Barolo trifft Äppelwoi: Fiat 130 Coupé & Opel Commodore GS/E

Seit 2021 machen Opel und Fiat unter dem Stellantis-Dach gemeinsame Sache. Doch schon vor 50 Jahren gab es Gemeinsamkeiten: mit Opel Commodore GS/E und Fiat 130 Coupé hatte man schicke Zweitürer mit sechs Zylindern im Angebot. 

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Opel Commodore GS/E und Fiat 130 Coupé statisch von der Seite und von vorne fotografiert.
Opel Commodore GS/E/Fiat 130 Coupé Foto: Markus Sende

Äppelwoi meets Barolo: Im Opel Commodore lockt die rustikale Erfrischung, im Fiat 130 das nuancenreiche Bouquet.

Fiat 130 Coupé fahrend von schräg vorne fotografiert.
Fiat 130 Coupé Foto: Markus Sende

 Der Fiat ist kein Kurvenräuber, sein Fahrwerk eher gutmütig ausgelegt. Es lässt aber bei Bedarf durchaus auch eine etwas flottere Gangart zu. 

Fiat 130 Coupé fahrend von schräg hinten fotografiert.
Fiat 130 Coupé Foto: Markus Sende

Sicherheitsdenken bei Fiat: Die großen Rückleuchten ragen um die Ecken, um auch von der Seite gesehen werden zu können.

Das Cockpit des Fiat 130 Coupé.
Fiat 130 Coupé Foto: Markus Sende

Bis auf das Lenkrad entspricht das Cockpit dem der Limousine, wirkt auf den ersten Blick etwas zerklüftet. 

Der Innenraum des Fiat 130 Coupé.
Fiat 130 Coupé Foto: Markus Sende

Chrom, Holz, Leder – aus seinem Premium-Anspruch macht das Fiat 130 Coupé keinen Hehl, die Sitze sind vorn wie hinten angenehm ausgeformt. 

Der Motor des Fiat 130 Coupé.
Fiat 130 Coupé Foto: Markus Sende

Der Bankwinkel von 60 Grad verrät, dass es sich nicht, wie oft angenommen, um den V6 des Ferrari Dino handelt – bei diesem beträgt der Winkel nämlich 65 Grad.

Der Opel Commodore GS/E fahrend von schräg vorne fotografiert.
Opel Commodore GS/E Foto: Wim Woeber

Weil er es kann: Frontspoiler und Zusatzscheinwerfer machen den Opel zum Macho. 

Der Opel Commodore GS/E fahrend von schräg hinten fotografiert.
Opel Commodore GS/E Foto: Wim Woeber

Das Design des Commodore wirkt deutlich barocker. Typisch für die Sechszylinder-Modelle ist die schwarze Blende zwischen den Leuchten. 

Das Cockpit des Opel Commodore GS/E.
Opel Commodore GS/E Foto: Wim Woeber

Das Opel-Cockpit präsentiert sich aufgeräumt und mit etwas Holzdekor schick gemacht. 

Der Innenraum des Opel Commodore GS/E.
Opel Commodore GS/E Foto: Wim Woeber

Guter Kompromiss: Auf eng geschnittene Sportsitze verzichtet der Opel zugunsten des Komforts, große Kopfstützen sorgen für mehr Sicherheit. 

Der Motor des Opel Commodore GS/E.
Opel Commodore GS/E Foto: Wim Woeber

Der Reihensechszylinder des Opel hat weniger Hubraum als der italienische V6. 

Parmiggiano oder Handkäse? Barolo oder Äppelwoi? Fioravanti oder Jordan? Wie werden die Unterschiede zwischen Opel Commodore GS/E Coupé und Fiat 130 Coupé am deutlichsten greifbar? Idealerweise bei den Letztgenannten, den Designern: Leonardo Fioravanti stand, ebenso wie Paolo Martin, auf der Lohnliste von Pininfarina, als Fiat sich 1970 dazu entschloss, der 130 Limousine einen schicken Zweitürer zur Seite zu stellen. Chuck Jordan wiederum war 1967 als Chef des neuen Opel Design Studios ins hessische Rüsselsheim gewechselt. Er kam von Cadillac, wo er die mächtigsten Heckflossen der Straßenkreuzer-Ära gezeichnet hatte: die des 59er Eldorado. Die Zeit der Extreme war vorbei, jetzt war Stilsicherheit angesagt. In seinem Team entstanden der Manta A sowie der GT, zwei Meilensteine der Opel-Historie.
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Der Opel Frontera (2024) im Fahrbericht (Video):

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Video: AUTO ZEITUNG

Fiat 130 Coupé & Opel Commodore GS/E: Sportsbrüder

Auch die Verantwortung für die Gestaltung des Commodore B Coupé fiel in Jordans Hände, obwohl wenn er bei dessen Erscheinen 1972 von GM bereits wieder in die USA berufen worden war. Leonardo Fioravanti, von 1964 bis 1988 bei Pininfarina, arbeitete in erster Linie an den Ferrari-Modellen jener Zeit. Paolo Martin war der Mann für Großserienfahrzeuge wie den Peugeot 104 oder Studien wie den BLMC 1800 Aerodinamica, der als Vorläufer des Citroën GS gilt. Martin kam von Bertone und wechselte später zu Ghia. Das illustre Trio hatte also großen Einfluss auf das Automobildesign der 60er- und 70er-Jahre. Unsere Protagonisten zeigen die Vielseitigkeit und die unterschiedlichen Ansprüche der Hersteller.

