Skoda Scala 1.0 TSI/VW Polo 1.0 TSI: Vergleich Skodas Scala gegen Technik-Bruder VW Polo

von Elmar Siepen 14.06.2019
Inhalt
  1. Skoda Scala und VW Polo im Vergleich
  2. 115 PS starke Dreizylinder reichen völlig aus
  3. Skoda Scala ist vergleichsweise günstig
  4. Technische Daten Skoda Scala & VW Polo

Der neue Skoda Scala zeigt, was auf der Kleinwagenplattform MQB A0 des Volkswagen-Konzerns maximal möglich ist. Ob und was der Tscheche dem deutschen Kleinwagen-König VW Polo voraus hat, dokumentiert der Vergleich.

Der Tschechen jüngster Streich ist der brandneue Skoda Scala, der auf der konzerneigenen A0-Plattform für Kleinwagen basiert. Hier zogen die Techniker in Mlada Boleslav alle Register und bauten auf dieser Basis das größtmögliche Auto. Das heißt: 4,36 Meter Außenlänge bei knapp 2,65 Metern Radstand. Damit wächst der Kleinwagen bereits kräftig in die Kompaktklasse. Bleibt die Frage, wie sich demgegenüber Deutschlands beliebtester Kleiner, der VW Polo, schlägt. Die Zündschlüssel, bitte! Bereits die erste Sitzprobe zeigt, dass der Polo deutlich weniger Ellbogenfreiheit bietet. Vor allem im Fond wirkt sich der größerer Radstand des Skoda Scala (plus 9,8 Zentimeter) nicht nur durch einen üppigeren Knieraum aus, auch die Türausschnitte fallen größer aus. Noch stärker sind die Unterschiede beim Kofferraumvolumen. Hier fasst der Skoda 467 bis 1410 Liter, während man sich beim VW Polo mit 351 bis 1125 Litern begnügen muss. Das heißt freilich nicht, dass im Wolfsburger klaustrophobische Anfälle drohen. Auch in ihm können vier Erwachsene recht bequem reisen. Doch familientauglicher ist klar der Tscheche.

Skoda Scala im Video:

 
 

Skoda Scala und VW Polo im Vergleich

Der Blick auf die Armaturentafel zeigt in beiden Fällen optionale Digital-Cockpits, die verschiedene Darstellungsformen bereithalten. Beide warten zudem mit bis zu acht Zoll messenden Touchscreens auf. Der Skoda Scala hat dem VW Polo im Vergleich eine serienmäßige Freisprecheinrichtung sowie ein ebenfalls aufpreisfreies "Care Connect"-System voraus, mit dem der Tscheche stets online ist. Damit verfügt er über eine automatische Notruf-Funktion, Kontakt zur Hotline und kostenlosen Fahrzeugzugriff über das persönliche Smartphone für ein Jahr. Was das Thema Sicherheit angeht, kann der Skoda im Gegensatz zum VW mit Fahrerknie-Airbag, hinteren Seiten-Airbags und Multikollisionsbremse aufwarten, die das Fahrzeug nach dem ersten Aufprall selbstständig bis zum Stillstand abbremst. Auch eine City-Notbremsfunktion sowie ein Spurhalteassistent bringt der Tscheche im Gegensatz zum deutschen Konkurrenten serienmäßig mit. In beiden Konkurrenten folgt die Bedienung den im VW-Konzern üblichen Schemata und ist, was die wesentlichen Funktionen angeht, schnell erlernt. Doch auch dem Simply-Clever-Gedanken, mit dem die Tschechen ihren Autos pfiffige Lösungen mit auf den Weg geben, trägt der Skoda Scala Rechnung. Ob mit dem bereits bekannten Regenschirm in der Türverkleidung oder einem ausklappbaren Trichter im Einfüllstutzen für das Scheibenwaschwasser: Details wie diese zeigen, dass bei der Entwicklung Praktiker am Werk waren.

