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Nissan Leaf: Elektroauto-Reportage Energie gibt es genug

von Michael Godde 21.02.2019
Inhalt
  1. Elektroauto-Reportage mit dem Nissan Leaf
  2. Strom für Millionen Kilometer verpuffen im deutschen Netz
  3. Nissan-Leaf-Batterien versorgen Arena in Amsterdam

Zu viel Energie wird nicht genutzt, weil die passenden Speichermedien fehlen. Der Nissan Leaf könnte hier aushelfen, wie unsere Elektroauto-Reportage zeigt!

Die Energiewende ist bereits vor der Elektroauto-Reportage und dem Nissan Leaf beschlossene Sache. Dennoch tritt die Politik bei der Umsetzung auf der Stelle. Genehmigungen für neue Stromtrassen von Nord nach Süd verstauben in den Amtsstuben. Und die Schuldigen sind immer die anderen. Fakt ist: Es müssen Lösungen her. Denn ohne die Neugestaltung der Energieerzeugung und der Versorgungswege wird die Energiewende stecken bleiben. Auch die E-Mobilität ist mit dem Zuwachs an erneuerbaren Energien eng verbunden. Die Natur steht jedenfalls bereit, um uns mit Strom zu versorgen. Wir müssen ihn nur "ernten" und effektiv lagern. Schon 2017 erarbeitete sich die Windenergie mit einem Anteil von 18,8 Prozent am deutschen Strommix Platz zwei als Energieträger. Auf Rang eins rangiert in Deutschland immer noch die Braunkohle (22,5 Prozent). Steinkohle, Erdgas und andere Energieträger bilden den Rest. Mehr zum Thema: Tipps für den E-Auto-Kauf

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Der Nissan Leaf im Video:

 
 

Elektroauto-Reportage mit dem Nissan Leaf

Aber trotzdem weht durch den sogenannten Redispatch zu viel Energie ungenutzt über unsere Köpfe hinweg. Redispatch bedeutet, dass in erster Linie bei Netzüberlastungen Kraftwerke zur Netzstabilisierung abgeschaltet werden. Und da es leichter und kostengünstiger ist, Windkraftanlagen einfach auszuschalten, statt Kraftwerke mit fossilen Energieträgern herunterzufahren, trifft es bei Netzüberlastungen zuerst die Windanlagen – auch weil die überschüssige Energie schlicht nicht gespeichert werden kann. Mit der 2017 durch Abschaltung nicht genutzten Energiemenge hätte man rund 275 Millionen Kilometer elektrisch fahren können – eine Menge Energie und Geld, was hier verpufft. Wir haben uns von den Windparks an der Nordseeküste mit einem Nissan Leaf entlang der Stromtrassen des Netzbetreibers Tennet nach Süden aufgemacht, um eine Lösung für das Problem zu erfahren. Denn Nissan, Tennet und The Mobility House, ein Anbieter für Energiespeicherlösungen speziell für die Elektromobilität, denken bereits in Lösungen statt in Problemen festzustecken. Der Leaf ist auf unserer Tour der Hauptdarsteller, oder besser gesagt sein Akku. Dieser ist im Gegensatz zu den Akkus anderer Marken dafür ausgelegt, sowohl Energie aus dem Netz zu speichern als auch Energie wieder ins Netz abzugeben. Dieses bidirektionale Laden macht den Leaf in Zeiten starker Stromerzeugung und Nachfrage zum perfekten Pufferspeicher. Bei dieser intelligenten Einbindung von Elektrofahrzeugen in das Stromnetz (Vehicle-to-Grid) sollen Fahrzeug-Besitzer einen Teil der Akku-Kapazität vermieten. Schon wenn nur 100 Leaf-Besitzer nur zehn kWh der Batteriekapazität bereitstellen würden, könnte man bereits eine Regelleistung von einem Megawatt vorhalten. Die Reichweite der Fahrzeuge würde sich dabei nur geringfügig reduzieren. Bei kommenden Akku- Generationen mit deutlich höherer Ladekapazität würde dieser Anteil noch weniger die Alltagstauglichkeit einschränken. Allein die Kosten für das An- und Abschalten der Kraftwerke beliefen sich 2017 auf 1,4 Milliarden Euro, die natürlich dem Endverbraucher in Rechnung gestellt werden. Da wäre es doch besser, den Besitzern von Elektrofahrzeugen einen Teil dieser Summe für die zur Verfügung gestellte Speicherkapazität in Form einer Art Miete zu zahlen – eine der ersten Subventionen, die die Kosten senken würde und direkt beim Bürger ankäme. Das klingt doch gut. 