Die Basis für das große Opel-Coupé ist an sich recht unspektakulär: Im Januar 1972 hatte Opel den Rekord D als soliden Vertreter für die gehobene Mittelklasse vorgestellt. Das Cokebottle-Design des Vorgängers war Geschichte, klare Linie und vor allem große Fensterflächen waren nun angesagt. Die spitz zulaufende Front war mehr als nur eine Spielerei: Sie trug dem Zeitgeist Rechnung, stellte aber auch die Zugehörigkeit zur Manta- und GT-Familie her. Im März 1972 präsentierte Opel den Commodore B als sechszylindrigen Ableger des Rekord. Im Gegensatz zum Basis-Modell wurde dieser nur als viertürige Limousine oder Coupé angeboten. Das Coupé unterschied sich in erster Linie durch die flachere Heckscheibe von der Limousine, für den Commodore gab es zudem neben dem großen Motor eine üppigere Ausstattung.

Das 130 Coupé ist komplett eigenständig

Fioravanti und Martin gingen einen ganz anderen Weg: Das Fiat 130 Coupé erhielt eine komplett eigene Linie, die sich grundsätzlich von jener der Limousine unterscheidet. Unter der Leitung von Felice Mario Boano war deren Design in Fiats eigenem Centro Stilo entstanden, während man Gestaltung und Produktion des Coupés in die Hände Pininfarinas gab. Dort trieb man das bereits recht sachliche, gradlinige Design der Limousine quasi auf die Spitze: Das Coupé wirkt komplett schnörkellos und gerade dadurch so modern. Seine Präsenz im Rückspiegel wird geprägt vom flachen, von breiten Rechteckscheinwerfern flankierten Kühlergrill, die Heckansicht dominieren große Rücklichter. Das Design war inspirierend für viele Automobilentwürfe dieser Ära. Beispiele gibt es vom Ford Granada bis zum Rolls-Royce Camargue reichlich.

Tatsächlich wirkt der Opel – in diesem Fall als GS/E – mit seiner Batterie an (Zusatz-)Scheinwerfern und dem Frontspoiler im direkten Vergleich zum Fiat fast schon verspielt. Gerade damit macht er seine deutlich sportlicheren Ambitionen sichtbar: Ja, der Opel ist der Wilde in diesem Vergleich, während der Fiat mit gediegener Eleganz überzeugt. Äppelwoi meets Barolo: hier die rustikale Erfrischung, dort das nuancenreiche Bouquet.

Der Opel Commodore GS/E fahrend von schräg vorne fotografiert.
Foto: Wim Woeber

160 hessische PS treffen auf 165 Cavalli

Schauen wir unter die Hauben unseres Duos: Aurelio Lampredi hatte dem Fiat 130 einen Sechszylinder in V-Form in den Leib geschneidert. Der Bankwinkel von 60 Grad verrät, dass es sich dabei nicht, wie oft angenommen, um den V6 des Ferrari Dino handelt – bei diesem beträgt der Winkel nämlich 65 Grad. Mit zwei obenliegenden, von einem Zahnriemen angetriebenen Nockenwellen und 3,2 Litern Hubraum leistet der Motor des 130 Coupé 165 PS (121 kW). Dieser V6 ersetzte auch in der Limousine ab dem Facelift 1971 den bisherigen 2,9-l-Motor. Fiat sah den 130 in der gehobenen Klasse, machte keine Abstufung wie Opel mit Rekord und Commodore.

In Rüsselsheim setzte man auf den aus dem Admiral bekannten Reihensechszylinder. Lieferbar waren 2,5 oder 2,8 l Hubraum in verschiedenen Leistungsstufen ab 115 PS (85 kW). Topmodell war der GS/E mit zunächst 160 PS (118 kW), ab 1975 dann 155 PS (114 kW). Um diese Leistung zu ermöglichen, nutzte Opel die Bosch D-Jetronic, während der Fiat-Motor von einem Fallstrom-Doppelvergaser gefüttert wird.

