Renault Avantime Trophy: Posthum zur Rennsemmel
Der Renault Avantime war seiner Zeit voraus, wird aber gerade zum Spätzünder: Ein Designer verhilft dem verkannten Genie zu Carbonhaut und Renntrimm.
Der Verkaufsflop geriet schlagartig zum Sammlerstück
Renault ist immer gut für Innovationen. Teils kreieren die betroffenen Modelle regelrechte Trends, so wie früher die Vans Espace und Scénic. Teils werden sie aber auch zu belächelten Skurrilitäten. Der Renault Avantime zählt klar zur letzten Kategorie. Der hoch bauende „Coupéspace“ sollte 2001 das Modellprogramm nach oben abrunden, dabei den deutschen Premiummarken ein paar Kund:innen abspenstig machen. Doch er geriet zum Flop. Nicht einmal 8600 Autos wurden vornehmlich auf Halde gebaut. Kurios: Sobald entschieden war, die Produktion nach zwei verlustreichen Jahren einzustellen, avancierte das Vehikel zum Sammlerobjekt. Teils befeuert der Avantime sogar noch heute die Vorstellungskraft von Leuten, die ihn posthum zur Rennsemmel befördern wollen. Wie etwa der Grafikdesigner Max Danner.
Auf Instagram publiziert Danner regelmäßig Designs von Motorrädern und Autos aus der Vergangenheit, die er mittels künstlicher Intelligenz in eine imaginäre Zukunft beamt. Am Renault Avantime hat er solch einen Narren gefressen, dass er seine gesamten KI-Credits aufgebraucht hat. War auch kein kleiner Umbau. Der Renault hüllt sich komplett in Carbonfaser. Mit tief gezogenen Spoilern, Schürzen und einem doppelten Heckflügel kommt er daher, als wolle er neben der Nordschleife gleich die gesamte Eifel einebnen.
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Der Avantime Trophy gemahnt an den noch wahnwitzigeren Espace F1
Aus den Radhäusern wachsen Slicks auf rabenschwarzen Felgen, die auch einem DTM-Renner gut zu Gesicht stünden. Auch der gelb lackierte Käfig, der die Gitterrohrstruktur des Avantime stabilisiert, hat mit dem Ursprungsgefährt nichts mehr zu tun. Die grundlegende Architektur mit den großen Fensterflächen und dem Knick in der Heck-Optik blieb dabei erhalten. Dazu zählen auch die jeweils 60 kg schweren Türen, die nicht nur aufklappten, sondern dabei auch etwas nach vorne glitten, um den Öffnungswinkel der endlos langen Tore zu vergrößern. Wie beim Renault-Lieferanten Matra in den 2000er-Jahren üblich, waren die Türen selbstredend so schlampig verarbeitet und eingepasst, dass es meist mehrerer Anläufe bedarf, um sie ordentlich zu schließen.
Was unter der reptilienartigen Carbonhaut des Avantime stecken soll, darüber schweigt sich der Designer aus. Nur am Langstreckenrennen auf dem Nürburgring würde Danner gerne damit teilnehmen. Dafür könnte ein Vorbild aus den Neunzigerjahren Inspiration bieten: Damals hatte Renault einen Espace F1 aufgelegt, mit V10-Mittelmotor und dystopischen 810 PS (596 kW). Der Zehnzylinder würde wahrscheinlich niemals 24 Stunden Rennbetrieb durchhalten. Trotzdem könnte er dem „Avantime Trophy“ auf einer schnellen Runde zu dem Ruhm verhelfen, der ihm bei seiner Geburt versagt geblieben ist.
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