VW Golf/Skoda Scala: Vergleichstest Skoda Scala fordert VW Golf heraus

von Paul Englert 26.05.2020
Inhalt
  1. VW Golf und Skoda Scala im Vergleichstest
  2. Fahrkomfort: VW Golf mit ausgezeichnetem Komfort
  3. Motor/Getriebe: Skoda Scala mit mehr Leistung
  4. Fahrdynamik: VW Golf spürbar dynamischer
  5. Umwelt/Kosten: Skoda entscheidet das Kosten-Kapitel für sich
  6. Messwerte & technische Daten Skoda Scala 1.5 TSI ACT & VW Golf 1.5 TSI ACT

Moderner, digitaler, sicherer: Das ist der neue VW Golf. Die Attribute des Skoda Scala lauten größer, günstiger und auch stärker. Wer das bessere Paket stellt, zeigt der hausinterne Vergleichstest!

Gesamtbewertung (max. Punkte)Skoda Scala 1.5 TSI ACTVW Golf 1.5 TSI ACT
Karosserie (1000)585607
Fahrkomfort (1000)683720
Motor/Getriebe (1000)629624
Fahrdynamik (1000)664693
Eigenschaftswertung (4000)25612644
Kosten/Umwelt (1000)420406
Gesamtwertung (5000)29813050
Platzierung21

Technik aus Wolfsburg erhalten, aber trotzdem ein paar Euro sparen? Genau dieses Rezept macht den Erfolg der Marke Skoda aus, zu der der Name Volkswagen eigentlich sogar besser passt als zur Muttermarke. Doch die Produkte aus Tschechien sind kein Billig-Abklatsch der VW-Modelle, sondern ebenfalls sichere, moderne sowie clever und schick gemachte Autos. Ein gutes Beispiel dafür ist der Skoda Scala, den wir in diesem Vergleichstest mit dem neuen VW Golf vergleichen – von dessen siebter Generation bei uns im letzten Jahr mit 204.550 Stück übrigens fast so viele Fahrzeuge neu zugelassen wurden wie von Skoda insgesamt.

Der VW Golf im Video:

 
 

VW Golf und Skoda Scala im Vergleichstest

Obwohl der Skoda Scala auf der Plattform MQB A0 des VW Polo basiert, ist er acht Zentimeter länger als ein kompakter VW Golf (MQB evo), bietet 86 Liter mehr Standard-Kofferraumvolumen und beinahe Octavia-Platzverhältnisse auf der Rückbank. Besonders der Beinraum ist enorm, aber auch den Ellenbogen bleibt etwas mehr nutzbarer Platz. Auf den vorderen Sitzen hingegen bietet der VW Golf ein besseres Raumgefühl. Zudem ist er variabler dank umklappbarer Beifahrerlehne (100 Euro), Durchlademöglichkeit in der asymmetrisch geteilt umklappbaren Fondlehne und doppeltem Ladeboden (beides Serie). Letzterer kostet für den Scala 150 Euro, wobei sich erst damit eine ebene Ladefläche ergibt, wenn die Fondlehnen umgelegt sind. Dass man im Golf anno 2020 so gut wie alle Funktionen mittels Touchflächen statt echter Tasten steuert, schränkt die Benutzerfreundlichkeit ein. Außerdem arbeitet der Sprachassistent in diesem Vergleichstest weniger verlässlich als zum Beispiel das Pendant bei BMW. Einige Schalter und Knöpfe aus dem Analog-Zeitalter leistet sich der Skoda Scala – zum Beispiel für die Klimaanlage. Allerdings ist Skoda hier nicht konsequent, denn ein paar Klimafunktionen kann man nur über den Touchscreen steuern. Topmodern ist die meist aufpreispflichtige Sicherheitsausstattung des Golf mit Assistenten für eine Vollbremsung, teilautonomes Fahren, Ausweichmanöver, Stau- und Baustellenfahrten, mit Voll-LED-Scheinwerfern und vollwertigem Head-up-Display. Auch die VW-Verarbeitungsqualität ist besser, allerdings hat der Wolfsburger an dieser Stelle und auch bei den verwendeten Materialien im Vergleich zu den letzten Generationen nachgelassen. Mehr Hartplastik und einige schmutzanfällige Oberflächen trüben den Qualitätseindruck.

