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Geht auch ganz einfach:

Opel Calibra (Studie/Cabrio/Serie): Classic Cars Die geheime Calibra-Studie

Karsten Rehmann 06.05.2022
Inhalt
  1. Der versteckte Star bei der Classic Cars: Die Studie zum Opel Calibra II
  2. Rasant unterwegs im Opel Calibra 2.0 16V 4x4
  3. Verschenkte Gelegenheit: das Opel Calibra Cabrio
  4. Darum kam der Opel Calibra II nie

2019, zum 30. Geburtstag des Calibra, holte Opel eine faustdicke Überraschung aus der Versenkung und zeigte erstmals die 1997 gebaute Designstudie für einen Opel Calibra II. Zur verspäteten Premiere luden wir den Opel Calibra und ein Opel Calibro Cabrio-Protoyp ein. Drei ganz besondere Classic Cars im Vergleich!

Geheimnisse haben in der Automobilindustrie kurze Halbwertzeiten. An jedem neuen Projekt arbeiten viele Beteiligte, die früh eingeweiht werden. Früher oder später sickern fast immer Einzelheiten durch, und Pläne gelangen an die Öffentlichkeit. Insofern handelt es sich bei dieser Story der Classic Cars um eine kleine Sensation, denn die Marke mit dem Blitz hielt das hier gezeigte Designmodell für einen Opel Calibra II mehr als 20 Jahre lang streng unter Verschluss – nichts drang nach außen. Der rote Zweitürer war prädestiniert für eine Premiere auf der Genfer Frühjahrsmesse 1997, aber dazu kam es nicht. GM krempelte damals die komplette internationale Produktplanung auf links und legte das Projekt Calibra II zu den Akten, gemeinsam mit der ursprünglichen Modellstrategie für eine breitspurige Variante der "Epsilon"-Plattform, auf der Ende der Neunzigerjahre ein frontgetriebener Omega C entstanden wäre. Stattdessen realisierte GM für Europa nur die schmale "Epsilon"-Bodengruppe und hoffte, Vectra C und Signum wären ein ausreichender Ersatz für den aus dem Programm verschwindenden Omega. Anstelle eines neuen Opel Calibra kam schließlich mit Verspätung im Jahr 2000 die bei Bertone produzierte Coupé-Variante des Astra G auf den Markt. Wer dessen Silhouette genau mit der Seitenansicht der roten Designstudie vergleicht, entdeckt eine enge Verwandtschaft. Speziell der weit nach vorn gerückte Ansatz der Frontscheibe und das in einem nahezu gleichmäßigen Kreisbogen zum kurzen, hohen Stufenheck hin geschwungene Dach wirken sehr ähnlich. Sogar die Grundform der Heckleuchten des geheimnisvollen Classic Cars findet sich am Serienmodell wieder, und trotzdem wirkt die bislang geheimgehaltene Designstudie wie ein gänzlich anderes Modell – eben kein Astra, sondern ein Opel Calibra. Mehr zum Thema: Unsere Produkttipps von Amazon

Classic Cars Kaufberatung: Opel Calibra
Opel Calibra Kaufberatung: Classic Cars Der Calibra – Opels großer Wurf

Ausblick auf den Opel Mante-e im Video:

 
 

Der versteckte Star bei der Classic Cars: Die Studie zum Opel Calibra II

Im Nachhinein wird offenkundig, weshalb Opel das Astra Coupé nie als Calibra-Nachfolger bezeichnete, denn der stand im Keller der Designabteilung, zugedeckt vom Mantel des Schweigens. Die unter der Regie des damaligen Opel-Chefdesigners Hans Seer entworfene Studie hat ihren zwei Jahrzehnte währenden Dornröschenschlaf gut überstanden und überzeugt noch heute. Das liegt vor allem an der ungemein dynamisch wirkenden Front mit extrem flachen Scheinwerfern und einer tief heruntergezogenen Motorhaube. Der Opel Calibra II greift den Ansatz seines Vorgängers auf und treibt ihn einen Schritt weiter. Im Verbund mit der breiten Spur und den zu Schlitzen reduzierten Lufteinlässen ergibt sich das Gesicht eines echten Sportwagens. Der absolut glattflächige, schnörkellose Wagenkörper und die nach Art des Vectra B sehr windschnittig geformten Außenspiegelgehäuse versprechen einen sehr niedrigen Luftwiderstandsbeiwert. Was Aerodynamik betrifft, hatte Opel schon mit der Urversion des Calibra die Messlatte sehr hoch gelegt: Das Grundmodell des Classic Cars von 1989 erreichte den weltmeisterlichen cw-Wert 0,26, und selbst die mit größeren Kühllufteinlässen und breiteren Reifen bestückten Topversionen kamen immer noch auf hervorragende Werte unter cw 0,30. Der Opel Calibra war der Star der IAA 1989, nur der gleichzeitig präsentierte Zwölfzylinder-BMW 850i erreichte ein ähnlich hohes Publikumsinteresse. Opel inszenierte die Premiere auf perfekte Weise im Stil des Aktuellen Sport-Studios mit Moderator Jörg Wontorra und der jungen Wimbledon-Siegerin Steffi Graf als Stargast. Zur Markteinführung im Sommer 1990 wurden die ersten 1000 Serienexemplare in der Lackfarbe Magma-Rot gleichzeitig an alle Händler übergeben. Fahrzeuge aus dieser Serie sind heutzutage längst hoch gehandelte Classic Cars. Ein Jahr später landete Opel den nächsten Marketing-Coup: Als Trikotsponsor des FC Bayern München ergab sich die Chance, amtierende Fußball-Weltmeister wie Thomas Berthold und ehrgeizige Jungstars wie Bruno Labbadia oder Stefan Effenberg als Botschafter für die sportlichen Talente des Opel Calibra einzusetzen. 

