VR6-Motor von VW (1991): Anfang und Ende einer Legende

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Der VR6-Motor (1991) von VW im Motorraum des VW Corrado.
VW VR6-Motor (1991) Foto: Klaus Huber-Abendroth

Mit dem VR6-Motor gelang VW 1991 das scheinbar unmögliche: ein potenter Sechszylinder, der quer eingebaut in einen kompakten Fronttriebler passt.

Der VW Passat VR6 (1991) fahrend von der Seite fotografiert.
VW Passat VR6 (1991) Foto: AUTO ZEITUNG

Zuerst profitierte allerdings nicht der Golf, sondern der Passat B3 vom neuen Aggregat.

Der VW Golf VR6 (1991) statisch von vorne fotografiert.
VW Golf VR6 (1991) Foto: VW

Bis zu 190 PS (140 kW) waren im Golf 3 drin, womit der VR6 den GTI deutlich überflügelte.

Der VW Corrado VR6 (1992) fahrend von schräg vorne fotografiert.
VW Corrado VR6 (1992) Foto: Klaus Huber-Abendroth

Die gleichen Leistungswerte galten für den Corrado, der bis zu 235 km/h Spitze lief.

Der VW New Beetle RSi (2001) statisch von hinten fotografiert.
VW New Beetle RSi (2001) Foto: VW

Der VR6 passte sogar in den New Beetle, wo er in Verbindung mit dem RSi-Paket einen echten Rundstreckenrenner formte.

Der VW Sharan VR6 (1996) statisch von schräg vorne fotografiert.
VW Sharan VR6 (1996) Foto: VW

Der VR6 war jedoch nicht nur Sportsfreund, sondern beschleunigte auch gerne mal die ganze Familie, zum Beispiel im ersten VW Sharan.

Der Audi TT 3.2 (2005) fahrend von schräg vorne fotografiert.
Audi TT 3.2 (2005) Foto: Audi

Neben der Kernmarke profitierte auch der Audi TT vom kompakten Kraftpaket.

Der Porsche Cayenne (2003) statisch von schräg vorne fotografiert.
Porsche Cayenne (2003) Foto: Porsche

Der VR6 besaß genug Kraftreserven, um als Einstiegsmotorisierung des Porsche Cayenne zu fungieren.

Der VW Talagon (2021) aus China statisch von schräg vorne fotografiert.
VW Talagon (2021) Foto: VW

Bis zu seinem Ende im Dezember 2024 lebte er unter anderem im chinesischen VW Talagon, mit 296 PS (218 kW) und Turboaufladung.

Im Jahr 1991 debütierte ein Motor, der nicht nur Passat und Golf Beine machen sollte, sondern dem gesamten VW-Konzern eine unerwartete Dynamik verlieh: der VR6. Im Dezember 2024 drehte er seine letzte Kurbelwellenrunde.

Als VW den VR6-Motor 1991 in den Passat B3 einbaute, war eigentlich nichts Revolutionäres geschehen: Die Idee, die platzsparende V-Bauweise mit der Kosteneffektivität und der schmalen Form eines Reihenmotors zu kombinieren, hatte bereits Lancia 70 Jahre zuvor. In einer Zeit, in der BMW und Mercedes plötzlich Zwölfzylinder auflegten und auch in den Klassen darunter mehr Töpfe mehr Prestige versprachen, sah VW die Möglichkeit, aufzustocken. Plötzlich werkelte 1991 im biederen Passat ein Sechszylinder – und selbst in den überschaubaren Motorraum des allgegenwärtigen Golf 3 passte das Aggregat.

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In Wolfsburg hatte man den Motor speziell für Modelle entwickelt, in denen er quer zur Fahrtrichtung saß. Deshalb legte VW den Hubraum mit 81,0 x 90,3 mm (2,8 VR6) betont langhubig aus, um an Einbaubreite zu sparen. Wegen des geringen Zylinderwinkels von nur 15 Grad reichte ein einziger Zylinderkopf aus. Den konstruktionsbedingten unrunden Motorlauf wegen unterschiedlich langer Ansaugkanäle löste die Ingenieursabteilung mittels einer geometrischen Gestaltung der Ansaugbrücke. Somit gelangt das Gemisch gleichmäßig in alle Zylinder des VR6-Motors.
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Video: AUTOZEITUNG

Historie des VW VR6-Motors (1991): Nicht nur im Golf und Passat mit viel PS

Der Konstruktionsaufwand des VR6-Motors lohnte sich natürlich nur, falls VW genügend Modelle damit ausrüstete. Und die sollten über die Jahrzehnte folgen: Nach dem Passat und dem Golf 3 ging der Corrado als frühe VR6-Rakete in die Historie ein. Mit sechs Töpfen und bis zu 190 PS (140 kW) schoss der Scirocco-Erbe ab 1992 mit 235 km/h über die Autobahn. Noch wilder ging es im New Beetle RSi zu, der den Cup-Rennwagen nachempfunden war und dem VR6 sogar 224 Pferde (165 kW) entlockte. Mit 250 limitierten Exemplaren zum Preis von wahnwitzigen 135.930 D-Mark galt der Sportler schon damals als reines Sammlerauto. Wer der eigenen Familie das kultige Aggregat vorführen wollte, wählte den geräumigen VW Sharan mit 174 PS (128 kW).

Darüber hinaus kam der Sechszylinder in so ziemlich allen VW der Kompaktklasse und aufwärts, aber auch in diversen Seat-, Skoda-, Porsche- und Audi-Modellen zum Einsatz, darunter der TT und die Einstiegsvariante des Cayenne. Außerdem diente der VR6 als Basis für die W-Triebwerke des Passat W8, Bentley W12 und Bugatti W16, die im Grunde um zwei Zylinder verkürzte VR6-Motoren waren, die doppelt, dreifach oder wie in Bugatti Veyron oder Chiron vierfach zu einem großen Motor zusammengesetzt wurden. Diese Extrembeispiele beweisen das ungeheure Potenzial des VR-Motors, der hierzulande bereits 2010 mit dem VW Passat R36 von der Bildfläche verschwand.

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Nach knapp 1,87 Mio. Exemplaren ist Ende 2024 Schluss

Doch in den USA und China lebte der VR6 noch deutlich länger, unter anderem im US-Modell Atlas und in den großen China-SUV Teramont und Talagon. Mittels Turboaufladung kam das kompakte Kraftwerk auf 299 PS (220 kW) und übertrug seine Power längst über ein modernes Siebenstufen-DSG auf alle vier Räder. Doch seit dem 12. Dezember 2024 ist auch damit Schluss: Der VW-Sprecher und ehemalige AUTO ZEITUNG-Tester Andreas Schleith verkündete via LinkedIn, dass der VR6-Motor nach 34 Jahren und nahezu 1,87 Mio. Exemplaren endgültig das Zeitliche segnet. Damit hat VW die gesamte Motorenfamilie beerdigt, denn ein paar Monate zuvor liefen auch die W12- und W16-Motoren bei Bentley beziehungsweise Bugatti aus.