Neuheiten Skoda Scala (2019)
Skoda Scala (2019): Motor & Ausstattung Bestnoten für den Skoda Scala im Crashtest

 

Fahrkomfort: VW Golf mit ausgezeichnetem Komfort

Äußerst komfortabel und ihre 920 Euro wert sind die sehr bequemen, gut konturierten und für viele Fahrerfiguren passenden ergo-Active-Sitze des VW Golf. Im VW-Fond reist man ebenfalls sehr bequem mit gut nutzbarer Beinauflage und etwas konturierter Bank. Nur die Polsterung der Kopfstützen ist sehr weich. Trotz Verbundlenkerachse hinten (für alle Golf-Modelle unter 100 kW) nimmt der adaptiv gedämpfte (1045 Euro) VW die meisten Unebenheiten fein und ausgewogen filternd unter seine sportlichen 17-Zoll-Reifen, wobei der Aufbau selbst auf Buckelpisten ruhig bleibt. Der Skoda Scala hingegen gerät immer etwas mehr in Bewegung, zudem harmonieren Front und Heck weniger miteinander: Wo die Vorderachse recht fein federt, arbeitet die Verbundlenkerachse hinten weniger sensibel, und die Dämpfungsreserven sind – insbesondere mit voller Beladung – zügig aufgebraucht. Auch beim Sitzkomfort muss man im Scala-Testwagen ein paar Abstriche machen. Die Sportsitze vorn (490 Euro) sind zwar gut konturiert, jedoch im Bereich des Oberkörpers etwas enger geschnitten als die des VW Golf, und die integrierte Kopfstütze steht zu weit weg vom Haupt. Anders als beim Golf ist in diesem Vergleichstest zudem die Sitzpolsterung für den Fahrer zwar angenehm straff, für den Beifahrer aber recht knautschig – darunter leidet der Seitenhalt. Hinten sitzt man im Skoda Scala obendrein mit stärker angewinkelten Beinen. Die Beinauflage zu den Türen hin ist einstiegsfreundlich ausgespart, dennoch haben die äußeren Oberschenkelseiten größerer Personen so teilweise keinen Kontakt zur Bank. In puncto Ergonomie fährt der VW ebenfalls vornweg, obwohl seine Digital-Instrumente (drei Grundlayouts; Serie) nicht so gut ablesbar sind wie die des Skoda (fünf Layouts; 470 Euro). Dafür hat der Golf diverse größere und besser nutzbare Ablagemöglichkeiten.

Neuheiten VW Golf 8 (2019)
VW Golf 8 (2019): Motor, Ausstattung & Crashtest Crashtest-Bestnote für den Golf 8

 

Motor/Getriebe: Skoda Scala mit mehr Leistung

Den 1,5 Liter großen Turbobenziner mit Zylinderabschaltung bei Teillast-Betrieb (ACT) haben Scala und Golf in diesem Vergleichstest gemein, im Skoda Scala leistet der Vierzylinder mit 150 PS allerdings etwas mehr. Das belegen nicht nur die Messwerte, sondern das spürt man auch. Tempo 200 erreicht der Tscheche mühelos, Zwischensprints erledigt er ebenfalls souverän – wobei das Doppelkupplungsgetriebe (DSG) noch etwas schneller zurückschalten könnte. Dennoch sorgt es für die niedrigeren Drehzahlen: bei Tempo 130 sind es 2500 Touren im siebten Gang (VW: 2800 /min im sechsten Gang). Mit 6,6 Liter Super pro 100 Kilometer fährt der VW Golf aber trotzdem effizienter. Das manuelle Sechsgang-Getriebe des Golf lässt sich meist angenehm schalten, nur ab und zu haken der erste und der Rückwärtsgang beim Einlegen. Kultiviert laufen beide Aggregate, die leichte Anfahrschwäche ist im VW jedoch ausgeprägter, und nach dem Gangwechsel tut sich hier wie dort schon mal ein Turboloch auf.

Fahrbericht Skoda Scala (2019)
Neuer Skoda Scala (2019): Erste Testfahrt Gut scalierter Rapid-Nachfolger

 

Fahrdynamik: VW Golf spürbar dynamischer

Dank der sportlicheren Bereifung in Verbindung mit optionaler Progressiv-Lenkung ist der VW Golf in diesem Vergleichstest spürbar dynamischer veranlagt als der im Ernstfall untersteuernd abgestimmte Skoda Scala. Der VW wechselt die Spur satt und sicher mit nicht zu früh und meist sensibel einsetzendem ESP. Dass der Skoda Scala im Handling etwas schneller ist, liegt an seiner schieren Leistung. Dass er weniger stark bremst und das Pedalgefühl beim Verzögern zu hart und mitteilungsarm ist, liegt an der Abstimmung. Trotzdem ist der Scala ein sicheres Auto, bremst und lenkt trotz der weniger sportlich ausgelegten Bereifung verlässlich. Einfluss auf den Wendekreis haben die Pneus jedoch nicht – hier ist und bleibt der neue VW Golf einfach wendiger.

