Tachomanipulation erkennen: Gebrauchtwagenkauf So können sich Gebrauchtwagenkäufer vor Tachobetrug schützen

von Christina Finke 15.05.2020

Eine Tachomanipulation ist nicht auf Anhieb zu erkennen. Doch etwa jeder dritte Gebrauchtwagen in Deutschland wird mit manipuliertem Tacho verkauft. Mit niedrigen Kilometerständen wollen Betrüger den Preis erhöhen. So können sich Käufer vor Tachobetrug schützen! 

Jeder dritte in Deutschland verkaufte Gebrauchtwagen ist laut Polizei von Tachomanipulation betroffen. Denn Betrüger wissen, dass ein gebrauchtes Auto kräftig an Wert gewinnt, wenn es noch nicht allzu viele Kilometer auf dem Buckel hat. Mit gefälschten Tachoständen erschummeln sie sich so im Schnnitt eine Wertsteigerung von rund 3000 Euro, wie ADAC-Tests ergaben. Da so gut wie keiner der aktuellen Gebrauchten vor Manipulationen sicher sein soll, gibt es aber immerhin Mittel und Wege, den Betrug aufzudecken. So sollte eine geringe Laufleistung in Verbindung mit einem vergleichsweise günstigen Preis Käufer bereits vorsichtig werden lassen. Die AUTO ZEITUNG erklärt, wie man Tachomanipulation erkennen kann und worauf man beim Gebrauchtwagenkauf ganz besonders achten sollte. Mehr zum Thema: Wohnmobil als Gebrauchtwagen kaufen?

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Tachomanipulation erkennen (Video): 

 
 

Gebrauchtwagenkauf: Tachomanipulation erkennen

Um sich vor der Betrugsmasche zu schützen und eine Tachomanipulation zu erkennen, sollten Gebrauchtwagen-Käufer möglich viele Unterlagen wie etwa Reparatur-Rechnungen, AU- und HU-Berichte studieren. Auch ein Blick in das Inspektionsheft kann helfen, soweit eines vorhanden ist. Ist es lückenlos geführt, sind hier in der Regel alle Reparaturen und Hauptuntersuchungen aufgelistet – inklusive der Kilometerstände. Kann der Verkäufer diese Unterlagen nicht vorweisen, ist von einem Kauf des betreffenden Gebrauchtwagens abzuraten. Interessenten sollten darüber hinaus auf einen Gebrauchtwagencheck bestehen, wenn der Verkäufer keine Gebrauchtwagen-Garantie vorweisen kann. Werkstätten der ADAC oder Prüforganisationen bieten solche Inspektionen an. In diesem Zuge werden unter anderem Innenraum, Motor und Getriebe, Abgas- und Bremsanlage, Unterboden sowie Räder und Achsen genau unter die Lupe genommen. Ob der Zustand des Fahrzeugs zum Kilometerstand passt, lässt sich so relativ zuverlässig ermitteln. Mit einem genauen Blick ins Cockpit des Wagens, können aber auch Gebrauchtwagenkäufer selbst Hinweise auf eine eventuelle Tachomanipulation entdecken. Zeigt der Tacho etwa gerade mal 20.000 Kilometer an, doch das Lenkrad ist abgenutzt, die Sitze sind stark eingesessen und die Pedalauflagen verschlissen, sollten potenzielle Gebrauchtwagenkäufer skeptisch sein. Aber auch eine einwandfreie Innenausstattung kann täuschen, da viele Betrüger Bauteile wie das Lenkrad vor dem Verkauf ersetzen. Darüber hinaus sollten Käufer sich über den Aufkleber untner der Motorhaube über den nächsten Ölwechsel informieren. Muss das Öl etwa bei 180.000 Kilomtern ausgetauscht werden, der Tacho zeigt aber nur 100.000 Kilometer an, stimmt ganz offensichtlich etwas nicht. In der Regel muss Motoröl nämlich alle 30.000 Kilometer gewechselt werden. Eine Tachomanipulation liegt in diesem Fall also durchaus nahe.

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Tachomanipulation ausschließen: Vorbesitzer kontaktieren

Wer einen Gebrauchtwagen beim Händler kauft, sollte Kontakt zum Vorbesitzer aufzunehmen, um so eine eventuelle Tachomanipulation zu erkennen. Den Namen finden Käufer in der Zulassungsbescheinigung Teil II (Fahrzeugbrief). Diesen sollten sie dann nach Unterlagen wie AU- und HU-Berichten fragen und darüber hinaus kläaren, mit welchem Kilometerstand das Auto verkauft wurde. Weitere Vorbesitzer stehen teilweise auch im Service-Heft. Außerdem sind Käufer gut beraten, sich nicht auf Verkäuferangaben wie "Kilometerstand laut Tacho" oder "Kilometerstand abgelesen" zu verlassen, sondern auf der schriftlichen Angabe der tatsächlichen Laufleistung im Kaufvertrag bestehen. Im Verdachtsfall sollte in der Werkstatt das Produktionsdatum von Tacho und Steuergeräten ermittelt werden, da sie möglicherweise bei der Tachomanipulation beschädigt und anschließend ersetzt worden sein könnten. Dann passt ihr Herstellungsjahr nicht zu dem des Fahrzeugs. Einzige Ausnahme: Der Vorbesitzer kann den Tausch wegen eines Defekts belegen.

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