nutzt. Klar: auch die Gratis-App tut, was sie soll. Leider lässt sich bei Google Maps kein Wohnmobil oder Lkw als Fahrzeug einstellen. Daher nimmt die Routenführung keine Rücksicht auf Höhen- und Gewichtsbeschränkungen, was schnell zu den oben im Detail beschriebenen Problemen führen kann.

Fazit

Das Womonavi von Garmin überzeugt mit übersichtlicher Darstellung, hilfreichen Warnhinweisen und praktischen Zusatzinfos – ideal, um Engstellen zu vermeiden und "Touristenfallen" zu umgehen. Die Routenführung ist vorausschauender als bei Google Maps. Das Gerät kann bei Abwesenheit vom Camper leicht mitgenommen werden. Die Nachteile: lange Karten-Updates per WLAN und die Abhängigkeit von der Datenqualität. Trotzdem eine klare Empfehlung für Wohnmobil-Reisende, die gezielt und stressfrei unterwegs sein wollen.