Alle Tests zum Land Rover Defender

Neuer Land Rover Defender (2019): Testfahrt Der neue Defender im Check

von AUTO ZEITUNG 29.10.2020
Inhalt
  1. Erste Testfahrt mit dem neuen Land Rover Defender (2019)
  2. Neuer Land Rover Defender (2019) fährt komfortabel
  3. Erste Testfahrt mit dem neuen Land Rover Defender 90 (2020)
  4. Neuer Land Rover Defender 90 (2020) in Extremsituationen noch besser

Land Rover erfindet die Offroad-Ikone Defender nach über 70 Jahren neu – modern, komfortabel, edel. Trotzdem soll der neue Land Rover Defender (2019) nach wie vor Maßstab im Gelände sein. Ob das gelingen kann, haben wir bei der ersten Testfahrt ausprobiert.

Der Defender ist da, um benutzt zu werden – in unserem Falle der neue Land Rover Defender (2019) zur ersten Testfahrt. Den Zweck des britischen Offroad-Königs prägte aber vor allem der Vorgänger, der 68 Jahre lang durch sein Revier abseits befestigter Wege wühlte, kraxelte, schleppte und schnaufte, aber nie Nutzfahrzeug allein, sondern auch Personen- und Tiertransporter war. Zwar hinkte der insgesamt über zwei Millionen Mal gebaute Defender in Sachen Sicherheit, Komfort und Elektronik zuletzt Jahrzehnte hinterher. Allerdings war er zum wertstabilen Lifestyle-Objekt gereift. Und so ist es kein Wunder, dass es einen Nachfolger geben musste – einen, der Nutzen und Lifestyle vereint und gleichzeitig topmodern ist. Voilà: der neue Defender, Codename L663. Leiterrahmen und Starrachsen sind passé, anno 2020 hat der Defender eine selbsttragende Alu-Karosserie. Die D7x genannte Konstruktion ist extrem steif, um hohe Belastungen ohne Schäden zu verkraften – zum Beispiel bei starken Fahrwerks-Verschränkungen oder Arbeiten mit der optionalen Seilwinde. Im Angebot ist der neue Land Rover Defender (2019) wieder als Dreitürer (90) und als Fünftürer 110, der ab sofort beim Händler steht und den wir auf einer ersten Testfahrt erproben konnten.

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Der Land Rover Defender (2019) im Video:

 
 

Erste Testfahrt mit dem neuen Land Rover Defender (2019)

Der erste Eindruck vom neuen Land Rover Defender (2019)? Gewaltig. Gut fünf Meter Gesamtlänge inklusive Reserverad an der rechts angeschlagenen Kofferraumtür, über drei Meter Radstand und rund zwei Meter Höhe machen Eindruck. Doch die kastig-kantige Schrankwandform ist mit einem cW-Wert von nur 0,38 (Vorgänger 0,68) windschlüpfiger, als man meint. Innen gibt es nun richtig viel Platz nach allen Seiten. Vorbei sind die Zeiten, als die Türinnenverkleidung gegen Oberarm und Bein drückte. Außerdem passt das Raumgefühl dank großer Fensterflächen und kleiner Scheiben in den Dachkanten hinten – eine Reminiszenz an den alten Defender. Die Stoffpolster des Testwagens bieten zwar nicht besonders viel Seitenhalt, sind aber bequem. Hinten hat man massig Beinraum und Luft über dem Kopf, außerdem ist die Bank leicht angeschrägt, sodass die Beinauflage gut nutzbar ist. Ein Abteil weiter stehen mindestens 857 Liter Gepäckvolumen zur Verfügung. Klappt man die Rücksitzlehnen um, sind es sogar knapp zwei Kubikmeter Stauraum – es sei denn, man ordert zwei zusätzliche Plätze (1326 Euro). Praktisch: Fast der gesamte Innenraum des neuen Land Rover Defender (2019) ist mit meist gummierten, abwaschbaren Oberflächen ausgekleidet. Praktisch ist auch, dass es Ablagen, Fächer sowie Stromanschlüsse für USB- oder Zwölf-Volt-Stecker vorn und hinten im Überfluss gibt und man einige Funktionen erfreulicherweise noch analog bedienen kann. Dreh- und Angelpunkt dafür ist die kleine Konsole mit integriertem Getriebe-Wählhebel sowie Tasten und Reglern für Klima, Fahrprogramme und Fahrwerk, deren beleuchtete Beschriftung man bei direkter Sonneneinstrahlung jedoch nicht gut ablesen kann, wie wir bei der ersten Testfahrt feststellen. Darüber sitzt ein 10,0-Zoll-Touchscreen mit serienmäßigem Navi, Online-Funktionen wie Software-Updates und Digitalradio. Über den Screen kann man auch die optionalen Außen-Kameras steuern, die nicht nur im Gelände bei der Orientierung unterstützen. Auch mit den digitalen Rundinstrumenten hinter dem großen Lenkrad ist der Defender in der Neuzeit angekommen.