Der Motor des Fiat 130 Coupé.
Foto: Markus Sende

Der Opel mags wild

Tatsächlich macht sein hohes Gewicht den Fiat trotz des leichten Leistungsplus behäbiger. Für den Spurt von 0 auf 100 km/h lässt er sich deutlich mehr Zeit als der Opel. Die AUTO ZEITUNG lobte 1972 die Durchzugskraft des Motors: Das breite nutzbare Drehzahlband ermöglicht auch mal schaltfauleres Fahren, ohne beim Beschleunigen im hohen Gang zum Verkehrshindernis zu werden. Umgekehrt zeichnet ein zu forscher Gasfuß beim Anfahren aus dem ersten Gang schnell mal ein Paar schwarze Streifen auf den Asphalt. An dieser Stelle ist der Frontspoiler zu erwähnen, der mehr ist als ein modischer Gag: Im Windkanal entstanden, soll er der Auftriebskraft bei hohen Geschwindigkeiten entgegenwirken und ermöglicht am Ende sogar die hohe Endgeschwindigkeit des Commodore-Topmodells.

Seien wir ehrlich: Ein gewisses Überholprestige ist ihm nicht abzusprechen. Wenn in den 70er-Jahren ein GS/E im Rückspiegel auftauchte, bot es sich durchaus an, ihm kurz Platz zu machen. Die Halogen-Zusatzscheinwerfer gibt es schon beim Commodore GS ab Werk. Wer die Optik weiter verschärfen wollte, erhielt 1972 für zusätzliche 66 Mark einen breiten, mattschwarzen Rallye-Streifen auf der Motorhaube.

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Der Fiat gibt sich souverän

Den Fiat lässt dieses, pardon: Macho-Gehabe kalt. Er ist trotzdem nicht zu unterschätzen: Stoisch schiebt der Sechszylinder das Coupé der 200-km/h-Marke entgegen, stößt dann aber doch – anders als das GS/E-Triebwerk – bei 190 km/h an seine Grenze. Der Motor des Fiat hatte seinerzeit vor allem mit dem Getriebe zu kämpfen: Da die Italiener mit dem 130 vor allem in der Komfortwertung punkten wollten, kombinierte man den Sechszylinder mit einer Automatik. Die Feinabstimmung hingegen erwies sich offenbar als schwierig: Die Kraft des Motors wurde vom Wandler geschluckt, das Getriebe wechselte recht ruckartig zwischen den Fahrstufen, schaltete bei gemäßigter Fahrweise unnötig oft hin und her.

Die bessere Wahl ist auf jeden Fall die beim Coupé optional angebotene Fünfgang-Schaltung. Doch auch die stellt schnell klar: Sportlichkeit ist nicht das hehre Ziel des Fiat 130 Coupé. Das recht gutmütige Fahrwerk prädestiniert ihn eher zum schnellen, bequemen Reisewagen. Somit wird der Italiener zum Erlebnis für die Sinne, mit "Azzurro" im Ohr geht es dem Horizont entgegen. Der Commodore wirkt in jeder Situation agiler, obwohl sein Radstand nur knapp fünf Zentimeter kürzer ist. Im Commodore warnen die Rodgau Monotones grölend, dass die "Hesse komme". Und schon ist der Commodore ums Eck und biegt in die nächste Kurve ein. 

Technische Daten von Fiat 130 Coupé und Opel Commodore GS/E

Classic Cars 09/2025Opel Commodore GS/EFiat 130 Coupé
Zylinder/Ventile pro Zylin.R6/2V6/2
Hubraum2784 cm³3235 cm³
Leistung118 kW/160 PS bei 5600/min121 kW/165 PS bei 5600/min
Max. Gesamtdrehmoment bei229 Nm 4400/min250 Nm 3400/min
Getriebe/Antrieb4-Gang manuell/Hinterrad5-Gang manuell/Hinterrad
L/B/H4607/1728/1370 mm4842/1760/1353 mm
Leergewicht1240 kg1590 kg
Bauzeit1972-19771971-1977
Stückzahl42.279 (Coupés ges.)4500
Beschleunigung
null auf 100 km/h
8,7 s13,1 s
Höchstgeschwindigkeit200 km/h190 km/h
Verbrauch auf 100 km17,4 l14,7 l
Grundpreis (Jahr)16.795 Mark (1972)28.900 Mark (1972)

Fazit

Die Konzernstrategie macht (nicht nur bei Stellantis) aus einer Plattform möglichst viele Modelle. Natürlich hatten Fiat und Opel vor 50 Jahren noch nichts miteinander zu tun, haben ihre eigenen Autos entwickelt. Unser Vergleich zeigt, wie unterschiedlich man zum Beispiel das Segment der Sechszylinder-Coupés angegangen ist. Der Commodore kann und will seine Familienzugehörigkeit nicht leugnen. Das Fiat 130 Coupé ist ein eigenständiges Modell innerhalb der Großserien-Baureihe geworden: deutlich teurer und dadurch auch deutlich exklusiver. Oder umgekehrt. Das gilt bis heute: Ein 130 Coupé ist nur schwer zu bekommen und zu unterhalten. Der Spaßfaktor indes ist beim viel sportlicheren Opel Commodore B GS/E deutlich größer.