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Strom für Millionen Kilometer verpuffen im deutschen Netz

Unser Nissan Leaf hat uns mit ein paar Kilowatt aus seinem Akku durchs norddeutsche Flachland von Wilhelmshaven in den Windpark Holtriem bei Aurich befördert. Hier wird sichtbar Energie produziert: Unzählige Windräder "ernten" Strom. Schon heute kann nur eine der leistungsstärksten Windkraftanlagen allein den Jahresstrombedarf für 3500 deutsche Haushalte erzeugen. Und der Leaf könnte den Strom bei Bedarf zwischenspeichern. Sein aktuell 40 kWh großer Akku reicht bereits, um den Energiebedarf eines Haushalts für fast fünf Tage sicherzustellen – vorausgesetzt, man würde seine volle Kapazität nutzen. Das wäre ideal, um Flauten, Netzüberlastungen oder Nachfragespitzen auszugleichen. Wie das für Deutschland aussehen könnte, will das Trio aus Hersteller, Netzbetreiber und Ladeinfrastrukturanbieter mit einem jetzt startenden Pilotprojekt zeigen. Dabei sollen acht Leaf, verteilt auf Nord- und Süddeutschland, eine solche Netzintegration der Fahrzeug-Akkus simulieren. Aber wie kommt der Strom von hier oben tief in den Süden? Dieser Frage folgend fahren wir entlang der Stromtrassen von Tennet. Unser Ziel ist das Umspannwerk in Wahle bei Braunschweig. Umspannwerke sind die Verteilerstationen auf den deutschen Stromautobahnen. Von hier aus fließt der Strom mit Niederspannung zu den Kunden oder wird mit Höchstspannung weitergeleitet. Hier in Wahle entsteht ein Knotenpunkt, um eine neue Trasse ins Kabelgeflecht über Deutschland einzubinden. Die geplante Höchstspannungsleitung wird die Netzknotenpunkte Wahle in Niedersachsen und Mecklar in der Gemeinde Ludwigsau in Nordhessen miteinander verbinden. Die rund 230 km lange Verbindung erhöht die Übertragungskapazität für Windenergie auf der Nord-Süd-Achse und wird in Zukunft die Versorgungssicherheit und Netzstabilität in Niedersachsen und Nordhessen gewährleisten. Für eine solche Trasse müssen unzählige Masten errichtet werden. Alle 400 Meter werden 18 Meter tiefe Fundamente gegossen, damit die bis zu 96 Meter hohen Stahlgerüste sicher stehen – 600 der stählernen Riesen allein auf dem nur 230 km langen Teilstück. Jeder Mast kostet rund 200.000 Euro. Aber das ist notwendig, um die Energie künftig vom windreichen Norden in den energiehungrigen Süden zu transportieren. Denn in den kommenden Jahren werden immer mehr konventionelle Kraftwerke vom Netz gehen. Ihre Nähe zu energieintensiven Industriestandorten oder großen Städten löst einen immensen Bedarf an leistungsstarken Stromtrassen und flexiblen Speichern aus. Auch die wiederkehrende Frage, was mit den Akkus älterer Fahrzeuge passieren könnte, findet hier eine Antwort. 

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Nissan-Leaf-Batterien versorgen Arena in Amsterdam

So lässt sich der Akku-Pack eines Nissan Leaf in seiner zweiten Lebensphase außerhalb des Fahrzeugs auch stationär verwenden. Das gilt für das Eigenheim ebenso wie für große öffentliche Anlagen oder Industriekomplexe. Die Johan- Cruyff-Arena des Fußball-Giganten Ajax-Amsterdam nutzt bereits 158 Akkus aus dem Leaf, um die Arena mit erneuerbarer Energie zu versorgen. Sie ist Europas größtes Energiespeichersystem für gewerbliche Gebäude. Neue und gebrauchte Leaf-Batterien speichern hier stationär bis zu drei Megawatt Leistung. Unsere Reise auf den Spuren des Stroms endet in der Schaltzentrale von Tennet in Lehrte. Von hier aus werden die Umspannwerke gesteuert, Anlagen hoch- oder heruntergefahren – und der Strom wird verteilt. Auch die Schwarmlogistik kommender mobiler Speicher in E-Fahrzeugen, die über ganz Deutschland verteilt sein werden, soll von hier überwacht werden. Wie groß der Bestand an bidirektionalen E-Fahrzeugen sein muss, lässt sich noch nicht sagen. "Einige hunderttausend E-Mobile müssen es schon sein, um einen Effekt auf das Netz zu haben", erklärt Volker Weinreich, Leiter der Schaltwarte Lehrte (Tennet TSO GmbH). Im ersten Quartal 2019 werden die ersten Ergebnisse des im April gestarteten Projekts vorliegen. Dass die E-Fahrzeuge, wenn sie mit sauberer Energie bewegt werden sollen, nicht nur einen Teil der Energiewende notwendig machen, sondern auch helfen, sie zu ermöglichen, ist zumindest ein guter Anfang. 

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