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Neuer Land Rover Defender (2019) fährt komfortabel

Per Knopfdruck startet der Zweiliter-Biturbodiesel des neuen Land Rover Defender (2019), der von außen noch nach echtem Selbstzünder klingt, die Passagiere bei der ersten Testfahrt aber selbst unter hoher Last mit kultiviertem Lauf überzeugt, statt nervig zu nageln. Die Maschine bietet 240 PS und 430 Newtonmeter Drehmoment, passt perfekt zum weit über 2,3 Tonnen schweren Defender und beschleunigt ihn souverän. In Kombination mit Luftfederfahrwerk, ruhig schaltender Achtstufen-Automatik, 85-Liter-Tank und effektiver Geräuschisolierung wird der Offroader so zum kompetenten  Kilometerfresser mit gutem Geradeauslauf. Doch der nun noch vornehmere Brite kann auch anders – nach wie vor. Denn laut Land Rover war das Ziel, den Neuen nicht nur für die Ansprüche von heute fit zu machen, sondern die besonderen Eigenschaften des Alten zu erhalten. Also bekam L663 ein zweistufiges Verteilergetriebe mit Untersetzung für extra steile Hänge und Rampen. Zwei Differenzialsperren (hinten optional) sorgen für eine schnelle und sinnvolle Kraftverteilung sowie beste Traktion. Man hat das Gefühl, nur noch das richtige Knöpfchen drücken zu müssen, den Rest erledigt die fein abgestimmte Regelelektronik von selbst. Allerdings gehört im Gelände immer noch eine Portion Mut dazu: Man muss wissen, dass der neue Land Rover Defender (2019) viel mehr kann, als man ihm eigentlich zutraut. Das war damals schon so – und das ist heute nicht anders.

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Erste Testfahrt mit dem neuen Land Rover Defender 90 (2020)

Nach dem langen Defender ist mittlerweile auch die kurze Version, der Land Rover Defender 90 (2020), bestellbar und steht zu einer ersten Testfahrt bereit. Um zwei Türen beraubt, in Radstand und Länge um 44 Zentimeter gekürzt und jetzt nur noch 4,32 Meter lang, ist er nun rund 5500 Euro billiger und startet deshalb bei 48.740 Euro. Er ist handlicher, hat die bessere Geometrie im Gelände, wiegt ein bisschen weniger und kommt so noch besser durch dick und dünn. Dank seiner gestutzten Proportionen sieht er obendrein noch bulliger aus. Verschlammte Waldpfade hinauf auf die Hügel hinter dem Schloss, über regennasse Wiesen wieder hinunter, durchs Unterholz oder durch Schlammlöcher – rund um Eastnore Castle macht der Defender auf Hardcore und stoppt vor keinem Hindernis. Wo man dafür früher hart arbeiten musste und viel Erfahrung brauchte, wird dank der Elektronik nun jeder Laie zum Profi in der Pampa: Das erweiterte Terrain Response System und ein Heer von Kameras, die den Wagen aus allen erdenklichen Perspektiven zeigen und selbst die Motorhaube oder das Bodenblech aus dem Bild retuschieren, machen das Offroad-Abenteuer zum Kinderspiel. Viel mehr als den kleinen Finger und den großen Zeh braucht man nicht, um den neuen Land Rover Defender 90 (2020) während der ersten Testfahrt durch dick und dünn zu bringen – und gehöriges Zutrauen in die Elektronik, die den Rest schon richten wird.

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Neuer Land Rover Defender 90 (2020) in Extremsituationen noch besser

Dass der neue Land Rover Defender 90 (2020) mit Stahl statt Luft gefedert ist, nicht auf Knopfdruck die Stelzen ausfährt und deshalb bisweilen über den Schlamm schleift, ficht den Fahrer nicht an: So stabil, wie der Defender gebaut ist, bekommt nur der Erdboden Schleifspuren, nicht das Blech. Während einem die erste Testfahrt durch grobes Gelände noch verdächtig vertraut vorkommt, zeigt sich der Defender jetzt auf der Straße von einer ganz neuen Seite: Dort entpuppt sich der Land Rover als überraschend komfortabler, leichtgängiger und auch familienfreundlicher Geländewagen und stempelt den ebenso lauten wie lahmen und vor allem ungehobelten Vorgänger gar vollends zum Oldtimer. Flüsterleise, butterweich und sanft gibt er den gemütlichen Giganten, mit dem man endlos dem Horizont entgegenrollen könnte. Außerdem sind nun Geschwindigkeiten möglich, von denen Defender-Fahrer bislang nur träumen konnten. Mit den optionalen, 22 Zoll großen Felgen soll das 400 PS starke Topmodell erstmals die magische Marke von 200 km/h knacken. Die Vorteile im Gelände erkauft sich der neue Land Rover Defender 90 (2020) mit weniger Platz, selbst wenn die Briten – einem Mittelsitz vorn sei Dank – bis zu sechs Personen in die zwei Sitzreihen quetschen. Auch das Kofferraum-Volumen schrumpft von 972 bis 2277 auf 397 bis 1563 Liter.

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Unser Fazit

Der neue Land Rover Defender (2019) ist cool, komfortabel, im Gelände kompetent und schon jetzt ein echtes Kultobjekt. Noch immer kann er ackern und arbeiten, wie die erste Testfahrt mit dem Fünftürer 110 zeigt, bietet jetzt aber auch reichlich Platz und spult selbst lange Asphalt-Etappen ganz locker ab. Doch auch die kompakteren Abmessungen tun dem Defender 90 gegenüber dem langen Defender 110 richtig gut. Optisch sieht er bulliger aus, er ist handlicher, und im Gelände kommt er in extremen Situationen noch weiter. Dafür muss man allerdings auf den Komfort der vier Türen und das üppige Platzangebot sowohl im Innen- als auch im Kofferraum verzichten. Wer das nicht braucht, ist mit dem Defender 90 bestens bedient.

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