Einzeltest

Morgan Supersport im Test: Zeitloses Roadster-Vergnügen

Restomod-Optik, Sechszylinder-Turbo mit 340 PS (250 kW) und spleenige Details ergeben eine furiose Neuinterpretation des klassischen Roadsters. Wir sind den alt-neuen Briten gefahren.

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Morgan Supersport im Test, fahrend fotografiert von der Seite.
Der Morgan Supersport ersetzt den Plus 6 und unterscheidet sich optisch nur in Nuancen von seinem Vorgänger. Foto: Frank Ratering
Morgan Supersport im Test, fahrend fotografiert von hinten.
Der leichte Brite ist für die Landstraße gebaut. Foto: Frank Ratering
Cockpit des Morgan Supersport im Test, fotografiert von links hinten.
Das enge Cockpit vereint klassische Uhren und eine dezent integrierte Digitalanzeige. Foto: Frank Ratering
Schalthebel und Ladeschale des Morgan Supersport im Test, fotografiert von hinten rechts.
Der Wählhebel der Automatik stammt erkennbar von BMW. Die Ladeschale fürs Handy ist eine Konzession an die Moderne, aber sehr praktisch. Foto: Frank Ratering
Tester mit dem Verdeck des Morgan Supersport im Test, fotografiert von der Seite.
Das Stoffverdeck aus Mohair wird nach alter Sitte mit der Hand bedient. Foto: Frank Ratering
Kofferraum des Morgan Supersport im Test mit Taschen für Seitenfenster, fotografiert von schräg oben.
Die Steckscheiben aus Acryl demontiert man am besten direkt und verstaut sie im Kofferraum. Foto: Frank Ratering
Motor des Morgan Supersport im Test, fotografiert von schräg oben.
Unter dem Morgan-Logo versteckt sich ein B58 aus dem BMW-Regal, der es hier auf 340 PS (250 kW) bringt. Foto: Frank Ratering
Morgan Supersport im Test, fahrend fotografiert von schräg oben.
Ungewohnte Perspektive: einmaliger Blick über die lange Haube. Foto: Frank Ratering
Morgan Supersport im Test, fahrend fotografiert von vorne.
Die Außenspiegel sind stilsicher, klappen aber bei 150 km/h automatisch weg. Foto: Frank Ratering

Der Morgan Supersport vermischt alte Form und neuen Inhalt

Egal, wo der Morgan Supersport auftaucht, sorgt er für Begeisterung: Passant:innen drehen sich nach ihm um, lächeln und recken die Daumen, sogar Motorradfahrer:innen grüßen – und an der Tankstelle beginnt garantiert sofort irgendjemand ein Gespräch. Der kauzige Brite fällt auf, und sein unkonventionelles Konzept, seine traditionsreiche Geschichte sowie das unvergleichlich intensive Fahrerlebnis öffnen die Herzen wahrer Autofans.

Dabei böte er reichlich Angriffspunkte für Kritik: Das Stoffverdeck schließt nicht wirklich dicht, sodass der Fahrtwind bereits bei Stadttempo vernehmlich pfeift und es bei höherem Tempo im Cockpit zieht. Hinzu kommt ein ohrenbetäubender Lärm: Unser Messgerät zeigt bei 50 km/h schon 71 dB(A), bei Richtgeschwindigkeit sind es 82! Zudem behindert das aufgespannte Verdeck den Schulterblick beim Spurwechsel. Am besten, man wirft die Stoffmütze lässig nach hinten, schlägt sie in die Schutzhülle ein und entfernt die Steckscheiben auf den Türen. Die Schiebefensterchen aus Acryl-Glas sind ohnehin unpraktisch und rutschen beim Bremsen vor. Die Steckscheiben lassen sich neuerdings ohne Werkzeug entfernen (und einsetzen), doch die Prozedur läuft mitunter ziemlich hakelig, ebenso wie das Schließen des Verdecks.

Morgan Supersport im Video: Fahrbericht des kauzigen Briten

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Video: AUTO ZEITUNG

Wenig Stauraum, eingeschränkter Alltagsnutzen

Die Fenster verstaut man in einer maßgeschneiderten Tasche im Kofferraum, der dann allerdings ziemlich voll ist. Kleine Taschen und Jacken lassen sich hinter die Sitze stopfen, das Handy steckt in einer praktischen Ladestation vor dem Getriebehebel, und sonstige Kleinteile verschwinden im Handschuhfach. Mehr Ablagen oder Staufächer gibt’s nicht. Ferner begrenzen die extrem geringe Bodenfreiheit sowie der überraschend große Wendekreis (l./r.: 11,9/12,4 m) den Alltagsnutzen des Supersport, und die filigranen Außenspiegel kapitulieren ab etwa 150 km/h vor dem Fahrtwind und klappen weg. Ist der Morgan dennoch sein Geld wert? Ja, unbedingt!

