Vergleich

Opel GT trifft VW Karmann-Ghia Typ 34: Sprinter gegen Dressman

Opel und VW bauten nicht nur reine Vernunftautos. Anfang der 60er-Jahre bedienten sie auch die aufkommende Freizeitkultur – auf je ganz eigene Weise. Mit Opel GT 1900 und VW Karmann-Ghia Typ 34 treffen Sprinter und Dressman aufeinander!

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VW Karmann-Ghia und Opel GT fahrend seitlich
Klassische Sportcoupés unterschiedlicher Ausprägung: Der VW Karmann-Ghia Typ 34 trifft auf den Opel GT 1900. Foto: AUTO ZEITUNG
Der VW Karmann-Ghia Typ 34 fahrend von hinten
Das Trapez-Dach trifft den modischen Zeitgeist. Das Fahrverhalten ist unproblematisch. Foto: AUTO ZEITUNG
Das Cockpit des VW Karmann-Ghia Typ 34
Der Karmann-Ghia Typ 34 war ein echtes Luxus-Auto im Vergleich mit den anderen Volkswagen. Foto: AUTO ZEITUNG
Die Sitze des VW Karmann-Ghia Typ 34
Bequeme Kunstledersitze und viel Chromzierrat sind im VW Karmann-Ghia Typ 34 an der Tagesordnung Foto: AUTO ZEITUNG
Der Motor des VW Karmann-Ghia Typ 34
Der luftgekühlte Boxer im Heck passt gut zum kommoden Fahrverhalten – ein Sprinter ist er nicht. Foto: AUTO ZEITUNG
Der Opel GT 1900 fahrend von hinten
Die lange Motorhaube und die scharfe Abrisskante sorgen für einen dynamischen Auftritt. Foto: AUTO ZEITUNG
Das Cockpit des 34 Opel GT 1900
Der GT war laut AUTO ZEITUNG 1969 ein "harter Spass für harte Männer" und bei der sportlich angehauchten Kundschaft sehr beliebt. Foto: AUTO ZEITUNG
Die Sitze des Opel GT 1900 Bilder
Hinzu kommt ein enges Cockpit mit schmalen Ledersitzen, kleinem Holzlenkrad und kurzem Schaltknüppel. Foto: AUTO ZEITUNG
Der Motor des Opel GT 1900
Drehzahlfreudiger Reihenvierzylinder: Ab 3500 Umdrehungen lassen sich die 90 PS (66 kW) hervorragend dosieren. Foto: AUTO ZEITUNG

Duell zwischen VW Karmann-Ghia Typ 34 & Opel GT 1900

Als das Hazy Osterwald-Sextett 1961 "Geh'n Sie mit der Konjunktur" trällerte, waren die Schlagersänger reichlich spät dran. Der Geruch der allgegenwärtigen Steckrübensuppe war längst verzogen, und der Pfennig musste nicht mehr dreimal umgedreht werden. Das deutsche Bundesbürgertum hatte sich schon für einen Käfer, Kadett oder vielleicht sogar ein Cabrio entschieden – je nachdem, wie viel Geld das Wirtschaftswunder bereits in die einst leeren Taschen gespült hatte. Wer zudem noch Pinke-Pinke für den Freizeitspaß besaß, fand das passende Spielzeug auf dem VW-Stand der IAA 1961. Mit dem Typ 3 präsentierte die Marke nicht nur ihre erste Mittelklasse-Limousine, sondern zeigte vis-a-vis eine Coupé-Version.

Der bei Karmann in Osnabrück gefertigte Typ 34 sorgte mit dem gewagten Design der Carrozzeria Ghia für Aufsehen. Seine markanten Gürtellinien-Kanten erinnerten an den Chevrolet Corvair. Sie laufen bis in die Fahrzeugfront über die vier Scheinwerfer und lassen das Coupé elegant-streng wirken. Eine mutige Design-Entscheidung, wobei das Trapezdach des VW Karmann-Ghia Typ 34 über großen Fensterflächen wiederum absolut modisch war.

Der Opel Astra im Video

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Video: AUTO ZEITUNG

Opel GT: Wer schön fahren will, muss leiden

Seinerzeit beliebte Stilmerkmale zeigen sich auch im Innenraum. Schwarzes Kunstleder umgibt das Holzfurnier des Armaturenbretts mit den großen Rundinstrumenten. Weiche Sessel und ein großes Zweispeichen-Lenkrad mit Hupenhalbring lassen den VW Karmann-Ghia Typ 34 als kommoden Gleiter erscheinen. Bei so viel stilvoller Eleganz mussten sich die Opelaner:innen etwas anderes einfallen lassen. Die Antwort ließ zwar auf sich warten, fiel dafür umso lauter aus.

1968 kam der Opel GT auf den Markt. Der Werbeslogan versprach: "Nur Fliegen ist schöner." Kerniger formulierte es die AUTO ZEITUNG: "Ein konsequent gebauter Sportwagen, ein harter Spaß für harte Männer." Auch die Kundschaft war überzeugt: 103.000 Mal verkaufte sich der GT insgesamt bis zu seinem Produktionsende im Jahr 1973. Das GT-Design war dem Coke-Bottle-Stil des amerikanischen Sportwagens Corvette C3 nachempfunden. Dennoch war der Opel GT 1900 keine schnöde Kopie, sondern versprühte einen eigenen Charme.

