Dieselskandal: Anklage gegen VW-Chef Diess VW-Führungsriege wegen Marktmanipulation angeklagt

von Christina Finke 24.09.2019

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hat die Volkswagen-Führungsriege rund um VW-Chef Herbert Diess wegen Marktmanipulation angeklagt. Und: Die im Dieselskandal verhängte Milliardenstrafe hat VW gezahlt, bestätigt Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil. Dieser Artikel wurde am 24.09.2019 aktualisiert!

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hat am 24. September 2019 Anklage gegen VW-Chef Herbert Diess, Ex-Konzernvorstand Martin Winterkorn und Aufsichtsratchef Hans Dieter Pötsch erhoben. Der Führungsriege des Volkswagen-Konzerns wird vorgeworfen, Anleger im Jahr 2015 nicht rechtzeitig über die Risiken des Dieselskandals informiert zu haben, wie die Strafverfolger mitteilten. Den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zufolge wussten die VW-Manager früher als bisher eingeräumt von konkreten Täuschungen bei den Abgasdaten in den USA und den damit verbundenen finanziellen Folgen. In einer Mitteilung dazu hieß es: "Den genannten - ehemaligen oder amtierenden - Vorstandsmitgliedern der Volkswagen AG wird vorgeworfen, entgegen der ihnen obliegenden gesetzlichen Pflicht den Kapitalmarkt vorsätzlich zu spät über die aus dem Aufdecken des sogenannten Diesel-Skandals resultierenden erheblichen Zahlungsverpflichtungen des Konzerns in Milliardenhöhe informiert und damit rechtswidrig Einfluss auf den Börsenkurs des Unternehmens genommen zu haben." Investoren verlangen Entschädigung für den damaligen Einbruch des Aktienkurses und argumentieren, dass die VW-Spitze die Finanzwelt früher über die Risiken des Dieselskandals hätte ins Bild setzen müssen. Dazu läuft auch ein Kapitalmarkt-Musterverfahren in Braunschweig. VW selbst zeigt wenig Verständnis für die Entscheidung der Staatsanwaltschaft, Anklage gegen VW-Chef Herbert Diess, Ex-Konzernvorstand Martin Winterkorn und Aufsichtsratchef Hans Dieter Pötch zu erheben: Der Konzern habe "in den zurückliegenden nahezu vier Jahren den Sachverhalt akribisch (...) untersucht. Das Ergebnis sei eindeutig, die Vorwürfe demnach unbegründet. Daher wolle man auch weiterhin an Herbert Diess als VW-Vorstandschef festhalten.  Mehr zum Thema: Audi zahlt Millionen-Strafe im Dieselskandal

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Dieselskandal: Anklage gegen VW-Chef Diess erhoben

Der VW-Konzern hat das im Dieselskandal verhängte Bußgeld in Höhe von einer Milliarde Euro auf die niedersächsischen Landeskasse eingezahlt. Das sagte Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) am Mittwoch, 20. Juni 2018, im Landtag in Hannover. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hatte in der vorangegangenen Woche die Geldbuße gegen den Konzern wegen Aufsichtspflichtsverletzung im Dieselskandal verhängt. Diese seien laut Staatsanwaltschaft "mitursächlich" dafür, dass von Mitte 2007 bis 2015 "insgesamt 10,7 Millionen Fahrzeuge mit dem Dieselmotor der Typen EA 288 (Gen3) in den USA und Kanada sowie EA 189 weltweit mit einer unzulässigen Softwarefunktion beworben, an Abnehmer veräußert und in den Verkehr gebracht wurden". Die Geldbuße setzt sich laut Volkswagen aus dem gesetzlichen Höchstmaß einer Ahndung in Höhe von fünf Millionen Euro sowie einer Abschöpfung wirtschaftlicher Vorteile in Höhe von 995 Millionen Euro zusammen. "Volkswagen bekennt sich damit zu seiner Verantwortung für die Dieselkrise und sieht darin einen weiteren wesentlichen Schritt zu ihrer Bewältigung", heißt es in einer Mitteilung von VW. Damit wurde das laufende Ordnungswidrigkeitenverfahren beendet. "Volkswagen geht davon aus, dass die Beendigung dieses Verfahrens auch erhebliche positive Auswirkungen auf weitere in Europa gegen die Volkswagen AG und ihre Konzerngesellschaften geführte behördliche Verfahren haben wird." Konkrete Planungen für die Verwendung des Bußeldes von einer Milliare Euro von VW seien erst nach der Haushaltsklausur der Landesregierung zu erwarten, die Ende Juni 2018 zu Ende geht. Sie arbeite an einem Konzept für die Verwendung der Mittel. Nach Ansicht von Schleswig-Holsteins Finanzministerin Monika Heinold (Grüne) sollte die Milliardenbuße aber allen Bundesländern zugute kommen. "Niedersachsen weiß nicht wohin mit der Milliarde, während die Kommunen bundesweit mühsam das Geld für die Umsetzung von Luftreinhalteplänen zusammensuchen."

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