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Rasant unterwegs im Opel Calibra 2.0 16V 4x4

Der Opel Calibra wurde den Ansprüchen zumindest hinsichtlich der erreichbaren Höchstgeschwindigkeit voll und ganz gerecht. Schon die Basisversion des Classic Cars mit kreuzbravem 115-PS-Zweiventiler erreichte über 200 km/h. Der aus dem Kadett GSi für seine außerordentlichen Fähigkeiten bekannte 16V-Motor pushte den Calibra auf über 220 km/h, und der 204 PS starke Calibra Turbo 4x4 lief mit 245 km/h in der Spitze so manchem Porsche davon. Als Vergleichsmaßstab für die Designstudie dient uns eine seltene Serienversion, der nur bis einschließlich 1993 angebotene Calibra 16V mit Allradantrieb. Unter seiner Haube kommt der beste Opel-Motor der Neunzigerjahre zum Einsatz: Der Zweiliter-Vierventiler mit 150 PS hat einen Drehmomentverlauf wie aus dem Lehrbuch und dreht bis 6800/min, ehe der Zentralrechner die Spritzufuhr kappt. Wegen des rund 100 Kilo schweren Allradantriebs begnügt er sich mit 215 km/h Spitze – immer noch reichlich fix für einen Zweiliter-Saugmotor. Die direkte Gegenüberstellung offenbart ein ähnliches Gestaltungsprinzip: Der Opel Calibra trägt die Gesichtszüge des Vectra A, die Elemente sind nur flacher und so geschickt komprimiert angeordnet, dass die Verwandtschaft mit der Limousine kaum auffällt. Sie wird erst offenkundig, wenn man im Calibra Platz genommen hat. Die Sitze, das Armaturenbrett und die Instrumente des Classic Cars sind weitgehend identisch – adäquat für eine Mittelklasse-Limousine, doch alles in allem ein wenig enttäuschend für einen Hochgeschwindigkeits-Sportwagen, obendrein qualitativ bestenfalls durchschnittlich. So sauber der Opel Calibra gezeichnet wurde, so groß war hinterher der Verdruss über schief sitzende Türen und Hauben oder schludrig eingepasste Tasten und Schalter.

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Verschenkte Gelegenheit: das Opel Calibra Cabrio