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115 PS starke Dreizylinder reichen völlig aus

Für den ersten Fahrvergleich standen der Skoda Scala und der VW Polo jeweils mit dem 1,0 Liter Hubraum messenden Dreizylinder-Turbobenziner mit 115 PS zur Verfügung. In beiden Fällen gelangt die Leistung über ein perfekt schaltbares Sechsgang-Getriebe an die Vorderräder. Hier wie dort merkt man dem Motor lediglich unter Last seine ungerade Zylinderzahl an. Im Scala wirkt das Aggregat allerdings subjektiv eine Spur besser geräuschgedämmt. Unter 2000 Touren tut sich indes nicht viel. Ist diese Marke erst einmal überschritten, jubelt das Aggregat sowohl im VW als auch im Skoda munter durchs Drehzahlband. Schaltfaules Fahren ist dank 200 Newtonmeter Drehmoment in beiden Kandidaten ebenfalls möglich, solange die Drehzahl eben nicht unter 2000/min absinkt. Dann ist der Griff zum Schalthebel nötig. Aufgrund des um 85 Kilogramm höheren Leergewichts wirkt der Skoda Scala im Vergleich nicht ganz so spritzig wie der VW Polo, was allerdings nicht mit langsam verwechselt werden sollte. So beschleunigen beide unter zehn Sekunden auf Tempo 100 und erreichen in der Höchstgeschwindigkeit die 200 km/h-Marke, was im Alltagsbetrieb schließlich für die Mehrzahl der Einsatzzwecke locker ausreichen dürfte. Auf kurvigem Terrain wirkt der Polo aufgrund seiner geringeren Abmessungen und des niedrigeren Fahrzeuggewichts eine Spur agiler, ohne dass man dem Skoda tatsächlich Behäbigkeit vorwerfen könnte. Beide Autos verfügen nicht nur über sauber abgestimmte Fahrwerke mit hohen Sicherheitsreserven, sondern auch über gekonnt programmierte Regelsysteme. Beide gefahrene Kandidaten boten neben adaptiven Dämpfern eine Fahrprofilauswahl, die sich beim Polo im Gegensatz zum Scala sogar individuell konfigurieren lässt.

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VW Polo im Video:

 
 

Skoda Scala ist vergleichsweise günstig

Zum Marktstart steht der gefahrene Skoda Scala 1.0 TSI für 21.450 Euro in der "Ambition"-Ausstattung beim Händler, während Wolfsburg für den VW Polo als "Comfortline" 19.285 Euro aufruft. Das zeigt, dass die Zeiten, in denen Skoda als Preisbrecher fungierte, vorbei sind. Obwohl er auf einer Kleinwagenplattform basiert, ragt der Scala mit seinem Format bereits in die Kompaktklasse. Angesichts der Serienausstattung, die zum Beispiel eine elektronische Querdifferenzialsperre (XDS+), LED-Tagfahr- und -Abblendlicht, Nebelscheinwerfer, Klimaanlage, Parksensoren hinten und ein Multifunktionslenkrad umfasst, kann die Preisgestaltung als fair bezeichnet werden. Der VW Polo ist zwar im Grundpreis billiger, kann aber bei der Ausstattung des Skoda Scala nicht mithalten.

Fahrbericht Skoda Scala (2019)
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Technische Daten Skoda Scala & VW Polo

AUTO ZEITUNG 10/2019Skoda Scala 1.0 TSIVW Polo 1.0 TSI
Technik
Zylinder/Ventile pro Zylin.3/4; Turbo3/4; Turbo
Hubraum999 cm³999 cm³
Leistung85 kW/115 PS85 kW/115 PS
Max. Gesamtdrehmoment200 Nm200 Nm
Getriebe/Antrieb6-Gang manuell/Vorderrad6-Gang manuell/Vorderrad
Messwerte
Leergewicht (Werk/Test)1165/- kg1080/- kg
Beschleunigung (Test)  
0 - 100 km/h9,8 s9,5 s
Höchstgeschwindigkeit (Werk)201 km/h200 km/h
Verbrauch (Test/WLTP)5,0/- l S/100 km4,6/- l S/100 km
CO2-Ausstoß (Test/EU)113/- g/km104/- g/km
Preise
Grundpreis21.450 Euro19.285 Euro

von Elmar Siepen von Elmar Siepen
Unser Fazit

Mit dem neuen Skoda Scala bleiben die Tschechen ihrem Erfolgsrezept treu, viel Auto fürs Geld zu bieten. Das heißt: Platz, Innenraum- und Fahrkomfort rangieren eine ganze Klasse höher. Dagegen ist der auf der gleichen Plattform aufbauende VW Polo nach wie vor ein Kleinwagen. Wer indes auf die Raumfülle des Skoda verzichten kann, ist mit dem Wolfsburger Erfolgsmodell immer noch gut bedient und spart obendrein auch noch über 2100 Euro am Anschaffungspreis ein – die sich allerdings aufgrund der besseren Serienausstattung des Skoda Scala wieder ein Stück weit relativieren.

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