Der Opel GT fahrend von hinten
Foto: AUTO ZEITUNG

Deutlich schlanker und zugleich mit geschmeidigerer Linie wirkt der Opel sportlich-elegant. Auch die zentral angeordneten Endrohre sind eher dezent als Protzerei. Der GT erinnert an eine wohlgeformte und dennoch zierliche Dame, die auch im Detail viel Wert auf ihr Äußeres legt. Was nicht zuletzt an den großen Kulleraugen liegt, die der GT mit einem Ruck am Hebel hinter dem Schaltknüppel aufschlägt.

Doch wussten schon die AZ-Tester: "Wer schön fahren will, muss leiden." Sie attestierten dem Opel GT 1900 eine sehr tiefe Sitzposition und einen schon fast gefährlich großen toten Winkel. Da hilft nur ein Blick nach vorne: Das kleine Holzlenkrad mit gebürsteten Metallstreben steht demonstrativ vor der Brust. Dahinter versprechen zwei große Rundinstrumente schöne Zeiten: Links reicht der Drehzahlmesser bis 7000 Umdrehungen, rechts steht am Ende der Tachoskala eine 240. Öldruck-, Temperatur- und Tankanzeige liegen ebenfalls im Blickfeld.

Entspanntes Dahingleiten im VW Karmann-Ghia 34

Unter der Fronthaube des Opel GT 1900 mit ihrem auffälligen Powerdome werkelt der bekannte 1,9-l-Motor aus dem Rekord C, der im GT 90 PS (66 kW) an die Hinterachse liefert. Und diese machen bei einem Leergewicht von unter einer Tonne richtig Spaß. In scharf gefahrenen Kurven ist am kleinen Lenkrad zwar reichlich Kraft vonnöten, doch lässt sich der rote Blitz mit geringem Lenkeinschlag präzise durch Kurven manövrieren.

Auf einer geraden Landstraße zieht er mühelos an Sonntagsfahrenden vorbei, und man fragt sich dabei, wie viel Spaß solche Überholmanöver zu Zeiten der 34 bis 50 PS (25 bis 37 kW) starken Käfer gemacht haben müssen. Bei diesem Gedanken wird einem erst bewusst, dass 1969 auch der VW Karmann-Ghia Typ 34 Opfer eines rasant vorbeiziehenden GT gewesen sein könnte. Denn wie bei VW bis dahin üblich steckt auch im Karmann ein luftgekühlter Vierzylinder-Boxermotor.

Der VW Karmann-Ghia Typ 34 fahrend von hinten
Foto: AUTO ZEITUNG

Flankiert von zwei Fallstromvergasern leistet das 1,6-l-Triebwerk solide 54 PS (40 kW). Damit ist der Typ 34 keineswegs untermotorisiert, obwohl er im Vergleich zum Opel GT 1900 gut doppelt so lange für den Standardsprint von null auf 100 km/h benötigt. Das könnte der Grund dafür gewesen sein, weshalb man ihn einst spöttisch "Hausfrauen-Porsche" oder "Sekretärinnen-Ferrari" nannte. Sollen sie doch gesagt haben, was sie wollen!

Der Fahrkomfort ist jedenfalls prima. Sanft federt der Typ 34 über den Asphalt und bügelt Unebenheiten in Verbindung mit den großen 15-Zoll-Rädern geschmeidig weg. Dank seiner modernen Schräglenker-Hinterachse gibt es auch am unproblematischen Fahrverhalten nichts zu meckern. Der VW Typ 34 stand für entspanntes Dahingleiten. Wer am Wochenende auf bergigen Pässen Fahrspaß haben wollte, griff lieber zum Opel GT. Auch heute noch kann man dem Hazy Osterwald-Sextett nur beipflichten: "Geh'n Sie mit auf diese Tour."

Technische Daten von Karmann-Ghia Typ 34 und Opel GT

Classic Cars 09/2013

Opel GT 1900

VW Karmann-Ghia Typ 34

Zylinder / Ventile pro Zylin.

R4 / 2

B4 / 2

Hubraum

1897 cm³

1584 cm³

Leistung

66 kW/90 PS bei 5100 U/min

37 kW/54 PS bei 4000 U/min

Max. Gesamtdrehmoment bei

149 Nm bei 2500-3100 U/min

110 Nm bei 2200 U/min

Getriebe / Antrieb

4-Gang-Getriebe / Hinterrad

4-Gang-Getriebe / Hinterrad

L / B / H

4113 / 1580 / 1225 mm

4280 / 1620 / 1335 mm

Leergewicht

940 kg

910 kg

Bauzeit

1968 – 1973

1961 – 1969

Stückzahl

99.890

24.505

Beschleunigung null auf 100 km/h

12,2 s (AZ 14-15/1972)

25,0 s (Werksangabe)

Höchstgeschwindigkeit

185 km/h (AZ 14-15/1972)

140 km/h (Werksangabe)

Verbrauch auf 100 km

11,6 l S (AZ 14-15/1972)

12,5 l S (Werksangabe)

Grundpreis (Jahr)

11.880 Mark (1968)

9154 Mark (1969)