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Plug-in-Hybrid: Erfahrungen im Alltagstest So den Plug-in-Hybrid richtig nutzen

von Johannes Riegsinger 06.12.2021

Plug-in-Hybride sind steuerlich günstig, werden von der staatlichen Förderung berücksichtigt, gelten aber gelegentlich als Mogelpackungen. Ihr Potenzial steckt allerdings nicht in plakativen Hocheffizienzleistungen, sondern im klugen Alltagseinsatz. Die Probe aufs Exempel mit dem Mercedes E 300 de gibt Erfahrungswerte.

Ein altbekanntes Fazit wird bei unserem Alltagstest unseres Plug-in-Hybrid-Modells aus Stuttgart gleich zu Beginn fällig: Es kommt auf die Person am Steuer sowie deren Erfahrungswerte an. Wer vorausschauend unterwegs ist, Zurückhaltung mit dem Gasfuß übt und die PHEV-Technik seines Autos mit Köpfchen nutzt, kann mit modernen Plug-in-Hybriden sehr gute Effizienz-Potenziale erreichen. Aber wie sieht es aus, wenn man es mal eilig oder am Abend zuvor das Ladekabel nicht eingesteckt hat? Dann dürfte doch der alte Elon Musk-Spruch gelten, nach dem Plug-in-Hybrid-Modelle lediglich die Nachteile von Elektroautos mit denen eines Verbrenners verbinden. Schließlich schleppt der gute alte Otto oder Diesel im Plug-in-Hybrid lediglich das Zusatzgewicht des modernen Elektro-Antrieb-Feigenblatts durch die Gegend, unken Kritiker:innen und bemängeln, dass es für die Plug-in-Hybrid-Technik überhaupt steuerliche Vergünstigungen und Förderungen abzuholen gibt. Dass Plug-in-Hybrid-Modelle über den gemittelten CO2-Ausstoß mit Kfz-steuerrelevanten CO2-Fabelwerten glänzen können, führt zum Beispiel im Fall eines Mercedes E 300 de zu einer Kfz-Steuer von lediglich 190 Euro, ein vergleichbarer Mercedes E 300 d 4Matic kostet bereits 311 Euro. Und das, so die Kritik, wo der Plug-in-Hybrid-Diesel mit leerer Batterie den CO2-reduzierenden Beitrag seiner Elektro-Antriebskomponenten doch irgendwie überhaupt nicht ausspielt – total unfair. Wirklich dramatisch – und hochinteressant für Dienstwagenfahrer:innen – wird es allerdings beim Thema "Geldwerter Vorteil": Bleiben wir beim Vergleichs-Duo aus E 300 de und E 300 d 4Matic, das zwar nicht endgültig vergleichbar ist, aber die steuerlichen Vorteile des Plug-in-Hybrids trotzdem sehr plakativ macht. Der bei privater Nutzung jeden Monat zu versteuernde geldwerte Vorteil des Mercedes E 300 de liegt bei 315 Euro – das ist ein halbes Prozent des Bruttolistenpreises. Für den E 300 d 4Matic müssen Dienstwagenfahrer:innen jeden Monat ein Prozent, also mindestens 648 Euro, zum persönlichen Steuersatz versteuern. Macht bei einem Steuersatz von 40 Prozent ein sattes Plus von 1600 Euro pro Jahr für den Fiskus. Mehr zum Thema: Unsere Produkttipps auf Amazon

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Der Mercedes E 300 de im Plug-in-Hybrid Alltagstest

