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Neuer Land Rover Defender (2019): Erste Testfahrt Mit dem neuen Defender über Stock und Stein in Afrika

von Thomas Geiger 27.03.2020

Bei der ersten Testfahrt im neuen Land Rover Defender (2019) müssen die Briten zeigen, was der komplett neu erfundene Defender leisten kann. Die Latte liegt hoch für den modernen Nachfolger des Offroaders.

Die erste Testfahrt mit dem neuen Land Rover Defender (2019) haben uns die Briten in Afrika ermöglicht. Denn nicht nur aus Schottland oder London ist der Land Rover Defender kaum weg zu denken, sondern auch in Kenia, dem Kongo oder in Namibia ist der Urtyp des rustikalen Geländewagens eine feste Größe. Deshalb war es für Land Rover auch keine Frage, wo die Jungfernfahrt stattfinden sollte, bevor er zu Preisen ab 55.600 Euro für die Langversion "110" oder 49.700 Euro für den "90" in den Handel kommt. Land Rover muss zahlreiche Zweifel an der Neuauflage ausräumen. Schließlich haben die Briten es zum ersten Mal seit 70 Jahren nicht bei einer Modellpflege belassen, sondern den Defender von Grund auf neu konzipiert, um ihn fit für die Zukunft zu machen. Dabei ist aus dem rustikalen Hardcore-Offroader ein Hightech-Geländewagen geworden. Auf den ersten Blick macht der Defender dabei den Eindruck, als sei er vom Werkzeug zu einem Spielzeug geworden. Abgerundete Ecken, verspielte LED-Leuchten vorne und hinten und eine eigenwillige Kunststoffkachel in der Fensterfläche an der Seite – keine einzige Linie und erst recht kein einziges Blechteil wurden vom Vorgänger übernommen. Aber spätestens auf den zweiten Blick hat Designchef Gerry McGovern damit einen guten Job gemacht. Denn ohne in die Retro-Falle zu tappen, hat er einen Geländewagen gezeichnet, den man trotzdem auf Anhieb als Defender erkennt. Das liegt daran, dass der neue Land Rover Defender (2019) die gleichen Charaktereigenschaften hat – von den seitlichen Fenstern im Dach über das außen angeschlagene Ersatzrad bis hin zur absolut waagrechten Gürtellinie.

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Der neue Land Rover Defender (2019) im Video:

 
 

Erste Testfahrt mit dem neuen Land Rover Defender (2019)

Innen waren die Designer genauso gründlich und haben den neuen Land Rover Defender (2019) digital fit gemacht. So gibt es zwar weiterhin Haltegriffe, an denen man wahrscheinlich einen Elefanten festbinden könnte, offene Muttern und Schrauben und stabile Verkleidungen. Doch zugleich bauen die Briten erstmals digitale Instrumente ein und ersetzen viele Bedienelemente durch einen großen Touchscreen. Selbst WLAN ist an Bord jetzt verfügbar und der Zündschlüssel wird zum Activity Key, den man als Armband mit zum Joggen oder Schwimmen nehmen kann. Genau wie beim Design ist auch technisch nichts mehr beim Alten geblieben. War der Defender bis dato einer der letzten Geländewagen mit Leiterrahmen und Starrachsen, rückt er nun mit dem Discovery zusammen und leistet sich deshalb ebenfalls eine selbsttragende Karosserie, die weitgehend aus Aluminium gefertigt ist. Dazu gibt es einzeln aufgehängte Räder, einen elektronisch geregelten Allradantrieb und eine Terrain Response Control, wie man sie von den anderen Land Rover-Modellen kennt. Und auf Wunsch ist sogar eine Luftfederung verfügbar. Auch der neue Land Rover Defender (2019) will im Gelände weiterkommen als die allermeisten anderen Geländewagen. Dank neuer Elektronik gelingt das nun auch ohne große Erfahrung hinter dem Steuer. Das erweiterte Terrain Response System und ein Heer von Kameras, die den Wagen aus allen erdenklichen Perspektiven zeigen und selbst die Motorhaube oder das Bodenblech heraus retuschieren, machen Offroad-Abenteuer zum Kindeerspiel. Auf der Testfahrt wird klar: Egal ob meterhohe Sanddünen, schlammige Buschpisten, überschwemmte Furten oder steinige Gebirgspässe – viel mehr als den kleinen Finger und den großen Zeh braucht man nicht, um den neuen Land Rover Defender (2019) zu beherrschen – und gehöriges Zutrauen in die Elektronik, die den Rest schon richten wird.

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Neuer Land Rover Defender (2019) fährt komfortabel

Bei der ersten Testfahrt auf der Straße zeigt sich der neue Land Rover Defender (2019) von einer ganz neuen Seite: Dort entpuppt sich der Land Rover als überraschend komfortabler, leichtgängiger und familienfreundlicher Geländewagen und stempelt den ebenso lauten, wie lahmen und vor allem ungehobelten Vorgänger gar vollends zum Oldtimer. Flüsterleise und butterweich gibt er den gemütlichen Giganten, mit dem man endlos dem Horizont entgegen rollen könnte. Treibende Kraft dabei sind die neuen Ingenium-Motoren, die Land Rover erst mit Mild- und später sogar mit Plugin-Hybrid-Technik ausrüstet: Ein 2,0-Liter-Diesel mit 200 oder 240 PS, ein 2,0-Liter-Benziner mit 300 PS oder ein Reihensechszylinder mit drei Litern Hubraum und 400 PS. Damit sind Geschwindigkeiten möglich, von denen Defender-Fahrer bislang nur träumen konnten. Mit den optionalen 22-Zoll-Felgen knackt das Topmodell des neuen Land Rover Defender (2019) erstmals die magische 200er-Marke und erreicht 208 km/h. Angeboten wird der neu aufgelegte Klassiker dabei wie bislang in zwei Formaten als 110er mit fünf Türen und 5,02 Metern Länge oder mit ein paar Monaten Zeitversatz für einen Abschlag von 5900 Euro als 90er. Der ist etwa einen halben Meter kürzer und hat dann nur drei Türen. Für beide Versionen allerdings gibt es auf Wunsch eine dritte Sitzreihe im bis zu 2380 Liter großen Kofferraum und einen Klappsitz auf dem Mitteltunnel in der ersten Reihe, so dass bis zu acht Personen ins Auto passen. Wobei das eher eine theoretische Vorstellung ist. Denn man muss sich schon sehr gerne haben, wenn man vorne als Trio sitzen will. Und jenseits des Grundschulalters wird es vor allem für den in der Mitte wirklich unbequem, erst recht, wenn es mit dem neuen Land Rover Defender (2019) über Stock und Stein geht.

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Unser Fazit

Man kann den Briten beim neuen Land Rover Defender (2019) viele Vorwürfe machen – allen voran, dass sie sich bei der Nachfolgeplanung so viel Zeit gelassen haben. Doch was man ihnen nicht vorwerfen kann,  ist eine aus der Treue zum Original geborene Angst vor der Veränderung. Vor allem Designchef Gerry McGovern macht keinen Hehl daraus, dass er sich keine Fesseln anlegen lassen und deshalb einen neuen Defender für eine neue Ära zeichnen wollte. Dass dieser sich weiter vom Original entfernt, als viele erwartet haben, kompensieren die Briten mit einem einfachen Trick: Um alle Zweifel im Keim zu ersticken, schreiben sie gleich ein Dutzend Mal "Defender" aufs Blech.

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