Dafür überzeugte der Opel Calibra mit einem bemerkenswert guten Raumangebot. Auch wenn Erwachsene im Fond den Kopf einziehen müssen, besitzt der Opel als Viersitzer doch zumindest für kurze Strecken genug Beinfreiheit sowie durch die große Heckklappe eine bemerkenswert hohe Transportkapazität. Das Coupé geriet formal so überzeugend, dass zunächst kaum Interesse an einer Cabrio-Version aufkam. Erst als Konkurrenten wie Audi daran gingen, neue Mittelklasse-Cabrios zu entwerfen, stellte sich auch bei Opel die Frage nach einem offenen Ableger des Opel Calibra. Verschiedene, meist in der Tuning-Branche angesiedelte Firmen wie Piecha, Bieber und Hornstein traten mit Umbauten auf Plan. Mit etwas Verspätung gesellten sich schließlich um 1993 zwei weitere Unternehmen dazu, die auf Massenfertigung und Prototypenbau spezialisiert waren: die finnische Firma Valmet und der kleine Spezialist EDAG aus Fulda. Die Finnen produzierten den Calibra im Lohnauftrag als zweites Werk nach Rüsselsheim und beschäftigten sich überdies mit der Cabrio-Version des Saab 900. Für sie lag es nahe, ein Opel Calibra Cabrio zu entwickeln. Das von EDAG erstellte Calibra Cabrio kam praktisch zeitgleich zur Weiterentwicklung und Grundsatzentscheidung nach Rüsselsheim, und dort steht es heute noch in der Asservatenkammer. Auf den ersten Blick scheint auch das Cabriolet eine verschenkte Gelegenheit eines Classic Cars zu sein. Speziell in der Seitenansicht wirkt es ungleich attraktiver als das Astra F Cabriolet, das den Start der Kooperation zwischen Opel und Bertone markiert. Die gestreckte Grundform des Calibra und das elegant darüber gespannte Stoffverdeck mit sehr flach geneigtem Heckfenster ergeben eine ästhetisch ansprechende Silhouette. Doch ein Blick in den Innenraum genügt, um gleich mehrere triftige Gründe dafür zu entdecken, dass dieses schöne Cabriolet im Prototypenstadium steckengeblieben ist. Der voluminöse Verdeckkasten schränkt die Schulterfreiheit im Fond spürbar ein. EDAG musste neue, schmalere Rücksitze anfertigen, und trotzdem ragt der hintere Rand des Verdeckkastens im Schulterbereich so weit ins Fahrzeuginnere, dass der Sitzkomfort empfindlich gestört wird. Die feststehenden und nicht in die Heckklappe integrierten Rückleuchten reduzieren die Ladeluke des Kofferraums zu einem schmalen "Einwurfschlitz", durch den allenfalls flexible Reisetaschen passen, aber keine formstabilen Gepäckstücke. Um eine halbwegs akzeptable Verwindungssteifigkeit zu erzielen, musste eine massive Querverstrebung zwischen Rücksitzen und Kofferraum installiert werden, die das Ladevolumen geschätzt auf das Niveau eines Golf I Cabriolets reduziert. Unter dem Strich hätte dieses Opel Calibra Cabrio gegen die gleichzeitig realisierten offenen Konkurrenten von Audi, BMW, aber auch im Vergleich zur GM-internen Konkurrenz durch das gelungene Saab 900 Cabriolet nicht bestehen können.

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Darum kam der Opel Calibra II nie

Und was war nun mit dem Opel Calibra II, warum stoppte die Marke ein so vielversprechendes Grunddesign und ließ ein Sport-Coupé in der Tradition des Hauses fallen, das zu Beginn der 2000er-Jahre angesichts der mageren Konkurrenz in diesem Marktsegment große Chancen bekommen hätte, Kund:innen anderer Marken für Opel zu interessieren? Die Wahrheit ist oft profan und meistens zwischen den Zeilen der Controlling-Bilanzen zu finden. Sei es, dass Bertone anbot, das Coupé-Segment zu niedrigeren Kosten zu bedienen, sei es, dass sich im weltweiten GM-Verbund zu wenig Einsatzmöglichkeiten für ein frontgetriebenes Sportcoupé ausmachen ließen. Vielleicht reichten auch schlicht die Budgets und Produktionskapazitäten nicht aus. Über 20 Jahre, nachdem heimlich der Deckel über einem Projekt zugeklappt hatte, das offensichtlich mit viel Herzblut entwickelt und bis zu einer Messestudie vorangetrieben worden war, zeigt Rüsselsheim Größe und holt die Studie des Opel Calibra II für die Classic Cars erstmals ans Licht. Die Beteiligten von damals werden mit einer Träne im Knopfloch, aber auch sehr stolz auf den magma-roten Opel Calibra II blicken. Und wenn er dann auch noch ihren Nachfolgern als Inspirationsquelle dient, war das Projekt doch ein Erfolg!

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Technische Daten des Opel Calibra 2.0 16V 4x4

Classic Cars 06/2019Opel Calibra 2.0 16V 4x4
Zylinder/Ventile pro Zylin.R4/4
Hubraum1998 cm³
Leistung110 kW/150 PS
Max. Gesamtdrehmoment bei196 Nm 4800/min
GetriebeFünfgang-Getriebe
AntriebAllradantrieb
L/B/H (mm)4492/1688/1320
Leergewicht1310 kg
Bauzeit1990-1993
Stückzahlca. 240.000 (alle Opel Calibra)
Beschleunigung0 auf 100 km/h in 8,5 s
Höchstgeschwindigkeit215 km/h
Verbrauch8,1 l/100 km
Grundpreis (Jahr)44.215 Mark (1990)

Karsten Rehmann Karsten Rehmann
Unser Fazit

Opel ging in den 1990ern durch eine harte Phase. Die strategischen Diskrepanzen zwischen der ambitionierten Rüsselsheimer Traditionsmarke und der damals pragmatisch auf Globalisierung setzenden GM-Konzernspitze ließen sich kaum noch verbergen. Jedem Mittelweg haftete der Geruch eines faulen Kompromisses an. Das Ergebnis war eine Produktpalette mit wenigen voll überzeugenden Modellen und vielen belanglosen Mitläufern. Es führte zur Aufgabe der prestigeträchtigen Märkte für Calibra, Omega und Senator zugunsten hart umkämpfter Volumensegmente. Charaktertypen wie der Calibra werden seitdem schmerzlich vermisst. 

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