Fahrbericht
Neuer VW Golf 8 (2019): Erste Testfahrt Erste Testfahrt mit dem neuen Golf

 

Umwelt/Kosten: Skoda entscheidet das Kosten-Kapitel für sich

26.460 Euro kostet der derzeit günstigste VW Golf, der 1.5 TSI – fast 2700 Euro mehr als ein Skoda Scala mit gleichem Motor. Bei Skoda bekommt man allerdings 20 PS mehr und eine gute Serienausstattung. Investiert man das gesparte Geld in weitere Extras, ist der Kompakte auf Kleinwagenbasis sogar das attraktiviere Angebot als der neue Achter-Golf. Zudem gibt es gute Neuwagenrabatte von bis zu 20 Prozent beim Vertragshändler. Etwas günstiger ist der Tscheche mit rund 380 Euro außerdem bei den prognostizierten jährlichen Wartungskosten (ermittelt durch den ADAC). Allerdings fressen die höheren Spritkosten und die etwas teurere Kraftfahrzeug-Steuer den Vorteil des Skoda Scala in diesem Vergleichstest fast wieder vollständig auf.

Vergleichstest Skoda Scala 1.0 TSI/VW Polo 1.0 TSI
Skoda Scala 1.0 TSI/VW Polo 1.0 TSI: Vergleich Skodas Scala gegen Technik-Bruder VW Polo

 

Messwerte & technische Daten Skoda Scala 1.5 TSI ACT & VW Golf 1.5 TSI ACT

AUTO ZEITUNG
08/2020
Skoda Scala 1.5 TSI ACTVW Golf 1.5 TSI ACT
Technik
Zylinder/Ventile pro Zylin.4/4; Turbo4/4; Turbo
Hubraum1498 cm³1498 cm³
Leistung110 kW/150 PS96 kW/130 PS
Max. Drehmoment250 Nm200 Nm
Getriebe/Antrieb7-Gang, Doppelkupplung (Opt.)/ Vorderrad6-Gang, manuell/ Vorderrad
Messwerte
Leergewicht (Werk/Test)1180/1311 kg1240/1344 kg
Beschleunigung (Test)  
0 - 100 km/h8,3 s9,8 s
0 - 150 km/h16,9 s20,6 s
Höchstgeschwindigkeit (Werk)219 km/h214 km/h
Bremsweg aus 100 km/h
kalt/warm (Test)
35,2/35,2 m35,6/34,1 m
Verbrauch (Test/WLTP)7,3/6,1 l S/100 km6,6/5,3 l S/100 km
CO2-Ausstoß (Test/WLTP)174/139 g/km157/121 g/km
Preise
Grundpreis23.750 Euro26.460 Euro
Testwagenpreis26.800 Euro29.795 Euro

Vergleich VW Golf 8/Mercedes A-Klasse
VW Golf 8/Mercedes A-Klasse: Vergleich Golf 8 und A-Klasse im Duell

von Paul Englert von Paul Englert
Unser Fazit

Dritter Vergleichstest-Sieg für den neuen VW Golf, nun mit 1.5 TSI und 130 PS. Zwar hat das moderne, durchdigitalisierte Bedienkonzept Schwächen, und auch in puncto Qualität muss man im Vergleich zu den Vorgänger-Generationen kleine Abstriche machen. Dafür ist das Raumkonzept nach wie vor gut, die Komforteigenschaften sind für einen Kompaktwagen ausgezeichnet, und in Sachen Fahrdynamik sowie Sicherheitstechnik fährt Deutschlands meistverkauftes Auto in seiner Klasse weit vorn. Dagegen hat der erst rund ein Jahr alte Skoda Scala keine Chance – trotz des besseren Raumangebots, des kräftigeren Antriebs und der niedrigeren Preise. Ein Verlierer ist der Scala aber absolut nicht. Im Gegenteil: In vielen Bereichen ist er dem Golf dicht auf den Fersen und unterm Strich eine vernünftige Alternative

Tags:
Copyright 2020 autozeitung.de. All rights reserved.