Kompromissloses Fahrvergnügen ist das Ziel

Denn die Zielsetzung des Roadsters besteht einzig und allein darin, kompromissloses Fahrvergnügen zu bereiten. Und das gelingt ihm derart überzeugend, dass man all die kleinen Unzulänglichkeiten als spleenige Details abtut, die den Charakter des Supersport nur noch begehrenswerter machen, anstatt zu nerven – von den Spiegeln mal abgesehen. Doch sobald es ums reine Fahren geht, um die immersive Einbindung der Person am Steuer und den Genuss, im offenen Auto über Land zu rollen – oder zu jagen –, dann ist der Morgan in seinem Element und nahezu unschlagbar.

Das verdankt er unter anderem dem torsionssteifen Alu-Chassis, das ein bedingungslos präzises Einlenken ermöglicht und ein Maximum an Rückmeldung bietet. In Kombination mit der extrem tiefen und weit nach hinten verlagerten Sitzposition ergibt sich ein einmaliges Fahrgefühl. Sämtliche Impulse werden spontan und präzise umgesetzt, engagierte Fahrer:innen steuern zudem in engen Ecken mit dem Gaspedal und drücken das Heck – unterstützt vom optionalen Sperrdifferenzial – mit einem kurzen Gasstoß herum. Allein das bereitet eine unbändige Freude.

Der Morgan Supersport ist für die Landstraße gebaut

Das Handling entpuppt sich als mustergültig neutral, die möglichen Kurvengeschwindigkeiten liegen enorm hoch. Doch herzhafte Drifts verlangen gute Reflexe, sonst enden sie wegen des begrenzten Lenkeinschlags in einer ungewollten Pirouette. Die Bremse lässt sich dafür sauber dosieren und hat mit dem nur knapp 1,2 t Leergewicht keine Mühe.

Genauso wenig wie der Dreiliter-Turbo von BMW (B58), der nicht nur sehr sparsam läuft und seidig säuselt, sondern auch schon ab Leerlauf kraftvoll anschiebt und den Supersport bei Bedarf in Windeseile vorwärts treibt: Der Sprint auf 100 km/h dauert nur 3,9 s, Überholmanöver gelingen mühelos. Die Höchstgeschwindigkeit von 255 km/h ist beeindruckend, besonders da der Roadster über 230 km/h trotz aerodynamischer Optimierung sehr leicht wird und nach einer ruhigen Hand verlangt. Sein Revier ist die Landstraße, egal ob man sie lässig entlangsurft oder sich ambitioniert in die Kurven wirft – beides beherrscht der Brite unfassbar gut.

Fazit

Morgan Supersport: ein Auto jenseits aller Konventionen. Objektiv bietet der Zweisitzer wenig Platz und hadert mit etlichen Details. Doch all das ist vergessen, sobald er auf kurvigen Landstraßen sein absolut einzigartiges und wahnsinnig intensives Fahrvergnügen entfacht. Das Handling ist phänomenal, der Antrieb eine einzige Wonne und die Einbindung der Passagiere ins Geschehen unerreicht direkt – pures Roadster-Feeling!

Technische Daten & Messwerte

AUTO ZEITUNG 11/2026

Morgan Supersport

Technik

Motor

R6-Zylinder, Turbo, 4-Ventiler

Hubraum

2998 cm³

Leistung

250 kW / 340 PS bei 6500 U/min

Max. Drehmoment

500 Nm bei 1250 U/min

Antrieb

8-Stufen-Automatik, Hinterrad

Gewicht

Leergewicht (Test)

1189 kg

Zulässiges Gesamtgewicht

1450 kg

Effektive Zuladung

261 kg

Abmessungen

Gesamtmaße (L / B / H)

4110 / 1805 / 1290 mm

Radstand

2520 mm

Kofferraumvolumen

133 l

Fahrleistung

0 – 100 km/h

3,9 s

0 – 200 km/h

14,4 s

Höchstgeschwindigkeit

255 km/h

Bremsweg

100 – 0 km/h (kalt / warm)

33,3 / 32,7 m

50 – 0 km/h / 150 – 0 km/h (kalt)

8,2 / 74,3 m

Verbrauch & Reichweite

WLTP-Verbrauch auf 100 km

7,7 l S

Testverbrauch auf 100 km

7,4 l S

Tankvolumen

41 l

Umwelt & Abgas

Abgasnorm

Euro 6

CO2-Emission

175 g/km

Preis

Grundpreis

128.966 €

Testwagenpreis

128.966 €