Dass die umstrittene Plug-in-Hybrid-Technik aber trotz aller Kritik zu Unrecht als Mogelpackung beschimpft wird, soll ein Alltagstest zeigen. Und wieder darf der Mercedes E 300 de als Kandidat dienen: Zwar kann er noch nicht mit einem großen, schnellladefähigen Akku und der beeindruckenden elektrischen Reichweite der letzten Generation an Plug-in-Hybriden glänzen, er zeigt sich aber trotzdem im Alltag von seiner besten Seite. Nach fünf Stunden an der Garagen-Haushaltssteckdose ist sein 7,4 KW fassender Akku vollgeladen, an einer Wallbox oder öffentlichen Ladestation dauert der Vorgang anderthalb Stunden. In den kalten Monaten spricht übrigens nicht nur eiserner Sparwille fürs Verkabeln des Hybrids in Carport oder Garage: Per aktivierter Standheizung elektrisch vorgeheizt, rollen Fahrer:innen und Verbrenner ganz ohne Kälte-Krampf in den Tag. Dabei hat der Verbrennungsmotor des E 300 de erst einmal Pause: Elektroleise und abgasfrei geht es im Electric-Modus durchs Wohngebiet – das freut die Nachbarschaft. Und weil die 122 PS starke E-Maschine mit 440 Newtonmeter Drehmoment mit deftigem Bums und höchster Spontanität agiert, auch uns. Spurtstark, superleise und bis zu 130 km/h schnell ist der Mercedes E 300 de im Electric-Modus ein überzeugendes E-Auto. Der sanft knurrende Diesel-Vierzylinder bleibt im Electric-Modus übrigens konsequent aus, man muss das rechte Pedal schon mutwillig in den Kick-down drücken, um ein Anspringen des Verbrenners zu provozieren. Wenn sich dann der SoC (State of Charge/Ladestatus) seinem Ende zuneigt, dürften viele Pendler:innen bereits wieder den Heimweg geschafft haben. Im Test-Zyklus der AUTO ZEITUNG reichte die kleine Batterie des E 300 de zwar nur für eine rein elektrische Reichweite von 38 Kilometer – viele fahren aber erfahrungsgemäß überhaupt nicht so viel. Und selbst wenn das Batteriesymbol im Cockpit "0 %" zeigt, stimmt das nicht: Einen Kapazitätsrest hält die Regelelektronik nämlich immer vor. Der Rest an Energie in der Batterie macht sich nun bemerkbar, der E 300 de wird wie nahezu alle Plug-in-Hybrid-Modelle mit "leerer" Batterie zum Mild-Hybrid-Fahrzeug: Elektrisches Rangieren ist ebenso immer noch möglich wie elektrisches Stop-and-go-Rollen. Hauptsächlich schiebt die Elektro-Maschine aber beim Beschleunigen verbrauchsreduzierend mit und wird beim Bremsen oder Bergabrollen zum Generator: Das Plug-in-Hybrid-Auto rekuperiert dynamische Energie zurück in die Batterie. Auf langen Bergabkilometern über Mittelgebirgshausstrecken finden sich so sogar wieder ein paar Prozent Batterie-SoC oder elektrische Extra-Kilometer. Die auf den Geschmack gekommene Plug-in-Hybrid-Fahrer:innen ernten diese wie Trüffel. Andere halten Aktienkurse im Blick und technisch bewusste E 300 de-Fahrer:innen die Energiefluss-Diagramme und Verbrauchsanzeigen ihrer elektrifizierten E-Klasse. Fahrfreude kann viele Aspekte haben. Mehr zum Thema: Die Kfz-Steuer bei Plug-in-Hybriden

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Erfahrungen: So Plug-in-Hybrid im Alltag richtig nutzen

Natürlich sollten sich Plug-in-Hybrid-Fahrer:innen auch mit den intelligenten Hybrid-Funktionen ihres Autos vertraut machen. Wer im Alltag mit aktiver Zielführung navigiert, versorgt zum Beispiel den Mercedes E 300 de mit Topografie- oder Verkehrsdaten entlang der Route. Das Hybrid-System schlägt dann nicht nur eine möglichst effiziente Strecke vor, sondern nutzt clever den gespeicherten Strom: Durch besonders kräftiges Bergaufschieben etwa, wenn das System weiß, dass es dahinter lange bergab geht und der Akku dort wieder volllaufen wird. Ziemlich praktisch. Die Erfahrung zeigt also, besser mit "Navi An" und – wie unsere Pendel-Simulation in der Galerie zeigt – im Eco-Modus fahren. Dann sind auch bei leerer Batterie die Funktionen des Plug-in-Hybrids alle voll aktiv, das Auto bremst/rekuperiert zum Beispiel im Takt mit vorausfahrendem Verkehr und sorgt neben noch mehr Effizienz sogar für eine Prise Entlastungskomfort. Und wie ist es auf der Autobahn? Auch hier machen sich die Spareffekte elektrischen Mitschiebens und Rekuperierens – wenn auch nur gering – bemerkbar, und der Mercedes E 300 de hat mit seinem souveränen Diesel im meist gleichförmigen BAB-Betrieb sowieso kein echtes Problem mit den Zusatz-Pfunden der Plug-in-Hybrid-Technik: Rund 350 Kilometer haben wir im E 300 de autobahnbolzend zwischen Köln und Stuttgart im Geschwindigkeitsbereich von 120 bis gelegentlich auch über 200 km/h zurückgelegt – das Ergebnis war ein Durchschnittsverbrauch von 7,8 Liter auf 100 Kilometer. Mercedes hat also gute Gründe für den Plug-in-Hybrid-Diesel. Mehr zum Thema: Steuervorteil für Elektroautos & Plug-in-Hybride

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Unser Fazit

Glas halb voll oder halb leer? Sind Plug-in-Hybride schwache Kompromisse oder eine starke Balance aus Elektroauto und Verbrenner? Wenn man sie im Alltag richtig nutzt, auf jeden Fall zweiteres. Regelmäßiges Laden sollte zum Alltagsritual gehören, eine Lektüre der Bedienungsanleitung muss ebenfalls sein: Wer versteht und nutzt, was das Auto kann, spart erst richtig. Und hat auch Spaß.

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